FuBs Klassikbox: Die Piratenkönigin (1951)

Gleich am Anfang feuern die Kanonen; „Die Piratenkönigin“ (1951); © 20th Century Fox

So ziemlich alles, was Regisseur Jacques Tourneur anpackte, wurde zum Klassiker. Egal, ob es sich um den Noir-Thriller „Blondes Gift“ handelt oder die Horrorfilme „Katzenmenschen“, „Ich folgte einem Zombie“ und „Night of the Demon“, die Filme entwickelten sich nicht nur zu Kassenschlagern, sondern gingen in die Filmgeschichte ein. Doch war Tourneur nicht nur im Thriller- und Horrorgenre beheimatet, sondern drehte auch Western und den Abenteuerfilm „Die Piratenkönigin“ (Anne of the Indies). Mit letzterem setzte er ebenfalls einen Meilenstein im Filmschaffen.

Denn „Die Piratenkönigin“ ist einer der ersten Abenteuer- bzw. Piratenfilme, in der eine Frau die Hauptrolle hat. Schauspielerin Jean Peters spielt Anne Providence, Kapitänin eines Piratenschiffs, das von der englischen Flotte gejagt wird. Eines Tages versenken Anne und ihre Mannschaft ein englisches Kriegsschiff. Mit an Bord ist der Franzose Pierre LaRochelle, der als Gefangener nach Großbritannien gebracht werden sollte. Anne, die Gefallen an La Rochelle findet, setzt ihn als Ersten Maat ein – obwohl ihr Arzt sie vor dem Mann warnt. Doch das Schicksal nimmt seinen genauso abenteuerlichen wie dramatischen Lauf …

Kanonendonner, wilde Gefechte und jede Menge Seemannsflüche, „Die Piratenkönigin“ zählt zu den aufregendsten Piratenfilmen Hollywoods. Jede Menge Action, eine überaus spannende Handlung und eine wunderbare Vielfalt an rauen Gesellen machen Tourneurs Seeabenteuer zu einem echten Filmereignis, bei dem sich die dramatischen und aufregenden Ereignisse die Klinke in die Hand geben, sodass der Film alles kennt, außer einer ruhigen Minute.

Anne Providence (Jean Peters) baum Hauen und Stechen; „Die Piratenkönigin“ (1951); © 20th Century Fox

Bereits 1947 begannen die ersten Drehbuchentwürfe, die auf einer Erzählung von Herbert Sass basiert. Sass selbst sollte ein Skript entwerfen, doch landete dieses erst einmal in der Schublade. Erst wenige Jahre später wurde das Projekt wieder aufgenommen, doch Sass‘ Konzept, das sich stark an der tatsächlichen Geschichte von Anne Bonny orientierte, wurde so sehr verändert, dass außer dem Vornamen der Piratenkapitänin nichts mehr übrig blieb. 1951 kam der Film schließlich in die Kinos und machte Jean Peters endgültig zum Star.

Wie vorhin erwähnt, lehnt sich die Figur Anne Providence an der tatsächlichen Piratenkapitänin Anne Bonny (1698 – 1782) an, die damals die Meere unsicher gemacht hatte und zusammen mit ihrer „Kollegin“ Mary Read für jede Menge Angst und Schrecken sorgte. Sie wurde gefangengenommen und entkam nur knapp dem Galgen. Später heiratete sie und lebte in einer Stadt in South Carolina.

1995 versuchte man eine Art Remake unter dem Titel „Die Piratenbraut“, doch heißt hier die Kapitänin Morgan Adams. Während Tourneurs Film zum Kassenschlager wurde, entwickelte sich „Die Piratenbraut“ zum größten Flop der Filmgeschichte.

Die Piratenkönigin (OT: Anne of the Indies). Regie: Jacques Tourneur, Drehbuch: Arthur Caesar, Philip Dunne, Produktion: George Jessel, Darsteller: Jean Peters, Louis Jordan, Thomas Gomez, Herbert Marshall. USA 1951

FuBs Klassikbox: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1959)

Die Dinos haben Hunger; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

„Halt den Mund, Weib, sonst drehen wir die Szene zehn weitere Male!“, soll James Mason zu Arlene Dahl gesagt haben, die während des Drehs auf einem Floß Angst vor dem vielen Wasser bekommen hatte, mit dem die Crew die Schauspieler bespritzte. Die Aufnahme übernahm Regisseur Henry Levin in die Endfassung seines neuesten Films, wobei das, was Mason sagte, natürlich mit einem anderen Satz überspielt wurde.

Mit dem neuesten Film war „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gemeint. Nach dem Welterfolg von „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1954) zählt Henry Levins Adaption ebenfalls zu den absoluten Klassikern von Jules Verne-Verfilmungen. Auch wenn sich der Film nicht ganz an die literarische Vorlage hält, so ist sie dennoch eine wunderbare Mischung aus Abenteuer- und Science Fiction-Film.

Wohin führt dieser Weg?; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

Wie der Titel bereits sagt, geht es um eine Expedition ins Innere der Erde. Oliver Lindenbrook erhält von seinem Studenten Alec einen Lavastein, in dem sich ein Senkblei befindet. Auf dem Objekt befindet sich eine Botschaft des schwedischen Gelehrten Arne Saknussemm, der vor 300 Jahren spurlos verschwunden ist. Alecs Fund nimmt Lindenbrook zum Anlass, selbst den Mittelpunkt der Erde aufzusuchen. Zusammen mit Alec, der Witwe Carla Goetaborg und dem Isländer Hans machen sie sich auf den Weg …

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist überaus spannend in Szene gesetzt und fasziniert jedes Mal aufs Neue mit seinen wundervoll gestalteten Kulissen. Die Salzwüste mit den sonderbaren Wurzeln, die Kristallhöhle oder – am wohl berühmtesten – der Wald aus Riesenpilzen, all das begeistert immer wieder – und natürlich der unterirdische Ozean, auf dem Arlene Dahl ihre Panikattacke bekommen hat (gedreht wurde in einem Pool). Natürlich kommen dabei auch der Humor und die Action nicht zu kurz – hierbei darf man den rollenden Felsen nicht verschweigen, auf den Spielberg später in „Indiana Jones“ nochmals Bezug nahm. Nicht zu vergessen die Leguane, die mit den aufgeklebten Rückenschildern als Dinosaurier herhalten mussten.

Eigentlich hätte der berühmte Schauspieler Clifton Webb die Rolle des Oliver Lindenbrook übernehmen sollen (vom Aussehen her hätte er wunderbar in die Rolle gepasst), doch wurde er kurz vor Beginn der Dreharbeiten schwer krank. Aus dem Grund engagierte Henry Levin James Mason, der zuvor bereits Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“ gespielt hatte und somit bereits Jules Verne-erprobt war. Alec wurde von dem Sänger Pat Boone dargestellt, der damals fast genauso bekannt wie Elvis war. Arlene Dahl, die Carla Goetaborg spielt, galt damals als eine der schönsten Frauen. Der schwedische Zehnkämpfer Peter Ronson spielte den Isländer Hans – es war sein einziger Ausflug ins Filmgeschäft. Trotz weiterer Rollenangebote konzentrierte er sich danach wieder auf den Sport. Nicht vergessen darf man den eigentlichen Star des Films, die Ente Gertrud, die im Roman zwar nicht vorkommt, aber für viele heitere Momente sorgt.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde wie auch schon „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu einem Riesenerfolg. Zudem war er mehrfach für den Oscar nominiert, erhielt jedoch keine der Trophäen.