Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Festa Verlag’

Graham Masterton ist der Meister des Grauens aus England. Seit seinem Debut „Manitou“ ist er aus dem Horrorgenre nicht mehr wegzudenken. In seinem neuen Roman „Bleiche Knochen“ verbindet er gekonnt Krimielemente mit Aspekten des Horrorromans.

Es geht um die Ermittlerin Katie Maguire, die es plötzlich mit einem äußerst unheimlichen Fall zu tun hat. Auf einem Bauernhof werden bei Bauarbeiten die Skelette von elf Frauen gefunden, die dort 1915 vergraben wurden. Die Untersuchung der Knochen ergibt, dass die Frauen bei lebendigem Leib entbeint wurden. Gerade als die Ermittlungen zu den Akten gelegt werden sollen, ereignet sich jedoch ein neuer Fall, der nach demselben Muster verläuft …

Wenn man es genau nimmt, gibt es nicht gerade viele Kriminalromane, die nicht nur spannend, sondern auch hervorragend geschrieben sind. „Bleiche Knochen“ ist solch eine wunderbare Ausnahme. In dem Roman stimmt einfach alles. Nicht nur der perfekte Spannungsaufbau lässt einem das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hinzu kommt ein wirklich toller Schreibstil, mit dem es Masterton gelingt, eine dichte und mysthisch angehauchte Atmosphäre zu schaffen. Aber das ist noch nicht alles, denn der Roman ist bespickt mit interessanten und vielschichtigen Figuren, denen man gerne durch die Geschichte folgt.

Besonders Katie Maguire ist Masterton sehr schön gelungen. Kein 08/15-Charakter wie in so vielen anderen Krimis und Thrillern, sondern eine komplexe Figur, die sich gegenüber der Männerwelt behaupten muss und dabei mit ihren Schwächen und Stärken beschrieben wird. Sehr überzeugend stellt Masterton dabei die Skepsis und Abneigung der traditionellen Bewohner der Stadt Cork dar, in der Maguire als Chefermittlerin tätig ist.

Doch ist „Bleiche Knochen“ ja nicht nur ein Kriminalroman, sondern genauso ein Mystery-Thriller und nicht weniger ein Horrorroman. Masterton setzt alles daran, um das Grauen nicht abwegig oder übertrieben darzustellen, sondern ihm liegt daran, sowohl mit direkten als auch mit subtilen Mitteln eine Bedrohung zu schaffen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Besser als Masterton mit „Bleiche Knochen“ kann man einen Horrorthriller nicht schreiben. Eindeutig das Highlight des Jahres.

Graham Masterton. Bleiche Knochen. Festa Verlag 2017, 441 Seiten, 13,99 Euro, ISBN: 978-3-86552-558-1

Advertisements

Read Full Post »

Hätte sich nicht Bessie Hodgson auf solch energische Weise um das literarische Erbe ihres viel zu früh verstorbenen Ehemanns gekümmert, so wäre William Hope Hodgson wahrscheinlich heute völlig unbekannt. So aber erleben seine spannenden und überaus unheimlichen Geschichten und Romane vor allem im englischsprachigen Raum immer wieder Neuauflagen.

In einer deutschen Übersetzung erschien zuletzt der Roman „Das Haus an der Grenze“ im Festa Verlag. Nun erschien dort ein weiteres Buch, das sämtliche Carnacki-Erzählungen enthält. „Carnacki, der Geisterdetektiv“ lautet der Titel. William Hope Hodgson (1877 – 1918) verfasste insgesamt neun Geschichten um den Experten des Übernatürlichen, von denen zwei erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden.

Man könnte Carnacki als eine Art Sherlock Holmes bezeichnen. Doch während sein berühmter Kollege knifflige Kriminalfälle löst, hat es Carnacki in der Regel mit außergewöhnlichen Phänomenen zu tun. Hodgson, der sich selbst für paranormale Erscheinungen interessierte, schuf mit seinen Carnacki-Erzählungen extrem spannende und nicht weniger unheimliche Werke, in denen es um bizarre Heimsuchungen, hinterlistige Fallen und Bedrohungen aus anderen Dimensionen geht.

William Hope Hodgson (1877 – 1918)

Es ist daher kein Wunder, dass Howard Philip Lovecraft die Romane und Erzählungen Hodgsons sehr schätzte und sie jedem ans Herz legte, der sich mit phantastischer Literatur beschäftigt. Carnacki hat es mit einer unheimlichen Attacke aus dem Nichts zu tun, bei dem ein außergewöhnlicher Dolch eine Rolle spielt, mit seltsamen Klopfgeräuschen in seinem eigenen Haus, mit einem Zimmer, aus dem so intensive Pfeiftöne klingen, dass die Bewohner des Hauses es kaum noch ertragen, mit Blut, das von der Decke tropft, mit einem schrecklichen Geisterpferd, das die weiblichen Mitglieder einer alten Familie bedroht, mit einem Gespensterschiff und mit unheimlichen Schweinewesen, die einen Mann plagen.

Es ist schwer zu sagen, welche der Geschichten in diesem Band einem am meisten begeistert, denn alle neun Erzählungen bieten nicht nur erstklassige Spannung, sondern auch echtes Gänsehautvergnügen. An bestimmten Abenden lädt Carnacki seine vier Freunde ein, um ihnen von seinem neuesten Fall zu erzählen. Was stets wie der Beginn einer klassischen Geistergeschichte beginnt, entwickelt sich schnell in eine dichte Mischung aus Mystery, Horror und Spukgeschichte, die in einem rasenden Tempo voranschreitet und dabei den Leser ganz und gar in seinen Bann zieht.

Hat man mit einer Geschichte begonnen, so ist es unmöglich, zwischendrin eine Pause einzulegen. Man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht und vor allem, was hinter den gespenstischen Erscheinungen steckt. Auf eine unglaublich intensive Weise gelingt es Hodgson, die jeweiligen Fälle des Geisterdetektivs zu schildern, dass man sich regelrecht am Buch festklammert. Wer Hodgson nicht liest, ist selbst schuld. Ihm entgeht ein wahres Leseerlebnis und ein echter Leckerbissen unheimlicher Literatur.

Außer den neun Carnacki-Erzählungen enthält der Band auch einen Artikel Lovecrafts über Hodgson sowie ein Essay von Mark Valentine, das sich mit Leben und Werk William Hope Hodgsons auseinandersetzt.

William Hope Hodgson. Carnacki, der Geisterdetektiv. Festa Verlag 2017, 335 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978-3-86552-435-5

Read Full Post »

innsmouth„Schatten über Innsmouth“ heißt der wohl bekannteste Roman von H. P. Lovecraft (1890 – 1937). Das Schicksal des Ich-Erzählers, der versucht, das Geheimnis dieses unheimlichen Ortes zu lösen, inspirierte unzählige Autoren. 2001 produzierte zudem die spanische Produktionsfirma Filmax die einzige filmische Adaption des Stoffes unter dem Titel „Dagon“ (Regie führte Stuart Gordon).

Der Sammelband „Schatten über Innsmouth“, der nun im Festa Verlag erschienen ist, nimmt sich ebenfalls dieser bekanntesten Stadt der Horrorliteratur an. Herausgeber Stephen Jones (in England längst eine Koryphäe der Horrorliteratur) versammelt in diesem Buch aussschließlich englische Autoren, die mit ihren Geschichten ihre jeweils eigenen Versionen von Innsmouth verfassten. Natürlich ist auch Lovecrafts Originalroman darin enthalten. Dieser eröffnet sozusagen die Sammlung der unheimlichen Erzählungen.

Es ist interessant und erstaunlich zugleich, wie jeder der Autoren die Geschichte um Innsmouth auf seine Weise weiterspinnt. Ob nun in Form einer klassischen Horrorgeschichte, wie dies Basil Copper unternimmt, oder als Kriminalgeschichte im Stile Ramyond Chandlers, die Variationen liefern spannende, unheimliche und teils witzige Unterhaltung. Die Originalität kennt dabei keine Grenzen. Hierbei ist vor allem Kim Newman hervorzuheben, der einen Einblick in das Leben eines Barkeepers von Innsmouth gibt. Doch auch die anderen Geschichten stehen dieser Idee in nichts nach. Mit David Langfords Beitrag erreicht Innsmouth sogar das digitale Zeitalter.

Neben Kim Newman und Basil Copper beinhaltet der Band u. a. auch Geschichten von Ramsey Campbell, Brian Lumley und Neil Gaiman. Sie alle lassen das Geheimnis von Innsmouth neu aufleben. Ob die Erzählungen nun in Neuengland spielen oder an der Küste Großbritanniens oder in Osteuropa, sie alle gehen gekonnt auf Lovecrafts Grundidee ein. Man erhält dadurch nicht nur erstklassige Horrorunterhaltung, sondern zugleich die Crème de la Crème der britischen Horrorliteratur.

Schatten über Innsmouth. Herausgegeben von Stephen Jones. Festa Verlag 2015, 589 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-86552-322-8.

Read Full Post »

derzentaurAlgernon Blackwood (1869-1951) zählte zu H. P. Lovecrafts Lieblingsautoren. Doch auch unabhängig von dieser Tatsache zählt Blackwood zu den wichtigsten Vertretern der phantastischen Literatur. Vor allem im Bereich der Kurzgeschichte und Erzählung schuf Algernon Blackwood so manchen Klassiker. „Die Weiden“ und „Wendigo“ gehören zu den besten Schauergeschichten, die jemals geschrieben wurden.

Der Fokus auf die Kurzgeschichte heißt jedoch nicht, dass Blackwood nicht auch Romane geschrieben hätte. Bisher wurden allerdings seine umfangreicheren Werke nicht ins Deutsche übersetzt. Die Betonung liegt auf „bisher“. Denn vor wenigen Monaten erschien im auf klassische und moderne Horrorliteratur spezialisierten Festa Verlag der Roman „Der Zentaur“, übersetzt von Usch Kiausch.

Es geht darin um eine rätselhafte Begegnung, die nicht ohne Folge bleibt. Auf einem Passagierschiff begegnet der Engländer Terence O’Malley einem seltsamen Mann. Von Anfang an ist er von dem Fremden fasziniert, da dieser völlig anders ist als die übrigen Passagiere. Er fühlt sich von ihm regelrecht angezogen. Zunehmend wird O’Malley Zeuge davon, dass mystische Wesen keineswegs nur Einbildung der Fantasie sind, sondern tatsächlich existieren …

Es ist fast schon paradox. Obwohl „Der Zentaur“ nie richtig spannend wird, zieht der Roman den Leser dennoch mitten hinein in das Geschehen. Von Kapitel zu Kapitel wird es schwerer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Das liegt vor allem daran, da sich Blackwood als ein Meister der Sprache erweist. Der Roman wird somit zu einem sprachlichen Erlebnis, dessen Stärke in der Beschreibung der sonderbaren Zwischenfälle liegt.

Blackwood versucht sich jedoch nicht nur als Romancier. „Der Zentaur“ ist geprägt von einer harschen Kapitalismuskritik, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Das Streben nach Geld hat die Menschen blind gemacht für das Wesentliche im Leben. O’Malley, als klassischer Aussteigertyp, ist auf der Suche nach dem Anderen, dem Wirklichen, nach dem, was der industrielle Mensch längst verdrängt hat. Dieser Umstand macht „Der Zentaur“ zu einem wichtigen Roman, der zum Nachdenken anregt.

Read Full Post »