It’s Fantastic – Brian Yuznas Produktionsfirma Fantastic Factory

Im Jahr 2000 tat sich etwas bei der größten spanischen Produktionsfirma Filmax. Eine kleine Firma, die sich ausschließlich auf die Herstellung von Horrorfilmen konzentrieren sollte, wurde von Regisseur Brian Yuzna und Filmax-Chef Julio Fernández gegründet. Die Euphorie war groß, befand sich doch das Horrorgenre im Aufwind. Den Anstoß für die Reanimierung des Horrorfilms hatte Wes Craven 1996 mit „Scream“ gegeben. Seit dem gab es kein Halten mehr. Angestachelt durch die Krise in Hollywood und dem gleichzeitigen Erfolg japanischer und koreanischer Horrorfilme, wagten sich nun auch mehr und mehr andere nicht-us-amerikanische Filmfirmen auf den internationalen Markt.

faustDie Firma, welche von Brian Yuzna und Filmax gegründet wurde, trug den Namen Fantastic Factory. Den Anfang machte eine Comic-Adaption mit dem Titel „Faust – Love of the Damned“ (2000), in dem der nach Rache sinnende Künstler John Jaspers Bekanntschaft macht mit einem mysteriösen Mann namens M. Dieser verleiht ihm übermenschliche Kräfte, allerdings muss Jaspers dafür mit ihm einen Vertrag über seine Seele abschließen. Doch Jaspers ist dies in diesem Moment egal. Was er möchte, ist Rache an den Mördern seiner Frau zu nehmen. Sein blutiger Rachefeldzug wurde mithilfe der bizarren Spezial- und Make up-Effekte des japanisch-amerikanischen Künstlers Screaming Mad George umgesetzt. Der Film entwickelte sich, trotz eher schlechter Kritiken, zum Geheimtipp und gilt inzwischen als heimlicher (moderner) Klassiker des spanischen Horrorfilms. Nun, die Effekte sind wirklich hervorragend, kein 08/15-Schnickschnack wie in US-Filmen, sondern geradezu surreal. In Deutschland kam (natürlich) nur eine völlig geschnittene Fassung heraus, in der sämtliche Spezialeffekte herausgeschnitten worden waren. Erst später veröffentlichte Legend Films den Film in einer ungeschnittenen Fassung als numerierte Sammleredition.

dagonKurz darauf ging es Schlag auf Schlag. Der Name Fantastic Factory war bekannt. Also musste Yuzna schnell nachliefern, um die Gunst der Stunde voll ausnützen zu können. 2001 brachte Fantastic Factory gleich zwei Filme heraus: „Dagon“, eine Lovecraftadaption, basierend auf „Der Schatten über Insmouth“, und den Spinnenmonsterfilm „Arachnid“. Beide Filme liefern beste Trash-Unterhaltung. Besonders „Dagon“ versucht, die düster-glitschige Atmosphäre von Lovecrafts Erzählungen visuell umzusetzen und gibt sich dabei regelrecht Mühe. Zwar wurde Lovecrafts Vorlage in eine Teeny-Slasher-Parade umgeschrieben, doch wesentliche Aspekte des Romans blieben erhalten. So z.B. die Szene in dem Hotelzimmer, in welcher der Protagonist versucht, die Türen zu verriegeln, damit die heimlichen Besucher ihn nicht erwischen können.

arachnid„Archnid“ zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass Yuzna auf CGI-Effekte weitestgehend verzichtete, sondern handgemachte Monsterspinnen präsentierte. Diese kommen aus dem Weltall und verschlingen nun alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Man fühlt sich irgendwie an John Wyndhams SF-Roman „Web“ erinnert, in dem eine ganz ähnliche Geschichte erzählt wird. Ob diese als Vorlage diente, ist aber nicht ersichtlich.

2003 kehrte Yuzna zu den Anfängen seiner Karriere zurück, indem er sich erneut an den „Reanimator“-Stoff heranwagte. „Beyond Re-Animator“ aber kommt nicht mehr an den Klassiker aus dem Jahr 1984 heran, er versucht eher, die bizarr-groteske Horror-Action des zweiten Teils auf die Spitze zu treiben. Nun ja, die Zombies sind mal wieder los und alles bewegt sich zwischen doch irgendwie witzig und eher albern. Ein Meisterwerk ist ihm allerdings ganz und gar nicht gelungen.

„Beyond Re-Animator“ läutete zugleich das Ende von Fantastic Factory ein. Das Ziel der Firma war es, Horrorfilme kostengünstig herzustellen und dadurch zugleich unbekannten Schauspielern eine Chance zu geben, einen Fuß zwischen die Tür zu bekommen. Also eine ganz ähnliche Strategie, die Roger Corman seit den 50er Jahren verfolgt. Doch ging bei Yuzna die Rechnung nicht ganz auf.

romasanta2004 brachte die Firma zwei Filme heraus: „Romasanta“ und „Rottweiler“. Bei „Romasanta“ handelte es sich um einen Werwolffilm, der sich auf einen historisch belegten Fall bezieht. Die Hauptrolle spielte Julian Sands. Doch konnte der Film als Ganzes nicht wirklich überzeugen. Er ist ein wenig zu langatmig geworden. Zwar gab sich Yuzna große Mühe dabei, eine dichte und geheimnisvoll-bedrohliche Atmosphäre und eine gute Optik zu gestalten, doch half dies nicht viel. Die Kritiker mochten „Romasanta“ nicht wirklich.

Noch schlimmer sah es bei „Rottweiler“ aus. Es geht darin um einen Cyborg-Hund, der einen geflohenen Häftling hinterher jagt. Mehr muss man über den Film nicht wissen. Er gilt als Yuznas unglücklichste Produktion. Nicht einmal der Auftritt des spanischen Horrorstars der 70er und 80er Jahre Paul Nashy konnte etwas daran ändern.

2005 und 2006 kam es zu den beiden letzten Produktionen von Fantastic Factory. Mit „The Nun“ versuchte Yuzna, auf die Teeny-Slasher-Welle aufzuspringen. Aber die Geschichte über eine Geisternonne namens Schwester Ursula, die ihre früheren Schülerinnen heimsucht, fand niemand so toll. An sich ist der Film durchaus sehenswert und besticht durch eine hervorragende Optik. Auch Beleuchtung und Farbgebung sind überdurchschnittlich. Dennoch schreckte die Nonnen-Idee anscheinend eher ab.

beneathDas unrühmliche Ende von Fantastic Factory lieferte „Beneath Still Waters“. Der Film basiert auf einem spanischen Horrorroman und erzählt von der Kleinstadt Marienbad, die in einem See versinkt, nachdem dort satanische Rituale durchgeführt wurden. Am Rand des Sees entstand eine neue Stadt. Doch kommt es dort seit einiger Zeit zu unheimlichen Todesfällen. Ein Fotojournalist versucht, hinter das Geheimnis zu kommen.

Oh weh, kann man da nur noch sagen. Der Film ist ein Stückwerk unterschiedlicher Szenen, die alle irgendwie nicht zusammenpassen. Es scheint fast so, als habe Yuzna einfach keine Lust mehr gehabt und mit den Worten „scheiß drauf“ die Tür hinter sich zugemacht.

Seitdem ist es still um die Firma Fantastic Factory. Da die Firmenhomepage nicht mehr existiert, ist anzunehmen, dass die Produktionsfirma dicht gemacht wurde. Ein Grund dürfte der sinkende Umsatz gewesen sein, der aufgrund der zunehmenden schlechten Kritiken entstand. Yuzna selbst ist seit 2013 wieder als Regisseur tätig.

Die Klunkerecke: The Nun

thenunposterNun muss ich doch etwas weiter ausholen. „The Nun“ (La Monja) ist ein spanischer Horrorfilm aus dem Jahre 2005. Produziert wurde der Film von Brian Yuzna, einem der bekanntesten Produzenten und Regisseure in Sachen Trash-Filme. Yuzna wurde durch „Re-Animator“ (1985), eine freie Adaption von H. P. Lovecrafts gleichnamiger Erzählung, weltbekannt. Seine einzige Big Budget-Produktion war eine Koproduktion zusammen mit Walt Disney mit dem Titel „Liebling, wir haben die Kinder geschrumpft“ (1989). Danach begab er sich wieder zurück in die Gefielde des Low-Budget-Kinos.

Als Ende der 90er Jahre die Hollywoodkrise ihren Anfang nahm, sahen viele Produktionsstätten außerhalb der USA ihre Chance gekommen. So auch die spanische Produktionsfirma Filmax. Diese begann ab ca. 2000 mit der Wiederbelebung des spanischen Horrorfilms, dessen klassische Phase in den 60er und 70er Jahren gewesen war. Mit großem Erfolg. Zwei der bekanntesten Filme, die innerhalb dieser neuen Phase entstanden, waren „Rec“ (2007) und „Das Waisenhaus“ (2007).

Brian Yuzna kam ebenfalls im Jahr 2000 ins Spiel, als er die Produktionsfirma Fantastic Factory gründete, deren Ziel es war, auf möglichst kostengünstige Weise Horrorfilme herzustellen. Den Anfang nahm die Comicadaption „Faust“ (2001), gefolgt von etwa zehn weiteren Filmen, bevor die Firma ihre Pforten wieder schloß. Da mittlerweile auch die Homepage der Firma verschwunden ist, ist anzunehmen, dass die Firma tatsächlich nicht mehr existiert.

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So viel zum Thema Weihwasser; Szenenfoto „The Nun“ (Copyright: Filmax/Fantastc Factory)

Aus der Endphase dieser Firma stammte der Film „The Nun“ (2005). Und wie der Titel bereits verrät, handelt die Geschichte von einer Nonne. Ihr Name lautet passenderweise Schwester Ursula. Es handelt sich um eine sadistische Person, die die Schülerinnen, die ihr anvertraut sind, gerne foltert. Doch eines Tages rächen sich die Klassenkameradinnen an ihr, was ihr gar nicht gut bekommt. 30 Jahre später wird eine der damaligen Schülerinnen brutal ermordet. Es folgen weitere Todesfälle. Schließlich fliegt die Tochter eines der Opfer mit ihren Freunden nach Spanien, um zu klären, was damals wirklich geschehen ist. Doch das Kloster ist seit den 80er Jahren geschlossen. Aber irgendetwas scheint darin noch immer umzugehen.

„The Nun“ ist eine überaus gelungene Mischung aus Trash und Horror. Überraschend ist die tolle Optik, die Regisseur Luis de la Madrid in seinem Debut kreiert. Elegante Kamerafahrten, satte, düstere Farben, eine sehr gute Beleuchtung. Auch die Schauspieler sind voll bei der Sache. Insgesamt schafft der Film eine dichte, bedrohliche Atmosphäre und erzeugt dadurch Spannung pur. Leider geizte man etwas mit dem Humor, sodass man auf schwarzhumorige oder ironische Seitenhiebe vergeblich wartet.

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Schwester Ursula kommt nicht zum Kaffeeklatsch; „The Nun“ (Copyright: Filmax/Fantastic Factory).

In der Tat nimmt sich der Film selbst zu ernst. Vielleicht hatte Regisseur Madrid auch Bammel davor, es sich mit den Produzenten zu verscherzen. Jedenfalls wirkt dadurch die Figur der Nonne unfreiwillig komisch, sodass dadurch dann doch wieder ein gewisser Spaßfaktor aufkommt. Die Effekte, die bewirken, dass die böse Schwester Ursula durch die Luft schwebt oder sich von hinten an ihre Opfer heranschleicht, sind wirklich gelungen. Und wenn Schwester Ursula dann noch ihre Dämonenfratze zeigt, sind alle Zuschauer voll auf ihrer Seite.

Natürlich finden sich in „The Nun“ auch so manche Logiklöcher. Diese stören seltsamerweise nicht weiter. Was dann aber doch enttäuscht, ist das Ende. Dieses wirkt wie eine Spaßbremse, rückt es doch alle Zwischenfälle in ein völlig anderes Licht. Insgesamt aber ist „The Nun“ ein sehenswerter Horrorfilm aus Spanien. Luis de la Madrid scheint die Arbeit als Regisseur dennoch nicht wirklich gefallen zu haben. Nach „The Nun“ kehrte er zu seinem eigentlichen Beruf zurück und ist seitdem wieder als Cutter tätig.