Allmächtige Computer oder Drei Variationen einer Grundidee

Haben Computer ein Bewusstsein? Oder besser formuliert: können Computer irgendwann einmal eine Art von Bewusstsein entwickeln? Diese Frage stellen sich u. a.  Forscher der künstlichen Intelligenz. Die Antworten bleiben in der Regel vage. Es könnte sein, aber es könnte auch nicht sein. Man könnte auch sagen: man weiß es einfach nicht. Schließlich ist auch das Rätsel um das Bewusstsein noch immer nicht gelöst. Descartes würde ganz einfach sagen: Ich denke, also bin ich. SF-Autoren nehmen und nahmen sich dieses Satzes an und entwarfen dabei Romane, die von riesigen Computern handeln, welche beginnen, selbständig zu denken und dadurch ein Bewusstsein entwickeln. Dies zum Schaden für die Menschheit. Normalerweise soll die Maschine dem Menschen dienen und  nicht umgekehrt. Doch ist es erst einmal soweit, dass eine hochkomplexe Rechenmaschine ihre eigenen Gedanken spinnt, dann kann dies recht unangehm werden. Drei Romane, die mit dieser Grundidee arbeiten, sollen hier kurz vorgestellt werden.

„Gigant Hirn“ in der Ausgabe des Gebrüder Weisse Verlags. Der Roman erschien später auch in der Reihe Goldmanns Weltraum Taschenbücher.

1958 erschien posthum Heinrich Hausers Roman „Gigant Hirn“. Darin geht es um einen riesigen Computer, der unterhalb der künstlich geschaffenen Stadt Cephalon liegt (deren Beschreibung übrigens haargenau der Filmarchitektur von „Blade Runner“ entspricht). Der Computer heißt „Das Hirn“. Er soll im Ernstfall die militärische Verteidigung der USA übernehmen. Der Ameinsenforscher Semper F. Lee wird gebeten, an dem Projekt teilzunehmen. Lee ist es, der plötzlich merkt, dass das „Hirn“ ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Dadurch kommt es zu einer zunehmenden Gefahr. Denn das „Hirn“ beschäftigt sich mit der Frage nach Gott und kommt zu dem Schluss, dass es selbst eine Art Gott ist, dem die Menschen dienen sollen. Lee versucht, dem unheimlichen Treiben des gigantischen Computers Einhalt zu gebieten.  Bei „Gigant Hirn“ handelt es sich um einen äußerst kurzweiligen und spannenden Roman, der vor allem durch seine originellen philosophischen und theologischen Diskussionen überrascht.

Colossus
„Colossus“. Die deutsche Ausgabe erschien als Goldmanns Weltraum Taschenbuch.

1966 veröffentlichte der SF-Autor D. F. Jones seinen bekanntesten Roman mit dem Titel „Colossus“. Colossus ist – wie auch das „Hirn“ – ein Riesencomputer, der dazu dient, das militärische Verteidigungssystem der USA (im Roman USNA) zu stärken. Allerdings gerät das Projekt außer Kontrolle, da auch Colossus ein Bewusstsein entwickelt. Da sämtliche Atomwaffen der USA bzw. der USNA seiner Kontrolle unterstehen, beginnt er, die Menschheit zu erpressen. Entweder die Menschen dienen ihm oder es hagelt Atombomben. Hinzu kommt, dass die Russen an einem ganz ähnlichen Projekt arbeiten. Dort heißt der Riesenrechner Guardian.  – Auch „Colossus“ ist ein hervorragender Roman, der 1969 unter dem Titel „Colossus – The Forbin Project“ verfilmt wurde, der aber an den Kinokassen floppte. Inzwischen gilt der Film genauso wie das Buch als Klassiker.

„The God Machine“ erschien unter dem Titel „Der große Computer“ 1969 im Heyne Verlag.

1968 wurde der Roman „The God Machine“ von Martin Caidin veröffentlicht. Wiederum haben wir eine ganz ähnliche Handlung. Diesmal heißt der Protagonist Steve Rand, der an „Project 79“ beteiligt ist. Bei diesem Projekt handelt es sich ebenfalls um einen Riesencomputer, der ein eigenes Bewusstsein erlangt. Zudem besitzt er – ähnlich wie in Hausers Roman – telepathische Fähigkeiten, mit denen es ihm gelingt, die Menschen zu beeinflussen. Steve Rand versucht, Project 79 zu zerstören, um dadurch die Menschheit zu retten. – Caidin ist vor allem durch seinen Roman „Cyborg“ bekannt, der als Grundlage für die bekannte TV-Serie „The Six Million Dollar Man“ diente. Aber auch seine übrigen SF-Romane sind sehr gut geschrieben und überaus spannend und erinnern an die Romane von Michael Crichton.