FuBs Klassikbox: Erdbeben (1974)

Normalerweise geht man nicht ins Kino, um Nasenbluten zu bekommen. Aber genau das geschah anno 1974, als der Katastrophenfilm „Earthquake“ in die Kinos kam. Für den Film entwickelten die Macher ein spezielles Soundsystem, welches das Dröhnen und Grollen des Erdbebens effektvoll herüberbringen sollte. Die Schwingungen, die diese Geräuschkulisse verursachte, löste jedoch bei vielen Zuschauern das oben genannte Symptom aus.

Also wurde am Sound gebastelt, damit die Schwingungen nicht ganz so extrem waren. Manche Kinos setzten weitere Gimmicks ein, so z.B. wackelten die Sitze bei den jeweiligen Katastrophenszenen. All das führte zu einem bis dahin noch nie dagewesenen Filmerlebnis. Bis heute zählt „Earthquake“ zu den bekanntesten und erfolgreichsten Katastrophenfilmen.

Es geht dabei um „The Big One“, das heißt um das in Los Angeles erwartete Mega-Erdbeben, das zur Zerstörung der ganzen Stadt führen könnte. Bauingenieur Stewart Graff steht kurz vor dem Ziel seiner Karriere: Präsident eines angesehenen, international agierenden Architekturbüros zu werden. Doch hat er Probleme mit seiner alkoholkranken Frau und dummerweise ist diese zugleich die Tochter seines Chefs.

Geschickt fedelt der Film dabei die nahende Katastrophe ein. Gleich beim Beginn des Films, als Graff mit seiner Frau fast schon im Tennessee Williamsschen Sinne streitet, kommt es zu den ersten, wenn auch leichten Erdstößen. Während der Alltag seinen Lauf nimmt, werden die Beben von Mal zu Mal stärker, bis schließlich die Katastrophe hereinbricht.

„Earthquake“ kann es auch heute noch mit aktuellen Katastrophenfilmen aufnehmen. Die Spezialeffekte (alles handgemacht) sind heute nicht weniger beeindruckend als damals. Einstürzende Hochhäuser und Brücken – alles sieht unglaublich echt aus. Auch dann, wenn die Handlung in der zerstörten Stadt weitergeht, wirken die Kulissen bedrückend, ja geradezu bedrohlich.

Regisseur Mark Robson spielte jedoch nicht nur die Spezialeffekte als Trumpfkarten aus, sondern geizte auch nicht bei der Besetzung. Charlton Heston als Architekt Graff und Ava Gardner als seine eifersüchtige Ehefrau verleihen dem Film noch ein zusätzliches Niveau. Selbst bei den Nebenrollen überließ Robson nichts dem Zufall. Ex-Bonanza-Chef Lorne Greene als Graffs Chef, Shaft-Darsteller Richard Roundtree als Stuntman oder Blacksploitation-Ikone Victoria Principal als dessen Freundin überzeugen auf ganzer Linie. Als kleiner Gag spielte auch Walter Matthau als Betrunkener in einer Bar mit. Im Nachspann ließ er sich allerdings Walter Matuschanskayasky nennen.

Der Erfolg des Films war enorm: Einem Budget von sieben Millionen Dollar standen Einnahmen von 85 Millionen Dollar gegenüber. Das Drehbuch verfasste „Der Pate“-Autor Mario Puzo. Allerdings erwies sich die von ihm gestaltete Handlung als zu komplex, sodass George Fox das Drehbuch nochmals umschrieb. Dennoch erweist sich die Handlung gegenüber anderen Katastrophenfilmen schon allein aufgrund der vielschichtigen Figuren als differenzierter und interessanter. Eben ein Klassiker der Filmgeschichte.

Erdbeben (Earthquake). Regie u. Produktion: Mark Robson, Drehbuch: Mario Puzo, George Fox, Darsteller: Charlton Heston, Ava Gardner, Lorne Greene, Genevieve Bujold, Richard Roundtree, Barry Sullivan, Victoria Principal. USA 1974, 117 Min.