Die Reise mit der Snark – Jack Londons Fahrt auf einem selbstgebauten Boot

jacklondonAm 7. April 1907 stach Jack London endlich in See. Endlich deswegen, da sich seine Abfahrt aufgrund diverser Mängel an seinem selbstgebauten Boot verzögert hatte. Eigentlich hatte London etwas Anderes zu tun, doch auf einmal – mitten in einem Gespräch – beschloss er, zusammen mit seiner Frau Charmian eine Weltumsegelung auf einem kleinen, selbstgebauten Boot zu wagen. Gesagt, getan. Denn tatsächlich setzte London alles daran, in See zu stechen.

Doch das Pech verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Die Lieferanten schickten ihre Waren zu spät (waren aber äußerst pünktlich bei der Versendung der Rechnungen) und das Boot leckte an so ziemlich jeder Stelle. Der Schiffsmotor funktionierte nicht, die Kombüse stand knietief unter Wasser und der Schiffskoch konnte nicht nur nicht kochen, sondern war zudem auch noch seekrank. Nichtzuletzt war der Navigator felsenfest davon überzeugt, dass sie sich im Inneren einer Hohlwelt befänden.

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Jack London und seine Frau Charmian.

Schließlich aber stach London zusammen mit seiner Frau doch noch in See. Ziel ihrer Reise war zunächst Hawaii. Genauso amüsant wie sein Bericht beginnt, setzt sich dieser auch fort. London trifft auf alle möglichen Exzentriker, lernt das Surfen – und sein Bericht über dieses Freizeitvergnügen machte Surfen in den USA überhaupt erst bekannt. Nicht weniger unterhaltsam ist sein Besuch in der Leprakolonie. Der Leiter dieser Kolonie bat London, einen wahren Bericht über die dort lebenden Menschen zu schreiben, da in den Zeitungen nur Unwahrheiten veröffentlicht wurden. Das Eregbnis war ein erstaunlicher Einblick in eine Art Parallelgesellschaft, in der es den Mitglieder so gut geht, dass sie hoffen, nicht geheilt zu werden, denn sonst müssten sie die Kolonie wieder verlassen.

Jack Londons Bericht ist von der ersten bis zur letzten Seite überaus witzig. Ein weiteres Highlight sind die Bewerbungsbriefe unterschiedlichster Leute, die ihn auf seiner Reise begleiten wollten. Man merkt dabei, dass sich an der Mentalität der Menschen im Grunde genommen nie etwas geändert hat.

Das Buch liest man praktisch in einem durch. Es ist schade, dass London nicht tatsächlich auf der Snark die Welt umsegeln konnte. Denn das Ergebniss wären sicherlich noch mehr unterhaltsame und humorvolle Berichte gewesen.

Jack London. Die Reise mit der Snark. Übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann. Mare Verlag 2016, 350 Seiten, 28,00 Euro.