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Posts Tagged ‘Filme aus Japan’

Nachdem es die beiden US-amerikanischen Versionen des japanischen Übermonsters aus den Jahren 1998 und 2014 nicht wirklich gepackt haben, nahmen die legendären Toho Studios das Zepter wieder selbst in die Hand – und dies, obwohl man mit „Godzilla – Final Wars“ (2004) eigentlich einen Schlusspunkt hatte setzen wollen.

Aus diesem Grund nannte man den Film dann auch „Shin Godzilla“, was so viel wie „Neuer Godzilla“ bedeutet. Die Ankündigung, dass die japanischen Filmemacher das internationale Lieblingsmonster wieder zurück auf die Leinwand bringen wollen, glich einem echten Paukenschlag. Dementsprechend war „gespannt sein“ ein zu gelinder Ausdruck. Und schließlich war es soweit, als im Juli vergangenen Jahres Godzilla wieder sein berühmtes Brüllen in den japanischen Kinosälen von sich geben durfte.

Das Ergebnis: „Shin Godzilla“ wurde schlagartig zu einem der erfolgreichsten japapanischen Filme, einem Budget von umgerechnet 15 Millionen Dollar steht ein nationales Einspielergebnis von umgerechnet 77 Millionen Dollar gegenüber. Klar, dass man bereits an einem zweiten Film arbeitet.

Doch wie ist der neue Godzilla zu bewerten? Um es gleich als erstes zu erwähnen: „Shin Godzilla“ ist um ein Vielfaches besser als die beiden US-Versionen. Die Effekte sind zwar nicht ganz so großartig, dennoch hervorragend und verbunden mit einer überaus genialen Optik. Die beiden Regisseure Hideaki Anno und Shinji Higuchi gelang es einwandfrei, das Monster in die Gegenwart einzubetten.

Halb Politiksatire, halb bildgewaltige Monsterfaszination erzählen sie die Geschichte um das Ungeheuer aus dem Meer neu, indem eines Tages ein seltsames Phänomen vor der Küste Japans beobachtet wird. Während sich die sog. Experten in den verschiedenen politischen Gremien darüber streiten, ob es sich um ein Unterwasservulkan oder um eine andere natürliche Ursache handelt, kommt in kurzen und extrem lauten Zwischenszenen die eigentliche Ursache ins Bild: ein riesiges Monster, das auf Tokio zusteuert.

Es ist sehr interessant, die Idee zu verfolgen, wie die Politik auf solch ein Ereignis reagieren würde. Beeinflusst durch das Versagen der Behörden und das Aufdecken von Korruption in Sachen Fukushima, begleichen die beiden Regisseure auf filmische Art und Weise die Rechnung, indem sie das Verhalten typischer Beamter und Politiker, die auch in der größten Katastrophe auf Wählerfang sind, durch den Kakao ziehen.

Gut, das ständige Hin- und Herschneiden zwischen den einzelnen Gremien und Ministerien ist gelegentlich zu viel und die Dialoge manchmal zu lang, ein bisschen weniger Beratung und ein bisschen mehr Action hätte dem Film gut getan, doch wird dadurch der Film überraschenderweise nicht langweilig. Eine besondere Schärfe nimmt die Satire dann an, wenn die USA ohne Wenn und Aber eine Atombombe über Tokio abwerfen wollen, um Godzilla zu stoppen – unterstützt durch den UN-Sicherheitsrat.

Währenddessen versuchen die Wissenschaftler hinter das Geheimnis der Existenz Godzillas zu kommen, und auch hier punktet der Film auf ganzer Linie, wird doch das Wesen mit allen möglichen eingewebten Querverweisen auf die früheren Filme hin untersucht. Man könnte schon fast sagen, dass die naturwissenschaftliche Untersuchung im Grunde genommen eine Art medienwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens Godzilla darstellt, natürlich alles untermalt mit einer gewissen Selbstironie.

Auch ansonsten gelingt es Anno und Higuchi, das Original von 1954 elegant in unsere Gegenwart rüberzuverfrachten. So fahren wieder die Panzer auf dieselbe Weise auf wie in den früheren Filmen und Helikopter und Kampfjets sausen durch die Luft – dieses Mal jedoch nicht als handgefertigte Modelle, sondern in der CGI-Variante.

Godzilla selbst ist dank der hervorragenden Optik, die zwischen erzählender Kamera und Quasi-Handy-Aufnahmen hin- und herpendelt, einfach nur riesig, ein wahrer Koloss, der Tokio einmal mehr zu Kleinholz verarbeitet. Sogar auf die Originalmusik aus den 50er Jahren hat man nicht vergessen. Kurz: Eine liebevollere Verneigung vor dem König der Monster gibt es nicht.

Shin Godzilla. Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi, Drehbuch: Hideaki Anno, Produktion: Minami Ichikawa, Darsteller: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara. Japan 2016, 116 Min.

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Mit dem Anime „Perfect Blue“ kreierte Regisseur Satoshi Kon einen Klassiker des japanischen Zeichentrickfilms. Mit einer Mischung aus Horror, Krimi und Thriller gelingt es ihm, eine durchweg spannende Geschichte zu erzählen – und dies auf sehr hohem Niveau.

„Perfect Blue“ handelt von der Sängerin Mima, die ihre Popband CHAM verlässt, um Schauspielerin zu werden. Der Karrierewechsel führt zugleich zu einer Imageveränderung. Galt sie zunächst noch als unschuldiges Popsternchen, so verschafft ihr die Schauspielkarriere den Charakter eines Vamps. Doch dieser Wandel führt zu merkwürdigen und bedrohlichen Zwischenfällen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Mima kommt auf die Spur einer sonderbaren Internetseite, die jemand in ihrem Namen gestaltet. Eine brutale Mordserie, deren Opfer mit Mima in Beziehung standen, bringt sie an den Rand eines psychischen Zusammenbruchs. Bald scheinen Realität und Illusion zu verschwimmen.

Mit „Perfect Blue“ wandelt Satoshi Kon in den Spuren von Alfred Hitchcock und Brian De Palma. Wie auch diese beiden Regisseure, entpuppt sich Kon als Perfektionist, was den Aufbau von Spannung und die Darstellung des Grauens anbelangt. Auf diese Weise wird der Film keine Minute langweilig. Kon lässt es bis zum Finale offen, welchen geheimnisvollen Hintergrund die Morde und Drohungen haben. Haben wir es hier mit einem irre gewordenen Stalker zu tun? Oder stellt sich Mima vielleicht alles nur vor?

Diese Gegenüberstellung von Schein und Sein führt Kon parallel zu einer kritischen Betrachtung der Film- und Medienbranche aus. Hierbei betrachtet er vor allem die Marketing-Methoden im Showbusiness, in denen die Person gleichzeitig das zu verkaufende Produkt darstellt. Auf diese Weise wird der Mensch Mima der in den Medien wahrgenommenen Rolle, die Mima in der Öffentlickeit spielt bzw. zu spielen hat, entgegengesetzt. Kon veranschaulicht, wie schwer es für sie ist, ihr privates Leben vom öffentlichen Rummel abzukapseln, was dazu führt, dass der Erfolg gleichzeitig zu einer Art Fluch wird.

Dabei behandelt „Perfect Blue“ diese Sequenzen jedoch nicht wie ein Psychodrama, sondern gliedert diese kritischen Aspekte kunstvoll in den Thriller ein. So liefert dies zugleich eine weitere Möglichkeit: Führt der zunehmende Druck zu einer Art gespaltener Persönlichkeit? Wie gesagt, eine Lösung findet sich erst im Finale des Films. Bis dahin bleiben 78 Minuten überaus spannende und beklemmende Unterhaltung.

Perfect Blue. Regie: Satoshi Kon, Drehbuch: Sadayoki Murai, Produktion: Takeshi Washitani. Japan 1998, 81 Min.

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Im Jahr 1954 erblickte eines der berühmtesten Filmmonster das Licht der Welt. Das Besondere dabei ist, dass dieses Ungetüm diesmal nicht aus den USA, sondern aus Japan kam, um von da aus die Welt zu erobern. Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Godzilla, der in Japan unter seinem eigentlichen Namen Gojira bekannt ist. Godzilla eroberte recht schnell die Herzen der Zuschauer und wandelte sich von einem unbarmherzigen Monster zum Helfer in der Not, der die Menschheit stets vor gemeingefährlichen Kreaturen rettete, egal ob sie aus dem Weltraum oder aus den Tiefen der Erde kamen.

Dies ist um so erstaunlicher, als der Urgodzilla ein durch und durch pessimistischer und medienkritischer Film ist, der versucht, die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die sich in Japan durch ein völlig niedergebranntes Tokio sowie durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki am eindringlichsten zeigten, zu verarbeiten. Regisseur Ishiro Honda, der selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg diente und in China in Kriegsgefangenschaft geriet, schuf mit „Godzilla“ einen dramatischen Appell gegen Krieg und vor allem gegen den Einsatz atomarer Sprengkörper. Die Bilder der Zerstörung, die Godzilla hinterlässt, gleichen den Fotos von Nagasaki und Hiroshima nach ihrer atomaren Vernichtung. Die Musik, die jene Szenen untermalt, hat keinen Monstercharakter mehr, sondern ist eine Vertonung von Trauer und Ohnmacht, das Resultat eines verheerenden Krieges. Die Medienkritik zeigt sich in den Sensationsreportern, die auf dem Tokiotower verharren, um das Grauen live zu senden, und sich dabei in einen Katastrophenrausch hineinsteigern, bis sie selbst von dem Monster erschlagen werden. Nicht zuletzt kritisieren diese Szenen den Aufopferungswillen japanischer Arbeitnehmer, gegenüber ihren Firmen einfach alles zu geben. Auch heute haben sie nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren.

Godzilla räumt auf; „Godzilla“ (1954); Copyright: Toho

In Deutschland kam „Godzilla“ 1956 in die Kinos und wurde damals als „der sensationellste Film der Gegenwart“ bezeichnet. Dieser Satz stellt natürlich die Tricktechnik in den Vordergrund, die sich völlig von derjenigen Hollywoods unterschied. Während in den USA die Stop-Motion-Technik den Ungeheuern Leben einhauchte, waren es in Japan Studenten in Gummianzügen, die als Monster ein liebevoll und bis ins Detail übereinstimmendes Modell einer Großstadt dem Erdboden gleich machten. Kombiniert wurde dies mit einem extrem lauten Sound, der Godzilla auch für das Trommelfell zu einer Urgewalt werden ließ. Diese Idee entwickelte Ishiro Honda gemeinsam mit dem Effektkünstler der Toho-Studios Eiji Tsuburaja, der bis hinein in die 70er Jahre die Effekte für die nachfolgenden Godzilla-Filme weiterentwickelte.

„Godzilla gegen King Kong“ (1974), einer von vielen „Godzilla“-Nachfolgefilmen

Der Erfolg des Filmes war enorm. Dies führte einerseits zu einer überflüssigen US-Version des Filmes aus dem Jahr 1954. Hollywood tat dabei nichts anderes, als den Originalfilm umzuschneiden und selbst gedrehte Szenen einzufügen. Jedoch führte „Godzilla“ auch zu einem Vorwurf Hollywoods an Toho, die Idee für den Film „The Beast from 20.000 Fathoms“ einfach übernommen zu haben. Dieser Film, der auf Deutsch unter den beiden Alternativtiteln „Panik in New York“ und „Dinosaurier in New York“ bekannt ist, war eine Adaption der Erzählung „Das Nebelhorn“ von Ray Bradbury. Da sowohl hier als auch bei „Godzilla“ das Monster aus dem Meer steigt, um eine Großstadt heimzusuchen, warfen die amerikanischen Produzenten ihren japanischen Kollegen Ideenklauerei vor. Rein filmhistorisch kann dies bis heute jedoch nicht belegt werden.

Nichtsdestotrotz konnte dies den Siegeszug des Monsters nicht aufhalten. Eine Vielzahl weiterer „Godzilla“-Filme wurden produziert, in denen er nicht mehr alleine zu sehen war, sondern King Kong (egal ob als Lebewesen oder als Riesenroboter), Mothra und allerhand anderes Getier verkloppen musste. Natürlich konnte es Hollywood nicht lassen und drehte zwei Remakes (1998 und 2014) des Klassikers, wobei beide Filme zwar eine hervorragende Optik bieten, dennoch nicht an den echten Godzilla herankommen.

Mit dem Film „Godzilla – Final Wars“ (2004) wollte die japanische Produktionsfirma Toho das Monster eigentlich in Rente schicken. Allerdings gab es natürlich Gerüchte. Und diese verwandelten sich in eine überraschende Tatsache, als im Juli 2016 ein neuer Godzilla-Film in die japanischen Kinos kam. Der Titel lautete „Shin Godzilla“ und ist mit einem Umsatz von 40 Millionen Dollar der erfolgreichste Godzilla-Film aus Japan. Kein Wunder, dass zurzeit an einem weiteren Film gebastelt wird.

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Die „Sasori“-Quadrologie machte Schauspielerin und Sängerin Meiko Kaji zu einer der berühmtesten Trash-Ikonen der Filmgeschichte. Diese Woche wurde sie 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass und als ein kleiner Zusatz zu dem vorangegangenen Beitrag über die Hintergründe dieser einzigartigen Filmreihe, möchte ich im folgenden auf die jeweiligen Inhalte der vier Filme eingehen.

Sasori – Prisoner 701 (1972)

Sasori, deren eigentlicher Name Nami Mitsushima lautet, wird von ihrem Freund, einem Drogenfahnder, hintergangen und ins Gefängnis geworfen. Dieses wird im Film als der „härteste Knast Japans“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Frauengefängnis, dessen Insassen von den Wärtern brutal misshandelt werden. Auch Sasori muss diverse Qualen über sich ergehen lassen. Doch zugleich sinnt sie auf Rache und führt diese schließlich radikal durch. „Sasori“ ist nichts für schwache Nerven. Zugleich aber ist der erste Teil der Quadrologie eine Überraschung in jeder Hinsicht. Denn das durch Roger Corman ausgelöste Knastfrauen-Genre erfährt hier einen Übergang ins Surreale, sodass der Film weit über das Erotik-Thriller-Genre hinausreicht. Regisseur Shun’ya Ito liefert Bilder, die irgendwo zwischen Traum und Albtraum liegen. Hierbei ist besonders die Szene zu erwähnen, in der die Hintergründe von Sasori geschildert werden. Dies geschieht in Form eines Theaterstücks, die Kulissen werden mithilfe einer drehbaren Bühne verändert. Die Farbgebung, die von sattem Rot bis zu grünen und violetten Tönen reichen, lassen Itos Vorbild Mario Bava erahnen.

„Sasori“ platzte regelrecht hinein in die damalige Emanzipationsbewegung in Japan. Einerseits ein Skandalfilm, andererseits ein Kunstfilm, der von Kritikern hoch gelobt wurde, setzte der Film den Grundstein für weiterer „Sasori“-Filme als auch für die parallel produzierten „Lady Snowblood“-Filme, in denen Meiko Kaji ebenfalls die Titelrolle innehatte und deren Handlungen in der Meiji-Ära (1868-1912) angesiedelt ist.

Sasori – Jailhouse 41 (1972)

„Sasori – The Scorpion“ folgten drei weitere Produktionen. Die erste Fortsetzung trägt den Titel „Sasori – Jailhouse 41“. Er handelt von einem Fluchtversuch mehrerer Frauen, die in ihrer Gefängniskleidung durch Japan irren, auf der Suche nach Freiheit und Geborgenheit. Jede der Frauen ist Opfer ungerechter sozialer Umstände. Diese Umstände trieben sie letztendlich zu den Straftaten, die sie ins Gefängnis brachten. Die Hintergrundgeschichten der einzelnen Frauen werden in einem endrucksvollen, surrealen Zwischenspiel dargestellt, welches man beinahe als ein Enka-Musikvideo bezeichnen könnte. Natürlich ist Sasori bei dem Fluchtversuch mit von der Partie. Doch sie wird von den anderen als Außenseiterin betrachtet und weiterhin schikaniert. Die Sticheleien und Peinigungen führen Sasori dazu, sich bei den anderen Flüchtlingen zu rächen. Regisseur Ito steigert in diesem Film die surrealen Elemente so stark, dass Teil Zwei der Sasori-Reihe den Kunstgehalt seines Vorgängers um das Vielfache übersteigert. Schon allein die mehrere Minuten andauernde Anfangssequenz, in der Sasori einen Löffel zu einem Messer schleift, spricht für sich und ist in ihrer Zusammensetzung ein unglaubliches Meisterstück. Interessant ist hierbei auch die offene Kritik an Japans Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Japaner tun sich bis heute schwer, ihrer Geschichte objektiv ins Auge zu sehen. Diese Kritik, in welcher ein nationalistischer Weltkriegsveteran ins Lächerliche gezogen wird, muss wie ein Schlag in die Magengrube gewirkt haben. Hier macht sich die Beziehung zwischen Trash und Sozialkritik explizit bemerkbar.

Sasori – Den of the Beast (1973)

Der dritte Teil der Reihe lautet „Sasori – Den of the Beast“. In diesem Film befindet sich Sasori zwar in Freiheit, ist aber ständig auf der Flucht vor der Polizei. Auch hier ist die Anfangssequenz einzigartig. Sasori wird in der U-Bahn verhaftet. Einer der Polizisten kettet sie an Handschellen. Sasori jedoch schlägt ihm kurzerhand den Arm ab und flieht. Es geht um die Fluchtsequenz, welche ebenfalls einen surrealen Charakter aufweist. Denn mehrere Minuten lang rennt Sasori durch Tokios Straßen, während der abgetrennte Arm von ihr baumelt. Die erstaunten Blicke der Passanten lassen darauf schließen, dass diese nicht auf die Dreharbeiten aufmerksam gemacht worden waren. Der restliche Film lässt an Trash-Elementen nichts aus. Er wird zu einer Achterbahnfahrt durch das gesamte Trash-Genre. Dabei scheut er sich auch nicht, die Zuschauer durch eine Inzest-Beziehung zu schockieren. Sasori wird hier zum Zentrum, welches alle Elemente zusammenhält und ihnen einen Sinn verleiht. Höhepunkt dabei ist ihre Flucht durch das Kanalsystem, während die Polizei Öl hinunterschüttet und es anzündet. Wiederum wird hier, typisch für die 70er Jahre, die Moral auf den Kopf gestellt. Der fast schon fanatische Polizeiinspektor, der Sasori unbedingt fangen möchte, um sich an ihr zu rächen, stellt im symbolischen Sinne die Frage dar, was eigentlich gut und was böse ist. Gibt es diese Unterteilung überhaupt? Sasori, als verbitterte gesellschaftliche Außenseiterin, weist in ihrer Symbolik auf das Schicksal von Individuen hin, welche sich der genormten Gesellschaft nicht anpassen wollen. Sie werden zu Geächteten, da schon allein ihre Existenz die Gesellschaft als solche in Gefahr bringen könnte. Mit Existenz ist hier gemeint, die konservativen Elemente, welche die japanische Gesellschaft prägen und welche das Patriarchat aufrecht erhalten.

„Den of the Beast“ war Itos letzter Film der Sasori-Reihe. Er hielt mit Teil Drei die Geschichte der einsamen Rächerin für beendet. Die Produzenten sahen dies jedoch anders und finanzierten einen vierten Teil.

Sasori – Grudge Song (1973)

„Sasori – Grudge Song“ lautet der Titel des letzten Teiles, in dem Meiko Kaji als Sasori in Erscheinung tritt. Regie führte Yasuharu Hasabe. Man merkt sogleich den handwerklichen Unterschied zwischen Hasabe und Ito. „Grudge Song“ fehlen fast völlig die surrealen Elemente. Erst im Finale des Films scheint sich Hasabe auf Itos Kunst zu besinnen und kehrt ansatzweise in dessen Fußstapfen zurück. Der größte Teil des Films ist jedoch eher ein Drama, in welchem zwei Außenseiter versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, dabei jedoch zum Scheitern verurteilt sind. Sasori kommt zurück ins Gefängnis. Polizeiinspektor Kudomo will sich persönlich an ihr rächen, in dem er sie in eine einsame Gegend entführt, in welcher ein Galgen errichtet wurde. Ab hier setzt die intensive Farbgebung ein, geht „Grudge Song“ über ins Surreale. Dieser Aspekt setzt sich am Ende des Films fort, in dem Sasoris Exfreund im Boden verschwindet. Der restliche Film spielt auf  sozialen Bewegungen der 70er Jahre an. Mit Gewalt als letztem Mittel, versucht sich Sasori Gehör zu verschaffen. Allerdings vergeblich. Die konservativen Elemente der Gesellschaft scheinen zu siegen.

Sasori (2008)

Im Jahr 2008 produzierten die Toei-Studios ein Remake des Klassikers „Sasori – Prisoner 701“, allerdings ohne Meiko Kaji. Die Rolle der Sasori übernahm das Fotomodell Miki Mizuno. Das Remake reicht nicht einmal ansatzweise an die Ästhetik des Originalfilms heran. Der Hong Kong-Regisseur Joe Ma schuf aus dem verstörenden und zugleich kunstvollen Film einen plumpen Action-Film, der wenig Originelles bietet, sich dafür in Blut und leichten Sexeinlagen ergeht. Hierbei verbindet Ma die Charaktere von Sasori und Lady Snowblood in der Weise, dass Sasori im Remake von einem alten Kampfmeister trainiert wird. Es ist wirklich schade, dass bei der Neuverfilmung kein Wert auf Qualität gelegt wurde.

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Im Jahr 2008 brachten die Toho-Studios mit der Manga-Verfilmung „20th Century Boys“ den bisher teuersten japanischen Film in die Kinos. Die Investition aber hat sich anscheinend gelohnt, denn die Comic-Adaption wurde zugleich zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme der letzten zehn Jahre.

Die Geschichte ist wie folgt: 1969 gründet Kenji zusammen mit seinen Freunden eine Jugendbande. In einem geheimen Lager gehen sie ihrer Comicbegeisterung nach. Sie beschließen, ein eigenes Comic zu zeichnen, in dem sie als Helden die Welt vor einer gigantischen Bedrohung retten. Das Buch nennen sie „Buch der Prophezeiungen“. Dreißig Jahre später kommt es zu einer sonderbaren Situation. Denn auf einmal treten genau die Ereignisse und Zwischenfälle auf, die sie in ihrem Comic skizziert haben. Ein mysteriöser Kult breitet sich schnell in Japan aus. Der Name des Anführers lautet einfach nur „Freund“. Seltsamerweise verwendet der Kult dieselben Symbole, die auch die Jugendbande verwendet hat. Kenji führt daher seine Freunde von damals wieder zusammen, um gegen diesen ominösen Kult anzutreten.

Der Roboter greift Tokio an; „20th Century Boys“ (2008); Copyright: Toho

Obwohl sich die Gruppe selbst als „20th Century Boys“ bezeichnet, ist jeder Einzelne von ihnen alles andere als heldenhaft. Aus den Kindern von damals sind Durchschnittsmenschen geworden, die völlig normalen Berufen nachgehen. Nur langsam erinnern sie sich an ihre Kindheit und daran, was sie damals unternommen haben. Als es offensichtlich wird, dass jemand die Ideen ihres geheimen Comics von damals verwendet und sogar ihr Geheimsymbol benutzt, schließt sie das erneut zu einer Gruppe zusammen, da sie glauben, dass nur sie die Bedrohung beseitigen können. Zugleich zeigt der Film, wie machtlos sie gegenüber dieser plötzlichen globalen Bedrohung sind. Terroranschläge werden verübt, künstliche Viren als biologische Waffen eingesetzt und schließlich kreuzt sogar ein Riesenroboter auf, der Tokio vernichten will.

Regisseur Yukihiko Tsutsumi erzählt diese Geschichte über Freundschaft sehr feinfühlig, zugleich aber auch mit einiger Ironie und etwas Humor. Gleichzeitig verarbeitet er darin Ängste gegenüber religiösem Fundamentalismus und einer Zunahme faschistischer Gruppierungen, die dem Film zusätzlich eine aktuelle Thematik verleihen. Alles zusammen verwebt Tsutsumi in eine Rahmenhandlung, in der sich in einem zum Faschismus zurückgekehrten Japan zwei Gefangene unterhalten. Dadurch erhält der Film zuweilen einen recht düsteren und pessimistischen Unterton. „20th Century Boys“ ist sozusagen ein etwas anderer Superheldenfilm.

Die einzig maskierte Figur ist „Der Freund“, der erst Japan und anschließend die übrige Welt unter seine Herrschaft bringen will. Dabei kreist die Geschichte stets um das Geheimnis der Identität dieser Figur. Ist es ein früherer Freund der Gruppe oder einfach irgendeine Person, die dahinter steckt? Auch wenn die Action in diesem Film eher knapp bemessen ist, so wird der Film mit seinen über zwei Stunden Spieldauer nie langweilig. Tsutsumi kreiert gekonnt eine zunehmende Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Angriff des Roboters erreicht. „20th Century Boys“ macht dies zu einem sehr interessanten Beitrag zur Superhelden-Manie.

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kunoichiWenn man sich einen japanischen Schwertkampffilm ansieht, in dem Frauen Blitze aus ihren Brüsten schießen lassen – und auch aus Stellen, die unterhalb der Gürtellinie liegen – , so weiß man, dass man hier einen etwas anderen Genrefilm vor sich hat.

Regisseur Hitoshi Ozawa schuf mit der zweiteiligen Roman- bzw. Manga-Adaption „Kunoichi“ einen Fantasyfilm, der sich selbst nicht ganz so ernst nimmt und daher mit einigen originellen Ideen daherkommt. Ninja-Trick Busenwelle sowie Ninja-Trick Talecho lassen die Bösen durch die Bank weg explodieren und das Blut spritzt in hohen Fontänen. Die Low-Budget-Produktion „Kunoichi“ zeigt also, wie man Liebhaber von Trash-Filmen bei Laune hält, denn unterhaltsamer und sehenswerter kann ein Film kaum sein.

Die Handlung in Kürze: Der dekadente Shogun zieht mit einer Herrschar dämonischer Halbwesen durch die Lande und foltert und missbraucht mit Vorliebe junge Frauen. Als er ein Nonnenkloster überfällt, beschließen die sieben überlebenden Schwestern, sich an dem Shogun zu rächen. Mithilfe eines Schwertmeisters machen sie sich auf, den Shogun zu erledigen …

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Kisagai (Yuko Moriyama) in der Klemme. „Kunoichi“ (1996). Copyright: Toei Company

Regisseur Ozawa gelingt in seinem Zweiteiler eine Mischung aus Splatter-, Sexploitation- und Schwertkampffilm, wobei er zwischen den Extremen Kitsch und Ästhetik ohne Wenn und Aber hin- und herpendelt. Dadurch wird „Kunoichi“ den durchgeknallten Werken von Regisseur Takeshi Miike nicht unähnlich. Trash vermischt sich ohne weiteres mit gespenstischer Gruselästhetik. Ruhige Aufnahmen wechseln abrupt mit rasanten Schnitten. Im selben Maß wechselt ebenfalls die Musik von traditionell zu Hardrock, ohne Übergänge zu beachten.

Bei so vielen Ninja-Frauen in Miniröckchen und Lederstiefeln ist es nicht verwunderlich, dass Regisseur Ozawa auch gleich selbst mitspielen wollte. Aus diesem Grunde sind wahrscheinlich auch die Handlungsstränge gelegentlich etwas durcheinander geraten und manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Doch das durchgeknallte Spektakel besitzt gerade darin seinen Reiz, indem Ozawa in der Wirrnis eine Ästhtetik findet, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Das lässt „Kunoichi“ beinahe als modernen Klassiker erscheinen.

Kunoichi 1: Lady Ninja/Kunoichi 2: Blutige Rache (OT: Kunoichi ninpô chô Yagyà gaiden: Edobana jigoku-hen), Regie & Drehbuch: Hitoshi Ozawa, Darsteller: Yuko Moriyama, Hitoshi Ozawa, Momoka Saeki, Kaoru Okawa, Fuyu Ohba, Japan 1998, 74 Min. & 82 Min.

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goke2Fast 20 Jahre vor Tobe Hoopers „Lifeforce“ gelangte schon einmal ein außerirdischer Vampir auf die Erde und zwar in Hajime Satos Film „Goke“. Hajime Sato (1929-1995) war im Trash-Genre beheimatet, wobei „Goke – Vampir aus dem Weltall“ sein bekanntestes Werk darstellt.

„Goke“ hat so ziemlich alles, was ein guter Trash-Film braucht: einen heldenhaften Flugzeugpiloten, einen fiesen Politiker, einen Gangster und einen Außerirdischen. Der Film beginnt damit, dass immer mehr Vögel grundlos gegen die Fenster des Flugzeugs knallen. Kurz darauf erscheint der Himmel blutrot. Im selben Moment erhält der Pilot von der Flugsicherung eine Warnung, dass sich eine Bombe an Bord befindet. Das Gepäck wird durchsucht, der Terrorist gibt sich zu erkennen. Mit vorgehaltener Waffe will er eine Kursänderung erzwingen, doch da kollidiert das Flugzeug beinahe mit einem UFO. Es kommt zur Bruchlandung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das unbekannte Flugobjekt. Als der Gangster dieses betritt, wird er von einem Alienparasiten befallen und mutiert dadurch zu einem willenlosen Blutsauger, der Passagiere und Crew an den Kragen will …

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Der außerirdische Vampir (Hideo Ko) macht sich an sein nächstes Opfer (Kathy Horan) ran.

Schon die Handlung beweist, dass hier Trash-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist Satos Film keineswegs eine bloße Aneinanderreihung skurriler Begebenheiten. Sato will eindeutig mehr und seinem Werk eine gewisse Tiefe verleihen. Auf diese Weise überrascht der Film durch seine harsche Kritik an Politik und einer Mahnung über die Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Aspekte versinnbildlichen sich in der Figur des Politikers, dessen Charakter überaus unsympathisch, man möchte schon fast sagen widerlich erscheint. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Figuren, der Gangster eingeschlossen, Sowohl-als-auch-Charaktere. Nicht weniger erstaunlich ist auch das Ende des Films, das einen regelrecht endzeitlichen Charakter besitzt, das „Goke“ schließlich zu einem überaus düsteren Film werden lässt.

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Gangster Hirofumi (Hideo Ko) Geht auf das UFO zu. Ein Beispiel für die teils intensive Farbgebung des Films.

Bis dahin jedoch wechselt der Parasit öfters seinen Wirt, sodass die Spannung, ähnlich wie in anderen Filmen, die das „Bodysnatcher“-Thema aufgreifen, durch die allgegenwärtige Bedrohung und die daraus resultierende paranoide Angst stets aufrecht erhalten bleibt.

Noch ein Wort zum Vergleich mit Mario Bava: Dieser kam wahrscheinlich durch die Betonung der intensiven Farbgebung zustande. Bava liebte starke, leuchtende Farben, die seine Filme stellenweise wie Gemälde erscheinen lassen. Ähnliches findet man bei „Goke“. Auch hier strahlen die Farben und geben dem Film damit einen bis ins Surreale reichenden Charakter.

Goke – Vampir aus dem Weltall (OT: Kyuketsuki Gokemidoro), Regie: Hajime Sato, Drehbuch: Kyuzo Kobayashi, Susumu Takahisa, Kathy Horan, Produktion: Takashi Inomata, Darsteller: Hideo Ko, Teru Yushida, Tomomi Sato, Japan 1968, 81 Min

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