Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler

Im Jahr 2013 erschien unter dem Titel „The Collaboration“ ein Buch, das in den USA sofort hohe Wellen schlug. Eigentlich erregen Abhandlungen, die sich mit der Geschichte Hollywoods beschäftigen, so gut wie nie Aufsehen. Der Historiker Ben Urwand aber beschäftigt sich in seinem nun auf Deutsch erschienenen Sachbuch mit der dunklen Seite der US-amerikanischen Produktionsfirmen.

Deutschland war seit der Stummfilmzeit ein wichtiger Markt für Filme aus den USA. Dies änderte sich auch nicht nach der Machtergreifung Hitlers. Aber um welchen Preis. In den 30er Jahren versuchten 20th Century Fox, MGM, Warner und andere Firmen alles, damit sie weiterhin Geschäfte machen konnten.

Auf diese Weise hatte Nazi-Deutschland Hollywood regelrecht in der Hand, denn den Produzenten wurde diktiert, was sie in ihren Filmen zeigen durften und was nicht. Kamen die Studiobosse den Bestimmungen nicht nach, so drohten die Behörden mit einem Aufführungsverbot. Extra für diese Aufgabe wurde ein deutscher Diplomat namens Georg Gyssling nach Los Angeles gesandt, der die Drehbücher und die fertigen Filme überprüfen sollte. So mussten sämtliche Szenen aus Kriegsfilmen und Dramen entfernt werden, in denen die Deutschen, wenn auch nur ansatzweise, schlecht dargestellt wurden.

Später durften auch keine Filme vertrieben werden, in denen jüdische Figuren vorkamen oder an denen jüdische Regisseure, Kameramänner etc. mitgearbeitet hatten. Die Produzenten, die selbst Juden waren, fügten sich dem Verbot, um im Deutschen Reich weiterhin Filme vermarkten zu können. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als sowieso keine US-Filme mehr in deutschen Kinos gezeigt wurden, änderte sich das Verhalten der Produzenten nach und nach, und es kam zu Filmen wie „Casablanca“, welche veranschaulichten, für welche Politik das Deutsche Reich tatsächlich stand.

Ben Urwand schildert diese Geschehnisse nicht nur extrem spannend, sondern überaus detailliert. In einem flotten Schreibstil beschreibt er, was niemand für möglich gehalten hätte,  nämlich, dass sich Hollywoods Produzenten quasi zu Lakaien des Deustchen Reiches degradierten, nur aus dem Grund, um weiter im Geschäft zu bleiben.  Dabei lesen sich manche Ereignisse so, als seien sie einer Satire entsprungen. Aber nein, das, was Urwand herausfand, ist zwar unglaublich, aber wahr. Über neun Jahre verbrachte der Historiker damit, nach Quellen zu recherchieren und diese auszuwerten. „Der Pakt“ ist ein wichtiges Buch, das die goldene Ära Hollywoods in einem völlig anderen, geradezu erschreckenden Bild zeigt. Für jeden, der sich für Filme und Filmgeschichte interessiert, ist Ben Urwands Abhandlung ein echter Gewinn.

Ben Urwand. Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hilter. Theiss Verlag 2017, 320 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3806233711