Die Klunkerecke: King Kong (1976)

Schau mir in die Augen, Kleines. – King Kong (1976); Copyright: StudioCanal

43 Jahre nach dem Sensationserfolg „King Kong“, der Hauptdarstellerin Fay Wray zur ersten Screamqueen der Filmgeschichte machte, wurde der Riesenaffe erneut auf die Zuschauer losgelassen. Dies in dem gleichnamigen Remake von Regisseur John Guillermin.

Nominiert war „King Kong“ für die beste Kamera und den besten Ton. Statt eines Stop-Motion-Monsters, trampelt hier ein Darsteller im Affenkostüm durch die Lande, was aber keineswegs albern aussieht, sondern durchaus Wirkung erzielt. Vor allem beeindruckend ist die Mimik der Affenmaske. Für diese Kreation war der Make-Up-Künstler Carlo Rambaldi verantwortlich, der 1982 auch E.T. erschaffen hatte.

Im Groben und Ganzen erzählt das Remake dieselbe Geschichte wie das Original, wobei es Guillermin jedoch gelingt, die Handlung einwandfrei in die 70er Jahre rüberzubringen. So wird aus dem reinen Monsterfilm ein typischer Vertreter des 70er Jahre-Öko-Horror-Genres. Ein Ölkonzern vermutet auf einer abgelegenen Insel reiche Ölvorkommen. Mit an Bord allerdings schmuggelt sich auch der Anthropologe Jack Prescott, der den Gerüchten um eine seltsame Affenart nachgehen möchte.

Eines Tages erhält das Schiff ein SOS-Notsignal, kann dessen Ursprung allerdings nicht ausfindig machen. Schließlich aber macht die Besatzung ein Schlauchboot aus, das auf dem Meer treibt. An Bord befindet sich die Schauspielerin Dwan, gespielt von Jessica Lange, die hier ihr Debut gab. Gemeinsam erreichen sie schließlich die Insel und treffen auch auf den Monsteraffen …

Im Gegensatz zu dem Originalfilm hinterfragt das Remake das Verhalten der weißen Eindringlinge und wird dadurch zu einem Beitrag des postmodernen Kinos mit postkolonialer Gesellschaftskritik. Die Gier nach Reichtum steht dem Bewahren der Natur und dem Verstehen fremder Kulturen gegenüber. Während Fred Wilson, der das Öl für seine Firma gewinnen möchte, für seinen Profit über Leichen geht, warnt Prescott davor, etwas an dem Sozialgefüge und der Natur zu verändern.

John Prescott (Jeff Bridges) und Dwan (Jessica Lange); King Kong (1976); Copyright: StudioCanal

Die Konsequenz ist für alle Beteiligten katastrophal. Auf diese Weise wird der Film in seinem Finale zu einer vehementen Medienkritik, die für unsere Zeit heute genauso gilt wie für damals. Dwans Verzweiflung wird für alle anderen zur Sensation und damit auch wieder zur reinen Geldmacherei. In diesem Sinne vermittelt „King Kong“ das Bild einer dekadenten, ich-bezogenen Gesellschaft, die nicht mehr auf Werte und Moral achtet. Wie gesagt, das alles trifft nicht weniger auch unsere Epoche mitten ins Schwarze.

Besonders die erste Hälfte des Remakes ist grandios gefilmt, die Story, da sie sehr gut in die damalige Zeit umgesetzt wurde, hervorragend. Die zweite Hälfte jedoch zieht sich ein wenig. Schuld daran ist vor allem, dass Guillermin auf all die Dinos verzichtet, die das Original so aufregend gemacht haben. In dem Remake kommt lediglich eine popelige Riesenschlange vor. Dennoch macht „King Kong“ aus dem Jahr 1976 Spaß und ist letztendlich ebenfalls zu einem Klassiker des Monsterfilms geworden. An das Original reicht er natürlich nicht heran, für sich genommen aber ist Guillermins Version wirklich toll.

1986 versuchte sich der Regisseur mit „King Kong lebt“ an eine Fortsetzung, scheiterte dabei allerdings auf ganzer Linie. Der Film floppte total und das zurecht. Denn die Spezialeffekte und auch die Handlung sind dermaßen schlecht, dass man nicht mal mehr darüber lachen kann.

King Kong. Regie: John Guillermin, Drehbuch: Lorenzo Semple, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: Jeff Bridges, Jessica Lange, Charles Grodin. USA 1976, 129 Min.

Horror de Luxe: Die Prophezeiung (1979)

Pu der Bär einmal anders; „Die Prophezeiung“ (1979); © Paramount Pictures

Als „Die Prophezeiung“ von Regisseur John Frankenheimer 1979 in die Kinos kam, wurde er von manchem Kritiker als schlechtester Film aller Zeiten bewertet. Frankenheimer selbst schob damals alles auf seine Alkoholprobleme. Und dennoch: „Die Prophezeiung“, wobei in dem Film überhaupt nicht klar wird, was das eigentlich für eine Prophezeiung sein soll, ist Unterhaltung pur.

Einerseits verhaftet im typischen Tierhorror der 70er Jahre, geht der Film noch einen Schritt weiter, indem er keine „normalen“ Tiere zeigt, die es auf die Menschheit abgesehen haben, sondern einen mutierten Monsterbären, der durch die Wälder Maines streift und Wanderern und Holzfällern eines auf die Rübe gibt.

Während die dort ansässigen Indianer einer Papierfabrik die Schuld für diverse Todesfälle geben, weist Isley, der Chef der Fabrik, sämtliche Schuld von sich. Schließlich soll der Mediziner Robert Verne untersuchen, ob durch die Fabrik Giftstoffe in die Erde bzw. ins Wasser gelangen. Zusammen mit seiner Frau macht er jedoch unliebsame Bekanntschaft mit einem Monsterbären, der Jagd auf sie macht …

Wie gesagt, der Film ist Unterhaltung pur. David Seltzer, der das Drehbuch zu „Das Omen“ verfasst hat, schrieb auch das Skript für diese Mischung aus Trash und Öko-Horror-Thriller. In dem Monsterbärenkostüm steckte Kevin Peter Hall, der Ende der 80er Jahre auch in die Ganzkörpermaske des Predator schlüpfte. Leider wollte John Frankenheimer, dass das Monster mehr wie ein Bär als wie ein echtes Monster aussehen soll, was dem Aussehen der Kreatur ein wenig schadet.

Was den Film letztendlich so bemerkenswert macht, ist, dass hier eine teils tolle Optik mit teils albern gefilmten Situationen kombiniert wurde – ein echtes Paradoxon, aber Frankenheimer und sein Team haben es geschafft. Dies führt dazu, dass manche Szene, in der das Monster seine Opfer angreift, unfreiwillig komisch wirkt. So zum Beispiel die Szene, in der ein Junge in einem Schlafsack davonhüpft und dabei eines von dem Monsterbären verpasst bekommt, sodass er gegen einen Felsen geschleudert wird. Obwohl die Szene ernst gemeint war, fällt man jedes Mal, wenn man sie sieht, vor Lachen halb vom Stuhl.

Die Öko-Botschaft scheint den Machern von „Die Prophezeiung“ auch nicht so wichtig gewesen zu sein. Sie brauchten nun mal einen Aufhänger, um damit den Monsterfilm besser vermarkten zu können. Das Augenmerk liegt ganz klar auf Monster-jagt-Menschen-durch-den-Wald. Von Anfang an legt der Film dabei ein rasantes Tempo vor. Wenn man einen Vergleich mit einem anderen Film suchen müsste, so würde mir daher als erstes „Komodo“ (1999) einfallen, der nicht weniger eine Mischung aus Trash, guter Optik und rasanter Handlung aufweist.

„Die Prophezeiung“ hat es jedenfalls geschafft zu einer Art Trash- und Monsterklassiker zu werden. Damals war der Film ein großer Erfolg, trotz aller schlechter Kritiken. Zugleich war „Die Prophezeiung“ einer der ersten Hollywoodfilme, der in Kanada gedreht wurde und die dortige Filmwirtschaft ankurbelte.

Die Prophezeiung (OT: The Prophecy). Regie: John Frankenheimer, Drehbuch: David Seltzer, Produktion: Robert L. Rosen, Darsteller: Talia Shire, Robert Foxworth, Armand Assante, Richard Dysart. USA 1979, 98 Min.

FuBs Klassikbox: Doc Savage – Der Mann aus Bronze (1975)

Doc Savage (Ron Ely) weist seinen Leuten den Weg; „Doc Savage“ (1975), © Warner Bros

Mitte der 70er Jahre wollte Warner Bros eine Reihe von Filmen in die Kinos bringen, deren Helden Adaptionen sog. Pulp-Magazine waren. Das Vorhaben scheiterte jedoch bereits mit dem ersten Film. Dennoch wurde „Doc Savage – The Man of Bronze“ zu einem Klassiker des Fantasy- und Abenteuerfilms.

„Doc Savage“ basiert auf den Romanen von Lester Dent (1904 – 1959), der bis zu seinem Tod 159 Romane unter dem Pseudonym Kenneth Robeson verfasste. 1933 erschien der erste Roman mit dem Titel „The Man of Bronze“. Dent schrieb insgesamt 20 weitere Doc Savage-Romane, bevor andere Autoren bis Ende der 40er Jahre daran weiter arbeiteten.

1975 schließlich kam es zur Verfilmung, die leider nicht die Erwartungen erfüllte, die sich Produzent George Pal erhofft hatte. Pal war durch seine grandiosen Kinoerfolge wie „Der jüngste Tag“ (1951), „Krieg der Welten“ (1953) oder „Die Zeitmaschine“ (1960) geradezu von hohen Einnahmen verwöhnt. Doch „Doc Savage“ holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Folge: George Pal zog sich danach aus dem Filmgeschäft zurück.

Wenn man es genau nimmt, hätte „Doc Savage“ zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt produziert werden können. Die USA lagen aufgrund des Vietnamkriegs moralisch am Boden, die Bürgerrechtsbewegungen waren noch immer voll im Gange – niemand also brauchte eine Superheldenfigur, nicht einmal eine, die sich selbst aufs Korn nahm und damit zugleich eine Satire auf das US-amerikanische Sendungsbewusstsein lieferte.

Doc Savage (Ron Ely) und Mona Flores (Pamela Hensley); „Doc Savage“ (1975), © Warner Bros

Heute wird der Film ganz anders betrachtet. Denn „Doc Savage“ machte sich über all das lustig, was den US-Amerikanern wichtig war, etwas, was 10 Jahre später „Ghostbusters“ nochmals machen sollte – natürlich mit weit größerem Erfolg. Aus dieser Perspektive reiht sich „Doc Savage“ in die Vielzahl von Protestfilmen und Satiren der 70er Jahre ein, welche das postmoderne Kino einläuteten.

Doc Savage ist Wissenschaftler, Dichter, einfach ein Alleskönner, dem noch dazu fünf der begabtesten Wissenschafter, Ingenieure und Anwälte zur Seite stehen. Doc gerät völlig unerwartet in eine Reihe gefährlicher und mysteriöser Zwischenfälle, die alles etwas mit dem Tod seines Vaters zu tun haben. Denn sein Vater soll angeblich einen unbekannten Indianerstamm in Südamerika entdeckt haben. Auf der Suche nach diesem sagenumwobenen Ort ist aber auch der heimtückische Millionär Captain Seas, der alles daran setzt, um Doc Savage zur Strecke zu bringen.

„Doc Savage“ gehört zu den witzigsten und unterhaltsamsten Actionfilmen der 70er Jahre. Ron Ely, der zuvor durch seine Verkörperung des Tarzan in der gleichnamigen TV-Serie bekannt wurde, spielte die Figur mit einer überaus köstlichen Selbstironie, die immer wieder begeistert, auch wenn man den Film bereits zum x-ten Mal gesehen hat. Damals, wie bereits erwähnt, wollten oder konnten die Zuschauer damit nichts anfangen. Für Elys Karriere hatte dies weder positive noch negative Konsequenzen. Nach „Doc Savage“ spielte er wieder in verschiedenen TV-Serien mit, bevor er sich 2001 von der Schauspielerei verabschiedete.

Lester Dents Witwe Norma Dent, auf die nach Lesters Tod die Rechte an Doc Savage gingen, war von Ron Elys Darstellung so begeistert, dass sie sich den Film gleich dreimal hintereinander ansah. Schade, dass diese Begeisterung damals nicht auch das übrige Publikum ansteckte. Die im Abspann angekündigte Fortsetzung „Doc Savage: The Arch Enemy of Evil“ wurde nicht mehr gedreht, da der Film an den Kinokassen floppte.

Seit Ende der 90er Jahre tauchen jedoch immer wieder Gerüchte auf, dass es ein Remake von „Doc Savage“ geben sollte. War zunächst von Arnold Schwarzenegger die Rede, der die Rolle des Doc übernehmen sollte, so soll es angeblich nun Dwyne Johnson sein. Der Film soll angeblich 2020 in die Kinos kommen.

Doc Savage – Der Mann aus Bronze (OT: Doc Savage – The Man of Bronze). Regie: Michael Anderson, Drehbuch: Joe Morhaim, George Pal, Produktion: George Pal, Darsteller: Ron Ely, Paul Gleason, William Lucking, Michael Miller, Eldon Quick, Darrel Zwerling, Paul Wexler, Pamela Hensley. USA 1975, 112 Min.

Horror de Luxe: Das Landhaus der toten Seelen (1976)

Der unheimliche Chauffeur (Anthony James) in „Burnt Offerings“; © NSM

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der toten Seelen“ ist hierzulande kaum bekannt. Ganz anders in den USA, wo Dan Curtis‘ Film als Klassiker des Genres bezeichnet wird.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Marasco handelt von dem Ehepaar Ben und Marian Rolf, die zusammen mit ihrem Sohn David und Tante Elizabeth den Sommer in einem abgelegenen Landhaus verbringen wollen. Die Miete für das Haus ist überraschend günstig. Die einzige Bedingung, die die Geschwister Allardyce, denen das Haus gehört, machen, lautet, dass sich die Rolfs um ihre alte Mutter kümmern müssen, die unter dem Dach eine eigene Wohnung hat.

Alles läuft hervorragend. Doch nach und nach geschehen sonderbare Dinge. Noch seltsamer ist, dass sich Mrs. Allardyce nicht zeigt und auch keinen Mucks von sich gibt. Als Ben beginnt, unter Wahnvorstellungen zu leiden, gerät die Lage mehr und mehr außer Kontrolle …

Um genau zu sein, stellt sich das Grauen, das in dem Haus herrscht, eher zwischen den Zeilen dar. Ein Grund, weswegen das Ehepaar Rolf quasi eine Paraderolle für Karen Black und Oliver Reed war. Denn hier zeigen beide ihr ganzes Können, indem sie Figuren darstellen, die nach und nach ihren Verstand verlieren. Dies geschieht langsam, beinahe unmerklich. Die Konflikte zwischen Ben und Marian nehmen zu, es scheint sich um ein Ehedrama zu handeln, doch die Ursache für die sich steigernde Wut der beiden aufeinander, hat ganz andere Ursachen.

Deutsches Kinoplakat von „Burnt Offerings“

Bette Davis als Tante Elizabeth wirkt dagegen eher blass und fast schon überflüssig. Wahrscheinlich hoffte Dan Curtiz, dadurch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können, der Film selbst hätte jedoch auch ohne die Hollywood-Diva funktioniert. Vielleicht hätte er sogar besser funktioniert, da sich dann der Fokus ganz auf den Konflikt des Ehepaars konzentriert hätte.

Obwohl Filmkritiker mit „Burnt Offerings“ nicht viel anfangen konnten, entwickelte sich der Film nach und nach zu einem Klassiker des Geisterhausfilms. Besonders die Figur des unheimlichen Chauffeurs, dem Ben in seinen Wahnvorstellungen begegnet, entwickelte sich zu einer Art Kultfigur. Wie bereits erwähnt, nicht in Deutschland, wo der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Gedreht wurde der Film übrigens im und um Dunsmuir House, einem neoklassizistischem Gebäude, das immer wieder als Drehort benutzt wird, so etwa 1979 für den Horrorfilm „Phantasm“ oder 1985 für den James Bond-Streifen „Im Angesicht des Todes“.

Landhaus der toten Seelen (OT: Burnt Offerings), Regie u. Produktion: Dan Curtiz, Drehbuch: Dan Curtiz, William F. Nolan, Darsteller: Karen Black, Oliver Reed, Bette Davis, Lee Montgomery, Burgess Meredith. USA 1976,

Horror de Luxe: The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (1973)

Sylvia Tortosa als Leherin Elke Ackermann bringt selbst die ärgsten Filmkritiker zum Schwärmen. „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Amando de Ossorio wollte es anscheinend nochmals wissen. Berühmt geworden durch die „Reitenden Leichen“-Filme, drehte er 1973 den Horrorstreifen „The Loreley’s Grasp“, der in Deutschland den Zusatztitel „Die Bestie im Mädchenpensionat“ erhielt, um möglichst viele Zuschauer in die Bahnhofskinos zu locken.

Basierend auf Clemens Brentanos Kunstmärchen über die Lorelei, einer Nixe, die durch ihre Schönheit Männern den Tod bringt, verfasste er ein Drehbuch, in dem eben diese Nixe ein Mädchenpensionat am Rheinufer unsicher macht. Jäger Sigurd wird angeheurt, um dem Ungeheuer den Garaus zu machen. Doch ist das leichter gesagt als getan. Denn das Lorelei-Monster lässt sich nicht so leicht lumpen …

Kritiker teilen sich bis heute in genau zwei Lager, was diesen Film betrifft. Die einen halten ihn für unterirdisch schlecht, die anderen für eine vergessene Perle des Horrorfilms. Nun, irgendwie trifft bei „The Loreley’s Grasp“ beides zu. Denn der Film ist einerseits schlecht, andererseits unfreiwillig komisch und drittens wiederum wirklich gut.

Zuschauer, die sich mit dem europäischen Trash-Kino der 70er Jahre nicht auskennen, werden mit Sicherheit auch mit diesem Film nichts anfangen können. Für alle anderen aber dürfte Ossorios unbekannter Streifen eine echte Entdeckung sein. Die Optik des Films ähnelt derjenigen der „Reitenden Leichen“. Es gibt tolle, atmosphärische Aufnahmen, die an die Schilderungen klassischer Gespenstergeschichten erinnern, und dann natürlich wieder die typischen Trash-Sequenzen – für beides liebt man Ossorios Filme.

Jäger Sigurd (Tony Kendall) pirscht sich an die Lorelei (Helga Liné) heran; „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Überraschend gelungen sind die Szenen, in denen das Ungeheuer sein Unwesen treibt. Zwar ist das Monster selbst nicht wirklich gut getroffen, doch seine Angriffe auf die Bewohner des Mädchenpensionats besitzen ein erstaunlich hohes Tempo, die Schnittfolge dabei ist großartig, sodass man gelegentlich an die Meister des italienischen Horrorkinos denken muss.

Für eher Heiterkeit sorgt Hauptdarsteller Tony Kendall, der nicht wirklich in die Rolle passt bzw. vergeblich versucht, diese darzustellen. Doch dafür sind die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnern geradezu einzigartig: sowohl im Hinblick auf ihre Darstellungsweise als auch ihr Aussehen. Silvia Tortosa spielt Elke Ackermann, die Lehrerin des Mädchenpensionats, wobei selbst die ärgsten Kritiker des Films nicht umhin konnten und können, ihre faszinierende Attraktivität zu würdigen. Nicht anders verhält es sich bei Helga Liné, welche die Wassernixe spielt.

Alles zusammen macht „The Loreley’s Grasp“ zu einem interessanten Film, der zwar nie wirklich spannend wird, aber dennoch hervorragend unterhält. Für Liebhaber des europäischen Horrorfilms ist dies mit Sicherheit eine nette Entdeckung.

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (OT: Las Garras de Lorelei). Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produkion: Ricardo Munoz Suay, Darsteller: Tony Kendall, Silvia Tortosa, Helga Liné. Spanien 1973, 85 Min.

 

Die Klunkerecke: Die Körperfresser kommen (1978)

Eigentlich gilt stets folgende Regel: Ein Remake ist schlechter als das Original. Und es wäre keine Regel, wenn es da keine Ausnahme gäbe. Eine solche ist der SF-Thriller „Die Körperfresser kommen“, das sowohl Remake des Films von 1956, als auch eine Neuadaption des gleichnamigen Romans von Jack Finney (erschienen 1955) ist.

Der Film von Don Siegel gilt als Inbegriff des Paranoia-Kinos. Wie kein anderer Film stellt er die Angst vor einer ideologischen Unterwanderung der USA dar, die damals vorherrschte. 1978 nahm sich dann Philip Kaufman des Stoffes an, um dadurch die heimtückische Invasion ein zweites Mal auf die USA loszulassen.

Dieses Mal betrifft es San Francisco. Aus dem Psychiater Peter Benell wurde ein Inspektor der Gesundheitsbehörde, der es auf einmal mit sonderbaren Zwischenfällen zu tun hat. Seine Mitarbeiterin Elizabeth behauptet, dass ihr Mann nicht mehr ihr Mann sei. Diese Wahnvorstellung scheint gerade in Sa Francisco zu grassieren. Denn immer mehr Menschen leiden unter der Angst, dass ihre Angehörigen sich plötzlich völlig anders verhalten. Nach und nach kommt Bennell dabei auf die Spur einer außerirdischen Invasion.

„Die Körperfresser kommen“ reicht nicht nur an den Originalfilm heran, sondern übertrifft ihn sogar teilweise. Mit einer unglaublich tollen Optik, bei der zwischendurch immer mal wieder zur wackeligen Handkamera gegriffen wird, überträgt Philip Kaufmann Jack Finneys Klassiker von der Moderne in die Postmoderne, ohne dabei Federn zu lassen. Natürlich dürfen dabei auch nicht die Anspielungen auf den Originalfilm fehlen. Als kleine Gag rennt daher Kevin Mc Carthy, der 1956 Bennell gespielt hat, wieder warnend durch die Straßen.

Aufbau der Spannung, die sich sich entwickelnde Handlung – alles wie aus dem Lehrbuch und darüber hinaus, denn „Die Körperfresser kommen“ wirkt gelegentlich wie heutige Zombiefilme, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich heutige Regisseure eben an diesem Meisterwerk orientieren.

Und dennoch floppte der Film damals an den Kinokassen. Die Post-Hippie-Ära war wohl an Paranoia-Themen nicht sonderlich interessiert. In der Tat passt der Film thematisch besser in unsere Zeit, in der durch zunehmende Entfremdungsprozesse die Angst vor dem Anderen zunimmt. Ein genialer Film, ein Meisterwerk.

Die Körperfresser kommen (OT: Invasion of the Bodysnatchers). Regie: Philip Kaufmann, Drehbuch: W. D. Richter, Produktion: Robert H. Solo, Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright. USA 1978, 113 Min.

Im Reich der Sinne oder Ist Pornografie manchmal auch Kunst?

Ist Pornografie Kunst? Diese Frage musste sich einer der Skandalfilme an und für sich, der japanische Spielfilm Im Reich der Sinne (1976), gefallen lassen. Noch während der damaligen Berlinale wurde der Film beschlagnahmt und als Hardcore Porno bezeichnet. Filmkritiker gingen mit Protesten gegen das Vorgehen der deutschen Behörden vor, denn für sie war klar, dass Nagisa Oshimas Film Kunst darstellte – und Kunst ist u. a. dazu da, um zu provozieren.

Später wurde die Beschlagnahmung tatsächlich zurückgenommen, der Film erhielt – wahrscheinlich als Nachtritt gegen die deutschen Beamten – das Prädikat besonders wertvoll. Im Reich der Sinne besteht aus einre Aneinanderreihung diverser Sexszenen, die in der Tat ziemlich freizügig umgesetzt wurden. Der Film spielt hauptsächlich nur in einem einzigen Raum, in dem Kichizo und die Geisha Abe Sada Sex haben. Immer mehr verfallen sie dabei einer nicht enden wollenden Lust, die bis zur äußersten Grenze vorangetrieben wird, wobei sie alles andere um sich herum vergessen.

Japanisches Originalplakat von „Im Reich der Sinne“

Ist Im Reich der Sinne nun Pronografie oder ist er Kunst? Was, wie ich glaube, den Film von einem Porno unterscheidet, ist, dass Oshima mit den Sexszenen eine sowohl künsterlische als auch soziologische Aussage treffen möchte. Indem er nur die beiden Figuren zeigt, zeigt er zugleich Menschen, die sich nur noch ihren Trieben hingeben und sich dabei gegenseitig selbst zerstören. Die reine Lust daher als ein Gegenpol zu den Merkmalen, mit denen sich der Mensch selbst als ein höheres Wesen definiert. Wenn diese Merkmale wegfallen, bleibt von dem höheren Wesen nicht mehr viel übrig. Die soziologische Gegenüberstellung Zivilisation contra Barbarei kommt einem dabei in den Sinn. Und vielleicht ist es genau das, was Oshima damit ausdrücken wollte: es braucht nicht viel, um aus zivilisierten Menschen unzivilisierte Kreaturen zu machen.

Andererseits besitzt Im Reich der Sinne durchaus pornografische Merkmale. Der erregierte Penis fehlt hier genauso wenig wie die Penetration. Zwar nicht in Großaufnahme, sondern noch immer innerhalb eines spielfilmartigen Rahmens, doch sind dies eben Merkmale, die in anderen Filmen nur angedeutet werden. Etwa wie in Shame (2011) von Steve McQueen, in dem selbst die pornografische Choreografie am Ende des Films keineswegs eine skandalöse Ebene erreicht.

Selbst aus heutiger Sicht erscheint Im Reich der Sinne sehr gewagt. Nicht einmal Jess Francos Werke aus den 70er Jahren, denen Kritiker damals gerne pornografische Absichten unterstellten, erreichen diese Ebene. Letztendlich aber bleibt es jedem selbst überlassen, ob er in dem Film eine Art Porno sieht oder ob es sich um provozierendes Kino der Protestepoche handelt.

Im Reich der Sinne. Regie, Drehbuch, Produktion: Nagisa Oshima, Darsteller: Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda. Japan/Frankreich 1976, 105 Min.