8 – Horror aus Südafrika

Mit „8“ liefert der südafrikanische Regisseur Harold Holscher sein Debüt ab: ein Horrorfilm, der südafrikanische Folklore mit modernen Gruselelementen vermischt. Das Symbol 8 verweist dabei auf den Berührungspunkt zwischen der übernatürlichen und der hiesigen Welt.

Die Handlung spielt 1977. Will, seine Frau Sarah und die Adoptivtochter Mary ziehen in ein altes Farmhaus, das früher Wills Vater gehört hat. In der Nähe treibt sich der einsame Schwarze Lazarus herum, der einen schweren Ledersack mit sich herumträgt. Da Lazarus früher für Wills Vater gearbeitet hat, lässt Will ihn in der Scheune wohnen. Doch als sich mehr und mehr unheimliche Dinge ereignen, möchte Sarah, dass Lazarus wieder verschwindet. Auch der in der Nähe lebende Medizinmann Obara warnt Will vor Lazarus …

Harold Holschers Debüt steckt voller Geheimnisse und dies im doppelten Sinn. Denn zum einen ist „8“ eine durch und durch geheimnisvolle, düstere Geschichte, zum anderen lässt der Regisseur viele Aspekte offen, sodass man als Zuschauer durchaus ins Rätseln kommt, was mit dieser oder jener Szene gemeint ist. Wer sich mit afrikanischer Folklore auskennt, wird wahrscheinlich mehr in mancher unklaren Szene erkennen. Andererseits aber ist dies natürlich auch ein Anreiz dafür, sich selbst näher mit den Mythen und Legenden Südafrikas zu beschäftigen.

Was interessant ist, ist, dass Harold Holscher gleich zu Anfang Larry Fessendens Meisterwerk „Wendigo“ (2001) zitiert. Die Anfahrt zur Farm ähnelt recht stark der Anfahrt zu dem leer stehenden Haus in eben jenem Film des New Yorker Independent-Regisseurs, sodass man meint, dass Holscher sich weiter an Fessendens Stil orientierten wird.

Doch weit gefehlt. Angekommen beim Farmhaus nimmt es Holscher mit den Horrorfilmen der 70er Jahre auf, weswegen ja auch die Handlung im Jahr 1977 spielt. Erst nach und nach schleichen sich die folkloristischen Elemente in die Handlung ein. Aufgrund eben dieser Elemente wirkt „8“ stets faszinierend, wobei jedoch eher selten richtige Spannung aufkommt. Die einzelnen, wenigen unheimlichen Szenen sind sehr sorgfältig konzipiert und orientieren sich dabei sehr schön an klassischen Gruselelementen. Dies ist vor allem Kameramann David Pienaar zu verdanken, dessen wunderbare Bildkompositionen den Film immer wieder zu einem Augenschmaus machen.

Das Problem des Films sind jedoch vor allem seine Figuren. Will, Sarah und Mary bleiben allesamt eher unscharf. Vor allem bei Will weiß man nicht recht, was er auf der Farm eigentlich möchte. Denn angeblich ist er, laut einer Bemerkung Sarahs, Buchhalter. Möchte er die Farm übernehmen? Das Haus einfach nur herrichten, um es nachher zu verkaufen? Dass Sarah ihm keine richtige Hilfe ist, wird immer deutlicher. Denn sie ist die einzige, die spürt, dass mit dem Ort und mit Lazarus etwas nicht stimmt.

Im Hinblick auf das Unheimliche wirkt der Schwarze Wanderer keineswegs bedrohlich oder unsympathisch. Im Gegenteil, ausgerechnet der von allen anderen Figuren als unheimlich und böse bezeichnete Mann ist die Figur, in die man sich am ehesten hineinversetzen kann. Sein Schicksal macht ihn zu einer durch und durch tragischen Figur, mit der man eher Mitleid hat, als dass man sich vor ihr gruselt.

Harold Holscher beweist in „8“, trotz der genannten Schwächen, dass er auf jeden Fall etwas kann. Man darf daher gespannt auf seinen nächsten Film sein.

„8“. Regie u. Drehbuch: Harold Holscher, Produktion: Jac Williams, Darsteller: Tshamano Sebe, Inge Beckmann, Garth Breytenbach, Keita Luna, Chris April. Südafrika 2019.