Das Paradies der kleinen Dinge – Nathaniel und Sophia Hawthornes gemeinsames Tagebuch

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Der berühmte Schriftsteller Nathaniel Hawthorne (Der scharlachrote Buchstabe, Das Haus mit den sieben Giebeln) lebte kurz nach seiner Hochzeit in einem alten Pfarrhaus. Trotz der gewünschten Abgeschiedenheit kam keineswegs so etwas wie Langeweile auf. In unmittelbarer Nähe wohnten Henry David Thoreau und Ralf Waldo Emerson, die regelmäßig zu ihren Gästen gehörten. Aus welchem Grund das Ehepaar Hawthorne begann, ein geimeinsames Tagebuch zu führen, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Sophia nach dem Tod ihres Mannes mehrere Seiten des Tagebuches herausriß und andere Stellen unleserlich machte. Möglicherweise handelte es sich dabei um zu private Abschnitte, welche Sophia für sich behalten wollte.

220px-Nathaniel_Hawthorne Sophia_Peabody_HawthorneDennoch ist das Tagebuch so etwas wie eine Sensation. Der Leser erhält nicht nur Einblicke in das private Leben des bekannten Autors, sondern zugleich in die damalige Lebenswelt. Die wunderbare Sprache, in der das Tagebuch geführt wurde, ist zudem ein wahrer Genuss. Nathaniel und Sophia Hawthornes Beschreibungen ihrer Unternehmungen, ihrer Eindrücke und Beobachtungen sind äußerst lebendig. Ein weiterer Reiz, den dieses Tagebuch ausmacht, ist die Beschreibung der innigen Liebe zwischen Nathaniel und Sophia, die sich zunächst heimlich verlobt hatten. Rührend, humorvoll und sinnlich zugleich sind die literarischen Liebkosungen der beiden.

Das Leben in dem Pfarrhaus war jedoch nicht nur ein Paradies. Beide plagten Geldsorgen. Hawthorne war noch weit davon entfernt, als freier Schriftsteller leben zu können. Trotzdem ließen sich beide von ihren Sorgen nicht überrennen, sondern genossen jeden Augenblick ihres Lebens. Daraus resultierte eine beschwingte Heiterkeit und Leichtigkeit, die zeigt, dass das Glück vor allem in den kleinen Momenten zu finden ist.

Das Tagebuch von Nathaniel und Sophia Hawthorne liegt nun zum ersten Mal in deutscher Sprache vor. Die vorzügliche Übersetzung stammte von Alexander Pechmann, der auch ein ausführliches Nachwort dazu schrieb, in dem auf die Entstehungsgeschichte des Tagebuchs eingegangen wird. Das Vorwort stammte von Peter Handke. Alles in allem ist „Das Paradies der kleinen Dinge“ ein äußerst unterhaltsames Lesevergnügen.

Sophia & Nathaniel Hawthorne: Das Paradies der kleinen Dinge. Ein gemeinsames Tagebuch. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Alexander Pechmann. Mit einem Vorwort von Peter Handke. Verlag Jung und Jung 2014, 200 Seiten, 19,90€.