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Posts Tagged ‘Filme der 70er’

Die Zeit des Kalten Krieges spiegelt sich in fast allen Spionagefilmen aus jener Epoche wider. Die Drehbuchautoren wussten genau, wer die „Bösen“ und wer die „Guten“ waren, und alles, was sich hinter dem Eisernen Vorhang abspielte, kam bedrohlich und irgendwie fremdartig vor. Natürlich setzte sich das politische Schwarzweißdenken auch in so manchem SF-Thriller fest. Zu den bekanntesten Beispielen zählt sicherlich „Der gefährlichste Mann der Welt“ aus dem Jahr 1969, auch wenn hier auf Seiten der Bösen Russland durch China ersetzt wurde. Ein weiterer Film, der vor allem durch seine Spannung hervorsticht, ist „Who?“, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mann aus Metall“ in die Kinos kam.

Dieser Film basiert auf dem SF-Roman „Zwischen den Welten“ (im Original ebenfalls „Who?“) des Schriftstellers Algis Budrys. Die Geschichte handelt von dem Atomphysiker Dr. Martino, der in der DDR bei einem Autounfall schwer verletzt wird. Russische Ärzte ersetzen sein Gesicht sowie seinen Rumpf durch Metall. Als er an der Innerdeutschengrenze den USA übergeben wird, zweifelt man an seiner Identität. Er wird für einen russischen Geheimagenten gehalten …

Rogers (Elliott Gould) ist von der Identität Dr. Martinos (Joseph Bova) nicht überzeugt; „Der Mann aus Metall“ (1974); Copyright: e-m-s

„Der Mann aus Metall“ ist ein sehr spannender Thriller, der von der ersten Minute an fesselt und äußerst überzeugend dargestellt ist. Vor allem sticht hierbei der Konflikt zwischen Dr. Martino und dem überaus skeptischen FBI-Agenten Sean Rogers heraus. Die Tragik, die sich daraus ergibt, ist durchaus nachvollziehbar. Der Atomphysiker, der durch seine Verwandlung in einen Mann aus Metall genug zu leiden hat, wird durch die staatliche Behörde seines Heimatlandes daran gehindert, wieder ein normales Leben zu führen.

Stattdessen wird seine gesamte Biographie bis hin zu den intimsten Details überprüft. Aber egal, welche Antwort Dr. Martino gibt, die Behörde bleibt weiter dabei, seine Identität als zweifelhaft zu beurteilen. Interessant ist hierbei, dass die Rückblenden aus Martinos früherem Leben stets aus der Perspektive einer subjektiven Kamera gedreht sind, so dass man sein richtiges Gesicht nie zu sehen bekommt. Natürlich versuchen auch die Russen, bestimmte Informationen aus Martino herauszubekommen, um dadurch an Informationen über das geheime Neptun-Projekt zu erhalten, an dem Martino arbeitet. Dabei schneidet der Film zwischen dem russischen und dem amerikanischen Verhör hin und her, was eine sehr hohe dramatische Dichte verursacht.

Die Metallmaske besitzt natürlich den Charme der frühen 70er Jahre. Das Design wirkt hierbei nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus realistisch. „Der Mann aus Metall“ ist auf jeden Fall ein überaus sehenswerter SF-Film.

Der Mann aus Metall (OT: Who?), Regie: Jack Gold, Drehbuch: John Gould, Produktion: Barry Levinson, Darsteller: Elliott Gould, Trevor Howard, Joseph Bova. England 1974, 89 Min.

 

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baronbloodNachdem Mario Bava 1971 mit Im Blutrausch des Satans den Prototyp des Teeny-Slashers gedreht hatte, kehrte er ein Jahr später mit Baron Blood zu seinen eigentlichen Wurzeln des Gothic Horrors zurück. Diesmal aber spielt die Handlung nicht wie sonst im 18. Jahrhundert, sondern, da sich inzwischen das Horrorgenre stark gewandelt hatte, in der Gegenwart.

Ort der Handlung ist Österreich. Der Student Peter von Kleist kehrt nach Österreich zurück, um bei der Versteigerung des Schlosses seiner Vorfahren zugegen zu sein. Das Schloss ist unter der Bevölkerung als das „Schloss des Teufels“ bekannt, da im 16. Jahrhundert darin der Blutbaron von Kleist gehaust hat, der dort unzählige Menschen zu Tode foltern ließ. Gemeinsam mit Eva, einer Kunsthistorikerin, findet Peter eine seltsame Beschwörungsformel, mit deren Hilfe man den Blutbaron wieder zum Leben erwecken kann. Aus Neugier sprechen beide um Mitternacht die Formel aus. Kurz darauf scheint der blutrünstige Baron tatsächlich wieder ins Leben zurückgekehrt zu sein, um neue Opfer für seine Folterkammer zu suchen …

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Gestatten, Baron Blood. „Baron Blood“ (1972); Copyright: ems.

Mit Sicherheit ist Baron Blood nicht der beste Film Mario Bavas, dennoch ist er sehr spannend und kurzweilig inszeniert. Im Grunde genommen gibt sich Baron Blood als eine genau abgestimmte Mischung aus typisch italienischem Horrofilm und den Produktionen der American International Pictures der 60er Jahre, in denen vor allem Vince Price auftrat. Das Monster, das Eva und Peter aus seinem Grab holen, hat einen recht hohen Gruselfaktor und wurde von niemand anderem als Carlo Rambaldi geschaffen, der sich etwa zehn Jahre später ebenfalls für das E.T.-Design auszeichnen sollte. Als Kulisse für das Schloss wurde das Museum Burg Korneuberg in Österreich gewählt, wo auch der gesamte Film gedreht wurde.

Baron Blood versucht zwar, die Aspekte des postmodernen Horrorfilms aufzugreifen, bleibt aber zu sehr den klassischen Aspekten treu. Dies führt dazu, dass er für einen klassischen Horrorfilm recht brutal, für einen postmodernen Horrorfilm, der 1969 durch „Nacht der lebenden Toten“ ins Leben gerufen wurde, jedoch zu naiv wirkt. Die Nahaufnahmen der Untaten des Barons sowie das von einer Eisernen Jungfrau durchbohrte Gesicht seines Dieners sind Beispiele für diesen Stil. So gesehen bewegt sich Baron Blood exakt entlang einer der prägendsten filmhistorischen Übergangsphasen.

Baron Blood, Regie: Mario Bava, Drehbuch: Vincent Fotre, Mario Bava, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Joseph Cotten, Massimo Girotti, Luciano Pigozzi. Italien/Deutschland 1972, 94 Min.

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aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

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frauen1In den 70er Jahren hatten die deutschen Vertriebe noch wirklich Fantasie, wenn es um Verleihtitel ging, besonders dann, wenn die entsprechenden Filme nur in Bahnhofkinos vorgeführt wurden. „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ ist dann auch der Titel eines Films, der im Original Le foto proibite di una signora per bene heißt, was in etwa „Das verbotene Foto einer angesehenen Frau“ bedeutet.

Es geht darin um Minou, die Frau eines Firmenchefs, die eines Abends bei einem Strandspaziergang plötzlich von einem Unbekannten überfallen wird. Dieser behauptet, ihr Mann sei ein Mörder. Tatsächlich starb ein Gläubiger der Firma ihres Mannes auf seltsame Weise. Wenige Tage später bekommt es Minou erneut mit dem fremden Mann zu tun. Am Telefon teilt er ihr mit, dass sie zu ihm kommen soll, da er sonst ein Tonband an die Polizei schicken werde, auf dem zu hören ist, wie sich ihr Mann über den Mord an den Gläubiger mit jemand anderem unterhält. In der Hoffnung, dass sie das Tonband erhält, sucht sie die Wohnung auf, wo sie der Mann zwingt, sich ihm in SM-Manier zu unterwerfen. Minou weiht daraufhin ihre beste Freundin Dominique in die Angelegenheit ein. Diese glaubt, dass der Mann mehr Geld erpressen möchte. Doch die Situation spitzt sich zu, als der Fremde in Minous Haus eindringt …

Das Plakat des Films suggeriert, dass man es hier mit einem Erotik-Thriller zu tun hat. Doch wird dies dem Film in keiner Weise gerecht, denn Regisseur Luciano Ercoli schuf mit Le foto proibite di una signora per bene, eher eine Mischung aus Krimi und Thriller, der in manchen Szenen durchaus an Hitchcock erinnert und vor allem, im Hinblick auf Erotik, eher mit Andeutungen spielt, diese jedoch intensiv zu nutzen weiß. Das Leben Minous gerät von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen, wird regelrecht zu einem Albtraum. Wirklich toll inszeniert Ercoli hierbei den Übergang vom normalen Leben Minous hin zu Angst, Verstörung und Gewalt. Geradezu surreal erscheint die erste Begegnung mit dem Fremden, wenn Minou im blau-violett-farbenen Licht über die einsame Strandpromenade spaziert und ihr auf einmal ein Motorradfahrer folgt.

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Minou (Dagmar Lassander) betritt die Wohnung des Fremden.

Von da an geht es beinahe Schlag auf Schlag. Die Frage, die sich Minou und der Zuschauer stellt, lautet, ob Minous Mann tatsächlich ein Mörder ist. Noch mysteriöser wird es, als Minou auf einem der Fotos, die Dominique ihr zeigt, der fremde Mann zu sehen ist. Steckt etwa Minous beste Freundin hinter den Erpressungsversuchen?

Ercoli schafft mit seinem Thriller ein gelungenes Spiel, in dem im Grunde genommen jeder verdächtig ist. Auf diese Weise gelingen ihm immer wieder äußerst überraschende Wendungen, welche die Spannung jedes Mal noch um einen weiteren Grad erhöhen. Auch Minou ist von der Rätselhaftigkeit, welche die Figuren umgibt, nicht ausgeschlossen, ist sie letztendlich den SM-Spielchen des fremden Mannes keineswegs abgetan. So offenbart sich auch bei der eigentlichen Hauptfigur ein doppelter Boden. Auch hier zeigt sich Ercoli wieder als Meister, wenn er Minou die Wohnung des Fremden betreten lässt: satte rote Farben, tiefe Schatten und ein surreales Interieur, bei dem weiße Hände aus Pfeilern und Wänden ragen.

„Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ besitzt damit die Eigenschaften eines typischen Giallos (das von Mario Bava ins Leben gerufene italienische Thriller-Mystery-Genre), in dem es stets um rätselhaften Mord, zwielichtige Figuren und unheimliche Zwischenfälle geht. Die Qualität bei diesen Filmen ist natürlich sehr unterschiedlich. Ercolis Film gehört hierbei ganz klar zur Spitzenklasse dieses Genres und zählt neben Bavas und Argentos Thrillern zu den wichtigsten Beiträgen.

Frauen bis zum Wahnsinn gequält (OT: Le foto proibite di una signora per bene). Regie u.  Produktion: Luciano Ercoli, Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Darsteller: Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro, Simon Andreu. Italien 1970, 96 Min.

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tunnelderlebendenleichen“Eine atembeklemmende Schreckensreise in das schauerliche Horror-Reich der lebenden Leichen!” wurde dem Zuschauer in den 70er Jahren geboten. Und in der Tat, dieser „Super-Horror“ aus dem Jahre 1972 ist äußerst beklemmend, obwohl wir es eigentlich nicht mit wirklichen Zombies zu tun haben. Dafür wartet der Film mit einer weit originelleren Idee auf.

In den U-Bahn-Stationen Londons verschwinden seit einigen Jahren spurlos Menschen. Die Polizei ging den Fällen nur halbherzig nach und schließlich verliefen sie im Sand. Eines Tages aber verschwindet ein bekannter Politiker. Inspektor Calhoun bleibt daher nichts anderes übrig, als eine gründliche Untersuchung anzuordnen. Die Spur führt ihn dabei zu einem längst vergessenen U-Bahn-Tunnel, der bei Bauarbeiten um die Jahrhundertwende einstürzte und die Arbeiter von der Außenwelt abschnitt. Dort entwickelten sie eine Art autonome Gesellschaft, deren letzte, missgebildete Nachkommen einen Weg nach draußen gefunden haben, wo sie nach Menschenfleisch gieren …

Regisseur Gary Sherman lieferte mit seinem Werk „Death Line“ einen überaus spannenden, extrem dichten Horrorfilm ab, der zu den ersten Streifen der englischen Post-Hammer-Ära gehört. Die Charaktere sind sehr überzeugend und lebendig, wobei vor allem Donald Pleasence als extrem spießiger Inspektor hervorsticht. Anscheinend soll Pleasence während der gesamten Dreharbeiten ständig betrunken gewesen sein. Wenn dies stimmt, so hat ihm dies keineswegs geschadet, denn seine schauspielerische Leistung ist erstklassig. Sherman machte seinen Film zum Kind seiner Zeit, indem er die traditionelle britische Lebensart (vertreten durch den Inspektor) der Hippie- und Jugendkultur der 70er Jahre gegenüberstellt. Diese sozialkritische Perspektive ist hervorragend eingewoben in eine recht originelle Gruselgeschichte, die, gewürzt mit mehreren Gore-Szenen, auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Der deutsche Titel ist verwirrend, spiegelt aber sehr schön das Bahnhofskino-Flair von damals wider. Im ganzen Film kommt kein einziger Zombie vor und auch der Plural ist keineswegs angebracht. Denn in der U-Bahn haust nur mehr ein einziger Nachfahre der ehemaligen Tunnelarbeiter, und dieser leidet unter Blutarmut und Beulenpest. Sherman verhindert es stilvoll, seinen Antagonisten zu einem bloßen, menschenfressenden Monster werden zu lassen. Vielmehr zeigt er uns in dem „letzten seiner Art“ eine verzweifelte, vereinsamte Kreatur, wodurch der Film einen starken tragischen Unterton bekommt.

Shermans „Death Line“, der in den USA unter dem Titel „Raw Meat“ lief, wurde 1972 zum besten Horrorfilm nominiert. Er gilt als vergessener Klassiker des Genres. Der Ruf „Vorsicht an den Türen!“ bleibt einem noch lange im Gedächtnis.

2008 drehte Peter A. Dowling ein Remake des Films mit dem Titel „Stag Night“. Dowling gelang es, die Handlung in Form eines Slashers recht gut zu aktualisieren. Allerdings schaffte der Film es nie in die Kinos, sondern wurde direkt als DVD vermarktet.

Tunnel der lebenden Leichen (OT: Death Line (UK)/Raw Meat (USA)), Regie: Gary Sherman, Drehbuch: Ceri Jones, Gary Sherman, Produktion: Paul Maslansky, Darsteller: Donald Pleasence, Norman Rossington, David Ladd, Sharon Gurny, Christopher Lee, England 1972, 83 Min.

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starcrashDer Erfolg von „Star Wars“ brachte die italienische Filmindustrie dazu, George Lucas zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und schon war „Star Crash“ geboren.

Der Film, der interessanterweise seine Premiere in Deutschland feierte, bevor er ein Monat später in Italien uraufgeführt wurde, handelt von der Schmugglerin Stellar Star, die zusammen mit ihrem Kompagnon Akton den Weltraum unsicher macht. Doch dann werden beide vom galaktischen Imperator gefangen genommen. Erst nachdem sie zugestimmt haben, ihm bei der Suche nach seinem verschollenen Sohn zu helfen, kommen beide wieder frei und geraten von einem Abenteuer ins nächste.

Regie führte bei diesem Trash-Meisterwerk Luigi Cozzi, der zusammen mit Dario Argento das Drehbuch für den Film „Vier Fliegen auf grauem Samt“ geschrieben hat. Im Vorspann nannte er sich vorsichtshalber Lewis Coates. Natürlich nur, damit die Amis glaubten, dass „Star Crash“ ein Landsmann von ihnen gedreht hat, was bis in die 80er Jahre bei italienischen Trash-Filmen üblich gewesen war. Doch die eigentliche Frage lautet doch, ob „Star Crash“ nun besser als „Star Wars“ ist und die Antwort ist ein eindeutiges Ja.

Während sich George Lucas in Sachen Perfektion übte, übte sich Cozzi darin, die physikalischen Gesetze für Null und Nichtig zu erklären. Das bedeutet, wenn das Fenster in einem Raumschiff kaputt geht, passiert in dem Raumschiff nichts. Aber das ist eigentlich nur Nebensache. Hauptsache ist Trash-Ikone Caroline Munroe, die stets im tief ausgeschnittenen Weltraumkostüm zu sehen ist. Ihr zur  Seite stehen The Hoff in einer seiner ersten Rollen und Joe Spinell, der ein Jahr später mit dem Psychothriller „Maniac“ Filmgeschichte schrieb. Als Imperator ist Hollywood-Ikone Christopher Plummer zu sehen, der damals vor allem eines brauchte: Geld.

Luigi Cozzi behauptete später, dass die ersten Arbeiten zu „Star Crash“ beinahe ein Jahr vor „Star Wars“ begonnen hätten. Dabei verzettelte er sich allerdings mit den Jahreszahlen. Denn „Star Wars“ kam 1977 in die Kinos, die Produktion von „Star Crash“ begann 1977. Das heißt, dass Cozzi oder die Produzenten des Films, die auch ein Büro in Hollywood besaßen, von George Lucas‘ Film wussten und das deswegen „Star Crash“ grünes Licht bekam, vorausgesetzt natürlich, dass die Produktion begann, bevor „Star Wars“ in die Kinos kam. Wie dem auch sei, Cozzis Film ist auf jeden Fall ein Klassiker des Trash-Kinos.

Star Crash. Regie: Luigi Cozzi, Drehbuch: Luigi Cozzi, Nat Wachsberger, Produktion: Nat Wachsberger, Darsteller: Caroline Munroe, Joe Spinell, David Hasselhoff, Christopher Plummer. Italien 1978, 97 Min.

 

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Deutsches Kinoplakat von „Eugenie“.

Jess Franco wird von vielen Kritikern als der Schmuddelregisseur schlechthin bezeichnet. Doch damit wird man dem Schüler von Orson Welles alles andere als gerecht. Wie kaum ein anderer Regisseur gelang es ihm, Trash auf eine neue Ebene zu heben. Erst seit wenigen Jahren beginnen auch Filmhistoriker, sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Bis dahin galt er als trivial und pornographisch.

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Christopher Lee als Zeremonienmeister in „Eugenie“ (1970).

Ein Beispiel seines Könnens ist „Eugenie – Her Journey into Perversion“ aus dem Jahr 1970, der in Deutschland unter dem Titel „Eugenie – Die Jungfrau und die Peitsche“ lief. Es handelt sich dabei um eine Adaption eines Buches von De Sade, den Jess Franco für mehrere seiner Filme als Vorlage nahm, so z.B. in dem 1969 gedrehten „Justine“. In „Eugenie“ geht es um die verdorbene Marie, die zusammen mit ihrem Halbbruder Mirel auf einer einsamen Insel lebt. Beide planen ein Opfer an die Lust, benötigen für dieses Ritual aber noch eine Jungfrau. Diese finden sie in Eugenie, der Tochter eines Bekannten Marias. Maria lädt Eugenie für ein Wochenende zu sich auf die Insel ein. Und die Vorbereitungen auf das Ritual beginnen …

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Maria (Maria Rohm) becirct Eugenie (Marie Liljedahl); „Eugenie“ (1970).

Christopher Lee, der hier die Rolle des Zeremonienmeisters innehatte, soll sich über seine Teilnahme an dem Film geschämt haben. In einem Interview sagte er, er habe nicht gewusst, um was für einen Film es sich gehandelt habe. Er habe lediglich Jess Franco einen Gefallen geschuldet. Nun, schämen müssen hätte sich Christopher Lee keineswegs, denn „Eugenie“ ist ein kunstvolles, ja ein surreales Meisterstück.

Neben Lee spielen Trash-Ikone Maria Rohm, Jack Taylor und Herbert Fux mit. Eugenie wird von dem schwedischen Fotomodell Marie Liljedahl verkörpert. Die Musik stammte von Bruno Nicolai, der bei vielen Trash-Perlen der 70er Jahre mitgearbeitet hatte, u. a. auch bei „Camille 2000“, eine der bekanntesten Adaptionen von Dumas des Jüngeren „Kameliendame“.

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Mirel (Jack Taylor) erwartet die Teilnehmer des Rituals; „Eugenie“ (1970).

Möglicherweise betrachteten damalige Kritiker „Eugenie“ als eine Art Softporno. Aus heutiger Sicht würde man den Film eher in die Kategorie Arthouse stecken. Wunderbare Landschaftsaufnahmen wechseln sich ab mit einer Optik, die irgendwie an die Coolness des Film Noir erinnert. Die Dialoge reflektieren bzw. betonen den surrealen Charakter des Spiels. Den traumartigen Rahmen setzt Franco bereits in der Anfangsszene, in der in einem tiefrot ausgeleuchtetem Set Christopher Lee eines der Lustopfer durchführt. Dieses (Alp-)Traumhafte wird ab der Hälfte des Films wieder aufgegriffen, als die Glocke am Steg die Ankunft der bizarren Sekte (deren Anführer Chrisopher Lee ist) ankündigt, die an dem Ritual teilnehmen soll. Danach verschwimmen Traum und Realität ineinander. Erneut setzen tiefrote Farben ein, welche die Szenerie beleuchten.

Alles gipfelt in einem apokalyptisch anmutenden Wahnsinn, wenn Eugenie nackt über eine völlig verlassene Gegend taumelt. Und am Ende? Hier wird weiter nichts verraten. Man muss den Film selbst sehen, seine Optik genießen.

„Eugenie“ ist ein Meisterwerk des Trash und zeigt Jess Franco in Höchstform. Die Mischung aus Erotik, surrealem Kunstwerk und Horror sucht ihresgleichen. Aus welchem Grund auch immer ist der Film hauptsächlich nur Jess Franco- und Trash-Fans bekannt. Vielleicht aber ändert sich das ja irgendwann.

 

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