Horror de Luxe: La Residencia – Das Versteck (1969)

US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

Die Klunkerecke: Cargo – Der erste SF-Film aus der Schweiz

Die Eidgenossen haben sich in Sachen Film bisher eher zurückgehalten. Umso erstaunlicher war es daher, dass im Jahr 2009 wie aus dem Nichts eine teure SF-Produktion auf den Markt kam. Man könnte dies als die positive Konsequenz der Krise in Hollywood bezeichnen, da sich seit Ende der 90er verstärkt kleinere Filmländer an größere Produktionen trauten, weil diese aufgrund der Krise besser wahrgenommen wurden.

Natürlich kamen die Schweizer Filmemacher nicht von heute auf morgen auf die Idee, einen solch groß angelegten Film zu drehen. Anscheinend sollen Planung und Produktion insgesamt neun Jahre gedauert haben. Und hat sich der Aufwand gelohnt? – Die Antwort lautet: Durchaus.

Der Film spielt im Jahr 2270. Die Erde ist unbewohnbar geworden. Aus diesem Grund leben die Menschen im All und versuchen, einen Platz auf einem Frachter zu ergattern, der sie auf andere bewohnbare Planeten bringt. Auch die junge Ärztin Laura möchte endlich wieder richtigen Boden unter den Füßen spüren. Daher heuert sie auf dem Frachter Kassandra an, dessen Ziel die entfernt liegende Station 42 ist. Doch mitten auf dem Flug dorthin ereignen sich sonderbare Dinge an Bord. Nach und nach gerät die Situation außer Kontrolle. Die Frage, die Laura versucht zu beantworten, lautet: Welche Fracht befindet sich wirklich an Bord?

Welche Fracht transportiert das Raumschiff „Kassandra“ tatsächlich? – „Cargo“ (2009); Copyright: Ascot Elite

„Cargo“ geizt zwar in Sachen Tempo, sodass die ein oder andere Szene etwas zu lange ausgefallen ist, doch insgesamt haben wir hier einen ordentlichen SF-Film mit recht guten Effekten und spannender Handlung. Die Vorbilder für „Cargo“ liegen auf der Hand: „Event Horizon“, „Sunshine“, „Alien“. Gelegentlich wird einer dieser Filme zitiert. Doch zum Glück versuchen die beiden Regisseure Ivan Engler und Ralph Etter nicht, ihre Vorbilder zu kopieren. Sie schaffen einen eigenen, vielleicht auch teilweise eigenwilligen Film, der stark atmosphärisch wirkt und diese düstere, beklemmende Aura bis zum Schluss mitnimmt.

Der Aufbau der Spannung sowie die Schaffung einer zunehmenden, nicht zu definierenden Bedrohung erinnert ein bisschen an den österreichischen Horrorfilm „Hotel“. Wer glaubt, SF sei nur auf Action aus, wird hier eines Besseren belehrt. Engler und Etter liefern einen tiefgründigen Film ab, der durch gelungene Einfälle überzeugt.

Cargo – Da draußen bist du allein, Regie: Ivan Engler, Ralph Etter, Drehbuch: Arnold H. Bucher, Ivan Engler, Patrik Steinmann, Johnny Hartmann, Thilo Roscheisen Produktion: Marcel Wolfisberg, Darsteller: Anna Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Regula Grauwiller, Claude-Oliver Rudolph, Yangzom Brauen. Schweiz 2009, 110 Min

DellaMorte DellAmore – Einfach ein Klassiker

dellamortedellamoreItaliens Horrorruhm war schon längst vergangen, als in eben diesem Land ein Film gedreht wurde, der bereits kurz nach seiner Kinopremiere als moderner Klassiker des Genrefilms gefeiert wurde.

Es handelt sich dabei um die Geschichte des einsamen Friedhofswärters Francesco Dellamorte, der zusammen mit seinem stummen Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Und dies ist alles andere als leicht. Denn Menschen, die hier begraben werden, kommen sieben Tage nach ihrer Beerdigung wieder aus ihren Gräbern, um dort ihren kannibalischen Neigungen nachzugehen. Als Francesco eine Frau, in die er sich kopfüber verliebt hat, als Zombie erschießen muss, gleitet er in eine immer stärkere geistige Verwirrung hinein, bis er schon bald nicht mehr die Lebenden von den Toten unterscheiden kann.

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Eine Wahnvorstellung oder Wirklichkeit? Die Friedhofsstatue wird lebendig. „DellaMorte, DellAmore“ (1994); Copyright: Medusa Home Entertainment

DellaMorte, DellAmore ist eine geradezu vollendete Mischung aus Komödie, Drama, Horror, Splatter und poetischer Gruselmär. Soavi bringt in seinem Werk so unterschiedliche Aspekte wie Zombiefilm und Tragikomödie unter einen Hut, ohne dabei verkitscht oder trashig zu wirken, und dabei gelingt es ihm zugleich, sich in der Ästhetik des europäischen Kinos zu schwelgen. Man glaubt es nicht, doch alles passt zusammen.

Die liebevoll erdachten Charaktere besitzen eine ungeheure Tiefe und wirken dadurch überzeugend und lebendig zugleich. Es gibt eine hohe Anzahl an Untoten, die Dellamorte und sein Freund Gnaghi mit Revolver und Gewehr wieder in ihre Gräber befördern. Die dabei verwendeten Splattereffekte sind hervorragend und lassen den Charme des italienischen Horrorkinos der 80er Jahre auferstehen.

DellaMorte, DellAmore war nicht nur Michele Soavis größter Wurf, sondern für lange Jahre auch sein letzter.  Mit seinen späteren Filmen konnte er weder an den Erfolg noch an die Kunst seines Meisterwerks anknüpfen. Dellamorte, Dellamore ist und bleibt aber ein Klassiker des Horrorfilms, dessen schön-schaurige Ästhetik immer wieder fasziniert, egal wie oft man den Film bereits gesehen hat.

Dellamorte, Dellamore, Regie: Michele Soavi, Drehbuch: Gianni Romoli, Produktion: Michele Soavi, Gianni Romoli, Darsteller: Rupert Everett, Francois Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica. Italien 1994, 99 Min.

Das Geheimnis der Geisha – Eine Art Giallo

injuFrankreichs Filmindustrie ist seit jeher bekannt durch seine spannenden Thriller. Mit „Das Geheimnis der Geisha“ lenkt Regisseur Barbet Schroeder das Genre in eine Richtung, die den Film zwischen europäischem B-Picture im allgemeinen und Giallo im speziellen verortet.

„Inju“, so der Originaltitel, handelt von Alex Fayard, einem französischen Bestseller Autor von Kriminalromanen, der sein neuestes Werk in Japan vorstellen will. Er ist fasziniert von dem japanischen Thriller-Autor Shindei Oe, über den sich bizarre Gerüchte ranken. Bisher hat ihn noch niemand zu Gesicht bekommen. Manche halten ihn für einen Psychopathen. Kaum ist Fayard in Japan angekommen, bedroht ihn ein eigenartiger Anrufer während einer TV-Sendung, Japan so schnell wie möglich zu verlassen. Kurz darauf lernt Fayard die Geisha Tamao kennen, die behauptet, Oes Geliebte zu sein. Er verliebt sich in sie und erhofft sich zugleich, nähere Informationen über diesen mysteriösen Autor zu erhalten. Bei seinen Nachforschungen gerät er immer tiefer in ein unheimliches Geheimnis.

Im Grunde genommen kann man Barbet Schroeders Film als eine Art Nachdenken über das Scheitern bezeichnen. Diese menschliche Tragik verpackt er in eine Mischung aus Mystery und Suspense, die „Das Geheimnis der Geisha“ wie einen Giallo von Mario Bava erscheinen lassen, der bespickt ist mit einer düsteren Erotik. Auf diese Weise überzeugt das Werk von Anfang an durch eine dichte und geheimnisvolle Atmosphäre, welche die Handlung elektrisierend vorantreibt und sich dabei zugleich als eine Art Hommage an das europäische Trash-Kino versteht.

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Die geheimnisvolle Tamao (Lika Minamoto) deutet ihren Hang für Fesselspielchen an. „Das Geheimnis der Geisha“ (Frankreich 2008). Copyright: Sunfilm Entertainment.

Alex Fayard, ein Experte darin, Literatur und Film zu analysieren, gerät auf einmal in einen Bereich, der verworrener nicht sein kann. Sein fast schon überhebliches Auftreten wird auf einmal erschüttert. Denn das, was zunächst klar und deutlich erscheint, erhält einen doppelten Boden. Von da an ist nichts mehr so, wie es aussieht. Doch von der Idee besessen, den eigentlichen Charakter des ominösen Schriftstellers Shindei Oes in seinen Werken erkannt zu haben, glaubt er, letztendlich als Sieger hervorzugehen.

Barbet Schroeder nutzt diese Grundlage, um damit sowohl die Figur Alex Fayard als auch den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Die klassische Variante des „Who’s done it“ verbindet sich dabei mit der stets präsenten Atmosphäre der Unsicherheit und des Unheimlichen. Dabei darf natürlich eine femme fatale nicht fehlen, die von Lika Minamoto verkörpert wird und Fayard gehörig den Kopf verdreht. Alles in Allem macht dies den Film zu einem durchaus interessanten und spannenden Vergnügen, vor allem für Liebhaber leicht trashiger Kost.

Das Geheimnis der Geisha (OT: Inju), Regie: Barbet Schroeder, Drehbuch: Jean-Armand Bougrelle, Frederique Henri, Barbet Schroeder, Produktion: Said Ben Said, Darsteller: Benoit Magimel, Lika Minamoto, Ryo Ishibashi. Frankreich/Japan 2008, Laufzeit: 101 Min.

Die Klunkerecke: Das Lustschloss der grausamen Vampire

lustschlossEin Mann begegnet in der Nacht einer schönen Frau. Schnell stellt sich heraus, dass sie auf der Flucht ist vor Leuten mit sonderbaren Tiermasken.- So beginnt einer der wohl faszinierendsten Filme des Meisters Jean Rollin (1938-2010), der bekannt war für seine surrealen Werke.

Die Spur des Geheimnisses um die Frau führt Pierre zu einem abgelegenen Haus, in dem sich allabendlich Leute aus ganz Paris treffen. Hinein aber kommt nur, wer eine Einladungskarte vorweisen kann. Pierre verschafft sich diese auf unrühmliche Weise. Und statt der erhofften Antwort auf seine unausgesprochene Frage, stößt er auf weitere Rätsel.

„La Vampire Nue“ aus dem Jahr 1970 ist ein filmisches Kunstwerk. Rollin pfeift auf den Mainstream, er pfeift auf die bisherigen Darstellungen von Vampiren im Kino. Vielmehr schafft er seine eigene Welt voller Sinnlichkeit, Rätsel und theatralischen Toden.

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Die Frau auf der Flucht vor den Maskenleuten.

Jean Rollin war stets bekannt für seine fast schon statischen Kameraeinstellungen. Doch schuf er damit alles andere als Langeweile. Seine Bildkompositionen sind geradezu exquisit, vermitteln Schönheit, Unheimliches und Mysteriöses in einem. In dem Prolog des Films, in dem Pierre – untermalt von psychedelischer Musik – zum ersten Mal der rätselhaften Frau begegnet, treffen unterschiedliche Tempi aufeinander, die von absolutem Stillstand bis zu Szenen reichen, in denen Pierre verzweifelt vor den Maskenleuten flieht. Zwischendurch eine Verneigung vor dem Horrorkino der 30er und 40er Jahre, in dem lang gezogene Schatten über kahle Hausfassaden schleichen.

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Der Anführer der Maskenleute.

In Deutschland erhielt der Film, der übrigens Rollins erster Farbfilm war, den schön trashigen Titel „Das Lustschloss der grausamen Vampire“. Ähnlich wie Mario Bava bewies Rollin, dass Trash eine besondere Form der Kunst darstellt. Sei es die spezielle Farbgebung, die kunstvollen Einstellungen oder die teils natürlichen Kulissen, Jean Rollin bringt den Zuschauer dazu, in eine Art Trance zu verfallen, in einen Rausch, in dem er sich den traumartigen Bildern vollkommen hingibt.

Das Interessante ist, dass der Film aufgrund seiner teils langsamen Einstellungen keinesfalls langweilig oder öde wird. Rollin gelingt es, genau dadurch eine intensive Dichte und Spannung aufzubauen. Der Schluss des Films ist ein Sinnbild für die sozialen Bewegungen der damaligen Zeit. Hier konfrontiert er kapitalistische Geldgier mit einer alternativen Lebenswelt.

Jean Rollin schrieb und drehte bis zu seinem Todesjahr 2010 weitere Filme. Zwischendurch musste er sich mit Auftragsarbeiten im Softpornobereich über Wasser halten. „La Vampire Nue“ ist und bleibt einer seiner besten Filme.

Bei den Szenenfotos handelt es sich um Screenshots, die dazu dienen, den Inhalt des Textes zu veranschaulichen. Copyright by X Gabu.

Old Shatterhand und Winnetou im Horrorland: Lex Barker und Pierre Brice als Horrorstars

Lex Barker und Pierre Brice sind aus dem Genre des Abenteuerfilms nicht wegzudenken. Egal ob sie Seite an Seite in den Karl May-Verfilmungen gegen diverse Bösewichte kämpften oder jeder für sich in unterschiedlichen Abenteuern, die Namen der beiden sind unvermeidlich mit diesem Genre verbunden.  Dies verzerrt jedoch die Realität. Denn sowohl Lex Barker als auch Pierre Brice tauchten in diversen Thrillern auf. Nicht weniger interessant ist, dass beide Schauspieler in jeweils einem Horrorfilm die Hauptrolle inne hatten. So spielte Lex Barker die Rolle des Roger Mont Elise in der deutschen Produktion „Die Schlangengrube und das Pendel“ und Pierre Brice die Rolle des Hans von Arnim in der französisch-italienischen Produktion „Die Mühle der versteinerten Frauen“.

mühle der versteinerten frauen„Die Mühle der versteinerten Frauen“ (Il mulino delle donne di pietra)  stammt aus dem Jahr 1960. Regie führte der für seine Sandalenfilme bekannte Regisseur Giorgio Ferroni. Der Film handelt von dem Kunststudenten Hans von Arnim, der eine Doktorarbeit über Bildhauerhei verfassen möchte. Sein Interesse bringt ihn in Kontakt mit Prof. Gregorius Val, der in einer einsam gelegenen Mühle außergewöhnliche Skulpturen anfertigt. In der Mühle begegnet Hans auch Elfie, der Tochter des Professors, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Elfie leidet unter einer seltsamen Krankheit und ihr Vater setzt alles daran, um sie zu heilen. Je mehr sich Hans in der Mühle aufhält, desto augenscheinlicher wird für ihn, auf welche Weise Prof. Val Elfie von ihrer Krankheit befreien möchte. Diese Erkenntnis bringt ihn in Lebensgefahr.

Der Film ist ein Klassiker des europäischen Horrorkinos und besticht durch seine überaus düstere Atmosphäre. Die Optik und die Farbgebung lassen bis heute viele Kritiker und Fans darüber spekulieren, ob Ferroni überhaupt als Regisseur von Il mulino delle donne di pietra in Frage kommt. Viel eher erinnert die Machart des Films an den Meister Mario Bava. Ein anderer Aspekt ist dagegen eindeutig. Der Film lehnt sich stark an den Horrorklassiker „House of Wax“ an. Teile des Plots erinnern ebenfalls an den französischen Klassiker „Augen ohne Gesicht“, der im selben Jahr in die Kinos kam. Für längere Zeit galt „Die Mühle der versteinerten Frauen“ als verschollen. So war die Wiederentdeckung natürlich eine kleine Sensation. Mittlerweile wurde der Film restauriert, wobei jedoch die Tonspur an manchen Stellen nicht mehr gerettet werden konnte. Neben Pierre Brice spielten die italienische Schauspielerin Scilla Gabel, die ebenfalls aus verschiedenen Abenteuer- und Sandalenfilmen bekannt ist, und der deutsche Darsteller Wolfgang Preiss, der auch in den Dr. Mabuse-Filmen mitspielte. Der Film ist ein echter Leckerbissen für Liebhaber alter Horror- und Trashfilme und präsentiert die Kunst des europäischen Kinos auf geradezu wunderbare Weise.

schlangengrube und das pendel1967 kam man in Deutschland auf die Idee, auf die von den englischen Hammer-Studios und den amerikanischen Vince Price-Filmen angeführte Horrorfilmwelle aufzuspringen. Regie führte bei „Die Schlangengrube und das Pendel“ Harald Reinl. Es geht um den Anwalt Roger Mont Elise, der eine Einladung des Grafen Regula erhalten hat, ihn in dessen Schloss Andomai zu besuchen, da er dort mehr über seine Vergangenheit erfahren würde. Auf seiner Reise trifft er auf die Baronesse Lilian von Brabant, die ebenfalls eine Einladung auf das Schloss erhalten hat. Mit von der Partie ist auch der Bandit Fabian, der sich zunächst als Pfarrer ausgibt. Bereits auf der Reise zum Schloss kommt es zu allerhand seltsamen und unheimlichen Zwischenfällen. Das Schloss selbst entpuppt sich als eine einzige Falle. Denn Graf Regula hat geschworen, sich an den Nachfahren der Leute, die ihn vor 35 Jahren hingerichtet haben, zu rächen.

„Die Schlangengrube und das Pendel“ ist Unterhaltung pur. Der Film ist eine Aneinanderreihung von abenteuerlichen Ereignissen und phantastischen Zwischenfällen, welche die einfache Handlung rasant vorantreiben. Im Gegensatz zu den Hammer-Filmen aber wirkt Harald Reinls Horrorausflug doch etwas zu brav und harmlos. Dafür aber geizt der Film nicht mit wundervollen surrealen Kulissen, welche stark zur besonderen Atmosphäre des Films beitragen. So wachsen z.B. Arme und Hände aus den Bäumen. Gelegentlich auch ein Kopf. Das riesige Wandgemälde im Schloss erinnert an Hieronymus Bosch. Christoper Lee spielt den ominösen Grafen Regula, dem es mit okkulten Mitteln gelingt, wieder lebendig zu werden. Lex Barker zur Seite steht Karin Dor als Lilian von Brabant, die mehrmals ihre ohrenbetäubenden Schreikünste zum Besten geben darf. Auch Karl May-Veteran Vladimir Medar ist als Räuber Fabian mit von der Partie. Der Film war zwar kein kommerzieller Erfolg, spielte aber mehr schlecht als recht die Kosten wieder ein. Grund für das eher maue Einspielergebnis war, dass sich Ende der 60er Jahre das Horrorgenre stark veränderte. Die deutschen Produzenten hatten diesen Wandel anscheinend nicht in Betracht gezogen. Selbst die Hammer-Studios standen nur wenige Jahre vor ihrem Aus, da sie den Wandel nicht wirklich mitvollzogen. Nichtsdestotrotz gelang mit „Die Schlangengrube und das Pendel“ ein wundervoller, durchaus ästhetischer Gruselfilm, der bis heute nichts von seinem Unterhaltungswert verloren hat.