Keepers – Die Leuchtturmwärter (2018)

Immer wieder witzig, wenn sich deutsche Verleihe englische Titel ausdenken. Der Originaltitel von „Keepers“ lautet nämlich „The Vanishing“. Soll man dazu jetzt gratulieren? Doch geht es ja um den Film und nicht darum, was für Denkakrobatik so mancher Mitarbeiter in der Marketingabteilung leistet.

Also zum Film. „The Vanishing“ beruht angeblich auf einer wahren Begebenheit, etwas, was zurzeit ja so ziemlich jeder zweite Film vorgibt. Doch bei Kristoffer Nyholms Debut ist dies tatsächlich der Fall. Die Geschichte ereignete sich 1900 auf der Insel Eilean Mòr, auf der drei Leuchtturmwärter spurlos verschwanden. Bis heute gibt es keine Lösung für dieses Rätsel. Ein Grund mehr also, daraus einen Film zu machen.

Die drei Leuchtturmwärter heißen in „The Vanishing“ James Ducat, Thomas und Donald. Nach einem heftigen Unwetter findet Donald ein gestrandetes Ruderboot an der Küste, daneben einen regungslosen Matrosen. Nicht weniger rätselhaft ist die große Holzkiste. Schnell stellt sich heraus, dass sich in der Kiste mehrere Goldbarren befinden. Doch dann tauchen die Besitzer der Kiste auf …

Nein, „The Vanishing“ ist kein Horrorfilm, sondern ein psychologischer Thriller, bei dem es darum geht, wie die Gier aus Freunden Feinde macht. Als Erklärung für das tatsächliche Rätsel von Eilean Mòr taugt dies nicht. Dennoch ist der Film durchaus spannend inszeniert und besitzt eine sehr dichte und vor allem düstere Atmosphäre. Aber wie gesagt, plausibel sieht anders aus, was vor allem daran liegt, dass die drei Hauptprotagonisten nicht fein genug charakterisiert werden. Trotz vieler Bemühungen wirken die Figuren eher flach und auf diese Weise funktioniert dann auch die Sache mit dem „psychologischen“ bei dem Thriller nicht ganz.

Irgendwie erinnert der Film immer wieder an das koreanische Drama „Sea Fog“ von Bong Joon-Ho, obwohl beide Geschichten rein gar nichts miteinander zu tun haben. Möglich, dass sich Nyholm Bongs düstere Parabel als Vorbild genommen hat. Rein optisch ist „The Keepers“ großartig, ansonsten wirken die Nebendarsteller überzeugender als die Hauptdarsteller.

Alles in allem ist „The Keepers“ kein Knaller, aber dennoch ein interessanter Film, der einen neuen Regisseur präsentiert, von dem man sicherlich noch viel erwarten darf.

The Keepers – Die Leuchtturmwärter (OT: The Vanishing). Regie: Kristoffer Nyholm, Drehbuch: Celyn Jones, Joe Bone, Produktion: Gerard Butler, Darsteller: Gerard Butler, Peter Mullan, Connor Swindells, Olafur Darri Olafson. England 2018, 110 Min.

Die Klunkerecke: Was geschah mit Harold Smith? (1999)

Mit der phantastisch angehauchten Komödie „Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ legte „Garfield“-Regisseur Peter Hewitt einen Film vor, der die Retro-Phase in gewisser Weise vorwegnahm. Der Film spielt 1977 und zeigt die Gegensätze zwischen der damaligen Disco- und Punkwelle und macht sich zugleich über die sensationslüsterne Medienwelt lustig.

Im Mittelpunkt stehen Vince und sein Vater Harold. Disco-Fan Vince ist Anwaltsgehilfe und unsterblich in seine Kollegin verliebt. Harold sitzt die meiste Zeit vor dem Fernseher, während Vinces Mutter ständig fremdgeht. Eines Tages aber beweist Harold auf einmal außergewöhnliche Kräfte, indem er einen Kugelschreiber zum Schweben bringt. Als er jedoch bei einer kleinen Vorstellung in einem Altenheim nicht nur Uhren, sondern auch Herzschrittmacher zum Stehen bringt, wird nicht nur die Polizei, sondern auch das Fernsehen auf ihn aufmerksam. Es entsteht ein wahrer Kult, während ein Physiker Harold als Betrüger entlarven soll. Dieser aber ist von Harolds Fähigkeiten so sehr beeindruckt, dass er Harold öffentlich als den Sohn Gottes bezeichnet …

Vincent (Michael Legge) und sein Freund Walter (James Cordan) versuchen sich in „Saturday Night Fever“; „Was geschah mit Harold Smith?“ (1999); Copyright: Epix

„Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ verbindet leichte Komödie mit köstlicher Satire und kratzt dabei sanft an den Merkmalen des Übernatürlichen. Die Handlung schreitet rasant voran und das Timing der Gags ist erstklassig. Der Film wird nie langweilig, verliert nie an Fahrt und hängt nie durch. Untermalt wird alles von einem tollen Soundtrack, der sowohl die Disco- als auch die Punk-Ära nochmals aufleben lässt.

Dabei lebt die Story vor allem von witzigen Gegenüberstellungen: Zum einen stellt Hewitt die Disco-Ära der Punk-Bewegung gegenüber, zum anderen das Unerklärbare der anscheinend rationalen Wissenschaft und zum Dritten Medienkonsumenten den Medienmachern.

Mit diesen Mitteln wird der Film recht vielschichtig, da er so ziemlich alle sozialen Bereiche heutiger Gesellschaften durch den Kakao zieht. Die Kritik, die sich Fernsehen oder auch Wissenschaft anhören müssen, ist aber keineswegs diejenige des erhobenen Zeigefingers, sondern eine sehr gelungene Entlarvung der geistigen und medialen Elite. Stephen Fry, der den Physiker spielt, erlebt man hier in absoluter Bestform.

Insgesamt macht der Film richtig Spaß und verliert auch nach mehrmaligem Ansehen weder an Originalität noch an Witz. Kurz: eine kleine, feine Perle des englischen Films.

Was geschah mit Harold Smith? (OT: Whatever Happened to Harold Smith?), Regie: Peter Hewitt, Drehbuch: Ben Steiner, Darsteller: Tom Courteney, Stephen Fry, Michael Legge, Laura Fraser. England 1999, 95 Min.

Trash der 60er (7): Die Blumen des Schreckens

triffids41962 verfilmte der aus Ungarn stammende Regisseur Steve Sekely John Wyndhams SF-Klassiker „Day of the Triffids“ (1951). Neben „The Midwich Cuckoos“ (der deutsche Titel lautete: „Es geschah am Tage X“), der unter dem Titel „Dorf der Verdammten“ verfilmt wurde, ist „Die Triffids“ Wyndhams bekanntester Roman.

Die Verfilmung nahm sich ziemlich viele Freiheiten heraus, übernahm aber zumindest die Grundhandlung des Romans. Es geht um eine fremdartige Pflanzenart, die während eines Meteorschauers monströse Eigenschaften annimmt. Die Pflanzen werden nicht nur groß, sondern können sich von einem Ort zum anderen Bewegen. Zudem haben sie Hunger auf Menschenfleisch. Während es sich im Roman um eine Art von genveränderten Pflanzen handelt, die durch den Meteorschauer zu einer Bedrohung werden, bleibt die Herkunft der Pflanzen im Film offen. Das Licht, das während des Meteorschauers am Himmel zu sehen ist, reizt die Augen der Menschen so stark, dass die meisten erblinden und dadurch zu einer leichten Beute für die Pflanzen werden. Der Seefahrer Bill Mason liegt während des Zwischenfalls mit verbundenen Augen im Krankenhaus. Er ist einer der wenigen, die noch sehen können. Zusammen mit einer Schülerin streift er durch eine zerstörte Welt in der Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem die Zivilisation noch nicht zusammengebrochen ist.

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Die Katastrophe beginnt mit seltsamen Lichtern am nächtlichen Himmel. „The Day of the Triffids“ (1962)

Wie bereits der Roman, so wurde auch der Film zu einem Klassiker des Genres. Sekely gelingen von Anfang an tolle Aufnahmen, die mit den Lichterscheinungen am Himmel beginnen und sich bei der Darstellung des zunehmenden Verfalls der Gesellschaft fortsetzen. Dabei weist er darauf hin, wie schnell es zu einem Zusammenbruch der Zivilisation kommen kann. Im wahrsten Sinne des Wortes verändert sich die Gesellschaft über Nacht. Ist zunächst noch alles in Ordnung, so herrscht wenige Stunden später das komplette Chaos. Tote und Verletzte liegen in den Straßen, Blinde taumeln durch die Stadt, die vergeblich nach Hilfe suchen. Es kommt zu mehreren Unfällen (u.a. kracht ein Zug in den Bahnhof), die dazu führen, dass es zu Großbränden kommt, die niemand löschen kann.

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Bill Mason (Howard Keel) geht durch das zerstörte London. „The Day of the Triffids“ (1962)

„The Day of the Triffids“ ist voller Dramatik, Action und Spannung. Wie auch schon Wyndham, so entwirft Sekely ein eher negatives Menschenbild, in dem der Zusammebruch der Gesellschaft zum gleichzeitigen Zusammenbruch der moralischen Werte führt. Jeder ist nur noch sich selbst am nächsten. Egoismus und die Angst vor dem Anderen treten mehr und mehr zum Vorschein. Die Menschen, die noch sehen können, versuchen, sich mehr schlecht als recht zu organisieren. Als Bill Mason und die Schülerin Susan in Frankreich ankommen, wo sie auf eine Gruppe Sehenden treffen, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall: ausgebrochene Straftäter dringen in das Gebäude, in dem die Gruppe lebt, ein und übernehmen die Kontrolle. Hier kommt es zu einem der vielen Höhepunkte des Films. Denn während des Kampfs zwischen Bill und den Kriminellen, greifen die Monsterpflanzen das Haus an.

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Wissenschaftlerin Karen Goodwin (Janette Scott) wird von einer der Monsterpflanzen attackiert. „The Day of the Triffids“ (1962)

Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang, in dem es um ein Wissenschaftlerehepaar geht, das auf einem abgelegenen Leuchtturm wohnt, um dort ihren Forschungen nachzugehen. Während der Mann Alkoholiker ist, ist die Frau voller Tatendrang. Als auch sie von den Pflanzenmonstern angegriffen werden, versuchen sie, ein Mittel gegen die Ungeheuer zu finden. Merkwürdigerweise stehen diese Ereignisse mehr oder weniger für sich, d.h. es kommt zu keiner Verbindung zwischen den Figuren aus dem Leuchtturm und den Hauptfiguren. Dennoch ist auch die parallel verlaufende Handlung sehr dicht und spannend in Szene gesetzt. Im Grunde genommen hätte man daraus einen eigenen Film machen können. Janette Scott, die die Wissenschaftlerin spielt und ein Jahr darauf in dem Klassiker der Hammer-Studios „Paranoiac“ mitspielte, wurde in den 70ern im Opener-Song der „Rocky Horror Picture Show“ erwähnt.

„The Day of the Triffids“ lief in Deutschland unter dem Titel „Blumen des Schreckens“. 2009 verfilmte die BBC den Roman erneut, allerdings in Form einer TV-Mini-Serie. Der Film „28 Days later“ (2002) bedient sich frech der Ausgangssituation von den „Triffids“.

Die Blumen des Schreckens (OT: The Day of the Triffids). Regie: Steve Sekely, Drehbuch u. Produktion: Philip Yordan, Darsteller: Howard Keel, Nicole Maurey, Janette Scott, Kieron Moore, Janina Faye. England 1963, 90 Min.