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Posts Tagged ‘Filme aus Japan’

Japan hatte sich ab Beginn des neuen Jahrtausends vor allem auf den Export von Horrorfilmen verlegt. J-Horror war in aller Munde. Neben den Animes gehörte dieses Genre zu den wichtigsten Einnahmequellen der japanischen Filmindustrie. Dabei gerieten jedoch Produktionen aus anderen Genres eher ins Hintertreffen. Umso schöner war es daher, als es 2008 dann doch ein recht außergewöhnliches japanisches Fantasy-Action-Spektakel bis nach Deutschland geschafft hatte: „K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske“.

Die Geschichte spielt in einer Alternativwelt, in welcher der Zweite Weltkrieg nie stattgefunden hat. Es ist das Jahr 1949. Die Gesellschaft ist gespalten in Arm und Reich. Ein mysteriöser Krimineller, der unter dem Namen „Das Phantom mit den 20 Masken“ bekannt ist, versucht, gegen die Regierung anzukämpfen. Eine Verwechslung führt dazu, dass der Zirkusakrobat Heikichi für K-20 gehalten und von der Militärpolizei verhaftet wird. Nach einer spektakulären Flucht, kennt Heikichi nur ein Ziel: er möchte sich an dem echten K-20 rächen. Dadurch wird er allerdings ungewollt zum Helden. Denn K-20 hat vor, Teslas Erfindung zur drahtlosen Energieübertragung für die Zerstörung der Welt zu verwenden. Heikichi muss dieses Vorhaben stoppen.

Wer ist nun eigentlich der Schurke? „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Mit einer Dauer von über zwei Stunden wird „K-20“ keine Minute langweilig. Dafür sorgen nicht nur die wunderbaren Stadtkulissen und Spezialeffekte, sondern ebenso die durchaus interessante Handlung. Einmal mehr wird Japan als faschistischer Staat dargestellt („20th Century Boys“ lässt grüßen), Weltsprache ist Deutsch. Die Gesellschaft befindet sich noch immer im tiefsten Feudalismus, obwohl die Technik große Fortschritte macht. Und einmal mehr wird auf den Physiker Nikolas Tesla (1856-1943) Bezug genommen, dessen Namen seit dem Film „Prestige“ in der Phantastikwelt immer wieder gerne herangezogen wird.

Doch die Ideen passen zusammen und liefern einen wunderbaren Hintergrund für die Geschichte eines Mannes, der sich nach und nach zu einem Superhelden entwickelt. Überwiegend konzentriert sich dann auch Regisseurin Shimako Sato auf Action, Spezialeffekte und Witz, sodass der Film zu einem wahren Symbol für Kurzweiligkeit wird.

Einmal grimmig dreinschauen, bitte. „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Shimako Sato beurteilte ihren Film selbst als bloße Unterhaltung im Sinne von „Indiana Jones“. Diese Anspielung fällt auf jeden Fall in der Musik auf, die sich stark an dem Erfolgsfilm orientiert. In der Ästhetik finden sich allerdings eher die Düsternis von „V wie Vendetta“ und die Dramaturgie von „Batman“ wieder. Sato verhindert es jedoch, diese Vorbilder zu kopieren, sondern entwickelt aus diesen beiden Stilen einen ganz eigenen, der einerseits typisch japanisch, andererseits auf klassische Weise westlich orientiert ist. Dadurch gelang ihr einer der wohl besten japanischen Actionfilme.

Titel: K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske (OT: K-20 – Kaijin niju menso den), Regie u. Drehbuch: Shimako Sato, Produktion: Shuji Abe, Seiji Okuda, Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Takako Matsu, Toru Nakamura, Kanata Honga, Yuki Imai. Japan 2008, 142 Min.

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Takashi Miike, der Workaholic unter den Regisseuren, hat es also tatsächlich geschafft: 2017 drehte er seinen 100. Film. Mit „Blade of the Immortal“ legt er eine Manga-Adaption vor, die wahrscheinlich mit dem größten Body Count in die japanische Filmgeschichte eingehen wird.

Es geht um den unsterblichen  Schwertkämpfer Manji, der einem kleinen Mädchen zur Seite steht, um an ihrer Stelle den Mord an ihren Eltern zu rächen. Tatsächlich gibt es nicht mehr zu der Handlung zu sagen. Und das braucht es auch nicht, denn Miikes 100. Film ist ein furioses Action-Schwertkampf-Spektakel, in dem nur so die Körperteile durch die Luft fliegen und das Kunstblut in alle Ecken spritzt.

Takashi Miike, der in seinen Filmen nie zimperlich ist, befindet sich hier somit voll in seinem Element, beinahe scheint es so, als habe er sich damit selbst ein Geschenk machen wollen. Dabei erweist sich der japanische Regisseur einmal mehr als Meister der Optik, als ein Filmästhet, der weiter seinem Motto treu bleibt, dass er seine Filme so drehe wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Während andere Regisseure früher oder später in eine Routine verfallen, so erlebt man in Miikes Filmen stets aufs Neue eine nicht zu bremsende Kreativität, eine hundertprozentige Leidenschaft am Filmemachen.

So eben auch in „Blade of the Immortal“, der mit seinen über zwei Stunden vielleicht ein wenig kürzer hätte ausfallen können, der aber dennoch von Anfang an überzeugt. Auch wenn sich der Film auf eine fast pausenlose Aneinanderreihung von Schwertkämpfen orientiert, so kommt dabei keineswegs Langeweile auf, denn Miike setzt jedes Mal eins oben drauf und verbindet das Ganze zusätzlich noch mit einer angenehmen Portion Ironie und schwarzem Humor. Dies macht „Blade of the Immortal“ zu einem gelungenen 100. Film eines echten Ausnahmetalents.

Blade of the Immortal (OT: Mugen no junin). Regie: Takeshi Miike, Drehbuch: Tetsuya Oishi, Produktion: Misako Salka, Jeremy Thomas, Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Hayato Ichihara. Japan 2017, 140 Min.

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„Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

Die Daiei-Studios waren so etwas wie die Konkurrenz zu den legendären Toho Studios. 1942 gegründet, gingen knapp 30 Jahre später in den Hallen die Lichter wieder aus. Berühmt wurde Daiei durch die „Gamera“-Filme sowie die Filme um den blinden Samurai Zatochi. Geradezu außergewöhnlich sind die „Daimajin“-Filme, in denen es um die riesige Statue eines Kriegsgottes geht, die auf einmal lebendig wird.

Außergewöhnlich ist „Daimajin“ deswegen, da er im Grunde genommen ein Historienfilm ist, der sich im Finale abrupt in einen Monsterfilm verwandelt. Es geht um den Fürst Hanabusa, der eines Tages von seinem Feind Odate gestürzt wird. Hanabusas Kinder können in die Berge fliehen, wo sie von einer Priesterin und dem Samurai Kogenta erzogen werden. Zehn Jahre später herrscht Odate immer noch, und die Verehrung des Kriegsgottes ist verboten. Gab es bereits vor zehn Jahren Anzeichen dafür, dass der Majin langsam zum Leben erwacht, so wird die Statue nun endgültig lebendig und beginnt ihr Werk der Zerstörung.

Originalkinoplakat von „Daimajin“

„Daimajin“ ist ein Film, der mich regelrecht umgehauen hat. Eigentlich hätte schon die dramatische Handlung um Odate und die versteckten Kinder des Fürsten genügt, um den Film mit genug Action und Spannung auszufüllen. Auch die wunderbare Optik gefällt, die sich teilweise an klassischen japanischen Gemälden orientiert. Regisseur Kimiyoshi Yasuda geht jedoch noch einen großen Schritt weiter. Die tragische Geschichte, die im Japan des 17. Jahrhunderts angesiedelt ist, verwebt sich zunehmends mit übernatürlichen Elementen.

Zunächst sind es seltsame Beben, die die Bevölkerung erschrecken und den Glauben wieder aufkommen lassen, dass die Statue des Majin lebendig wird, um sich an den Menschen zu rächen. Im großartigen Finale schließlich wird dieser Glaube Realität und die zehn Meter hohe Götterstatue kommt von den Bergen herunter, um die Siedlung zu zerstören.

Der Majin in Aktion; „Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

In dem Film wirkt nichts kitschig oder überdreht. Es handelt sich auch nicht um einen der typischen japanischen Monsterklopp-Filme. „Daimajin“ ist ungewöhnlich ernst und verbreitet dabei eine überaus düstere Stimmung. Selbst als der Majin in Aktion tritt, bleibt diese Stimmung erhalten. Es ist interessant, dass der Wechsel vom Hisorienfilm hin zum Monsterfilm nahtlos gelingt. Die Riesenstatue wirkt keineswegs wie aufgesetzt. Sämtliche Ereignisse spielen sich innerhalb der Handlungslogik ab, und das Erscheinen des Majin ist letztendlich die Konsequenz der diversen Handlungsabläufe. Und wenn schließlich der Majin in Erscheinung tritt, dann in einer rasenden Zerstörungswut, vor der so gut wie nichts sicher ist.

Während „Daimajin“ 1966 auch in den US-amerikanischen Kinos lief, so kam er nie bis nach Deutschland. Erst vor wenigen Jahren erschien der Film hierzulande auf DVD. Eine echte Perle des phantastischen Films.

Daimajin. Regie: Kimiyoshi Yasuda, Drehbuch: Tetsuro Yoshida, Produktion: Masaichi Nagata, Darsteller: Riki Hashimoto, Miwa Takada, Yoshihiko Aoyama, Tatsuo Endo, Yutaro Gomi, Jun Fujimaki. Japan 1966, 84 Min.

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Nachdem es die beiden US-amerikanischen Versionen des japanischen Übermonsters aus den Jahren 1998 und 2014 nicht wirklich gepackt haben, nahmen die legendären Toho Studios das Zepter wieder selbst in die Hand – und dies, obwohl man mit „Godzilla – Final Wars“ (2004) eigentlich einen Schlusspunkt hatte setzen wollen.

Aus diesem Grund nannte man den Film dann auch „Shin Godzilla“, was so viel wie „Neuer Godzilla“ bedeutet. Die Ankündigung, dass die japanischen Filmemacher das internationale Lieblingsmonster wieder zurück auf die Leinwand bringen wollen, glich einem echten Paukenschlag. Dementsprechend war „gespannt sein“ ein zu gelinder Ausdruck. Und schließlich war es soweit, als im Juli vergangenen Jahres Godzilla wieder sein berühmtes Brüllen in den japanischen Kinosälen von sich geben durfte.

Das Ergebnis: „Shin Godzilla“ wurde schlagartig zu einem der erfolgreichsten japapanischen Filme, einem Budget von umgerechnet 15 Millionen Dollar steht ein nationales Einspielergebnis von umgerechnet 77 Millionen Dollar gegenüber. Klar, dass man bereits an einem zweiten Film arbeitet.

Doch wie ist der neue Godzilla zu bewerten? Um es gleich als erstes zu erwähnen: „Shin Godzilla“ ist um ein Vielfaches besser als die beiden US-Versionen. Die Effekte sind zwar nicht ganz so großartig, dennoch hervorragend und verbunden mit einer überaus genialen Optik. Die beiden Regisseure Hideaki Anno und Shinji Higuchi gelang es einwandfrei, das Monster in die Gegenwart einzubetten.

Halb Politiksatire, halb bildgewaltige Monsterfaszination erzählen sie die Geschichte um das Ungeheuer aus dem Meer neu, indem eines Tages ein seltsames Phänomen vor der Küste Japans beobachtet wird. Während sich die sog. Experten in den verschiedenen politischen Gremien darüber streiten, ob es sich um ein Unterwasservulkan oder um eine andere natürliche Ursache handelt, kommt in kurzen und extrem lauten Zwischenszenen die eigentliche Ursache ins Bild: ein riesiges Monster, das auf Tokio zusteuert.

Es ist sehr interessant, die Idee zu verfolgen, wie die Politik auf solch ein Ereignis reagieren würde. Beeinflusst durch das Versagen der Behörden und das Aufdecken von Korruption in Sachen Fukushima, begleichen die beiden Regisseure auf filmische Art und Weise die Rechnung, indem sie das Verhalten typischer Beamter und Politiker, die auch in der größten Katastrophe auf Wählerfang sind, durch den Kakao ziehen.

Gut, das ständige Hin- und Herschneiden zwischen den einzelnen Gremien und Ministerien ist gelegentlich zu viel und die Dialoge manchmal zu lang, ein bisschen weniger Beratung und ein bisschen mehr Action hätte dem Film gut getan, doch wird dadurch der Film überraschenderweise nicht langweilig. Eine besondere Schärfe nimmt die Satire dann an, wenn die USA ohne Wenn und Aber eine Atombombe über Tokio abwerfen wollen, um Godzilla zu stoppen – unterstützt durch den UN-Sicherheitsrat.

Währenddessen versuchen die Wissenschaftler hinter das Geheimnis der Existenz Godzillas zu kommen, und auch hier punktet der Film auf ganzer Linie, wird doch das Wesen mit allen möglichen eingewebten Querverweisen auf die früheren Filme hin untersucht. Man könnte schon fast sagen, dass die naturwissenschaftliche Untersuchung im Grunde genommen eine Art medienwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens Godzilla darstellt, natürlich alles untermalt mit einer gewissen Selbstironie.

Auch ansonsten gelingt es Anno und Higuchi, das Original von 1954 elegant in unsere Gegenwart rüberzuverfrachten. So fahren wieder die Panzer auf dieselbe Weise auf wie in den früheren Filmen und Helikopter und Kampfjets sausen durch die Luft – dieses Mal jedoch nicht als handgefertigte Modelle, sondern in der CGI-Variante.

Godzilla selbst ist dank der hervorragenden Optik, die zwischen erzählender Kamera und Quasi-Handy-Aufnahmen hin- und herpendelt, einfach nur riesig, ein wahrer Koloss, der Tokio einmal mehr zu Kleinholz verarbeitet. Sogar auf die Originalmusik aus den 50er Jahren hat man nicht vergessen. Kurz: Eine liebevollere Verneigung vor dem König der Monster gibt es nicht.

Shin Godzilla. Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi, Drehbuch: Hideaki Anno, Produktion: Minami Ichikawa, Darsteller: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara. Japan 2016, 116 Min.

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Mit dem Anime „Perfect Blue“ kreierte Regisseur Satoshi Kon einen Klassiker des japanischen Zeichentrickfilms. Mit einer Mischung aus Horror, Krimi und Thriller gelingt es ihm, eine durchweg spannende Geschichte zu erzählen – und dies auf sehr hohem Niveau.

„Perfect Blue“ handelt von der Sängerin Mima, die ihre Popband CHAM verlässt, um Schauspielerin zu werden. Der Karrierewechsel führt zugleich zu einer Imageveränderung. Galt sie zunächst noch als unschuldiges Popsternchen, so verschafft ihr die Schauspielkarriere den Charakter eines Vamps. Doch dieser Wandel führt zu merkwürdigen und bedrohlichen Zwischenfällen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Mima kommt auf die Spur einer sonderbaren Internetseite, die jemand in ihrem Namen gestaltet. Eine brutale Mordserie, deren Opfer mit Mima in Beziehung standen, bringt sie an den Rand eines psychischen Zusammenbruchs. Bald scheinen Realität und Illusion zu verschwimmen.

Mit „Perfect Blue“ wandelt Satoshi Kon in den Spuren von Alfred Hitchcock und Brian De Palma. Wie auch diese beiden Regisseure, entpuppt sich Kon als Perfektionist, was den Aufbau von Spannung und die Darstellung des Grauens anbelangt. Auf diese Weise wird der Film keine Minute langweilig. Kon lässt es bis zum Finale offen, welchen geheimnisvollen Hintergrund die Morde und Drohungen haben. Haben wir es hier mit einem irre gewordenen Stalker zu tun? Oder stellt sich Mima vielleicht alles nur vor?

Diese Gegenüberstellung von Schein und Sein führt Kon parallel zu einer kritischen Betrachtung der Film- und Medienbranche aus. Hierbei betrachtet er vor allem die Marketing-Methoden im Showbusiness, in denen die Person gleichzeitig das zu verkaufende Produkt darstellt. Auf diese Weise wird der Mensch Mima der in den Medien wahrgenommenen Rolle, die Mima in der Öffentlickeit spielt bzw. zu spielen hat, entgegengesetzt. Kon veranschaulicht, wie schwer es für sie ist, ihr privates Leben vom öffentlichen Rummel abzukapseln, was dazu führt, dass der Erfolg gleichzeitig zu einer Art Fluch wird.

Dabei behandelt „Perfect Blue“ diese Sequenzen jedoch nicht wie ein Psychodrama, sondern gliedert diese kritischen Aspekte kunstvoll in den Thriller ein. So liefert dies zugleich eine weitere Möglichkeit: Führt der zunehmende Druck zu einer Art gespaltener Persönlichkeit? Wie gesagt, eine Lösung findet sich erst im Finale des Films. Bis dahin bleiben 78 Minuten überaus spannende und beklemmende Unterhaltung.

Perfect Blue. Regie: Satoshi Kon, Drehbuch: Sadayoki Murai, Produktion: Takeshi Washitani. Japan 1998, 81 Min.

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Im Jahr 1954 erblickte eines der berühmtesten Filmmonster das Licht der Welt. Das Besondere dabei ist, dass dieses Ungetüm diesmal nicht aus den USA, sondern aus Japan kam, um von da aus die Welt zu erobern. Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Godzilla, der in Japan unter seinem eigentlichen Namen Gojira bekannt ist. Godzilla eroberte recht schnell die Herzen der Zuschauer und wandelte sich von einem unbarmherzigen Monster zum Helfer in der Not, der die Menschheit stets vor gemeingefährlichen Kreaturen rettete, egal ob sie aus dem Weltraum oder aus den Tiefen der Erde kamen.

Dies ist um so erstaunlicher, als der Urgodzilla ein durch und durch pessimistischer und medienkritischer Film ist, der versucht, die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die sich in Japan durch ein völlig niedergebranntes Tokio sowie durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki am eindringlichsten zeigten, zu verarbeiten. Regisseur Ishiro Honda, der selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg diente und in China in Kriegsgefangenschaft geriet, schuf mit „Godzilla“ einen dramatischen Appell gegen Krieg und vor allem gegen den Einsatz atomarer Sprengkörper. Die Bilder der Zerstörung, die Godzilla hinterlässt, gleichen den Fotos von Nagasaki und Hiroshima nach ihrer atomaren Vernichtung. Die Musik, die jene Szenen untermalt, hat keinen Monstercharakter mehr, sondern ist eine Vertonung von Trauer und Ohnmacht, das Resultat eines verheerenden Krieges. Die Medienkritik zeigt sich in den Sensationsreportern, die auf dem Tokiotower verharren, um das Grauen live zu senden, und sich dabei in einen Katastrophenrausch hineinsteigern, bis sie selbst von dem Monster erschlagen werden. Nicht zuletzt kritisieren diese Szenen den Aufopferungswillen japanischer Arbeitnehmer, gegenüber ihren Firmen einfach alles zu geben. Auch heute haben sie nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren.

Godzilla räumt auf; „Godzilla“ (1954); Copyright: Toho

In Deutschland kam „Godzilla“ 1956 in die Kinos und wurde damals als „der sensationellste Film der Gegenwart“ bezeichnet. Dieser Satz stellt natürlich die Tricktechnik in den Vordergrund, die sich völlig von derjenigen Hollywoods unterschied. Während in den USA die Stop-Motion-Technik den Ungeheuern Leben einhauchte, waren es in Japan Studenten in Gummianzügen, die als Monster ein liebevoll und bis ins Detail übereinstimmendes Modell einer Großstadt dem Erdboden gleich machten. Kombiniert wurde dies mit einem extrem lauten Sound, der Godzilla auch für das Trommelfell zu einer Urgewalt werden ließ. Diese Idee entwickelte Ishiro Honda gemeinsam mit dem Effektkünstler der Toho-Studios Eiji Tsuburaja, der bis hinein in die 70er Jahre die Effekte für die nachfolgenden Godzilla-Filme weiterentwickelte.

„Godzilla gegen King Kong“ (1974), einer von vielen „Godzilla“-Nachfolgefilmen

Der Erfolg des Filmes war enorm. Dies führte einerseits zu einer überflüssigen US-Version des Filmes aus dem Jahr 1954. Hollywood tat dabei nichts anderes, als den Originalfilm umzuschneiden und selbst gedrehte Szenen einzufügen. Jedoch führte „Godzilla“ auch zu einem Vorwurf Hollywoods an Toho, die Idee für den Film „The Beast from 20.000 Fathoms“ einfach übernommen zu haben. Dieser Film, der auf Deutsch unter den beiden Alternativtiteln „Panik in New York“ und „Dinosaurier in New York“ bekannt ist, war eine Adaption der Erzählung „Das Nebelhorn“ von Ray Bradbury. Da sowohl hier als auch bei „Godzilla“ das Monster aus dem Meer steigt, um eine Großstadt heimzusuchen, warfen die amerikanischen Produzenten ihren japanischen Kollegen Ideenklauerei vor. Rein filmhistorisch kann dies bis heute jedoch nicht belegt werden.

Nichtsdestotrotz konnte dies den Siegeszug des Monsters nicht aufhalten. Eine Vielzahl weiterer „Godzilla“-Filme wurden produziert, in denen er nicht mehr alleine zu sehen war, sondern King Kong (egal ob als Lebewesen oder als Riesenroboter), Mothra und allerhand anderes Getier verkloppen musste. Natürlich konnte es Hollywood nicht lassen und drehte zwei Remakes (1998 und 2014) des Klassikers, wobei beide Filme zwar eine hervorragende Optik bieten, dennoch nicht an den echten Godzilla herankommen.

Mit dem Film „Godzilla – Final Wars“ (2004) wollte die japanische Produktionsfirma Toho das Monster eigentlich in Rente schicken. Allerdings gab es natürlich Gerüchte. Und diese verwandelten sich in eine überraschende Tatsache, als im Juli 2016 ein neuer Godzilla-Film in die japanischen Kinos kam. Der Titel lautete „Shin Godzilla“ und ist mit einem Umsatz von 40 Millionen Dollar der erfolgreichste Godzilla-Film aus Japan. Kein Wunder, dass zurzeit an einem weiteren Film gebastelt wird.

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Die „Sasori“-Quadrologie machte Schauspielerin und Sängerin Meiko Kaji zu einer der berühmtesten Trash-Ikonen der Filmgeschichte. Diese Woche wurde sie 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass und als ein kleiner Zusatz zu dem vorangegangenen Beitrag über die Hintergründe dieser einzigartigen Filmreihe, möchte ich im folgenden auf die jeweiligen Inhalte der vier Filme eingehen.

Sasori – Prisoner 701 (1972)

Sasori, deren eigentlicher Name Nami Mitsushima lautet, wird von ihrem Freund, einem Drogenfahnder, hintergangen und ins Gefängnis geworfen. Dieses wird im Film als der „härteste Knast Japans“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Frauengefängnis, dessen Insassen von den Wärtern brutal misshandelt werden. Auch Sasori muss diverse Qualen über sich ergehen lassen. Doch zugleich sinnt sie auf Rache und führt diese schließlich radikal durch. „Sasori“ ist nichts für schwache Nerven. Zugleich aber ist der erste Teil der Quadrologie eine Überraschung in jeder Hinsicht. Denn das durch Roger Corman ausgelöste Knastfrauen-Genre erfährt hier einen Übergang ins Surreale, sodass der Film weit über das Erotik-Thriller-Genre hinausreicht. Regisseur Shun’ya Ito liefert Bilder, die irgendwo zwischen Traum und Albtraum liegen. Hierbei ist besonders die Szene zu erwähnen, in der die Hintergründe von Sasori geschildert werden. Dies geschieht in Form eines Theaterstücks, die Kulissen werden mithilfe einer drehbaren Bühne verändert. Die Farbgebung, die von sattem Rot bis zu grünen und violetten Tönen reichen, lassen Itos Vorbild Mario Bava erahnen.

„Sasori“ platzte regelrecht hinein in die damalige Emanzipationsbewegung in Japan. Einerseits ein Skandalfilm, andererseits ein Kunstfilm, der von Kritikern hoch gelobt wurde, setzte der Film den Grundstein für weiterer „Sasori“-Filme als auch für die parallel produzierten „Lady Snowblood“-Filme, in denen Meiko Kaji ebenfalls die Titelrolle innehatte und deren Handlungen in der Meiji-Ära (1868-1912) angesiedelt ist.

Sasori – Jailhouse 41 (1972)

„Sasori – The Scorpion“ folgten drei weitere Produktionen. Die erste Fortsetzung trägt den Titel „Sasori – Jailhouse 41“. Er handelt von einem Fluchtversuch mehrerer Frauen, die in ihrer Gefängniskleidung durch Japan irren, auf der Suche nach Freiheit und Geborgenheit. Jede der Frauen ist Opfer ungerechter sozialer Umstände. Diese Umstände trieben sie letztendlich zu den Straftaten, die sie ins Gefängnis brachten. Die Hintergrundgeschichten der einzelnen Frauen werden in einem endrucksvollen, surrealen Zwischenspiel dargestellt, welches man beinahe als ein Enka-Musikvideo bezeichnen könnte. Natürlich ist Sasori bei dem Fluchtversuch mit von der Partie. Doch sie wird von den anderen als Außenseiterin betrachtet und weiterhin schikaniert. Die Sticheleien und Peinigungen führen Sasori dazu, sich bei den anderen Flüchtlingen zu rächen. Regisseur Ito steigert in diesem Film die surrealen Elemente so stark, dass Teil Zwei der Sasori-Reihe den Kunstgehalt seines Vorgängers um das Vielfache übersteigert. Schon allein die mehrere Minuten andauernde Anfangssequenz, in der Sasori einen Löffel zu einem Messer schleift, spricht für sich und ist in ihrer Zusammensetzung ein unglaubliches Meisterstück. Interessant ist hierbei auch die offene Kritik an Japans Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Japaner tun sich bis heute schwer, ihrer Geschichte objektiv ins Auge zu sehen. Diese Kritik, in welcher ein nationalistischer Weltkriegsveteran ins Lächerliche gezogen wird, muss wie ein Schlag in die Magengrube gewirkt haben. Hier macht sich die Beziehung zwischen Trash und Sozialkritik explizit bemerkbar.

Sasori – Den of the Beast (1973)

Der dritte Teil der Reihe lautet „Sasori – Den of the Beast“. In diesem Film befindet sich Sasori zwar in Freiheit, ist aber ständig auf der Flucht vor der Polizei. Auch hier ist die Anfangssequenz einzigartig. Sasori wird in der U-Bahn verhaftet. Einer der Polizisten kettet sie an Handschellen. Sasori jedoch schlägt ihm kurzerhand den Arm ab und flieht. Es geht um die Fluchtsequenz, welche ebenfalls einen surrealen Charakter aufweist. Denn mehrere Minuten lang rennt Sasori durch Tokios Straßen, während der abgetrennte Arm von ihr baumelt. Die erstaunten Blicke der Passanten lassen darauf schließen, dass diese nicht auf die Dreharbeiten aufmerksam gemacht worden waren. Der restliche Film lässt an Trash-Elementen nichts aus. Er wird zu einer Achterbahnfahrt durch das gesamte Trash-Genre. Dabei scheut er sich auch nicht, die Zuschauer durch eine Inzest-Beziehung zu schockieren. Sasori wird hier zum Zentrum, welches alle Elemente zusammenhält und ihnen einen Sinn verleiht. Höhepunkt dabei ist ihre Flucht durch das Kanalsystem, während die Polizei Öl hinunterschüttet und es anzündet. Wiederum wird hier, typisch für die 70er Jahre, die Moral auf den Kopf gestellt. Der fast schon fanatische Polizeiinspektor, der Sasori unbedingt fangen möchte, um sich an ihr zu rächen, stellt im symbolischen Sinne die Frage dar, was eigentlich gut und was böse ist. Gibt es diese Unterteilung überhaupt? Sasori, als verbitterte gesellschaftliche Außenseiterin, weist in ihrer Symbolik auf das Schicksal von Individuen hin, welche sich der genormten Gesellschaft nicht anpassen wollen. Sie werden zu Geächteten, da schon allein ihre Existenz die Gesellschaft als solche in Gefahr bringen könnte. Mit Existenz ist hier gemeint, die konservativen Elemente, welche die japanische Gesellschaft prägen und welche das Patriarchat aufrecht erhalten.

„Den of the Beast“ war Itos letzter Film der Sasori-Reihe. Er hielt mit Teil Drei die Geschichte der einsamen Rächerin für beendet. Die Produzenten sahen dies jedoch anders und finanzierten einen vierten Teil.

Sasori – Grudge Song (1973)

„Sasori – Grudge Song“ lautet der Titel des letzten Teiles, in dem Meiko Kaji als Sasori in Erscheinung tritt. Regie führte Yasuharu Hasabe. Man merkt sogleich den handwerklichen Unterschied zwischen Hasabe und Ito. „Grudge Song“ fehlen fast völlig die surrealen Elemente. Erst im Finale des Films scheint sich Hasabe auf Itos Kunst zu besinnen und kehrt ansatzweise in dessen Fußstapfen zurück. Der größte Teil des Films ist jedoch eher ein Drama, in welchem zwei Außenseiter versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, dabei jedoch zum Scheitern verurteilt sind. Sasori kommt zurück ins Gefängnis. Polizeiinspektor Kudomo will sich persönlich an ihr rächen, in dem er sie in eine einsame Gegend entführt, in welcher ein Galgen errichtet wurde. Ab hier setzt die intensive Farbgebung ein, geht „Grudge Song“ über ins Surreale. Dieser Aspekt setzt sich am Ende des Films fort, in dem Sasoris Exfreund im Boden verschwindet. Der restliche Film spielt auf  sozialen Bewegungen der 70er Jahre an. Mit Gewalt als letztem Mittel, versucht sich Sasori Gehör zu verschaffen. Allerdings vergeblich. Die konservativen Elemente der Gesellschaft scheinen zu siegen.

Sasori (2008)

Im Jahr 2008 produzierten die Toei-Studios ein Remake des Klassikers „Sasori – Prisoner 701“, allerdings ohne Meiko Kaji. Die Rolle der Sasori übernahm das Fotomodell Miki Mizuno. Das Remake reicht nicht einmal ansatzweise an die Ästhetik des Originalfilms heran. Der Hong Kong-Regisseur Joe Ma schuf aus dem verstörenden und zugleich kunstvollen Film einen plumpen Action-Film, der wenig Originelles bietet, sich dafür in Blut und leichten Sexeinlagen ergeht. Hierbei verbindet Ma die Charaktere von Sasori und Lady Snowblood in der Weise, dass Sasori im Remake von einem alten Kampfmeister trainiert wird. Es ist wirklich schade, dass bei der Neuverfilmung kein Wert auf Qualität gelegt wurde.

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