Einmal Exorzist, immer Exorzist – Zum Tod von William Peter Blatty

exorzistAm 12. Januar starb Autor William Peter Blatty. Für längere Zeit arbeitete er als Drehbuchautor mit Komödienspezialist Blake Edwards zusammen, doch seine eigentliche Bekanntheit erlange Blatty durch „Der Exorzist“. 1971 veröffentlicht, wurde der Roman rasch zum Bestseller. Die filmische Adaption aus dem Jahr 1973 zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.

Blatty, der eigentlich Priester werden wollte, arbeitete für einige Jahre als Verwaltungsangesteller an verschiedenen Universitäten. Während dieser Zeit begann er in seiner Freizeit mit dem Schreiben von Romanen. Sein Buch „Der Exorzist“ basiert auf einem wahren Fall aus dem Jahr 1949: an einem Jungen, der angeblich von Dämonen besessen war, wurde damals ein Exorzismus durchgeführt. In dem Roman ist es die 12-jährige Regan, die von dem Dämonen Pazuzu besessen wird. Zunächst glaubt ihre Mutter, dass Regan unter psychischen Störungen leidet. Doch schließlich stellt sich heraus, dass kein Arzt ihr helfen kann …

exorzist2Der Zeitpunkt für eine Veröffentlichung von „Der Exorzist“ hätte nicht besser gewählt werden können. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre gab es einen Trend hin zum Esoterischen und Okkulten. Blattys Roman und auch der späteren Verfilmung aber lag es nicht einfach daran, eine  Modeerscheinung aufzugreifen, obwohl dies natürlich den Umsatz förderte. In „Der Exorzist“ geht es um viel mehr.

Film und Roman befassen sich mit den Ängsten und dem Wirrwarr der Postmoderne, mit einer aufkommenden Epoche also, in der sich bisherige Strukturen auflösen. Der Priester zweifelt an seinem Glauben, nicht weniger sind die Ärzte von ihrem fachlichen Wissen überzeugt. Während der Priester Regans Mutter einen Psychiater vorschlägt, um die Symptome zu behandeln, raten ihr die Ärzte, einen Exorzismus durchzuführen. In „Der Exorzist“ verläuft alles seitenverkehrt. Es herrscht ein unübersichtliches Chaos. Das rationale Weltbild bekommt Risse, durch die etwas hindurchschimmert, das aufgeklärte Geister wohl als Aberglaube abtun würden. Nur, dieser Aberglaube ist unheimlich lebendig. Das Irrationale wird zu einer Bedrohung für den modernen Menschen innerhalb der Postmoderne. Was glauben wir nur und was wissen wir wirklich?

exorzist1Diese Fragestellung griff Blatty in seinem Roman „Legion“ (1983) wieder auf, nachdem das Sequel „Der Exorzist II“ sich als ein filmisches Desaster herausgestellt hatte, mit dem Blatty nicht in Verbindung gebracht werden wollte. In dem Roman geht es um Inspektor Kinderman, der einer Reihe unheimlicher Morde nachgeht und letztendlich dem Bösen gegenübersteht. Erneut landete Blatty damit einen Bestseller, doch erst 1990 kam es zu einer Adaption – durch Blatty selbst. Der Film spielte zwar das Dreifache seiner Kosten ein, blieb aber dennoch hinter den Erwartungen der Studios zurück.

Obwohl William Peter Blatty weitere Romane schrieb, blieb „Der Exorzist“ sein bekanntestes Buch.