The 80s: Blade Runner (1982)

blade-runnerInteressanterweise mochten weder Kritiker noch Zuschauer „Blade Runner“, als dieser in die Kinos kam. Noch dazu war der Zeitpunkt für den Release schlecht gewählt. Steven Spielberg verhagelte mit „E.T.“ so ziemlich allen anderen SF-Produktionen den Umsatz. Erst mit der Zeit wurde den Filmkritikern bewusst, was Ridley Scotts Philip K. Dick-Adaption für ein bemerkenswerter Film ist.

„Balde Runner“ spielt im Jahr 2019. Es geht darin um den ehemaligen Polizisten Rick Deckard, der sich auf die Jagd auf Replikanten spezialisiert, sich aber aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Nun bekommt er dennoch einen letzten Auftrag. Sechs Replikanten haben ein Raumschiff gekapert und sind damit auf die Erde geflohen, genauer gesgagt nach Los Angeles. Der Aufenthalt auf der Erde ist den Replikanten strengstens verboten und wird mit dem Tod bestraft. Deckard soll die sechs Replikanten ausfindig machen und ausschalten.

Bei den Replikanten handelt es sich um künstlich erzeugte Menschen mit einer begrenzten Lebensdauer von vier Jahren. Das neueste Modell Nexus 6 hat jedoch ein eigenes Bewusstsein entwickelt, was dazu führt, dass Roy Batty, der Anführer der auf die Erde zurückgekehrten Replikanten, länger leben möchte als nur die voreingestellte Lebensdauer von vier Jahren.

Es geht in „Blade Runner“ daher um mehr, als nur um einen Kriminalfall, den Deckard lösen soll. Dies macht den Film in seiner Thematik ungeheuer komplex und vielschichtig. Diese Komplexität wird zusätzlich dadurch verstärkt, da der Film in manchen Szenen die Frage aufwirft, ob Deckard selbst ebenfalls ein Replikant ist. Dieses Rätsel taucht im Film immer wieder auf. Da ist der mehrdeutige Dialog zwischen Officer Bryant und Deckard, in dem anscheinend auf Deckards eigentliche Identität hingewiesen wird (unterstrichen durch die Origamifigur, die Officer Gaff im Hintergrund faltet, was er immer macht, wenn er einem Replikant begegnet). Gegen Ende des Films sieht man in der Wohnung von J. F. Sebastian, der die Genetik der Replikanten entwirft, eine Einhornfigur (Deckard träumt anscheinend immer wieder von einem Einhorn). Doch dann ist da der Replikant Roy, der in Deckard wiederum einen Menschen sieht. In diesem Sinne ist „Blade Runner“ ein Spiel mit den Identitäten, was sich bei Philip K. Dick beinahe wie ein roter Faden durch sein Werk zieht.

Neben diesen philosophischen, soziologischen und bioethischen Fragen, mit denen sich der Film beschäftigt, ist er zugleich auch ein spannender SF-Krimi im Stil des Film Noir. Harrison Ford als Deckard ist praktisch zu vergleichen mit dem typischen Privatdetektiv der Krimis der 40er Jahre. Um ihn herum tummeln sich allerhand zwielichtige Gestalten. Die Replikantin Rachel ist zu vergleichen mit einer Femme Fatal, in deren Bann Deckard gerät. Die Geschichte spielt zudem in einer unübersichtlichen Großstadt, meistens abends und nachts, um das Spiel mit der Dunkelheit und den Schatten besser gestalten zu können.

All diese Merkmale machen „Blade Runner“ fast schon zu so etwas wie einen Über-Film. Hinzu kommen die wunderbar gestalteten Set-Designs und die Dialoge, denen es gelingt, poetisch, philosophisch und klar gleichzeitig zu sein. Rutger Hauer als Replikant Roy gab hier eindeutig sein Bestes, sollte später jedoch hauptsächlich nur noch in B-Picture mitspielen. Philip K. Dick soll von Ridley Scotts Konzept begeistert gewesen sein. Leider aber erlebte er die Premiere von „Blade Runner“ nicht mehr mit.

Blade Runner. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples, Produktion: Michael Deeley, Darsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos. USA 1982, 117 Min.

The 80s: Society (1989)

societyProduzent und Regisseur Brian Yuzna ist hauptsächlich durch seine irrwitzige Lovecraft-Adaption „Reanimator“ (1984) bekannt. Schon damals bewies er, dass man ihm in Sachen Puppen- und Make Up-Effekte nichts vormachen muss. Dieser gelungenen Achterbahnfahrt setzte Yuzna 1989 mit „Society“ noch eines oben drauf.

Es geht darin um den Schüler Bill Whitney, dem in seiner Familie und seiner Nachbarschaft plötzlich seltsame Dinge auffallen. Seine Schwester soll in die Gesellschaft aufgenommen werden. Ein großer Abend ist geplant. Doch wieso verhalten sich Bills Eltern und seine Schwester auf einmal so anders? Und vor allem, was ist eigentlich die Gesellschaft? Bill möchte hinter das Geheimnis kommen und gerät dabei in Lebensgefahr …

Brian Yuzna arbeitete immer wieder mit dem japanisch-amerikanischen Effektkünstler Screaming Mad George zusammen, der für seine bizarren und außergewöhnlichen Make Up- und Puppeneffekte bekannt ist. In „Society“ durfte er seinen Hang zum Surrealismus mal so richtig ausleben. Kein anderer Film kommt den Transformationen, die in „Society“ gezeigt werden, auch nur im Ansatz nahe. Was Screaming Mad George kreierte, lässt sich im Grunde genommen nicht beschreiben. Es ist geradezu einzigartig. Yuzna sagte später in einem Interview, dass die Transformationsszenen auf seinen eigenen Albträumen basierten.

Doch ist „Society“ kein Film, der allein um der Effekte willen gedreht wurde. Das Gegenteil ist der Fall, denn Brian Yuzna liefert mit diesem Klassiker des Horrorfilms eine bitterböse Satire auf Kapitalismus und Gesellschaft. Habgier und Rücksichtslosigkeit kennzeichnen die „Gesellschaft“ in Yuznas teilweise an das Paranoia-Kino der 50er Jahre angelehnten Film. Und natürlich das sich gegenseitge Anbiedern und Anschleimen, um an seine eigenen Ziele zu kommen. Besonders letzterem hat der Film ein eindeutiges Denkmal gesetzt. Muss man eigentlich erwähnen, dass die FSK-Stelle den Film 1990 indizierte? Es ist erstaunlich, dass vor allem Horrorfilme, deren Sozialkritik eindeutig erkennbar ist, unseren FSKlern ein Dorn im Auge sind. Erst 2010 wurde die Indizierung aufgehoben. Die Kritik, die „Society“ übt, ist, trotz ihrer herrlichen Ironie und des schwarzen Humors, überaus ernst gemeint und heute aktueller denn je, was den Film zeitlos erscheinen lässt.

Society. Regie: Brian Yuzna, Drehbuch: Woody Keith, Rick Frey, Produktion: Paul White, Darsteller: Billy Warlock, Devon Devasques, Evan Richards, Ben Meyerson, Charles Lucia. USA 1989, Laufzeit: 95 Min.

The 80s: Buckaroo Banzai (1984)

buckaroobanzaiWenn ein Film floppt, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei um eine schlechte Produktion handelt. Manche Filme, die zunächst kaum wahrgenommen wurden, entwickeln mit der Zeit eine immer größere Fangemeinde. So auch „Buckaroo Banzai“, der zunächst nur wenig Beachtung fand, inzwischen aber als Kultfilm bezeichnet wird.

Buckaroo Banzai arbeitet als Gehirnchirurg. Doch gleichzeitig ist er auch ein gefeierter Rockstar. Es gibt sogar eine Comicreihe über ihn. Nebenher ist er auch eine Art Tüftler. Eines Tages entwickelt er einen Oszillations-Overthruster, mit dem es möglich ist, in die 8. Dimension zu reisen. Nachdem sein Experiment tatsächlich geglückt ist, wird der verrückte Wissenschaftler Dr. Lizardo auf ihn aufmerksam. Er setzt alles daran, die Erfindung zu stehlen, um damit die Welt zu vernichten. Ihm zur Seite stehen dabei eine Gruppe Außerirdischer, die genau dasselbe vorhaben. Buckaroo Banzai und seine Freunde haben alle Hände voll zu tun, um Dr. Lizardos Plan zu durchkreuzen.

Möchte man den Film als Groteske einstufen, so kommt man „Buckaroo Banzai“ ziemlich nahe, wird ihm mit dieser Bezeichnung aber nicht ganz gerecht. Das schöne ist, dass sich der Film selbst nicht ernst nimmt. Er versucht, eine Reihe abstruser Situationen zu einer einheitlichen Story zu verbinden, was ihm durchaus auch gelingt. Dabei verknüpft er verschiedene Genres miteinander, die von Science Fiction über Superheldenfilm bis hin zur Komödie reichen.

Jede Szene ist bespickt mit einer angenehmen Ironie, die sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass der Regisseur sämtliche Klischees bedient und diese gekonnt durch den Kakao zieht. Dabei sind Ähnlichkeiten zu einem anderen bekannten Superheldenfilm mit dem Titel „Doc Savage“ nicht von der Hand zu weisen. Auch dort wurde das Heldentum gehörig verballhornt. Wie auch „Buckaroo Banzai“ floppte der Film an den Kinokassen. Interessant hierbei ist, dass beide Filme am Ende auf eine Fortsetzung hinweisen, die jedoch nie gedreht wurde.

„Buckaroo Banzai“ kann man ohne weiteres als Klassiker des 80er Jahre Kinos bezeichnen (inklusive obligatorischer Lagerhallenballerei). Es soll ja noch immer Filmkritiker geben, die sich darüber den Kopf zerbrechen, wieso Buckaroo ausgerechnet in die 8. Dimension reist. Im Grunde ist dieser Aspekt völlig egal. Der Film ist dahingehend konzipiert, einfach Spaß zu machen. Und diese Aufgabe erledigt er mit Bravour.

Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension (OT: The Adventures of Buckaroo Banzai across the 8th Dimension), Regie u. Produktion: W. D. Richter, Drehbuch: Earl Mac Rauch, Darsteller: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Llyod. USA  1984, Laufzeit: 103 Min.

The 80s: Blood Diner (1987)

blooddiner1987Als „Blood Diner“ in deutschen Landen zu sehen war, war die Aufregung natürlich groß. Wie kann man nur eine solche Geschmacklosigkeit produzieren? Kurzerhand wurde der Film indiziert. Zum Glück wurde die Indizierung vor wenigen Jahren aufgehoben. Ein Pluspunkt also für unsere FSKler: sie haben den Humor in diesem Film endlich kapiert.

Im englischsprachigen Raum bezeichnete man Horrorfilme, die extrem aneckten, als „Video Nastys“. Die Filme waren hauptsächlich Direct to Video-Produktionen. Auch „Blood Diner“ lief nie in einem Kino, sondern kam direkt in die Regale der Videotheken.

Es geht um die Brüder Michael und George, die die altägyptische Göttin Sheetar zum Leben erwecken möchten. Dazu benötigen sie die Körperteile junger Frauen. Mit der Unterstützung des reanimierten Gehirns ihres verrückten Onkels Anwar verarbeiten sie die Reste ihrer Opfer in kleine Leckereien, was dazu führt, dass ihr vegetarisches Restaurant innerhalb kürzester Zeit unzählige Gäste anzieht. Michael und George planen noch mehr. Denn sie wollen Sheetar während einer riesigen Disco-Party auferstehen lassen.

Jackie Kongs Horrorkomödie gehört wahrscheinlich zu den durchgeknalltesten Filmen, die jemals produziert wurden. „Blood Diner“ steckt voller irrwitziger und abgedrehter Ideen, die wie bei einer Stand-up-Comedy unaufhörlich abgefeuert werden. Die grotesken Gags kennen keine Gnade. Sie veralbern einfach alles. Egal ob es sich um die Restaurantszene handelt, um Veganer- und Vegetarier-Trends, um Erfolg und Leistungsdruck, um die so genannte Spaßgesellschaft oder um den polizeilichen Alltag. Nichts lässt die Regisseurin aus. Ihr Sinn für Humor ist gewürzt mit derben Splattereffekten, die teilweise extrem kurios ausfallen und genau deswegen die Lachmuskeln kitzeln. Natürlich überschreitet Jackie Kong gelegentlich die Grenze zur Geschmacklosigkeit. Doch ist dies gewollt und passt daher zur eigentlichen Handlung. Als ob dies noch nicht genug wäre, setzt Kong im Finale des Films noch eins oben drauf. Disco-Besucher verwandeln sich in menschenfressende Zombies, Chaos bricht aus, und Michael und George haben alle Hände voll mit Göttin Sheetar zu tun.

„Blood Diner“ ist somit eines der besten Beispiele dafür, wenn man jemanden erklären möchte, was eine echte Trash-Granate ist.

Blood Diner – Garantiert geschmacklos (OT: Blood Diner), Regie: Jackie Kong, Drehbuch: Michael Sonye, Produktion: Jimmy Maslon, Jackie Kong, Darsteller: Rick Burks, Carl Crew, Roger Dauer, LaNetta La France. USA 1987, Laufzeit: 85 Min.

The 80s: Elmer (1988)

elmer1988Die Behauptung, dass sich innerhalb des Horrorgenres die wohl obskursten Filme tummeln, ist sicherlich nichts Neues. Doch das ist ja gerade das Schöne daran. Denn im Horrorgenre wird noch immer so etwas wie Kunst fabriziert. Ein Beispiel des grotesken Horrorfilms ist die Horrorkomödie „Elmer“, die 1988 in den Kinos lief. „Elmer“ war nicht das, was man einen Erfolg nennen darf. Doch die Zweitverwertung als Videokassette brachte ihm einen wahren Kultstatus ein.

Regie führte Frank Henenlotter, der bereits durch seinen Film „Basket Case“ innerhalb des Horrorgenres einen großen Bekanntheitsgrad erreichte. Doch auch innerhalb des Bereichs der Filmkritik sowie der Filmwissenschaft ist Henenlotter kein Unbekannter. In „Elmer“ geht es um einen wurmartigen Parasiten, der eben auf den Namen Elmer hört. Sein Lieblingsort ist der Nacken von Menschen, wo er durch eine Art Stachel seinem jeweiligen Wirt eine halluzinogene Flüssigkeit verabreicht. Dies führt zu einer drogenähnlichen Abhängigkeit. Elmer nutzt solche Situationen natürlich aus. Denn ist jemand erst einmal von ihm abhängig, so ist er auch willig, Elmers Lieblingsnahrung zu beschaffen: menschliches Hirn.

In dem Film trifft es den jungen Brian, der sich zusammen mit seinem Bruder eine Wohnung teilt. Durch die Begegnung mit Elmer gerät Brians Leben völlig außer Kontrolle. Denn wegen Elmers Droge ist er nahe daran, die völlige Erleuchtung zu bekommen. Als er jedoch merkt, was er für diesen Rausch tun muss, möchte Brian Elmer wieder loswerden. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan. Denn als Brian Elmer die gewünschte Nahrung verweigert, erhält er auch nicht mehr jene sonderbare Flüssigkeit.

Die Originalfassung von „Elmer“ ist in Deutschland noch immer indiziert. Es existiert hierzulande lediglich eine um knapp eine Minute gekürzte Fassung, da unsere FSKler mal wieder den Humor des Films nicht verstanden haben. Auf jeden Fall ist „Elmer“ eine gelungene Mischung aus schwarzem Humor, böser Ironie und teils recht blutigen Effekten. Elmer ist kein einfaches schleimiges Würmchen, sondern kann sprechen, was zur Folge hat, dass er einen Spruch nach dem anderen raus haut. In einer Szene gibt Elmer sogar ein Ständchen, das im Nachspann des Filmes als „Elmers Tune“ bezeichnet wird.

Frank Henenlotter gelingt es, eine recht fiese Satire auf Drogenkonsum und Spaßgesellschaft zu kreieren. „Elmer“ ist nie wirklich ernst. Stets präsentiert Henenlotter das Grauen mit einem gewissen Augenzwinkern. Irgendwie ähnelt er den frühen Filmen von David Cronenberg, und etwas David Lynch ist auch dabei. Allerdings kommt „Elmer“ nicht mit der Schwere einer düsteren und beklemmenden Vision daher, sondern nimmt das Groteske relativ leicht.

Elmer (OT: Brain Damage), Regie u. Drehbuch: Frank Henenlotter, Produzent: Edgar Ievins, Darsteller: Rick Herbst, Gordon MacDonald, Jennifer Lowry, Theo Barnes, Vicki Darnell. USA 1988, Laufzeit: 81 Min.

The 80s: Ghostbusters (1984)

ghostbusterÜber „Ghostbusters“ muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Der Film zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Komödien der 80er Jahre, sondern ist schlicht und ergreifend ein Klassiker. „Ghostbusters“ ist einer der wenigen Filme, bei denen einfach alles stimmt. Die Pointen sitzen, die Figurenkonstellation ist geradezu perfekt und die Effekte sind heute noch genauso faszinierend wie dazumal.

Allerdings ist „Ghostbusters“ nicht nur eine gelungene Horrorkomödie. Der Film ist zugleich eine Satire auf die US-amerikanische Kultur. Auf der ersten Ebene erzählt „Ghostbusters“ die Geschichte dreier Akademiker, die von der Universität geschmissen werden und nun versuchen müssen, sich in der freien Wirtschaft zu behaupten. Auf der zweiten Ebene lässt Reitman keinen satirischen Seitenhieb aus. Angefangen vom Universitätswesen bis hin zur Stadtpolitik und Behördenwahnsinn lässt es der Film nicht an Spott und Hohn fehlen. Doch interessanterweise zielt der Film immer wieder auf das Essverhalten der US-Amerikaner ab. Der Dämon Zuul, der aus einer anderen Dimension kommt, um die Welt in Besitz zu nehmen, taucht als erstes in einem Kühlschrank auf, in dem sich vor allem Fertigprodukte sowie Coladosen befinden. Einer der Hauptszenen spielt in einem Hotel, wo die Geisterjäger ein ganzes Buffet demolieren, während sie versuchen, einen herumschleimenden Geist zu fangen. Dieser stopft sich voll mit fettigen Würstchen, bevor er schließlich doch noch in die Falle geht. Im Finale, in dem die Gestalt gewählt werden soll, in welcher der Dämon die Welt vernichtet, erscheint dieser schließlich in Form des „allseits beliebten Marschmallow-Manns“. Die Geisterjäger machen somit nicht nur Jagd auf echte Gespenster, sondern zugleich auf die US-amerikanische (Ess-)Kultur und entpuppen sich dadurch als wahrer Bürgerschreck, da ihnen so gut wie nichts heilig ist oder Ehrerbietung einflößt.

Was den Film nicht weniger faszinierend macht, ist, dass es Reitman zugleich gelingt, eine Art Querschnitt durch die Subgenres des Horrorfilms abzuliefern, wobei er nicht nur ganz spezielle Zitate aufgreift (z.B. ist Venkmans Klavierklimpern eine Anspielung auf den Horrorklassiker „The Haunting“), sondern auch die für die jeweiligen Subgenres typische Szenen durch den Kakao zieht, was „Ghostbusters“ auch auf einer filmtheoretischen Ebene überaus interessant macht. Und nicht zu vergessen sind natürlich die Spezialeffekte, die in schön ausgedachten Farben erscheinen (grün und violett – mit diesen Farben beleuchtete Horrorikone Mario Bava seine Sets) und von denen die aufbrechende Straße damals zu den aufwendigsten Effekten gehörte, da die dafür verantwortliche Crew einen kompletten Straßenzug nachgebaut hatte.

Über das Remake soll hier nicht nochmals eingegangen werden. Nur eines vielleicht: inzwischen meint Aykroyd, dass er hoffe, dass einmal doch noch ein Sequel mit den echten Ghostbusters zustande kommt. Also doch eine heimliche Kritik an dem Reboot?

Ghostbusters, Regie u.  Produktion: Ivan Reitman, Drehbuch: Dan Aykroyd, Harold Ramis, Darsteller: Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson, Rick Moranis, Sigourney Weaver, USA 1984, Laufzeit: 105 Minuten

The 80s: Poltergeist (1982)

poltergeist„Poltergeist“ zählt zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte. Im Jahr 1982 gelangte er auf Platz 8 der Filme mit dem besten Einspielergebnis. Das Drehbuch schrieb Steven Spielberg, der den Film auch produzierte. Regie führte Tobe Hooper, ein durchaus strategischer Schachzug, da Hooper durch „Texas Chainsaw Massacre“ (1973) inzwischen Kultstatus unter den Horrorfans erreicht hatte. Alle anderen, die sich mit Horror nicht auskannten, nahmen auf alle Fälle das Image eines Regisseurs wahr, der überaus brutale und unheimliche Filme drehte, Filme also, die nicht für Leute mit schwachen Nerven bestimmt waren.

Erzählt wird die Geschichte der Freelings, die nach Costa Verde ziehen, einer auf dem Reißbrett geplanten Kleinstadt. Der Immobilienmakler Steven Freeling ist für den Erfolg der Siedlung mit verantwortlich. Doch das Glück ändert sich abrupt, als die fünfjährige Carol Anne beginnt, mit dem Fernseher zu reden. Die rätselhaften Zwischenfälle beginnen sich von da an zu häufen. Zunächst ändern Stühle wie von selbst ihre Position, doch dann, in einer Gewitternacht, verschwindet Carol Anne in der Abstellkammer des Kinderzimmers. Da die Familie nicht weiter weiß, sucht Steven schließlich eine Parapsychologin auf, die mit ihrem Team versucht, die Phänomene und das damit zusammenhängende Verschwinden der Tochter zu untersuchen …

„Poltergeist“ ist nicht nur ein Horrorfilm. Ähnlich wie „Ghostbusters“ (1984) nimmt er sich die US-amerikanische Kultur vor und zieht diese gehörig durch den Kakao. Gleich der Anfang, als die Nationalhmyne der USA erklingt, zeigt die Nahaufnahme ein TV-Gerät und später Steven Freeling, der vor dem Fernseher eingeschlafen ist, neben sich eine Bierdose auf dem Boden. Die Eltern, ehemalige Hippies, drehen sich zwar noch immer Joints, fröhnen aber zugleich dem kapitalistischen Wohlstand. Die Aussage ist klar: Die sozialen Bewegungen der 70er Jahre haben nichts verändert. Die ehemaligen Hippies sind zu dem geworden, gegen was sie eigentlich protestiert haben. Dies zeigt sich vor allem im Kinderzimmer, indem so gut wie alles Spielzeug aus Merchandising-Produkten besteht. Traditionelle Spielzeuge wie Puppen, der Clown oder das Kindertelefon erhalten einen befremdlichen und unheimlichen Touch. So gesehen ist „Poltergeist“ eine Abrechnung mit der Hippie-Generation.

Neben den überaus positiven Kritiken, die „Poltergeist“ erhielt, kam gelegentlich auch die Frage auf, ob Hooper tatsächlich Regie geführt habe. Denn in „Poltergeist“ entdeckt man den eigentlichen Stil Hoopers nicht. Alles ist typisch Spielberg, eine lehrbuchartige Inszenierung, die sich exakt an die Regeln hält und daher so große Wirkung erzielt. Von Hoopers provokativen Elemten findet man in „Poltergeist“ so gut wie nichts. Wahrscheinlich, wie oben bereits angedeutet, sollte Hoopers Name eher als Markenzeichen dienen, um dem Film vorab bereits einen unheimlichen Touch zu verleihen. „Poltergeist“ zählt inzwischen zu den Hollywood-Klassikern und führte zu zwei Sequels und einem Remake. Egal, ob nun Hooper oder doch Spielberg Regie geführt haben, der Film ist immer wieder sehenswert.

 

 

The 80s: Flesh + Blood (1985)

felshandbloodÜber den Sommer hinweg gibt es bei uns ein Special, das sich mit Filmen aus den 80er Jahren beschäftigt. Den Anfang machte „Invasion vom Mars“. Als zweites stellen wir euch den Ritterfilm „Flesh + Blood“ vor. Viel Spaß und einen schönen Sommer.

Die Ritterfilme der 40er und 50er Jahre zeigten in der Regel strahlende Helden, die stets für eine gute Sache eintraten und den Bösewicht spätestens beim Schwertduell zur Strecke brachten. Ein völlig anderes Bild lieferte Paul Verhoeven Mitte der 80er Jahre mit seinem Film Flesh + Blood. Keine strahlenden Helden, keine sauberen Burgen und Tischmanieren gibt es auch nicht. Im Gegensatz zu den früheren Ritterfilmen wollte Verhoeven ein realistischeres Bild der damaligen Zeit liefern. Das Ergebnis war bzw. ist ein moderner Klassiker dieses Genres.

Es geht um den Söldnerführer Martin, der sich zusammen mit seinen Leuten gegen seinen früheren Auftraggeber Lord Arnolfini stellt. Dieser hat ihn nach einem ausgeführten Auftrag betrogen. Aus Rache entführt er Prinzessin Agnes, die für dessen Sohn als Frau vorgesehen war. Nach schweren Misshandlungen verliebt sich Agnes in Martin. Doch Arnolfinis Sohn zieht mit einem Ritterheer gegen Martins Festung, um die Prinzessin zu befreien.

Verhoeven liefert ein extrem düsteres, schmutziges und blutiges Bild des Mittelalters. Die Brutalität nimmt stellenweise solche Ausmaße an, dass die FSK-Stelle den Film indizierte. Erst eine Neuprüfung im Jahr 2013 ließ eine Veröffentlichung der ungekürzten Version mit einer Altersbeschränkung ab 18 zu. Einen richtigen Helden gibt es nicht. Es bleibt den Zuschauern überlassen, zu entscheiden, ob sie sich mit dem Sohn Arnolfinis identifizieren, der seine Zukünftige aus den Fängen der Söldner befreien möchte, oder mit Martin, dem Anführer der Söldner, der einerseits hintergangen wurde, andererseits aber auch nicht das ist, was man als einen Helden bezeichnen könnte. Genau das aber macht Verhoevens Film interessant. Die Charaktere sind keine klischeehaften Stereotypen wie in den Klassikern der 40er und 50er Jahre, sondern verhalten sich ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Milieu entsprechend, wobei sie auch dessen jeweilige moralischen bzw. unmoralischen Vorstellungen übernehmen. Die Figuren wirken damit realer als ihre Hollywood-Vorgänger.

Action und Spannung kommen in dem Film ebenfalls nicht zu kurz. Gleich der Beginn des Films zeigt eine Schlacht, in der Martin und seine Söldner versuchen, eine Burg einzunehmen. Nicht nur mit dieser Anfangssequenz wird der Film seinem Titel gerecht. Mordend und kämpfend geht es weiter bis zum großartigen Finale.

Flesh + Blood gehört zu den besten Ritterfilmen, die bisher gedreht wurden. Es war zudem Verhoevens letzte europäische Produktion, bevor er von Hollywood engagiert wurde.

Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven, Produktion: Gijs Versluys, Darsteller: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Brion James, Jack Thompson. USA/Niederlande/Spanien 1985, Laufzeit: 123 Minuten