Ghost in the Shell (2017)

Wenn der Manga-Adaption „Ghost in the Shell“ von Kritikern eines vorgworfen wurde, dann Seelenlosigkeit. Aber kann man das denn überhaupt als Vorwurf gelten lassen? Schließlich geht es um Maschinen, zwar um „beseelte“ Maschinen, aber eben um Maschinen. Und die Gradwanderung zwischen dieser Form einer mechanischen Seelenlosigkeit und dem Versuch, in der Maschine so etwas wie eine Seele zu finden, erarbeitet der Film eigentlich recht gut.

Dies liegt auch daran, da der Film die speziellen Begriffe des Mangas übernimmt und dadurch auch Masamune Shirows Grundideen einwebt, auch wenn die Figuren nicht immer dieselbe Hintergrundgeschichte besitzen wie in der Vorlage. Natürlich reicht die Umsetzung dieser Thematik nicht an „Blade Runner 2049“ heran, der regelrecht darüber meditiert. In diesem Punkt setzt „Ghost in the Shell“ dann doch zu sehr auf Action, was dazu führt, dass es so scheint, als würde das eigentliche Thema der Identitätsfindung an den Rand gedrängt werden.

Doch hat es eben nur den Anschein, denn Sanders arbeitet auch zwischen den Zeilen, sodass Gesten, Blicke und kurze Situationen zu Symbolen werden, in denen sich die Suche nach einer Maschinenseele widerspiegelt. „Ghost in the Shell“ ist ein durch und durch gelungener SF-Film, der sich einerseits am Cyberpunk der 80er Jahre orientiert, andererseits versucht, eine bessere Version von Luc Bessons „Lucy“ zu sein. Der Film ist durch und durch interessant, das Setdesign faszinierend und auch die Spannung kommt keineswegs zu kurz.

Doch egal, wie man es auch betrachtet, dem Film nutzte weder der Versuch einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Maschine/Seele noch die gut dargestellte Action. „Ghost in the Shell“ floppte. Sehenswert ist der Film auf jeden Fall.

Ghost in the Shell. Regie: Rupert Sanders, Drehbuch: William Wheeler, Jamie Moss, Produktion: Avi Arad, Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt. USA 2017, 106 Min.

 

 

 

Die Klunkerecke: Nirvana

nirvanaMan könnte sagen, „Nirvana“ ist die europäische Antwort  auf „Blade Runner“. Die Handlung spielt in einer düsteren Megalopolis, die überbevölkert ist und in der die unterschiedlichsten Kulturen und Religionen zusammenleben. Hauptfigur ist der Computerspielentwickler Jimi, der in drei Tagen seine neueste Kreation mit dem Namen Nirvana abliefern soll. Doch in der Endphase der Entwicklung befällt das Spiel ein Virus, was zur Folge hat, dass der Protagonist Solo ein eigenes Bewusstsein erlangt. Er bittet Jimi, ihn zu löschen. Doch dieser ist auf der Flucht vor einem Computerkonzern, der das Spiel unbedingt herausbringen möchte.

„Nirvana“ bewegt sich zwischen Existenzphilosophie und Cyberpunk. Die im Mittelpunkt stehende Fragen lauten: Was ist Realität? Was bedeutet Leben? Was überhaupt ist Bewusstsein? Diese grundlegenden menschlichen Fragen fügt Regisseur Gabriele Salvatores ein in einen spannenden SF-Thriller, dessen Design zwar stellenweise sein Vorbild „Blade Runner“ imitiert, zugleich jedoch mit einer Liebe zum Detail hervorsticht. Die Geschichte verfolgt die beiden Protagonisten Jimi und Solo parallel in ihren jeweiligen Welten. Besonders die Situationen, in die Solo gerät, sind mit viel Witz ausgedacht. Solo, eine Figur in einem Spiel, beginnt über sich selbst und seine Umgebung nachzudenken. Er kommt zu dem Schluss, dass er überhaupt nicht existiert und versucht, andere Spielfiguren von seinen Erkenntnissen zu überzeugen. Über einen Computer können er und Jimi miteinander kommunizieren. Jimi leidet seit dem spurlosen Verschwinden seiner Freundin an Depressionen. Erst der Kontakt mit dem Computerfreak Joystick bringt ihn wieder – wenn auch zwanghaft – auf die Beine.

Obwohl der Film 1997 produziert wurde, ist sein Design eher typisch für die 80er Jahre, vielleicht um dadurch die Anlehnung an „Blade Runner“ ein wenig zu unterstreichen. Die einzelnen Szenen und Bilder sind nur so voll gepackt mit Ideen, die jede wiederum für sich genommen eigene Geschichten erzählen. Dadurch entsteht ein wahrer Ideenrausch, der bis zum Schluss aufrechterhalten wird. Die oben angesprochenen Fragen lässt Salvatores jedoch nie aus den Augen. Stets kreisen die Geschehnisse um diese eigentlichen Themen. Dies hebt „Nirvana“ auf eine großartige ästhetische Ebene – nicht zu denken, was Hollywood aus der Thematik gemacht hätte. – Ein erstklassiger SF-Film mit Tiefgang.

Nirvana, Regie: Gabriele Salvatores, Drehbuch: Pino Cacucci, Gloria Corica, Produktion: Vittorio Cecchi Gori, Rita Rusic, Darsteller: Christopher Lambert, Sergio Rubini, Diego Abatantuono, Stefania Rocca, Emmanuelle Seigner. Frankreich/Italien 1997, Laufzeit: 113 Min.