The 80s: Xanadu (1980)

Robert Greenwald ist eigentlich Dokumentarfilmer und erhielt für seiner Arbeiten bisher mehrere Preise. 1980 aber wollte er wohl unbedingt das Genre wechseln und führte Regie bei dem Musical Xanadu. Das Ergebnis: Xanadu gilt bis heute als eines der schlechtesten Musicals der Filmgeschichte. Und noch eine Besonderheit weist die Produktion auf: Während der Film floppte, wurde der Soundtrack von Jeff Lynne und seiner Band ELO weltweit zu einem der größten Erfolge in Sachen Filmmusik.

Xanadu folgt dem typischen Ich-verwirkliche-meinen-Traum-Muster, wobei das Musical in Form einer Fantasy-Geschichte kreiert ist. Es geht um den Künstler Sonny, der Plattencover für Werbezwecke vergrößert und endlich etwas Eigenes auf die Beine stellen möchte. Da trifft er eines Tages auf den Klarinettisten Danny, der davon träumt, ein Tanzlokal zu eröffnen. Beide schließen schnell Freundschaft und versuchen gemeinsam, Dannys Traum zu verwirklichen. Dabei hilft ihnen Kira, eine der Töchter des Zeus, indem sie die beiden immer wieder auf den richtigen Weg bringt.

Floppte Xanadu damals, so gilt er heute als Kultfilm, obwohl die negativen Kritiken auch heute noch ihre Geltung haben. Diese bezogen und beziehen sich nicht nur auf die etwas arg zusammengeklebte Story, sondern auch oder vor allem auf die Tanzsequenzen. In der Tat erscheinen diese irgendwie unbeholfen, so als sei Greenwald damit überfordert gewesen. Auch sein Kameramann Victor Kemper, der für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet wurde, zeigt hier alles andere als sein wahres Können.

Den Tanzszenen fehlt es an Schwung, Kemper ist jedes Mal entweder zu nah am Geschehen dran oder zeigt Totalen, in denen die Choreographie nicht zur Geltung kommt, da keine Einzelheiten mehr zu erkennen sind. Auf diese Weise reißen einen diese Sequenzen nicht mit, sondern wirken eher störend. Besonders macht sich dies im Finale bemerkbar, das man aufgrund der gerade eben genannten Aspekte als Rohrkrepierer bezeichnen muss. Die groß angelegte Massenszene verkommt zu einer Aneinanderreihung kurzer, eigentlich nur skizzierter Tanzeinlagen, die jeweils mittendrin plötzlich abbrechen. Besonders schlimm wird es, wenn Olivia Newton-John mit dem Rücken zur Kamera steht und zwei Seiltänzer beobachtet, während sie singt. Dabei ist von ihr beinahe nur der Hinterkopf am unteren Bildrand zu sehen. Es wirkt also fast schon amateurhaft.

Ein wirkliches Highlight allerdings ist Gene Kelly, der damals mit 68 Jahren seine letzte Filmrolle spielte und dabei eine solche unglaubliche Beweglichkeit an den Tag legte, dass man ihm das Alter überhaupt nicht ansieht. Überhaupt ist es ihm zu verdanken, dass der Film nicht vollständig den Bach heruntergeht. Diese herrliche Leichtigkeit seines Spiels ist überragend und stellt die beiden eigentlichen Hauptdarsteller Olivia Newton-John und Michael Beck fast völlig in den Schatten. Leider sind es wieder Greenwald und Kemper, die aus Kellys grandiosen Stepptanzeinlagen den Schwung nehmen.

2007 wurde Xanadu in Form einer Persiflage auf den Film am Broadway aufgeführt, wo das Stück einen enormen Erfolg feierte.

Xanadu. Regie: Robert Greenwald, Drehbuch: Richard Christian Danus, Marc Red Rubel, Produktion: Lawrence Gordon, Darsteller: Olivia Newton-John, Michael Beck, Gene Kelly. USA 1980, 96 Min.

La La Land (2016)

Anscheinend muss man nur ein Musical drehen und schon heimst man sämtliche Oscars ein. So geschehen jedenfalls bei dem Film „La La Land“ von Regisseur Damien Chazelle. Der Film ging mit einer solchen Euphorie durch die Medien, dass sich die Produktionsfirma praktisch eine Menge Werbekosten einsparte. Bereits vor Veröffentlichung kam es zu einem Hype, der einmal mehr Hollywood hochleben und die Krise als besiegt erscheinen ließ. Das Resultat war für Chazelle mehr als nur gewünscht: Die Produktionskosten von 30 Millionen Dollar erscheinen verschwindend gering gegenüber einem Einspielergebnis von weit über 400 Millionen Dollar.

In der Tat ist „La La Land“ ein sehr gut gemachter Liebesfilm, bei dem vor allem zwei Dinge hervorstechen: die Anfangsszene und die sehr schöne Farbgebung. Auch gelingt es Chazelle, Kitsch gekonnt zu umschiffen und statt dessen die Geschichte angenehm leicht zu erzählen. Was aber nicht bedeutet, dass sich Chazelle von der Realität abwendet. Er bleibt überraschend nüchtern und möchte alles andere als eine Komödie sein. Viel eher verweist er immer wieder auf den Kontrast zwischen traurigem Alltag und Wunschtraum. All das wird ausgefüllt mit den satten und leuchtenden Farben von Technicolor (angelehnt an die 50er Jahe), die die Optik so beherrschen, dass sie beinahe die eigentlichen Hauptdarsteller sind.

Das Problem an „La La Land“ ist allerdings, dass der Regisseur fast sein gesamtes Pulver in der fünfminütigen Tanzszene am Anfang verschießt. Der restliche Film kommt an dieses geniale Opening einfach nicht mehr heran. Allerdings merkt man dies erst im Laufe des Films, denn diese Wucht von einer einzigen Kamerafahrt, die einen in den Film quasi unvermittelt hineinsaugt, hallt noch ziemlich lange nach.

Leider kehrt der restliche Film nicht mehr auf dieses Niveau zurück, was beinahe so wirkt, als habe sich Chazelle in der Hauptsache auf die Anfangssequenz konzentriert und weniger auf das, was danach kommt. Dennoch versucht Chazelle sein Bestes, um die Geschichte von dem Jazzpianisten Sebastian und der Schauspielerin Mia schwungvoll zu erzählen. Zwischendurch droht „La La Land“ ein wenig durchzuhängen, die Story tritt ein wenig auf der Stelle, dann aber kommt schnell wieder mehr Leben in das Ganze und treibt den Film auf das Finale zu.

„La La Land“ ist insgesamt ein durchweg unterhaltsamer Film, dem man die zwei Stunden Laufzeit kein bisschen anmerkt. Der Film macht Spaß, obwohl er durchweg ernst ist, was indirekt auch einen satirischen Blick auf die Gesellschaft wirft. Kurz: sehenswert.

La La Land. Regie u. Drehbuch: Damien Chazelle, Produktion: Fred Berger, Jordan Horowitz, Gary Gilbert, Marc Platt, Darsteller: Ryan Gosling, Emma Stone, John Legend. USA 2016, 128 Min.