Das koreanische Filmjahr 2012 – Ein kurzer Überblick über die Thriller- und Horrorreleases

Zunächst einmal die Frage: war 2012 für Südkorea ein gutes Filmjahr? Die Antwort besteht aus einem ganz klaren Ja. 2012 zeigte die südkoreanische Filmindustrie einmal mehr, auf welche Weise man Hollywood in die Ecke drängen kann. Thriller im Stile des Cinema du Look fuhren hochgradige Erfolge ein. Interessante Geschichten verbanden sich mit hervorragender Optik – die Regisseure lernten aus ihren früheren Fehlern und schufen Filme wie aus dem Lehrbuch.

A Company Man

Einer der erfolgreichsten Produktionen war The Company Man, ein Film über einen Mann, der vorgibt, ein einfacher Angestellter in einer Stahlfabrik zu sein. In der Tat jedoch dient dieses Unternehmen nur als Tarnung für eine Firma ganz anderer Art: bei den vermeindlichen Angestellten handelt es sich um Auftragskiller. Als Hyeong-do einen Auftrag nicht ausführt, wird er zum Gejagten. In diesem Film zeigt Regisseur Im Sang-Yoon vor allem eines: durchgestylte Action in der Fünf-Sterne-Kategorie. Mit Sicherheit muss man nicht lange auf das US-Remake warten.

The Taste of Money

Nicht weniger stylisch ist das düstere Thriller-Drama Taste of Money. Einmal mehr erzählt Regisseur Im Sang-Soo eine makabre Familiengeschichte über eine dekadente Großfamilie. Sie ist die reichste Familie Koreas, doch ein amerikanischer Vertreter kommt hinter das Geheimnis, welches die Familie belastet und droht, mit seinen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Unfreiwillig wird einer der Bodyguards in die Sache mit hineingezogen.  – Wie auch in seinem Film Das Hausmädchen setzte Im Sang-Soo auf düstere, bis ins tiefe Schwarz reichende Farben und gibt sich einer Art postmodernen Variante der Schauerromantik hin.

Helpless

Genauso dem Cinema du Look verschrieben ist der Thriller Helpless des Regisseurs Byun Young-Ju. Byun erzählt darin die Geschichte des Tierarztes Jang Mun-Ho, dessen Frau kurz vor der Hochzeit spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihr kommt er hinter das Geheimnis seiner Fast-Ehefrau. Man kann sich denken, dass die Erkenntnisse nicht gerade zu Gunsten der Frau sprechen.  – Der Film erinnert stark an die französischen Thriller der 70er Jahre (sogar den Blick auf den obligatorischen Kreisverkehr hat Byun nicht vergessen), eine Art Das Geheimnis der falschen Braut auf koreanisch. Wunderbar in Szene gesetzt.

Deranged

Deranged gehörte zu den Blockbustern des Jahres 2012. Regisseur ist Park Jung-Woo, der hiermit gleichzeitig sein Debut abliefert. Es handelt sich hierbei um einen Seuchenthriller, in dem der Biochemiker Jae-Hyuk versucht, das Rätsel von parasitären Würmern zu lösen, welche immer mehr Einwohner Seouls befallen. – Der Film ist gut in Szene gesetzt, zugleich aber unglaublich naiv, was ihn jedoch auch wieder sympathisch macht. Park verzichtet auf Kitsch, der bei koreanischen Katastrophenfilmen sonst immer den Ton angibt, sondern konzentriert sich auf das Vorantreiben der Handlung. Ergebnis: ein spannender, wenn auch ein in seiner Dramatik einfacher Film.

Pietà

Den international angesehendsten Film lieferte einmal mehr Koreas Provokateur Kim Ki-Duk mit seinem Werk Pietà ab. In diesem extrem düsteren Thriller geht es um den Geldeintreiber Kand-Do, der vor allem unter einem leidet: seiner Einsamkeit. Eines Tages taucht plötzlich eine ältere Frau auf, die behauptet, seine Mutter zu sein. Was daraus folgt ist ein ästhetisches Drama, vor dem sich sicherlich Ingmar Bergman tief verneigt hätte. Zurecht wurde der Film mehrfach ausgezeichnet. Zugleich zeigt Kim Ki-Duk, dass man kein großartiges Budget braucht, um erstklassige Filme zu drehen.

Horro Stories

Waren die Thriller im Jahr 2012 gut bis sehr gut inszeniert, so machte  sich im Horrorgenre, welches seit 2011 einen ordentlichen Dämpfer erhielt, erneut ein qualitativer Rückgang bemerkbar. Über Don’t Click wurde bereits in einem früheren Artikel gesprochen. Nach diesem Machwerk erschienen zwei weitere Horrorfilme, welche jedoch genauso wenig Originalität aufwiesen. Es handelt sich um Horror Stories und um Two Moons. Beide Filme überzeugen in keiner Weise. Horror Stories ist, wie der Titel bereits sagt, ein Episodenfilm, der jedoch genauso einfallslos wie langweilig ist. Two Moons, ein Film über eine Frau und zwei Männer, die plötzlich in einem einsam gelegenen Haus mitten im Wald wieder zu sich kommen und von unheimlichen Zwischenfällen geplagt werden, ist völlig uninspiriert in Szene gesetzt. Es scheint so, als wollten die Produzenten den Horror-Fans halbherzig ihre drei versprochenen Filmchen abliefern. An Filmkunst reicht dieses Vorgehen nicht mehr heran. Wir befürchten, dass sich dies 2013 nicht ändern wird. Sollten wir uns irren, würden wir uns über unseren Irrtum freuen.

Two Moons