The Witch

witchRobert Eggers beschäftigt sich in seinem Debutfilm „The Witch“ mit dem Aberglauben des 17. Jahrhunderts.

Es geht um eine Familie, die aus ihrem Dorf verstoßen wird und nun mitten im Nirgendwo versucht, ein neues Leben zu beginnen. Doch mit dem Ort, an dem sie siedeln, scheint etwas nicht zu stimmen. Alle sonderbaren Anzeichen und Zwischenfälle sprechen dafür, dass eine Hexe ihr Unwesen treibt.

„A New England Folk Tale“ lautet der Untertitel von „The Witch“ und macht damit klar, dass es hier nicht um Torture Porn oder etwas ähnliches geht. Nein, Eggers setzt auf Anspruch und einen hohen Grad an Ästhetik. Doch die eindeutige Stärke des Films liegt darin, dass Eggers versucht, der damaligen Realität so nahe wie möglich zu kommen. Der Regisseur beschäftigte sich sehr intensiv mit dem Alltagsleben, den religiösen Vorstellungen und dem Aberglauben der Menschen des 17. Jahrhunderts. Schon allein dies kreiert ein wenig Unbehagen, war das damalige Weltbild doch nicht wissenschaftlich geprägt wie das unsere, sondern geprägt von Religion und dem Glauben an Hexen und Dämonen, die einem das Leben schwer machen. Daher geht es Eggers auch keineswegs um religiösen Wahn, sondern vielmehr darum, den Zuschauer dazu zu animieren, das Verhalten der Leute zu verstehen zu versuchen.

Eggers Trick hierbei ist, dass er diesen Aspekt seines Films mit den Merkmalen eines Horrorfilms mischt. Denn in die von Aberglauben beherrschte Sichtweise mischt sich plötzlich ein reales Grauen, dass eben diesen Vorstellungen entspricht. Erst dies führt bei der Familie zu heftigen Konflikten, welche vor allem Vater und Mutter in Hysterie und Wahnsinn treiben. Ja, die Zwischenfälle, die sich ereignen, führen sogar dazu, dass die Mutter ihre eigene Tochter als Hexe bezeichnet.

Man merkt dem Film an, dass er von Robert Eggers sehr sorgfältig vorbereitet wurde. Anscheinend ließ man ihm auch freie Hand, sodass er sein Konzept auch eins zu eins umsetzen konnte. Das Grauen bzw. der Horror kommt in „The Witch“ nicht als Schreckgestalt oder als Psycho-Mörder, sondern schleicht sich geradezu heimtückisch in den Alltag der Familie hinein. So bleibt es meistens bei Andeutungen von Geräuschen oder eigenartigen Dingen. Gepaart mit dem Familienkonflikt schafft Eggers dadurch Beklemmung und im gewissen Grade auch Verstörung.

Dennoch kommt der Regisseur nicht umhin, andere Horrorfilme zu zitieren. Das wahnhafte Holzhacken des Vaters erinnert dann doch an „Amityville Horror“, das Verhalten der Zwillinge dürfte von Henry James‘ Novelle „Das Drehen der Schraube“ inspiriert sein (bzw. von der Adaption durch Truman Capote in „Schloss des Schreckens“), nicht weniger die Kussszene, die sich ebenfalls auf ähnliche Weise in „Schloss des Schreckens“ wiederfindet (damals allerdings einen Skandal auslöste).

Was Eggers allerdings weniger gelingt, ist es, den Zuschauer zu gruseln. Gut, der Film ist, wie bereits bemerkt, beklemmend und teilweise verstörend, doch eine Gänsehaut bekommt man nicht. Als eine düstere, mysteriöse Geschichte aber funktioniert der Film zu hundert Prozent.

The Witch. Regie u. Drehbuch: Robert Eggers, Produktion: Rodrigo Teixeira, Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie. USA/Kanada 2015, 89 Min.

 

Star Wars VII – Und?

starwarsJ. J. Abrams wird anscheinend zurzeit gerne dazu benutzt, um Produkte so zu gestalten, dass sie exakt in die Form passen, die von den Produzenten vorgegeben wird. Abrams daher als Visionär zu bezeichnen, ist eher lächerlich. Viel eher ist er in Hollywood jemand, der nicht aneckt, und genau solche Leute hat man dort gerne.

So ist auch aus „Star Wars VII“ genau das geworden, was man von Abrams erwartet: Ein Film, der nicht aneckt. Denn ihm gelingt das, was sich der Konzern Walt Disney erhofft hat: Ein Star Wars-Film, der den Stil der drei Klassiker wieder aufleben lässt. Dies gelang den drei verkorksten Prequels nicht. Während der Produktion ließ Abrams verlautbaren, dass Teil sieben wieder so sein wird wie die Originalfilme. In einer Randbemerkung fügte er hinzu, dass er in der Wüste das Skelett von Jar Jar Binks zeigen würde, der Figur, welche die Fans wohl am meisten genervt hat. Vielleicht hat er es getan, bei der ersten Sichtung haben wir es jedenfalls nicht entdeckt.

Über die Handlung von Abrams‘ Star Wars-Version muss man nicht mehr viel sagen. Folgt man den Kritiken im Internet, so halten sich Begeisterung und Ärger die Waage. Die einen finde es gut, dass Abrams dem Film den Charme der Klassiker verliehen hat, die anderen finden, dass die Handlung zu sehr dem „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 ähnelt.

In der Tat hat man sich für „Star Wars 7“ kein Bein abgebrochen, was die Story betrifft. Diese ist mehr Remake als Sequel. Alles, was der Film zeigt, gab es bereits in den früheren Filmen. Es wird nichts Neues ausprobiert, es kommt zu keinen Überraschungen und während des Finales wird der Film schlicht und ergreifend langweilig, da er zu sehr alles andere kopiert.

„Star Wars 7“ ist ein Beispiel dafür, woran Hollywood zurzeit krankt: an Ideenlosigkeit, an der Angst vor dem Risiko, an dem Glauben, alles zu vereinheitlichen, da man nur so Geld machen kann. Hollywood hat sozusagen den Fordismus auf die Filmwirtschaft übertragen. Jeder Arbeitschritt ist der gleiche und das fertig gestellte Produkt darf sich von allen anderen Produkten nicht unterscheiden. Die großen Studios haben es geschafft, die Frage, ob Film Kunst oder eine bloße Ware ist, für sich beantwortet. Leider.

Berberian Sound Studio – Eine Rezension

berberian sound studioDer Schauspieler Toby Jones ist normalerweise nur in Nebenrollen zu sehen (zuletzt u. a. in „Captain America“). In dem Film „Berberian Sound Studio“ des britischen Regisseurs Peter Strickland darf er nun sein Können als Hauptdarsteller beweisen.

„Berberian Sound Studio“ spielt Mitte der 70er Jahre. Der britische Toningenieur Gilderoy kommt nach Italien, um in einem Tonstudio den Sound für den neuesten Santini-Film zu konzipieren. Was der schüchterne Naturfilmer nicht ahnt, ist, dass es sich bei diesem Film um einen Horrorfilm handelt. Die schmuddelige Atmosphäre des Studios, die exzentrischen Mitarbeiter und nicht zuletzt der Film, für den er passende Geräusche kreieren soll, bringen ihn zunehmend aus dem psychischen Gleichgewicht.

Wenn man den Film mit nur einem Wort beurteilen möchte, dann würde man nur eines schreiben: genial! Peter Strickland gelingt es, Beklemmung, unterschwelligen Humor und den typischen Schmuddeltouch der italienischen Horrorfilme auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Vor allem der letzt genannte Punkt dürfte Fans italienischer Trashfilme erfreuen. Die Geräusche, die angedeutete Handlung sowie die beschriebenen Szenen des Films, den Gilderoy bearbeiten soll, entsprechen eins zu eins den Konzepten der damaligen Produktionen. Hinzu kommen jede Menge Anspielungen auf die großartige Ära des italienischen Horrorfilms. Der schwarze Handschuh fehlt hier ebenso wenig wie die typische Musik.

Für Gilderoy, der mit solchen Filmen bisher nichts zu tun hatte, wird die Arbeit zu einer zunehmenden psychischen Belastung. Zum einen erträgt er die Bilder nicht, zum anderen ist ihm die ganze Umgebung nicht geheuer. Sein Engagement wird zu einem kafkaesken Alptraum. Das Besondere an „Berberian Sound Studio“ ist, dass Strickland das Thema des Films vollkommen auskostet. Wie der Titel schon sagt, geht es um Ton. Aus diesem Grund ist auch der Film, den Gilderoy einen bestimmten Sound geben soll, nicht zu sehen. Der Zuschauer erfährt Informationen darüber nur in den Dialogen zwischen dem Toningenieur und den übrigen Mitarbeitern. Der Rest ergibt sich aus den Geräuschen, den Schreien und der Musik. Dies verstärkt die beklemmende Atmosphäre, die den gesamten Film über aufrechterhalten wird, und sorgt für zum Teil großartigen Nervenkitzel. Das macht „Berberian Sound Studio“ zu einem hervorragenden Thriller.

Berberian Sound Studio, Regie u. Drehbuch: Peter Strickland, Produktion: Mary Burke, Darsteller: Toby Jones, Tomia Sotiropoulou, Antonio Mancino, Guido Adorni, Cosimo Fusco, England/Deutschland 2011, Laufzeit: 89 Min.

Unter Anklage: Der Fall Harry Wörz und die Folgen – Ein Beitrag von Richard Albrecht

Zugegeben: ich kann mich nicht erinnern, seit den Filmen des Regisseurs Eberhard Itzenplitz (1926-2012) http://www.tvspielfilm.de/kino/stars/star/eberhard-itzenplitz,1578629,ApplicationStar.html in Sachen: Sozial- und Justizkritik als große Fernsehunterhaltung einen inhaltlich so authentischen und formal dramaturgisch so überzeugenden Fernsehfilm wie UNTER ANKLAGE gesehen zu haben.

Und auch die anschließende fernsehöffentliche ARD-Diskussion bei „Anne Will“ mit dem Betroffenem und einem seiner Rechtsvertreter ließ sich, mal abgesehen von einem als Landgerichter vorgestellten ganzdeutschen Berufsrichter als Biertischtypen, hören und sehen: http://www.ardmediathek.de/das-erste/anne-will/unschuldig-hinter-gittern-sind-justizirrtuemer-wirklich?documentId=19396334

UNTER ANKLAGE stand zunächst ein seit 1997 Falschverdächtigter – Harry Wörz: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/unter-anklage-der-film-harry-woerz-chronologie-des-realen-falls100.html Wörz wurde im Januar 1998 in einem Indizienprozess vom Landgericht Karlsruhe zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren wegen versuchten Totschlags verurteilt. Weil zudem ein Zivilverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, konnte es, weil Harry Wörz nicht verzweifelte, sondern durchhielt und auch so zäh wie kundig anwaltlich vertreten wurde, zur Wiederaufnahme des Strafverfahrens und nach langen Jahren schließlich zum strafprozessualen Freispruch kommen.

UNTER ANKLAGE steht im Film das Rechts- und Justizsystem, das dieses krasse als „Fehlurteil“ bezeichnete Falschurteil hervorbrachte. Und das nun rumtrixt, um Herrn Wörtz nicht entschädigen zu sollen. Auch deshalb schieb ich am 31. Januar 2014 ins Gästebuch des Betroffenen:

Lieber H. Wörz
gut, daß es diesen guten Film über Ihren „Fall“ gab. Und gar nicht gut, daß Sie Ihrer gewiß nicht üppigen Entschädigung nachlaufen müssen. Auch deshalb kommt von mir als kleine Unterstützung einer großen Sache ein Prozent meines Jänner-Monatsnetto auf Ihr Spendenkonto. Mit solidarischem Gruß, RA.“


Der in Inhalt und Form überzeugende, etwa anderthalbstündige Fernseh(spiel)film UNTER ANKLAGE wurde am 29. April 2014 ab 20:15 Uhr im Ersten ARD gesendet (und bisher am 1. Februar 2014 in EINS FESTIVAL ab 20.15 Uhr wiederholt). Er steht inzwischen ungekürzt hier im Netz:

 

http://www.youtube.com/watch?v=dFk6DgIk2sY

Dr. Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialwissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net e-Korrespondenzadresse eingreifendes.denken@gmx.net

 

 

Sector 7 – Eine Rezension

Angestachelt von dem Erfolg von „The Host“ musste natürlich ein weiterer Monsterfilm her und dies im modischen 3D-Gewand. Durch die Marketingstrategie wurden die Erwartungen an diesen Streifen enorm hochgeschraubt. Und genau darin liegt das Problem. „Sector 7“ konnte die angestachelte Euphorie nicht befriedigen. Die Folge: ein durch und durch enttäuschender Film, der an Einfallslosigkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

„Sector 7“ gelingt es leider nicht, die Erwartungen zu erfüllen.

Der Film spielt auf einer Bohrinsel vor der koreanischen Insel Jeju. Dort findet man zwar nicht genügend Öl, dafür aber eine sonderbare Lebensform, eine Mischung aus Qualle und Urzeitwesen. Normalerweise sind diese Viecher klein und harmlos. Doch wenn sie mit Luft in Berührung kommen, dann ist der Teufel los. Und genau das geschieht auf der Ölplattform. Die Folge: die Mannschaft muss sich plötzlich gegen ein Monster wehren.

Wie gesagt, dem Film gelingt es nicht, die Erwartungen zu befriedigen. dabei wäre es so einfach gewesen, hätten sich Regisseur und Drehbuchautor mehr an Filmen wie „Alien“ und „Event Horizon“ orientiert, welche es vor machen, wie unterhaltsame und spannende Filme sein können. Von alldem ist jedoch nichts zu sehen, obwohl die Story regelrecht danach schreit, sich auf diese beiden „Vorgänger“ zu beziehen. So aber wirkt der Film nicht durchkomponiert, sondern wie ein lustlos zusammengeschusterter Actionfilm, der Dramatik und Spannung mit Kitsch und Lächerlichkeit verwechselt.

Die Szenen, in denen das Monster erst einmal laut brüllt, bevor es los legt, wiederholen sich zu oft und wirken ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch langweilig. Die Bewegungen des Monsters erscheinen teils unbeholfen, so als hätten die Macher sich nicht richtig Gedanken darüber gemacht, wie sich ein solches Ungetüm eigentlich bewegen könnte. Ein weiteres Manko sind die Kulissen, welche fast vollständig aus dem Computer stammen. Handgemachte Bordkulissen hätten dem Film mehr Atmosphäre verliehen. Die teils schlecht gemachte Grafik reicht nur selten über das Niveau eines TV-Films hinaus.

Es ist wirklich schade, dass sich die Produktionsfirma nicht genug Zeit gelassen hat, um aus der Handlung eine handfeste Story zu machen. Die Möglichkeiten wären durchaus da gewesen und der Film hätte dadurch gut werden können. Leider aber wollte man anscheinend schnell auf den 3D-Zug springen und erhoffte sich allein durch dieses Stichwort genug Besucherzahlen an den Kinokassen. Natürlich war der Film 2011 ein Erfolg. Zugleich aber auch ein Beispiel dafür, wie man aus einer guten Grundstruktur einen schlechten Film machen kann.