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Posts Tagged ‘Filme aus Frankreich’

FuBs Double Feature lautet der Titel unserer Jubiläumsreihe zum fünfjährigen Geburtstag von FILM und BUCH. In dieser Reihe wollen wir jeweils zwei Filme aus einem Jahrzehnt vorstellen. Die Auswahl ist dabei rein subjektiv und orientiert sich nicht an filmhistorischem Einfluss, obwohl manche der Filme nicht ohne Einfluss auf spätere Produktionen gewesen sind. Die Spannbreite reicht dabei von den 1900ern bis zu den ersten zehn Jahren nach der Jahrtausendwende. Vor uns liegt also eine lange Reise. Und wir wünschen euch viel Spaß dabei.

Beginnen wollen wir mit dem Zeitraum 1900 bis 1910. Film als Medium ist gerade mal ein paar Jahre alt, da hat sich daraus bereits eine wachsende Industrie entwickelt, in der es nur um eines ging: Gewinnmaximierung. Es kam zu diversen Rechtsstreitigkeiten, da Filmideen munter kopiert und geklaut wurden. Kunsthistoriker stritten darüber, ob Film eine Kunstform sei oder nicht. Die französischen Intellektuellen hatten eine schnelle Antwort parat: Filmeschaffen in den USA bedeutet Fließbandproduktion, Filmeschaffen in Frankreich bedeutet das Erschaffen von Kunst. An dieser Einstellung sollte sich lange Zeit nichts ändern.

Das Haus wird lebendig. „The haunted House“ (1908)

1908 wurde in Frankreich ein wunderbarer Horrorfilm produziert. Eigentlich wurden in jener Zeit sehr viele Horrorfilme und sogar recht intensive Thriller gedreht, die meisten jedoch sind verschollen oder schlicht und ergreifend in Vergessenheit geraten. The haunted House ist eine furiose Mischung aus Horror und Komödie, in der eine Wandergruppe in ein Unwetter gerät. Sie suchen Unterschlupf in einem verlassenen Haus, doch schnell stellt sich heraus, dass es dort nicht mit rechten Dingen zu geht.

Der Dämon, der in dem Haus umgeht, zeigt sich. „The haunted House“ (1908)

Tricktechnisch gesehen lieferte der Film ein Sammelsurium der damaligen Möglichkeiten ab, was die Gruselkomödie auch heute noch zu einem wundervollen Gruselspaß macht. Die leichte Handlung verbindet sich mit viel Witz und Action. Eine der bekanntesten Szenen des Films ist diejenige, in der die Besucher des Hauses regelrecht durchgeschüttelt werden, wobei eine Theaterbühne, auf der die Kulissen errichtet worden waren, heftig hin und her bewegt wurde. Eine weitere Szene zeigt eine Außenansicht des Hauses, während das Gewitter tobt, als sich plötzlich die Fassade des Gebäudes in ein Gesicht verwandelt.

Der Film dauert gerade einmal sechs Minuten, doch besitzt er so viel Situationskomik und geniale Spezialeffekte, dass diese für einen heutigen Spielfilm ausreichen würden. Regie führte der damals bekannte Tricktechniker Segundo de Chomón, der aus Spanien nach Frankreich gezogen war und zusammen mit George Méliès mehrere Filme herstellte.

Eine der ersten Darstellungen von Frankensteins Monster; „Frankenstein“ (1910)

1910 erblickte in den USA eine der ersten filmischen Adaptionen von Frankenstein das Licht der Welt. Regie führte James Searle Dawley, der auch das Drehbuch verfasste. Das Monster spielte der damals bekannte Broadway-Schauspieler James Ogle. Lange Zeit galt der 13-minütige Film als verschollen. Erst in den 70er Jahren tauchte eine Kopie auf, die ein Sammler erstanden hatte. Damals war der Film ein großer Erfolg. Das Monster sieht auch heute noch durchaus gruselig aus. Angeblich soll Ogle selbst die Maske entworfen haben. Die verzerrten Gesichtszüge mit dem wirren Blick haben es in sich und verleihen dem Ungeheuer eine gewisse dramatische Tiefe. Es scheint von seiner eigenen Existenz geradezu erschrocken zu sein.

Nicht weniger erschrocken ist Dr. Frankenstein, der von dem Monster verfolgt wird. Dabei verliebt sich die Kreatur, die Frankenstein erschaffen hat, in Frankensteins Verlobte. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen Monster und seinem Erschaffer. – Frankenstein aus dem Jahr 1910 ist spannend und kurzweilig in Szene gesetzt und liefert so etwas wie eine Kurzfassung von Mary Shelleys Roman. Bereits hier wurde das Monster nicht als einfach nur böse definiert, sondern die Tragik der Handlung erkannt und sehr schön umgesetzt.

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Arsène Lupin ist ein Meisterdieb, dem es mühelos gelingt, mitten auf Empfängen Frauen um ihren Schmuck zu bringen. Zugleich ist Lupin ein hervorragender Verwandlungskünstler, Abenteurer und Frauenheld. Eines Tages begegnet er einer unsterblichen Gräfin, die ihn darum bittet, für sie drei Kreuze zu stehlen, die zusammengesetzt das Geheimnis eines Schatzes lüften. Lupin erliegt den Reizen der geheimnisvollen Gräfin und macht sich sofort auf, um der Kreuze habhaft zu werden. Doch dabei verwickelt er sich zunehmend in eine bizarre und abenteuerliche Geschichte …

„Arsène Lupin“ ist eine Mischung aus Mystery und Fantasy und veranschaulicht, auf welche Weise Frankreich ab Ende der 90er Jahre versuchte, wieder ins Zentrum des Filmmarktes zurückzukehren. Hatten französische Produktionen bis Mitte der 80er Jahre mit Actionfilmen a la Belmondo und Polit-Thrillern großen Erfolg, so sind es seit Ende der 90er Jahre u. a. stylische Horror- und Fantasyfilme, mit denen Frankreichs Produktionsstätten auf sich aufmerksam machen wollen.

Der Meisterdieb Arsène Lupin (Romain Duris); „Arsène Lupin“ (2004); Copyright: Sunfilm Entertainment

Nach Erfolgen wie „Pakt der Wölfe“ oder „Vidocq“ war „Arsène Lupin“ im Jahr 2004 die dritte große Genreproduktion aus unserem Nachbarland, die für beinahe zwei Stunden kurzweilige Unterhaltung bietet. Die Figur des Meisterdiebes wurde vom französischen Schriftsteller Maurice Leblanc 1905 ins Leben gerufen. Insgesamt durfte Lupin in etwa 20 Romanen und mehreren Kurzgeschichten auftreten. Es gab bereits mehrere Verfilmungen, wobei diejenige von Jean-Paul Salome die aufwendigste und witzigste ist.

Der Film setzt jedoch stark voraus, dass der Zuschauer mit den Romanfiguren vertraut ist. Für Leute, die noch keinen Leblanc gelesen haben, dürfte dieser Film zwar unterhaltsam und spannend sein, dennoch ein paar Ungereimtheiten aufweisen. Nichtsdestotrotz gelingt es Salome durch eine rasante Schnitttechnik, witzigen Dialogen und einer Reihe überraschender Wendungen den Zuschauer im Bann zu halten. Leider floppte der Film an den Kinokassen, sodass, trotz diverser Nominierungen und Preisen (vor allem für Ausstattung und Kostüme), die Produktion wieder in Vergessenheit geriet.

Arsène Lupin, Regie: Jean-Paul Salome, Drehbuch: Jean-Paul Salome, Laurent Vachaud, Produktion: Stephane Marsil, Darsteller: Romain Duris, Kristin Scott Thomas, Eva Green, Pascal Gregory. Frankreich 2004, 126 Min.

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injuFrankreichs Filmindustrie ist seit jeher bekannt durch seine spannenden Thriller. Mit „Das Geheimnis der Geisha“ lenkt Regisseur Barbet Schroeder das Genre in eine Richtung, die den Film zwischen europäischem B-Picture im allgemeinen und Giallo im speziellen verortet.

„Inju“, so der Originaltitel, handelt von Alex Fayard, einem französischen Bestseller Autor von Kriminalromanen, der sein neuestes Werk in Japan vorstellen will. Er ist fasziniert von dem japanischen Thriller-Autor Shindei Oe, über den sich bizarre Gerüchte ranken. Bisher hat ihn noch niemand zu Gesicht bekommen. Manche halten ihn für einen Psychopathen. Kaum ist Fayard in Japan angekommen, bedroht ihn ein eigenartiger Anrufer während einer TV-Sendung, Japan so schnell wie möglich zu verlassen. Kurz darauf lernt Fayard die Geisha Tamao kennen, die behauptet, Oes Geliebte zu sein. Er verliebt sich in sie und erhofft sich zugleich, nähere Informationen über diesen mysteriösen Autor zu erhalten. Bei seinen Nachforschungen gerät er immer tiefer in ein unheimliches Geheimnis.

Im Grunde genommen kann man Barbet Schroeders Film als eine Art Nachdenken über das Scheitern bezeichnen. Diese menschliche Tragik verpackt er in eine Mischung aus Mystery und Suspense, die „Das Geheimnis der Geisha“ wie einen Giallo von Mario Bava erscheinen lassen, der bespickt ist mit einer düsteren Erotik. Auf diese Weise überzeugt das Werk von Anfang an durch eine dichte und geheimnisvolle Atmosphäre, welche die Handlung elektrisierend vorantreibt und sich dabei zugleich als eine Art Hommage an das europäische Trash-Kino versteht.

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Die geheimnisvolle Tamao (Lika Minamoto) deutet ihren Hang für Fesselspielchen an. „Das Geheimnis der Geisha“ (Frankreich 2008). Copyright: Sunfilm Entertainment.

Alex Fayard, ein Experte darin, Literatur und Film zu analysieren, gerät auf einmal in einen Bereich, der verworrener nicht sein kann. Sein fast schon überhebliches Auftreten wird auf einmal erschüttert. Denn das, was zunächst klar und deutlich erscheint, erhält einen doppelten Boden. Von da an ist nichts mehr so, wie es aussieht. Doch von der Idee besessen, den eigentlichen Charakter des ominösen Schriftstellers Shindei Oes in seinen Werken erkannt zu haben, glaubt er, letztendlich als Sieger hervorzugehen.

Barbet Schroeder nutzt diese Grundlage, um damit sowohl die Figur Alex Fayard als auch den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Die klassische Variante des „Who’s done it“ verbindet sich dabei mit der stets präsenten Atmosphäre der Unsicherheit und des Unheimlichen. Dabei darf natürlich eine femme fatale nicht fehlen, die von Lika Minamoto verkörpert wird und Fayard gehörig den Kopf verdreht. Alles in Allem macht dies den Film zu einem durchaus interessanten und spannenden Vergnügen, vor allem für Liebhaber leicht trashiger Kost.

Das Geheimnis der Geisha (OT: Inju), Regie: Barbet Schroeder, Drehbuch: Jean-Armand Bougrelle, Frederique Henri, Barbet Schroeder, Produktion: Said Ben Said, Darsteller: Benoit Magimel, Lika Minamoto, Ryo Ishibashi. Frankreich/Japan 2008, Laufzeit: 101 Min.

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DieSchoeneUndDasBiestChristoph Gans ist das französische Aushängeschild, wenn es um Trash und Phantastik geht. Neben seinen zusammen mit Brian Yuzna produzierten Filmen „Crying Freeman“ (1995) und „Necronomicon“ (1993), erzielte er auch mit dem Mystery-Thriller „Pakt der Wölfe“ (2001) große internationale Erfolge. Sein neuester Streich ist die Verfilmung des Märchens „Die Schöne und Das Biest“, wobei hier nicht nur von einer Adaption zu sprechen ist, sondern auch von einem Remake des gleichnamigen Klassikers von Jean Cocteau aus dem Jahr 1946.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Regisseur Gans ist ein Ästhet wie er im Buche steht. Bereits in der Manga-Adaption „Crying Freeman“ zeigte er, dass man Actionfilme nicht nur in der üblichen Hau-drauf-Manier inszenieren muss. So ist es nicht verwunderlich, dass Gans für „Die Schöne und Das Biest“ einen wahren Bilderrausch kreiert, der – trotz Dauer-CGI – keineswegs ermüdet, sondern schlicht und ergreifend begeistert.

Die Geschichte selbst ist sicherlich jedem bekannt. Ein verarmter Kaufmann begegnet im Wald einem Ungeheuer, das damit droht, seine ganze Familie zu töten, wenn er nicht wieder zurückkehrt. Der Grund für die Strafe: Der Kaufmann hat eine Rose aus dem Garten der Bestie gepflückt. Belle, die Tochter des Kaufmanns, opfert sich für den Vater und kehrt statt ihm ins Schloss der Bestie zurück.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Christoph Gans orientiert sich im Hinblick auf die Kulissen stark an Cocteaus Klassiker. Das Haus des verarmten Kaufmanns oder auch Teile des Schlosses erinnern sehr stark an die Version von 1946. Mithilfe von Computeranimation setzt Gans jedoch ein Vielfaches obendrauf. Cocteaus surrealer Kunstfilm wird zum Action-Fantasy-Spektakel umgearbeitet, was jedoch keineswegs stört. Gans übertreibt nicht, die Effekte sind nicht ausufernd, sondern bewegen sich innerhalb eines vorgesteckten Rahmens, sodass sie nicht langweilig werden. Gut, diese Gizmo-artigen Wesen, welche zwischendurch auftauchen, hätte sich der Regisseur schenken können. Ein wenig mehr Humor hätte dem Film ebenfalls nicht geschadet. Doch insgesamt ist „Die Schöne und Das Biest“ ein durchaus gelungener Film für die ganze Familie.

Titel: Die Schöne und Das Biest (La belle & la bẻte)
Regie: Christoph Gans, Drehbuch: Christoph Gans, Sandra Vo-Anh, Produktion: Richard Grandpierre, Darsteller: Lea Seydoux, Vincent Cassel, Andre Dussollier, Eduardo Norgiega, Yvonne Catterfeld
Frankreich/Deutschland 2014
Laufzeit: 112 Min.

Szenenfotos mit freundlicher Genehmigung von AIM Online-PR

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