Therapie für einen Vampir – Die Gruselkomödie aus Österreich

In Sachen Phantastik im Allgemeinen und Horror im Speziellen sind Österreichs Filmemacher ihren deutschen Kollegen einen großen Schritt voraus. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche kulturelle Bewertung des Genres. Auf diese Weise entstand bereits 2014 die Vampirkomödie „Therapie für einen Vampir“, dessen österreichischer Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“ lautet.

Erzählt wird die Geschichte von Graf Geza von Kösznöm, der in den 30er Jahren Sigmund Freud aufsucht, um mit ihm über seine Eheprobleme zu sprechen. Denn von seinem untoten Leben hat er mehr als nur genug, seitdem seine Frau Elsa sich ständig darüber beklagt, dass sie sich nicht in einem Spiegel bewundern kann. Daher soll Freuds Asssistent Viktor von Elsa ein Proträt anfertigen, damit sie sich auf diese Weise betrachten kann. Doch damit beginnt erst das Schlamassel …

„Therapie für einen Vampir“ ist eine durch und durch witzige Komödie, die sich über die zunehmende Ich-Bezogenheit, Burn-out und Glücklichsein-Tipps lustig macht. Dabei wird keineswegs moralisiert, sondern auf köstliche und vor allem unerhört leichte Weise sowohl das Vampirgenre aufs Korn genommen als auch das sog. Mental Coaching, mit dem sich manche Leute ungeheuer wichtig vorkommen.

Österreichisches Filmplakat mit dem Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“

Dabei bleibt der Film keineswegs oberflächlich, sondern schafft eine in seiner Symbolik liegende Tiefe, die sich immer wieder im Spiegel offenbart. Klarerweise setzt Regisseur David Rühm der Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes einen Spiegel vor. Doch geht er auch noch einen gewitzten und überaus satirischen Schritt weiter. Denn der Spiegel reflektiert nichts und das Gemälde möchte einfach nicht fertig werden. Rühm zeigt dadurch den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft, der sich in einer erschreckenden emotionalen und geistigen Leere präsentiert.

„Therapie für einen Vampir“ gewann 2015 den Internationalen Publikumspreis und blieb in Deutschland bisher dennoch ein Geheimtipp. Und dies trotz Starbesetzung. Graf Geza wird hervorragend von Tobias Moretti gespielt, und ebenso mit von der Partie ist David Bennent, der u. a. auch in Ridley Scotts Fantasyfilm „Legend“ mitwirkte. Karl Fischer erhielt für seine Rolle des Sigmund Freud den Österreichischen Filmpreis. Kurz: Wirklich sehenswert.

Therapie für einen Vampir. Regie u. Drehbuch: David Rühm, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Tobias Moretti, Jeannette Hain, Dominic Oley, Cornelia Ivancan, David Bennent, Karl Fischer. Österreich 2014, 83 Min.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen (2016)

Egon Schiele war einer der wichtigsten Maler der Wiener Moderne, zugleich lösten seine expressionistischen Zeichnungen und Gemälde immer wieder Skandale aus. Vor allem ein Dorn im Auge war der Justiz, dass er Akte von jungen Mädchen (u. a. auch von seiner Schwester) schuf. Dies brachte Schiele für ein knappes Monat ins Gefängnis.

2016 entstand die österreichisch-luxemburgische Koproduktion „Egon Schiele: Tod und das Mädchen“, die das Leben des Malers nachzeichnet. Regisseur Dieter Berner beginnt den Film mit Schieles Erinnerungen an seinen wahnsinnig gewordenen Vater, der das gesamte Familienvermögen im Kamin verbrannte. Das Kernstück des Films aber konzentriert sich auf Schieles Beziehungen zu seiner Schwester Gerti, seiner Freundin Walli, seiner späteren Frau Edith sowie der Tänzerin Moa – also auf die Frauen, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Berner verzichtet dabei auf eine spektakuläre Inszenierung, wie dies sicherlich in einem Hollywoodfilm der Fall gewesen wäre, sondern zeigt Schieles Lebensstadien in eher ruhigen und überaus feinfühligen Bildern. Hierbei dominieren die düsteren Farben, nur wenige hell ausgeleuchtete Szenen verweisen auf die wenigen glücklichen Momente in Schieles Leben.

Erst als er Klimts Model Wally Neuzil trifft, scheint für ihn eine geordnete Lebensphase zu beginnen. Wally wird zu seiner Muse, doch als er zum Militär muss, beginnt er zu zweifeln, ob sie wirklich die richtige Frau für ihn ist. Dieser Zweifel wird noch dadurch verstärkt, da er inzwischen Edith Harms kennengelernt hat, die im Haus gegenüber seines neu eingerichteten Atteliers lebt und mit der er eine heimliche Beziehung hat.

Berner bleibt nie oberflächlich, sondern geht in den Szenen bis ins Detail. So vergisst er auch nicht Gustav Klimt in Malerkittel und Katze zu zeigen, so wie auf dem berühmten Porträtfoto. Schieles Erfolg gipfelt schließlich in der ausschließlich seinem Werk gewidmeten Ausstellung in der Wiener Secession im Februar 1918, nur wenige Monate vor seinem Tod.

All dies bettet Berner in eine Rahmenhandlung ein, die Schieles letzte Stunden zeigen. Die Spanische Grippe wütet, und seine Frau Edith ist kurz zuvor gestorben. Seine Schwester Gerti kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, setzt den Familienschmuck ein, um für ihn Medikamente zu kaufen. Doch alles hilft nichts, Schiele stirbt mit nur 28 Jahren.

Dieter Berner schuf mit dem Bio-Pic einen wunderbaren Film, der sicherlich zu den besten Produktionen aus Österreich zählt, die in den letzten Jahren hergestellt wurden. Die eindringliche Wirkung wird durch ein erstklassiges Ensemble erzielt, bestückt mit teils noch unbekannten Schauspielern, wie etwa Noah Saavedra, der Egon Schiele spielt, oder Maresi Riegner als seine Schwester.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen. Regie: Dieter Berner, Drehbuch: Hilde Berger, Dieter Berner, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Marie Jung, Larissa Breidbach, Cornelius Obonya, Nina Proll. Österreich/Luxemburg 2016, 110 Min.

 

Blutgletscher: Österreichs Alpenmonster erobern die Filmwelt – Eine Rezension

blutgletscherÖsterreichs Filmemacher machen es ihren deutschen Kollegen vor. Statt sich auf 08/15-Komödien zu konzentrieren, versucht man sich in der Alpenrepublik in verschiedenen Genres. Dabei gibt es auch immer wieder einen Abstecher in das von deutschen Produzenten so geschmähte Horrorgenre. Nach den Erfolgen der beiden „In drei Tagen bist du tot“-Filme und dem sich auf Ästhetik und Atmosphäre konzentrierenden „Hotel“ kommt nun der neueste Streich mit dem Titel „Blutgletscher“.

Es geht um eine Klimaforschungsstation in den Alpen. Wissenschaftler entdecken dort einen rötlich verfärbten Gletscher. Kurz darauf geschehen sonderbare Dinge vor sich. Bizarre Mutationen (halb Säugetiere, halb Insekten) machen Jagd auf die Forscher.

Die  Machart von „Blutgletscher“ stellt den österreichischen (Horror-)Film auf eine neue Ebene. Dies hat vor allem mit den Monstern zu tun, welche in dem Film ihr Unwesen treiben und in früheren deutschsprachigen und vor allem österreichischen Horrorfilmen quasi nicht existierten. Die Mutationen sind recht gelungen. Die oben erwähnte Mischung aus Säugetieren und Insekten verleihen den „Viechern“ eine wunderbar trashige Note (die 50er Jahre lassen grüßen). Dabei sind wir auch schon bei einem weiteren Aspekt des Films. Marvin Kren geht in „Blutgletscher“ eine gekonnte Gradwanderung zwischen Trash und Horror ein, wobei er stellenweise auch einen eigenwilligen Humor durchscheinen lässt. Das beste Beispiel dürfte hierbei die „Pinkelszene“ sein, welche ohne Diskussion die Note 1 erhält. Aber auch andere Szenen sind nicht ohne Ironie bzw. Selbstironie.

Bei all dem Monsterkloppen muss man jedoch auch folgendes erwähnen: „Blutgletscher“ wird mit den Worten „Österreichs Antwort auf Das Ding aus einer anderen Welt“ beworben. Bei der Sichtung des Films kommt man nicht umhin, sämtliche anderen Filme herauszufiltern, bei denen sich Regisseur Marvin Kren bedient. Sein Film ist zwar sehr unterhaltsam, die Schockeffekte sind sehr gut umgesetzt und alles in allem macht der Film Spaß. Doch leider findet Kren aufgrund seiner Zitatitis nicht zu einem eigenen Stil. Dadurch kommt „Blutgletscher“ über eine Zusammensetzung diverser Filmzitate kaum hinaus. Angefangen von dem „Ding“, über „Frozen“ und „The last Winter“ bis hin zu „Keiler“ und nicht zu vergessen der Trash-Granate „Die Prophezeiung“ findet sich darin so ziemlich alles, was mit Mutationen (ob außerirdisch oder durch Umweltverschmutzung verursacht) zu tun hat.

Trotzdem ist der Film sicherlich wegweisend für weitere Horrorfilme made in Austria. Wer einen trashigen Horrorfilm mit abgefahrenen Alpenmonstern sehen möchte, ist hier genau richtig.

Blutgletscher, Regie: Marvin Kren, Drehbuch: Benjamin Hessler, Produktion: Helmut Grasser, Darsteller: Gerhard Liebmann, Edita Malovcic, Brigitte Kren, Santos, Hille Beseler, Felix Römer. Österreich 2013, Laufzeit: 97 Min.