Die Klunkerecke: Franklyn

FranklynCoverWenn man es auf den Punkt bringen möchte, so kann man das Debut des Werbefilmers Gerald McMorrow als einen wahren Augenschmaus bezeichnen. 2008 drehte er den Fantasyfilm „Franklyn“, der in Deutschland den Untertitel „Die Wahrheit hat viele Gesichter“ erhielt. Mit einem Budget von gerade einmal sechs Millionen Pfund gelang ihm ein kleines Meisterwerk, das von positiven Kritiken überhäuft wurde und dennoch floppte. Außerhalb Englands wurde der Film gleich als DVD-Release vermarktet.

Franklyn„Franklyn“ ist eine Mischung aus Phantastik im weitesten Sinne und Großstadtdrama. Die Geschichte wird nicht nur aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt, sondern – und das macht den Film noch komplexer – in zwei verschiedenen Welten. Zum einen in der Riesenstadt Meanwhile City, in der die unterschiedlichsten Religionen nebeneinander leben und wo auch die Anleitungen für die Waschmaschine angebetet wird, und zum anderen im London der Gegenwart.

Franklyn1In Meanwhile City ist Jonathan Preest auf der Suche nach einer Person namens Individuum, um sie umzubringen. Dabei wird er jedoch von den Einheiten des Ministeriums für Religionen gejagt. Der Grund: Preest ist ungläubig, was in Meanwhile City verboten ist.

In London teilt sich die Handlung in drei Ebenen auf. Da ist der Pfarrer Peter Esser, der nach seinem Sohn David sucht, da dieser aus einer Nervenheilanstalt geflohen ist. Die zweite Handlungsebene bezieht sich auf Milo, der bei seiner Hochzeit sitzengelassen wurde und plötzlich auf Sally, eine Freundin aus Kindertagen, trifft. Die letzte Ebene beschäftigt sich mit der Künstlerin Emilia Bryant, deren Kunstwerke von ihrem Professor nicht aktzeptiert werden und die daher versucht, ihren eigenen Tod als Kunstwerk zu kreieren.

Franklyn2Scheint es zunächst so, dass alle Handlungen nichts miteinander zu tun haben, so fließen im Finale des Films sämtliche Handlungstränge zusammen. Die Komplexität der Geschichte wird geradezu vollendet gelöst, Parallelwelt und reale Welt werden eins.

Möglicherweise floppte der Film, da McMorrow kein Fantasy-Action-Spektakel lieferte, sondern einen Vielschichtigen und durchaus tiefgründigen Film, über den der Zuschauer noch lange nach der Sichtung rätseln kann. Durchaus verstörend wirkt dabei zunächst das Filmzitat, mit dem McMorrow das Ende von „Franklyn“ einläutet: Jonathan Preest steht vor dem Eingang eines Wohnhauses und betätigt den Klingelknopf, auf dem der Name Franklyn zu lesen ist. Genau dieselbe Szene findet sich im Finale von „Zeit nach Mitternacht“ (1985), nur steht dort der Name Franklin auf der Klingel. Der Regisseur erklärte diesen Umstand dadurch, da die Parallelwelt ein Sammelsurium aus Erinnerungen an Bücher und Filmen darstellt, welche die eigentliche Hauptfigur konsumiert hat.

Franklyn3„Franklyn“ ist auf jeden Fall immer wieder sehenswert, dank seiner Komplexität und der prachtvollen Bilder gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Wie gesagt, war dem Film leider nicht der Erfolg gegönnt, den er verdient hätte. Gerald McMorrow selbst drehte danach keine weiteren Spielfilme mehr, sondern wandte sich wieder dem Drehen von Werbe- und Videoclips zu.

 

Szenenfotos mit freundlicher Genehmigung von Ascot Elite.