Crimson Peak oder Wie man das angepeilte Ziel verfehlt

crimsonpeakÜber Guillermo del Toro lässt sich natürlich streiten. Eigentlich ein Regisseur, der zeigt, dass Film auch noch immer so etwas wie Kunst sein kann, kann man ihm zugleich vorwerfen, fast schon unmoralische Summen für sinnentleertes Kino zu verbraten. So als habe del Toro die Kritik an seinem Blockbuster „Pacific Rim“ verstanden, versuchte er es anscheinend allen zu zeigen, um dabei die Botschaft zu vermitteln: Nein, ich verstehe mich noch immer als Künstler.

Damit war „Crimson Peak“ geboren, ein Geisterhausfilm, der mit einem Budget von über 50 Millionen Dollar mehr als nur überteuert ist. In der Tat fragten sich manche Filmexperten, für was denn das viele Geld ausgegeben wurde. Doch zuerst zur Story: Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert und erzählt von der jungen Edith Cushing, die Tochter eines Industriellen, die nichts lieber werden möchte als Schriftstellerin. Eines Tages begegnet sie dem mysteriösen Thomas Sharpe, einem verarmten Adligen aus England, und verliebt sich in ihn. Nachdem Ediths Vaters auf rätselhafte Weise ums Leben kommt, heiratet sie Thomas und reist zusammen mit ihm auf sein Anwesen mit dem Namen Crimson Peak, ein Name, vor dem Edith durch den Geist ihrer Mutter gewarnt wurde …

Schon von Anfang an ist klar, was del Toro möchte: Eine Hommage an die klassische Schauergeschichte und zugleich an den klassischen Horrorfilm. Sogleich der Nachname Ediths verweist auf Horror-Ikone Peter Cushing, der in diversen Filmen der Hammer Studios mitgewirkt hat. Die Figur Edith allerdings ist eine Anspielung auf Jane Austen, deren postum veröffentlichter Roman „Northanger Abbey“ eine Persiflage auf die damaligen Schauerromane darstellt. Del Toro selbst behauptete, „The Haunting“ (die Verfilmung von Shirley Jacksons Roman „The Haunting of Hill House“) als Vorbild für seinen Film genommen zu haben. In der Tat ist auch das ersichtlich. Doch während „The Haunting“ (Bis das Blut gefriert) ein recht unheimlicher Geisterhausfilm ist, ist del Toros Film ein Geisterhausfilm fast ohne Geister.

Nun gut, es kommen gerade einmal zwei Gespenster vor: Ediths Mutter und ein weiterer Geist, der sein Unwesen in Thomas Sharpes gewaltigem Haus treibt. Beide sind jedoch hauptsächlich Computeranimationen und wirken daher alles andere als unheimlich. Auch wenn die Handlung zum Teil nach den typischen Mustern eines Geisterhausfilms oder einer Geisterhausgeschichte verläuft, so besteht der eigentliche Plot aus einer Kriminalgeschichte. Hier bezieht sich del Toro wiederum auf klassische Vorbilder: auf die Werke von Wilkie Collins und Sheridan Le Fanu, die beide unheimliche Kriminalromane schrieben, die man aus heutiger Sicht als Mystery-Thriller bezeichnen könnte.

All dies ist natürlich nett gemeint und auch recht gut umgesetzt. Vor allem das prächtige Farbenspiel, das sich auf die Horrorfilme der 60er Jahre bezieht und vor allem am Anfang des Films hervorsticht, ist ein rechter Augenschmaus. Das Problem jedoch ist, dass der Film nie so etwas wie Gänsehaut hervorruft. In dieser Hinsicht ist „Crimson Peak“ ein wahrer Rohrkrepierer. Del Toro konzentrierte sich so sehr auf die ästhetische Umsetzung, dass er vergaß, seinem Film etwas zu geben, dass den Zuschauer zum Gruseln bringt. Schuld daran sind auch oder vor allem (wie bereits bemerkt) die CGI-Geister, die so unecht wirken, dass sie fast schon langweilig sind. Nur dann, wenn im Hintergrund Monsterdarsteller Doug Jones in merkwürdigen Bewegungen durchs Bild gleitet, kommt ein wenig Freude auf.

Im Groben und Ganzen aber verfehlte del Toro das Ziel, einen unheimlichen Gruselfilm zu drehen. Und es stellt sich wirklich die Frage, wieso er dafür ein so hohes Budget benötigte. Mario Bava oder Terence Fisher, Regisseure, auf die er sich ja bezieht, schafften dasselbe um ein Vielfaches besser und mit einem viel kleineren, ja geradezu winzigen Budget.

 

Golden Gate – Eine Brücke, viele Filme

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Foto von Bill Ebbesen. Quelle: Wikipedia.

In letzter Zeit musste vor allem ein Bauwerk herhalten, wenn es darum geht, es zu Kleinholz zu verarbeiten: Die Golden Gate Bridge in San Francisco. Die imposante Brücke, die 1937 fertig gestellt wurde, diente für unzählige Filme als schmückende Kulisse. Doch seit 2010 häufen sich Filme, die in San Francisco spielen und in denen daher der Brücke eine zentrale Rolle zukommt.

Frei nach dem Motto „Let’s go to San Francisco“ begeben sich Filmemacher in Zeiten der Krise in eben diese Stadt, um Produktionsgelder zu sparen.

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Eine der bekanntesten Sequenzen stammt allerdings nicht aus dem 21. Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 1986, als Captain Kirk und seine Mannschaft mit einem geklauten Klingonenraumschiff unter der Golden Gate Bridge hindurchfliegen. Nun, so schön und eindrucksvoll die Szene auch ist, in der Realität hätte aufgrund seiner Größe das Raumschiff die Brücke wohl eher gerammt. Das Ergebnis wäre ein kolossaler Brückeneinsturz gewesen.

Ein Grund, weswegen zurzeit so viele Filme in San Francisco spielen, dürfte in den Vergünstigungen für die Produktionen seitens der Stadtverwaltung liegen, die sich dadurch mehr Touristen erhoffen. So kommt seit „Rise of The Planet of the Apes“ die Brücke immer wieder für Kampf- und Desasterszenen in Frage.

planetderaffenIn dem Reboot der „Planet der Affen“-Filme aus dem Jahr 2011, in dem es um die Hintergrundgeschichte geht, die zur Herrschaft der Affen über die Menschen führt (und sich in Ansätzen an die Hintergrundgeschichte in Pierre Boulles Roman hält), kommt es im Schlussszenario auf der Golden Gate Bridge zur Massenkeilerei zwischen Menschen und Schimpansen. Die Brücke selbst geht dabei nicht kaputt, aber immerhin werden ein paar Autos demoliert und ein Helikopter stürzt ab.

pazfiic rimIn „Pacific Rim“ (2013) zeigt eine der Anfangssequenzen ein Riesenmonster, während dieses die Brücke attackiert und zum Einsturz bringt. Von einem der überflüssigsten Filme, die je für teures Geld gedreht wurden, ist dies die einzig sehenswerte Szene. Leider droht del Toro mit einem Sequel, das wahrscheinlich genauso sinnfrei sein wird wie sein Vorgänger.

Godzilla_(2014)_posterNatürlich darf auch Godzilla in dem gleichnamigen Remake aus dem Jahr 2014 die Brücke ordentlich durchschütteln. Trotz Blockbuster-Niveau gelang es Indie-Regisseur Gareth Edwards, ein wenig den Charm des Monsters in die Postmoderne hinüberzuretten. Der übliche Vater-Sohn-Konflikt, die üblichen Dialoge, aber die Optik des Films weiß dennoch zu überzeugen.

terminatorIn dem Film „Terminator: Genesys“ (2015) darf eine Actionszene auf der Golden Gate Bridge ebenfalls nicht fehlen. Einfallsreich wie Hollywood nun einmal ist, erzählt der Film mehr oder weniger dieselbe Story wie bereits 1984. Der koreanische Schauspieler Lee Byung-Hun übernimmt die Rolle von Robert Patrick aus dem 1991er Sequel. Man darf sich also zurücklehnen und gelangweilt gähnen.

Mit Sicherheit gibt es noch eine größere Zahl an Filmen, die in den vergangenen Jahren produziert wurden und in denen die Golden Gate Bridge eine bestimmte Funktion für Action oder Zerstörung übernimmt. Auffallend ist außerdem, dass die Winkel, in denen die Brücke in den verschiedenen Filmen aufgenommen wurde, sich beinahe aufs Haar gleichen. Wahrscheinlich lässt sich dies auf eine Absprache mit der Stadtbehörde zurückführen, die natürlich das Wahrzeichen von San Francisco so vorteilhaft wie möglich abgelichtet haben möchte. – Die Stadt kann froh sein, dass sie die Brücke nicht jedes Mal neu bauen muss.