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Posts Tagged ‘Filme der 60er’

„Im Wartezimmer erwarten Sie die toten Augen des Dr. Dracula“, hieß es damals im deutschen Trailer zu Mario Bavas Film, der inzwischen als sein Meisterwerk betrachtet wird. Der Originaltitel lautete „Operazione Paura“ (Aktion Angst), stammt aus dem Jahr 1966 und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten Filme Bavas.

Es geht um Dr. Paul Eswai, der in ein einsam gelegenes Dorf geholt wird, um dort einen ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Eine junge Frau hat sich vom Kirchturm gestürzt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige unheimliche Todesfall ist, sondern bereits mehrere Bewohner auf unerklärliche Weise Selbstmord begangen haben. Eswai bekommt mit, dass die Bewohner Angst vor einem Fluch haben. Denn vor einiger Zeit starb die Tochter der Baronin von Graps an ihren Verletzungen, die sie sich bei einem Unfall zugezogen hat. Seitdem soll das Mädchen in dem Dorf spuken und einen Bewohner nach dem anderen in den Tod ziehen. Eswai, der von dem Aberglauben der Bewohner nichts hält, sucht nach einer rationalen Erklärung, was ihn letztendlich in das Schloß der sonderbaren Familie von Graps führt …

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so könnte man sagen, dass „Die toten Augen des Dr. Dracula“ eine absolute Wucht ist. Von Anfang an herrscht eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, beginnend mit dem Selbstmord der jungen Frau, der auf unglaublich drastische Weise umgesetzt wurde, indem die Szene damit endet, dass die Frau von den Spitzen eines Zauns aufgespießt wird.

Dr. Eswai begegnet dem unheimlichen Mädchen. Man beachte auch die wundervolle, gemäldeartige Farbgebung; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Hierbei orientiert sich Bava an Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem einer ähnlichen Szene eine Schlüsselrolle zukommt. Geht es in Hitchcocks freudianischem Thriller um Wahn und Albträume, so führt Bava diese Themen in „Operazione Paura“ weiter und verbindet diese mit den Aspekten Aberglauben und unerklärliche Phänomene. Dabei steht bei ihm vor allem die Schaffung einer dichten, unheimlichen Atmosphäre im Vordergrund.

Gespenstische Laute, das Heulen des Windes, ein unheimliches Schloss, ein kleines, bleiches Mädchen, das immer wieder vor den Fenstern erscheint und bei den Leuten Todesangst verursacht – all dies sind nur wenige Aspekte, die die unglaublich dichte Atmosphäre des Films ausmachen. Am bekanntesten ist sicherlich das Ball-Motiv. In den entsprechenden Szenen springt der Ball des Mädchens wie von Geisterhand Treppen hinunter oder rollt einen Flur entlang. Speziell diese Szenen werden bis heute immer wieder zitiert.

Nicht weniger erstaunlich ist die surreale Ästhetik, die den Film beherrscht. Das nicht enden wollende Treppenhaus oder, noch intensiver, die Szene, in der Dr. Eswai einem Mann hinterherrennt, wobei er wie in einer Endlosscheife ständig dasselbe Zimmer passiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich selbst verfolgt hat.

Das unheimliche Schloss der Baronin von Graps; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Wenn es einen Film gibt, der sich mit Spuk in all seinen Facetten beschäftigt, dann ist es „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Kaum ein anderer Film kommt dieser Achterbahnfahrt durch das Unheimliche und das Übernatürliche näher als dieses filmische Kunstwerk. Martin Scorsese bezeichnete „Operazione Paura“ als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Auch Frederico Fellini war von Bavas Film überaus begeistert. Dario Argento nahm sich „Die toten Augen des Dr. Dracula“ als Vorbild für sein Meisterwerk „Suspiria“ (1978).

Mario Bavas Film gilt zudem als Ursprung des sog. „Child Horror“, also des Subgenres, in dem das Böse oder Unheimliche von Kindern ausgeht, wie z.B. in „Das Omen“ oder den von Bava stark beeinflussten modernen koreanischen Horrorfilmen, die ab den 90er Jahren entstanden. Somit zählt „Operazione Paura“ zu dem bedeutensten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

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Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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Interessanterweise schlich sich in Roger Cormans berühmte Reihe von Poe-Verfilmungen auch ein Drehbuch, das auf einem Roman von H. P. Lovecraft basiert. Es handelt sich dabei um die Adaption von „Der Fall des Charles Dexter Ward“. Wie in fast allen Horrorfilmen der amerikanischen Produktionsfirma American International Picture, die sozusagen die amerikanische Konkurrenz zu den englischen Hammer-Filmen darstellte, spielte auch hier Horrorikone Vincent Price die Hauptrolle.

Der Film beginnt im Neuengland des Jahres 1756. Der Hexenmeister Curwen wird auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Kurz vor seinem Tod verflucht er das Dorf Arkham bis in alle Ewigkeit. Etwa 100 Jahre später zieht Charles Dexter Ward, ein entfernter Verwandter Curwens, in das Haus des Hexenmeisters. Doch kaum ist er zusammen mit seiner Frau Ann darin eingezogen, als es auch schon zu mysteriösen Todesfällen kommt. Die Einwohner erinnern sich an den Fluch und beschuldigen Ward, dafür verantwortlich zu sein. Unglücklicherweise hat dieser die Aufzeichnungen seines Vorfahren entdeckt und beginnt zunehmend die Eigenschaften Curwens anzunehmen …

Nachts am Friedhof – ein Beispiel für die erstklassige Farbgebung und die wundervollen Kulissen des Films; „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (1963); Copyright: e-m-s

„The Haunted Palace“, so der Originaltitel, gehört zu den besten Filmen Roger Cormans. Zwar bezieht sich der Film nur in Ansätzen auf die Romanvorlage und teilt damit das Schicksal der verfilmten Werke Edgar Allan Poes, doch liefert Corman in diesem Streifen eine durchgehend düstere und bedrückende Atmosphäre sowie eine durchweg spannende Handlung. In kleinen Anspielungen auf Lovecrafts Werk tritt ein Fischmensch auf und gegen Ende des Filmes sogar Cthulhu höchstpersönlich.

Die Kulissen, welche die Stadt Arkham darstellen, sind äußerst liebevoll und bis ins Detail gestaltet. Lovecraft hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Vincent Price spielt einmal mehr eine durch und durch tragische Figur, deren psychischer Schmerz Ursache für alles Unheil ist. Dies gelingt Price wie immer hervorragend. Sein dämonisch-finsterer Blick sowie seine klassisch anmutende Gestik sind einfach typisch für fast alle seine Filme und besitzen bis heute Kultcharakter.

Auf diese Weise gelang des Corman, Lovecrafts Vorlage äußerst feinfühlig umzusetzen. Dies macht „Die Folterkammer des Hexenjägers“ zu einem wunderbaren Filmvergnügen – und zwar immer wieder von neuem.

Die Folterkammer des Hexenjägers (OT: The Haunted Palace), Regie u. Produktion: Roger Corman, Drehbuch: Charles Beaumant, Darsteller: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney, Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes. USA 1963, 84 Min.

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Der Klassiker „King Kong“ führte nicht nur zu einer Reihe mehr oder weniger gelungener Remakes, sondern auch zu Filmen, die sich allein des Themas Riesengorilla annahmen. Einer davon ist der 1961 produzierte Horrorfilm „Konga“.

In dieser Produktion geht es um den gleichnamigen Schimpansen, der von dem Wissenschaftler Charles Decker aus Afrika mitgebracht wird. Allerdings bringt der Professor auch Proben mysteriöser Pflanzensäfte mit, welche das Wachstum beschleunigen. Konga dient von nun an als Versuchsobjekt. Das Resultat ist, dass Konga tatsächlich an Größe gewinnt. Da aber werden Decker die Forschungsgelder gestrichen. Aus lauter Wut entwickelt der Professor durch Hypnose Konga zu einem Mordwerkzeug, mit dem er unliebsame Zeitgenossen im Forschungsbereich außer Gefecht setzen kann. Doch bei Konga hört gleichzeitig das Wachstum nicht auf. Schon bald besitzt er die Größe von Big Ben und macht ganz London unsicher.

Was wie die Handlung zu einem typischen B-Movie klingt, entpuppt sich überraschenderweise als ein recht impulsives Drama, in dem ein vollkommen egoistischer Mensch durch seine unreflektierte Handlungsweise das Leben seiner Mitmenschen und schließlich sich selbst zerstört. Er behandelt seine langjährige Gehilfin Margaret äußerst kalt und übergeht dabei ständig ihre Liebe zu ihm. Als sie jedoch sieht, wie Decker einer Studentin nachstellt und dabei versucht, diese zu vergewaltigen, entsinnt Margaret einen spontanen Racheplan, indem sie Konga eine Überdosis des Wachstumsmittels verabreicht.

Gleich haut Konga auf den Putz; „Konga“ (1961); Copyright: Anolis Entertainment

Konga wird dadurch ebenfalls zu einer tragischen Figur stilisiert, da der harmlose Schimpanse durch das Eingreifen des Menschen zu einem Monster mutiert. Zum Schluss besitzt er die Kraft, sich an der Menschheit zu rächen. Auch Margaret, die sich bisher eigentlich stets liebevoll um ihn gekümmert hat, wird von Konga bestraft. Als der riesenhafte Konga gegen Ende des Films durch das nächtliche London stapft und dabei seine Zerstörungswut auslässt, begegnet ihm die Regierung mit einem militärischen Aufgebot, das den Riesenaffen mit Raketenwerfern außer Gefecht setzen soll.

„Konga“ ist somit ein sehr düsterer und pessimistischer Film, in dem sämtliche Figuren leiden. Glückliche Momente sind stets nur von kurzer Dauer. Die Katastrophe nimmt überhand und zieht letztendlich alle Figuren in ihren Sog. Dabei liefert „Konga“ eine extrem scharfe Kritik am menschlichen Forschergeist, der dazu führt, dass der in der Natur bestehende Ausgleich über den Haufen geworfen wird. Wissenschaftler, so der Film, sehen in der Natur ein reines, seelenloses Objekt, das man für seine eigenen Zwecke missbrauchen darf. Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der Decker seine Katze kaltblütig erschießt, nachdem sie etwas von dem Serum genascht hat. Im radikalen Gegensatz dazu steht erneut die schockierte Margaret, die nicht glauben kann, was Decker gerade getan hat.

„Konga“ sticht mit einer überraschenden Tiefgründigkeit hervor, lässt dabei aber auch nicht die Action zu kurz kommen. Hervorragende Schauspieler (allen voran Micharl Gough als Professor) runden den Trash-Klassiker auf eine wundervolle Weise ab.

Konga, Regie: John Lamont, Drehbuch: Aben Kandel, Herman Cohen, Produktion: Herman Cohen, Darsteller: Michael Gough, Margo Johns, Jess Conrad. England 1961, 86 Min.

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gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

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rhodosDer Koloss von Rhodos zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Angeblich soll er eine Art Leuchtturm in Gestalt einer gewaltigen Götterstatue gewesen sein, die den Eingang zum Hafen von Rhodos bewachte. Bis heute rätseln Historiker und Archäologen darüber, ob es dieses gigantische Bauwerk tatsächlich gegeben hat. Des Weiteren stellen sich Experten die Frage, wie diese monumentale Statue aufgrund ihres tonnenschweren Gewichtes überhaupt stehen konnte. Sollte es den Koloss von Rhodos wirklich gegeben haben, so lautet die einhellige Meinung, setzt dies ein ungeheures Maß an Know-how in Konstruktion und Materialverwertung voraus.

Unbeeindruckt von all diesen historischen Spekulationen und bauphysikalischen Rätseln, drehte der berühmte Regisseur Sergio Leone Anfang der 60er Jahre einen Film, der genau dieses Weltwunder zum Thema hat. Die Produzenten verlangten von ihm einen der damals in Mode gewesenen Sandalenfilme, in denen eingeölte Muskelmänner Römer verhauten. Leone aber widersetzte sich diesen Vorgaben und drehte einen Film, der das Wort monumental wirklich beanspruchen kann.

Die Handlung ist recht schnell erzählt: Der griechische General Darios erholt sich in Rhodos für ein paar Tage von seinen Kampfstrapazen. Er ist Ehrengast des Tyrannen Xerxes. Das ruhige, angenehme Leben ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Darios unvermittelt in einen Aufstand verwickelt wird, durch welchen Xerxes gestürzt werden soll. Intrigen und offene Konflikte durchziehen die gesamte Geschichte und kumulieren gegen Ende in einem gigantischen Spektakel, in dem Kämpfe, Erdbeben und weitere Naturgewalten sich zu einem einzigen Strudel der Ereignisse vermischen.

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Die Riesenstatue in Sergio Leones Erstlingswerk aus dem Jahr 1961; Copyright: e-m-s

Darios besitzt nicht die Charakterzüge eines Herkules, der etwas naiv, aber stets hilfsbereit die Unterdrückten von ihren Unterdrückern befreit. Im Gegenteil, er ist am politischen Leben stark interessiert und bildet sich darüber seine eigenen Meinung, die er gerne mit einer Prise Ironie verkündet, wie zum Beispiel: „Deine Insel des Friedens ist etwas turbulent“ oder: „Für eine Insel des Friedens sind zwei Morde am Tag ein bisschen viel“ oder: „Wenn das hier eine Insel des Friedens ist, dann ziehe ich den Krieg aber vor!“

Sergio Leones Erstling kennt in der Tat keine einzige friedliche Minute. Über 130 Minuten lang wird Darios gejagt, kommt es zu Kämpfen oder zu gemeinen Morden. Die letzte halbe Stunde gehört dabei zu den fulminantesten Actionszenen, die bis heute gedreht wurden: Noch während der Kampf zwischen den Truppen Xerxes‘ und den Aufständischen tobt, bricht ein gewaltiges Erdbeben los, bei dem die gesamte Stadt zerstört wird. Straßen reißen auf, Gebäude stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik. Der Kampf erreicht im schwankenden Koloss seinen Höhepunkt, bevor dieser schließlich – wie es in antiken Überlieferungen berichtet wird – ebenfalls zusammenbricht.

Der Film besticht jedoch nicht allein durch seine witzige Ironie und seine turbulente Action, sondern auch durch seinen deftigen, teils schwarzen Humor und seine Selbstironie, die beinahe den gesamten Film durchzieht.

Der Koloss von Rhodos (OT: Il colosso di Rodi), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Chitarini, Ennio De Concini, Produktion: Michele Scaglione, Darsteller: Rory Calhoun, Lera Massari, Gerges Marchal, Italien/Spanien/Frankreich 1961, 137 Min.

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diemonsterdie„Can you stand PURE TERROR?“ war auf dem damaligen Kinoplakat zu dem Film „Die, Monster, Die!“ zu lesen, der in Deutschland unter dem Titel „Das Grauen von Schloss Witley“ in die Kinos kam. Das Drehbuch basiert auf der Erzählung „Die Farbe auf dem All“ von H. P. Lovecraft. Obwohl auch dieser Film von American International Pictures stammt, wirkt hier nicht Stammschauspieler Vincent Price mit. Stattdessen ließ die Produktionsfirma einen weiteren Star des Horrorgenres auf die Zuschauer los. Es handelte sich dabei um keinen Geringeren als Boris Karloff, der als wahnsinniger Wissenschaftler für Furore sorgen sollte.

Der Film erzählt von Stephen, der seine Verlobte Susan auf Schloss Witley besucht. Kaum ist er dort, als Susans Mutter beide drängt, das Schloss sofort zu verlassen. Doch Stephen möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Schlosses kommen, in dem Susans Vater unheimliche Experimente durchführt. Schließlich treten sie dem „puren Terror“ von Angesicht zu Angesicht gegenüber …

„Die, Monster, Die!“ ist zwar ein gelungener Trash-Horror aus dem Hause AIP, besitzt aber zugleich nicht die Qualität und den Charme der Vincent-Price-Filme, auch wenn SF- und Horrorautor Jerry Sohl das Drehbuch verfasste. In David Hallers Film stehen Alleskönner Stephen und seine stets kreischende Verlobte einem müde erscheinenden Boris Karloff gegenüber. Was man dem Film aber dennoch zugute halten muss, ist, dass es ihm gelingt, den Zuschauer immer wieder zu überraschen.

Ebenso interessant ist, dass „Die, Monster, Die!“ gezielt auf Schockeffekte setzt. Im Kino verfehlten diese sicherlich nicht ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um den Einsatz von nervenaufreibender Stille, der unerwartet ein lautes Geräusch folgt, um dadurch das Publikum aus den Kinositzen fahren zu lassen. Gerne wird diese Methode auch in heutigen Filmen eingesetzt wird. So wirken die Schockeffekte, mit denen „Das Grauen von Schloss Witley“ gewürzt ist, auch heute noch, was den Unterhaltungsgrad des Films noch erhöht.

Mit dem Werk Lovecrafts hat der Film natürlich kaum noch etwas zu tun. Als klassischer Horrorfilm aber ist er immer wieder sehenswert.

Das Grauen auf Schloss Witley (OT: Die, Monster, Die!), Regie: Daniel Haller, Drehbuch: Jerry Sohl, Produktion: Pat Green, Darsteller: Boris Karloff, Nick Adams, Susan Farmer, Freda Jackson, Paul Farrell, Terence de Marney. USA 1965, 75 Min.

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