The 80s: The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (1988)

1988 konnte Regisseur Luc Besson endlich das Projekt realisieren, an dem er 10 Jahre lang hingearbeitet hatte: den Taucherfilm „Le Grand Bleu“. Besson, der früher selbst als Tauchlehrer gearbeitet hatte, erzählt darin die Geschichte der beiden Extremtaucher Jacques Mayol und Enzo Molinari, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und nun gemeinsam an internationalen Tauchwettbewerben teilnehmen.

Der Film entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zum Kultfilm, der allein in Frankreich ein ganzes Jahr lang im Kino lief. Die damalige Version hatte eine Länge von etwa zwei Stunden. Inzwischen allerdings gibt es den Director’s Cut mit einer Länge von etwa 164 Minuten.

„The Big Blue“, so der internationale Verleihtitel, lieferte die Grundlage für die weitere Karriere des Regisseurs, als auch seines Hauptdarstellers Jean Reno. Nur Jean Marc Barr, der den introvertierten Jacques spielt und dafür viel Anerkennung erhielt und damals als erotischter Mann galt, konnte durch den Film seine Karriere nicht wirklich in Schwung bringen. Inzwischen aber ist er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig.

Dem Film merkt man von der ersten Sekunde Luc Bessons Leidenschaft an der Thematik an. Die grandiosen Bilder wirken geradezu berauschend, die ganze Optik des Films ist eine einzige Wucht. Egal, ob auf oder unter dem Wasser, Luc Besson schafft dabei grandiose Bilder, die zwischen hypnotisch und märchenhaft wirken. Und dabei natürlich darf die Farbe Blau nicht unerwähnt bleiben, die in unterschiedlichen Abstufungen fast alle Szenen bestimmt.

Jean Reno und Jean Marc Barr ließen sich bei den grandiosen Tauchszenen keineswegs doubeln, sondern führten diese selbst aus, nachdem sie ein Tauchtraining absolviert hatten. Im Film tauchen beide bis zu 120 Meter tief – in der Realität waren es immerhin 40 Meter. Untermalt werden diese Szenen von der Musik Eric Serras, dessen Synthisizerklänge längst zum Klassiker geworden sind. Die Ouvertüre zu „Im Rausch der Tiefe“ gilt bis heute als einer der prägendsten und faszinierendsten Filmmelodien. Aus welchem Grund auch immer, ersetzte der US-Verleih die Originalmusik durch Musik von Toni Conti. Auch wurde für die US-amerikanischen Kinos das Ende umgeschnitten. Amis brauchen nun einmal ihr Happy End.

„The Big Blue“ gehört nicht nur zu den Klassikern des Kinos der 80er Jahre, sondern ist einer der Filmklassiker schlechthin. Egal, wie oft man ihn bereits gesehen hat, er ist immer wieder faszinierend und beeindruckend, ja, einfach wunderschön.

The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (OT: Le Grand Bleu). Regie, Produktion, Drehbuch: Luc Besson, Darsteller: Jean Reno, Jean Marc Barr, Rosanna Arquette. Frankreich 1988, 164 Min.

 

 

Die Klunkerecke: Eden Log (2007)

Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.