The 80s: Legend (1985)

Normalerweise fackelt man nicht gleich das Studio ab, wenn man einen Film drehen möchte. Aber genau das ist bei den Dreharbeiten von „Legend“ geschehen. Die Folge: ein Teil der Kulissen musste erneuert werden.

Regie führte Ridley Scott, der den Film eigentlich in einem der US-amerikanischen Nationalparks drehen wollte. Doch die Kosten dafür wären höher gewesen, als einen künstlichen Wald im Studio zu errichten. Also schufen seine Mitarbeiter innerhalb von zwei Wochen einen kompletten Wald in dem Studio, das normalerweise für die James Bond-Filme verwendet wurde.

So aufwendig die Produktion auch war, so einfach gestaltete sich die Handlung: Prinzessin Lilli wird vom Fürsten der Dunkelheit entührt, da er sie zu seiner Frau machen möchte. Jack versucht dies zusammen mit seinen Freunden zu verhindern.

Jack wird von Tom Cruise gespielt, und irgendwie nimmt man ihm die Rolle nicht ab. Im Gegensatz zu den anderen Darstellern merkt man ihm zu sehr an, wie er versucht zu schauspielern. Da half auch nicht der berühmte Schweizer Schauspieler David Benennt (bekannt durch „Die Blechtrommel“), der hier wundervoll klassisch den Elfen Gump spielt. Oder Mia Sara, die hier ihr Debut gab und ein Jahr darauf durch ihre Rolle in der Komödie „Ferris macht blau“ bekannt werden sollte. Nicht zu vergessen natürlich Tim Curry, der den Fürsten der Finsternis verkörpert.

Für Tim Currys Teufelsmaske hagelte es dann auch jede Menge Preise. Bis heute stellt sie eine der komplexesten Ganzkörpermasken der Filmgeschichte dar. Das macht seine Rolle natürlich zum Augenfang. Und daher ist es jedes Mal von neuem faszinierend, Curry als Teufel in Aktion zu sehen.

Über die Kulissen muss man nicht mehr viel sagen. Man merkt dem ganzen Film über den enormen Aufwand an, was dazu führt, dass die Kulissen zu den eigentlichen Hauptdarstellern des Films werden. Erst recht, wenn alles hüfthoch im Schnee versinkt. Heute würden dafür ein paar EDV-Granaten mit Bits und Bytes jonglieren. Damals noch alles wunderbar handgemacht.

Zwar beginnt „Legend“ ein bisschen zu kitschig, doch ändert sich das nach nur wenigen Minuten, spätestens aber dann, wenn die Diener des Fürsten der Dunkelheit einem der Einhörner das Horn abschlagen. Denn abrupt wird aus dem barocken Kunstmärchen ein spannender und überaus düsterer Fantasyfilm, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Damals floppte der Film jedoch an den Kinokassen. Erst mit der Zeit fand „Legend“ seine Zuschauer (vor allem in der Zweitverwertung) und gilt heute als absoluter Klassiker des Genres.

Legend. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: William Hjortsberg, Produktion: Arnon Milchan, Darsteller: Tom Cruise, Mia Sara, Tim Curry, David Benennt, Robert Picardo. England 1985, 94 Min.

Die Klunkerecke: Franklyn

FranklynCoverWenn man es auf den Punkt bringen möchte, so kann man das Debut des Werbefilmers Gerald McMorrow als einen wahren Augenschmaus bezeichnen. 2008 drehte er den Fantasyfilm „Franklyn“, der in Deutschland den Untertitel „Die Wahrheit hat viele Gesichter“ erhielt. Mit einem Budget von gerade einmal sechs Millionen Pfund gelang ihm ein kleines Meisterwerk, das von positiven Kritiken überhäuft wurde und dennoch floppte. Außerhalb Englands wurde der Film gleich als DVD-Release vermarktet.

Franklyn„Franklyn“ ist eine Mischung aus Phantastik im weitesten Sinne und Großstadtdrama. Die Geschichte wird nicht nur aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt, sondern – und das macht den Film noch komplexer – in zwei verschiedenen Welten. Zum einen in der Riesenstadt Meanwhile City, in der die unterschiedlichsten Religionen nebeneinander leben und wo auch die Anleitungen für die Waschmaschine angebetet wird, und zum anderen im London der Gegenwart.

Franklyn1In Meanwhile City ist Jonathan Preest auf der Suche nach einer Person namens Individuum, um sie umzubringen. Dabei wird er jedoch von den Einheiten des Ministeriums für Religionen gejagt. Der Grund: Preest ist ungläubig, was in Meanwhile City verboten ist.

In London teilt sich die Handlung in drei Ebenen auf. Da ist der Pfarrer Peter Esser, der nach seinem Sohn David sucht, da dieser aus einer Nervenheilanstalt geflohen ist. Die zweite Handlungsebene bezieht sich auf Milo, der bei seiner Hochzeit sitzengelassen wurde und plötzlich auf Sally, eine Freundin aus Kindertagen, trifft. Die letzte Ebene beschäftigt sich mit der Künstlerin Emilia Bryant, deren Kunstwerke von ihrem Professor nicht aktzeptiert werden und die daher versucht, ihren eigenen Tod als Kunstwerk zu kreieren.

Franklyn2Scheint es zunächst so, dass alle Handlungen nichts miteinander zu tun haben, so fließen im Finale des Films sämtliche Handlungstränge zusammen. Die Komplexität der Geschichte wird geradezu vollendet gelöst, Parallelwelt und reale Welt werden eins.

Möglicherweise floppte der Film, da McMorrow kein Fantasy-Action-Spektakel lieferte, sondern einen Vielschichtigen und durchaus tiefgründigen Film, über den der Zuschauer noch lange nach der Sichtung rätseln kann. Durchaus verstörend wirkt dabei zunächst das Filmzitat, mit dem McMorrow das Ende von „Franklyn“ einläutet: Jonathan Preest steht vor dem Eingang eines Wohnhauses und betätigt den Klingelknopf, auf dem der Name Franklyn zu lesen ist. Genau dieselbe Szene findet sich im Finale von „Zeit nach Mitternacht“ (1985), nur steht dort der Name Franklin auf der Klingel. Der Regisseur erklärte diesen Umstand dadurch, da die Parallelwelt ein Sammelsurium aus Erinnerungen an Bücher und Filmen darstellt, welche die eigentliche Hauptfigur konsumiert hat.

Franklyn3„Franklyn“ ist auf jeden Fall immer wieder sehenswert, dank seiner Komplexität und der prachtvollen Bilder gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Wie gesagt, war dem Film leider nicht der Erfolg gegönnt, den er verdient hätte. Gerald McMorrow selbst drehte danach keine weiteren Spielfilme mehr, sondern wandte sich wieder dem Drehen von Werbe- und Videoclips zu.

 

Szenenfotos mit freundlicher Genehmigung von Ascot Elite.

Die Schöne und Das Biest – Fantasy-Spektakel aus Frankreich

DieSchoeneUndDasBiestChristoph Gans ist das französische Aushängeschild, wenn es um Trash und Phantastik geht. Neben seinen zusammen mit Brian Yuzna produzierten Filmen „Crying Freeman“ (1995) und „Necronomicon“ (1993), erzielte er auch mit dem Mystery-Thriller „Pakt der Wölfe“ (2001) große internationale Erfolge. Sein neuester Streich ist die Verfilmung des Märchens „Die Schöne und Das Biest“, wobei hier nicht nur von einer Adaption zu sprechen ist, sondern auch von einem Remake des gleichnamigen Klassikers von Jean Cocteau aus dem Jahr 1946.

schöneunddasbiest2
Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Regisseur Gans ist ein Ästhet wie er im Buche steht. Bereits in der Manga-Adaption „Crying Freeman“ zeigte er, dass man Actionfilme nicht nur in der üblichen Hau-drauf-Manier inszenieren muss. So ist es nicht verwunderlich, dass Gans für „Die Schöne und Das Biest“ einen wahren Bilderrausch kreiert, der – trotz Dauer-CGI – keineswegs ermüdet, sondern schlicht und ergreifend begeistert.

Die Geschichte selbst ist sicherlich jedem bekannt. Ein verarmter Kaufmann begegnet im Wald einem Ungeheuer, das damit droht, seine ganze Familie zu töten, wenn er nicht wieder zurückkehrt. Der Grund für die Strafe: Der Kaufmann hat eine Rose aus dem Garten der Bestie gepflückt. Belle, die Tochter des Kaufmanns, opfert sich für den Vater und kehrt statt ihm ins Schloss der Bestie zurück.

Schöneunddasbiest1
Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Christoph Gans orientiert sich im Hinblick auf die Kulissen stark an Cocteaus Klassiker. Das Haus des verarmten Kaufmanns oder auch Teile des Schlosses erinnern sehr stark an die Version von 1946. Mithilfe von Computeranimation setzt Gans jedoch ein Vielfaches obendrauf. Cocteaus surrealer Kunstfilm wird zum Action-Fantasy-Spektakel umgearbeitet, was jedoch keineswegs stört. Gans übertreibt nicht, die Effekte sind nicht ausufernd, sondern bewegen sich innerhalb eines vorgesteckten Rahmens, sodass sie nicht langweilig werden. Gut, diese Gizmo-artigen Wesen, welche zwischendurch auftauchen, hätte sich der Regisseur schenken können. Ein wenig mehr Humor hätte dem Film ebenfalls nicht geschadet. Doch insgesamt ist „Die Schöne und Das Biest“ ein durchaus gelungener Film für die ganze Familie.

Titel: Die Schöne und Das Biest (La belle & la bẻte)
Regie: Christoph Gans, Drehbuch: Christoph Gans, Sandra Vo-Anh, Produktion: Richard Grandpierre, Darsteller: Lea Seydoux, Vincent Cassel, Andre Dussollier, Eduardo Norgiega, Yvonne Catterfeld
Frankreich/Deutschland 2014
Laufzeit: 112 Min.

Szenenfotos mit freundlicher Genehmigung von AIM Online-PR