Christopher Lee – Meister des European Trash

Der Tod Christopher Lees hinterlässt eine große Lücke im Horrorgenre. Es starb nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern zugleich eine der letzten Ikonen der klassischen Horror- und Trash-Ära. Im selben Atemzug mit ihm nennt man für gewöhnlich Vincent Price (1911-1993) und Peter Cushing (1913-1994), mit denen Lee ja auch mehrfach zusammengearbeitet hat.  Christopher Lees Karriere begann bekanntlich durch die Filme der englischen Hammer Productions. Doch parallel dazu, trat er auch oft in europäischen Co-Produktionen auf.

Schloss des GrauensSo unter anderem in der Rolle des Erich in dem italienischen Horrorfilm „Das Schloss des Grauens“ (1963). Darin geht es um ein einsam gelegenes Schloss, in dem es immer wieder zu unheimlichen Morden kommt. Schnell ist den neuen Bewohnern klar: ein Phantom muss sein Unwesen treiben (man achte hierbei auf den Namen Erich und den des Phantoms der Oper Erik). Der Film ist zwar nicht so bekannt, dennoch weist er die typischen Merkmale der klassischen Ära des italienischen Horrorfilms auf.

lee2Eine der bekanntesten Rollen Christopher Lees war die des Superbösewichts Dr. Fu Man Chu, der in allen fünf Filmen der Reihe darauf aus ist, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wie bei jeder Filmreihe, so gilt auch hier, dass der erste Film der beste ist. Joachim Fuchsberger und Karin Dor waren in „Ich, Dr. Fu Man Chu“ (1965) ebenfalls mit von der Partie und versuchten mit allen Mitteln, Fu Man Chu am Erreichen seines Ziels zu hindern. In den Folgefilmen übernahmen Heinz Drache und sogar Götz George die Heldenrollen. Unterstützt wurden sie dabei von Shirley Eaton und Maria Rohm.

schlangengrube und das pendel1967 übernahm Christopher Lee die Rolle des Grafen Regula in der deutschen Produktion „Die Schlangengrube und das Pendel“. Lex Barker und Karin Dor geraten darin in die Fänge des üblen Schlossbesitzers, dessen Behausung mit diversen Fallen ausgestattet ist. Leider hinkte man der Entwicklung des Horrorgenres hinterher. Die brave Mischung aus Abenteuer und Grusel passte nicht mehr ganz zu den aufkommenden postmodernen Horrorfilmen. Dennoch bietet der Harald Reinl-Film tolle Unterhaltung und schöne, surreale Kulissen.

lee3Angeblich schämte sich Christopher Lee für seine Rolle als Zeremonienmeister in der de Sade-Verfilmung „Eugenie“ (1970). Jess Franco habe ihm verheimlicht, dass es sich dabei um einen Erotikfilm handele. Nun, schämen musste er sich eigentlich nicht, zählt doch „Eugenie“ zu den besten Filmen, die Franco jemals gemacht hat. In teils surrealen Bildern erzählt er die Geschichte der braven Eugenie, die auf eine Insel gelockt wird, um als Opfer der Lust herzuhalten. Maria Rohm, Jack Taylor und Herbert Fux spielten damals an Lees Seite. Wenn man sich einen Film von Jess Franco anschauen möchte, so sollte man sich diesen vornehmen.

lee5Im selben Jahr spielte Christopher Lee in einem weiteren Jess Franco-Film mit. Als „Hexentöter von Blackmoor“ ist er als unbarmherziger Richter zu sehen, der eine Herrschaft aus Willkür und Schrecken ausübt. In der Mischung aus Historienfilm, Horror und Sexploitation spielen Maria Schell und Maria Rohm mit. Die europäische Produktion gilt als aufwendigster Film Francos, der ja ansonsten eher das Schlichte liebte. Doch hier treten ganze Armeen auf, es kommt zu Schlachtgetümmeln und zwischendrin wendet sich Franco dem Frauenknast-Genre zu. Sozusagen für jeden etwas. Und Christopher Lee ist hier als Bösewicht absolut nicht zu toppen.