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Posts Tagged ‘Geisterfilme’

In Deutschland leider fast noch immer unbekannt, ist Regisseur, Autor und Produzent Larry Fessenden in den USA eine feste Indie-Größe. Seine New Yorker Produktionsfirma Glass Eye Pix hat sich ganz und gar dem Thriller- und Horrorgenre verschworen. Obwohl seine Filme auf diversen Festivals ausgezeichnet wurden und werden, schafften es bisher nur wenige bis nach Deutschland.

Der erste Film, der ein Release in Deutschland erfuhr, war „Wendigo“. Mit geringen Mitteln schuf Fessenden einen überaus ästhetischen Horror-Mystery-Film, der beim Woodstock Filmfestival 2001 den ersten Preis erhielt.

„Wendigo“ erzählt die Geschichte von Kim, George und ihrem acht Jahre alten Sohn Miles, die ein Winterwochenende in dem Landhaus ihres Freundes verbringen möchten, um einmal vom Alltagsstress loszukommen. Doch schon auf dem Weg dorthin geschehen sonderbare Dinge. George überfährt einen Hirsch und löst dadurch einen Streit zwischen einer kleinen Gruppe von Jägern aus, die das Tier gejagt haben. Doch auch im Landhaus scheint nicht alles geheuer. Miles hat unheimliche Alpträume. Irgendetwas scheint in dem Wald zu wohnen, an dessen Rand das Haus steht. Besonders Miles spürt dessen verstörende Gegenwart. Schließlich geraten die Dinge außer Kontrolle …

Von Anfang an ist der Film von einer dichten, unheimlichen und leicht verstörenden Atmosphäre gekennzeichnet. Die unruhige Kamera gleich am Anfang lässt den Konflikt zwischen der Familie und den Jägern wie eine Live-Reportage erscheinen. Zuvor sieht man noch, wie Miles am Rücksitz des Autos mit seinen Plastikfiguren spielt, kurz darauf dann der harte Kontrast zur düsteren Realität, die geprägt ist von der unangenehmen Begegnung mit einer Gruppe Hinterwäldler.

Gleich zu Beginn präsentiert Fessenden eine wundervolle Gruselästhetik; „Wendigo“ (2001); Copyright: Glass Eye Pix

Was man zunächst als eine Art Zitatenschatz auf das Horrorfilmgenre bezeichnen könnte, entwickelt sich dann doch in eine völlig andere Richtung. Denn Fessenden versucht nicht, seinen Film mit Filmzitaten aufzuheitern, sondern erzählt seine eigene, teils autobiographisch geprägte Geschichte, die bespickt ist mit Erinnerungen aus seiner Kindheit.

Dass er sich dabei als ein großartiger Erzähler erweist, zeigt der weitere Verlauf der Geschichte, die von Mal zu Mal unheimlicher und mystischer wird. Im Zentrum steht dabei Miles, der zum ersten Mal aus der Großstadt aufs Land kommt und die Natur als fremdartig und bedrohlich empfindet. Wunderschöne, stark atmosphärische Landschaftsaufnahmen vermitteln dabei den Eindruck einer belebten Natur. So werden das Schwanken der Äste, das Rauschen des Windes oder auch ein fließender Bach zu möglichen Verkörperungen des Wendigo, eines indianischen Naturgeistes, der das Schicksal der Menschen, die ihm ausgesetzt sind, auf schreckliche Weise beeinflussen kann.

So auch Miles und seine Eltern, die immer stärker in den unheimlichen Bann des Wendigo geraten. Miles erfährt von einem Indianer in einem kleinen Touristen-Shop zum ersten Mal von diesem Geist. Seine Eltern halten jedoch alles für pures Geschwätz. Sehr geschickt setzt Fessenden die zunehmende Unsicherheit Miles‘ in geradezu perfekte Bilder um: plötzliche Zeitraffer bei den Naturaufnahmen; Bäume scheinen Gesichter zu haben; Traumsequenzen vermischen sich mit der Realität; weite, düstere Landschaftsaufnahmen. Ein genialer Soundtrack mit Songs des New Yorker Musikers Tom Lavarack untermalen die Bilder und geben ihnen eine zusätzliche mystisch-unheimliche Note.

„Wendigo“ ist ein wundervoll inszenierter, stark ästhetischer Gruselfilm, der in Deutschland leider nie richtig wahrgenommen wurde. Während es in den USA bereits Werkeditionen Larry Fessendens gibt, sucht man hier seine Filme beinahe vergeblich. Schade, denn Fessenden gehört zu den sicherlich interessantesten Regisseuren im Horror- und Thrillergenre.

Wendigo, Regie u. Drehbuch: Larry Fessenden, Produktion: Jeff Levy-Hinte, Darsteller: Patricia Clarkson, Jake Weber, John Speredakos, Erik Per Sullivan. USA 2001, 88 Min.

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Die junge Amerikanerin Lisa Reiner verläuft sich in einem Labyrinth aus kleinen Straßen und Gassen in einer spanischen Kleinstadt. Schließlich gelangt sie zu einer seltsamen Villa, in der eine Gräfin, ihr Sohn und ein Butler wohnen. Der Sohn ist davon überzeugt, in Lisa die Reinkarnation seiner verstorbenen Frau zu sehen. Der Butler schleppt stets eine eigenartige Puppe mit sich herum. Auch die alte Gräfin scheint irgendwie nicht ganz in Ordnung zu sein. Auf Lisa wartet eine Nacht voller Schrecken und Alpträume…

Mit seinem Werk „Lisa und der Teufel“ kommt Bava dem Traumhaften so nahe wie in keinem anderen seiner Filme. „Lisa e il Diavolo“, so der Originaltitel, ist ein Film, der im Grunde genommen keine Geschichte erzählt, sondern eine Ansammlung an surrealen Elementen ist.

Lisa verliert sich immer mehr in einem Labyrinth aus seltsamen Geschehnissen, für die sie keine Erklärung findet. In dem Butler glaubt sie das Ebenbild des Teufels zu erkennen, das sie auf einem merkwürdigen Gemälde in einer Kirche gesehen hat. Sie wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, der einer menschengroßen Puppe sehr ähnlich sieht. Zugleich liegt ein tiefer Schatten über der Verträumtheit der Villa, der die düstere Atmosphäre dieses Ortes widerspiegelt. „Lisa und der Teufel“ lässt sich mit Filmen wie Jess Francos „Eugenie“ oder Jean Rollins „The Naked Vampire“ vergleichen, die ungefähr im selben Zeitraum entstanden. Aber auch „Tanz der toten Seelen“ von Herk Harvey aus dem Jahr 1962 scheint dem Film Pate gestanden zu haben, zumindest zitiert Bava vor allem am Anfang und im Finale eben diesen Klassiker.

Lisa (Elke Sommer) findet die unheimliche Puppensammlung; „Lisa und der Teufel“ (1972); Copyright: e-m-s

Bei „Lisa und der Teufel“ liegt der Fokus nicht auf einer zu erzählenden Geschichte, sondern auf einer Aneinanderreihung von surrealen Begebenheiten. In dem Film ging Bava voll in seinem Sinn fürs Schauerliche, in seiner Liebe zum Surrealen und in seiner Ästhetik auf. Das Problem jedoch war, dass damals kein Verleih diesen Film haben wollte. Produzent Alfredo Leone drehte auf rasche und völlig unprofessionelle Weise zusätzliche Szenen, die mit Bavas Werk gar nichts mehr zu tun hatten, sondern ihm einen Touch von „Der Exorzist“ verliehen, da die Vertriebe damals Filme dieser Art besser vermarkten konnten. Die veränderte Fassung kam letztendlich auch in die Kinos. Bavas ursprüngliches Werk jedoch wurde damals nie aufgeführt. Erst zu Beginn der 2000er wurde die von Bava gedrehte ursprüngliche Fassung restauriert und veröffentlicht.

Als Regieassistent agierte übrigens sein Sohn Lamberto Bava, der sich in den 80er Jahren einen Namen durch die „Demons“-Trilogie machte. Bavas Filme sind hervorragende Beispiele für die Ästhetik des Grauens und beeinflussen bis heute das Genrekino. Der Einfluss von Mario Bava ist sogar im koreanischen Horrorgenre zu bemerken. Filme wie „A Tale of Two Sisters“ oder „Wishing Stairs“ sprechen eindeutig eine bavasche Sprache. So gesehen könnte man durchaus behaupten, dass Mario Bava nicht nur der Vater des modernen italienischen Horrorfilms ist, sondern des modernen Horrorfilms überhaupt.

Lisa und der Teufel (OT: Lisa el i Diavolo), Regie: Mario Bava, Drehbuch: Mario Bava, Alfredo Leone, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Telly Savalas, Silva Koscina, Alida Valli, Alessio Orano. Italien/Deutschland/Spanien 1972, 92 Min.

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hausuGlaubt man den Gerüchten, so wollten die Toho-Studios Ende der 70er Jahre Steven Spielberg nacheifern und einen ähnlichen Film wie „Der weiße Hai“ drehen. Das Ergebnis dieser Bemühung war „Hausu“, der 1977 in die japanischen Kinos kam und alles andere als eine Mainstreamproduktion war. Die Produzenten befürchteten, mit „Hausu“ einen Megaflopp zu landen. Ihr Staunen war daher umso größer, als sie feststellten, dass sich der Film zu einem überaus großen Erfolg entwickelte.

Regie führte Nobohiko Obayashi, der die Geschichte um das Spukhaus zusammen mit seiner Tochter entwickelte. Seine Tochter zählte ihm auf, was ihr alles Angst bereitete und diese Ängste arbeitete Obayashi ein in eine Story, die experimentierfreudiger nicht sein könnte. Nachdem das Drehbuch fertig war, galt es zunächst als nicht zu verfilmen. Dennoch erhielt Nobohiko Obayashi grünes Licht.

Es geht um eine Schülerin, die zusammen mit ihren sechs Freundinnen in den Ferien das Haus ihrer Tante besucht. Doch kaum sind sie dort angekommen, als es zu unheimlichen und seltsamen Zwischenfällen kommt.

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Hausu (1977); Coypright: Toho.

Zurecht stellt sich die Frage, was „Hausu“ eigentlich ist. Ist es ein Horrorfilm, ein Märchenfilm, ein Experimentalfilm? Wahrscheinlich irgendwie alles zusammen. „Hausu“ ist eine psychedelische Achterbahnfahrt, ein visueller Rausch, totaler Wahnsinn. Es macht den Eindruck, als habe Obayashi vor Drehbeginn nochmals ein paar Lehrbücher über Montage und Kameranstellungen gelesen. Im Gegensatz zu anderen Regisseuren, pickte er sich nicht die für seinen Film geeigneten Aspekte heraus, sondern verwendete einfach alles. So beinhaltet „Hausu“ so gut wie alle Arten von Ein- und Aus- sowie Überblendungen, Zeitlupe und Zeitraffer, die Bilder laufen vor- und rückwärts, mehr als fünf Minuten lang zeigt Obayashi nur ruckartige Bewegungen, um sich dann wieder in überaus eleganten Kamerafahrten zu ergehen. Hinzu kommt die Filmmusik, die manchal als Musik zum Film, machmal als Musik im Film und manchmal beides zugleich ist, sodass der Zuschauer nahe daran ist, den Verstand zu verlieren.

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Hausu (1977); Copyright: Toho.

Es ist keineswegs falsch, wenn man „Hausu“ auf dieselbe Ebene wie Argentos „Suspiria“ stellt. Beide Filme schwelgen geradezu in filmischer Ästhetik, beides sind Beispiele dafür, dass Horror und Trash eine Form der Kunst darstellen. Beide geizen nicht in ihrer Farbgebung, auch die Grundidee, dass Schülerinnen in einem Haus auf geheimnisvolle Weise ums Leben kommen, ist nicht unähnlich, auch wenn die jeweilige Umsetzung in andere Richtungen geht. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob Argento Obayashis Meisterwerk vor seiner Arbeit an „Suspiria“ gekannt und ihn dieses Werk auf eine gewisse Weise beeinflusst hat. In beiden Filmen wirken die Deathscenes surreal, geradezu (alp)traumartig, wobei Obayashi verstärkt versucht, seinen Effekten einen kindischen Charakter zu verleihen.

„Hausu“ ist vollendete Trash-Ästhetik. Interessanterweise fand der Film erst 2010 seinen Weg in die US-amerikanischen Kinos. In Deutschland wurde die Produktion aus den 70er Jahren 2006 veröffentlicht. Das Motto lautet: Lieber spät, als nie. Denn ansonsten wäre den hiesigen Zuschauern ein absolutes Meisterwerk entgangen.

 

 

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