The Nun oder Nicht das, was es sein könnte

Ja, da hat mal wieder ein weiteres „Conjuring“-Spin Off zugeschlagen. Dieses Mal geht es nach Rumänien in ein verlassenes Kloster. Es ist Anfang der 50er Jahre – und aus dem Radio (mitten im damaligen Ostblock) trällert amerikanische Musik. Jawoll, sagen wir da nur und der restliche Film ist eigentlich genau das, was wir uns gedacht haben: alles, außer originell.

Die Fließbandproduzenten haben gezeigt, was herauskommt, wenn man am fließenden Band produziert. „The Nun“ hätte durchaus das Zeug dazu gehabt, ein netter Gruselfilm zu werden, doch reicht die Handlung nicht einmal dazu, um damit eine Briefmarke zu füllen. Es geht um eine Geisternonne, die in einem alten Kloster ihr Unwesen treibt. Ein Exorzist, eine Nonne und ein Kanadier namens Frenchie (wie lustig) machen sich auf den Weg, um der Nonne zu zeigen wo der Ausgang ist.

Selten hat man sich bei einem Gruselfilm so gelangweilt. Immer geschieht genau das, was man erwartet. Es bleibt kein Platz für Überraschungen – wie denn auch, wenn man uninspiriert einen Film herstellt? Ja, man hat fast schon Mitleid mit Regisseur Corin Hardy, der mit „The Nun“ seinen zweiten Spielfilm vorweist. Denn wenn Hardy eines kann, dann düstere, atmosphärische Bilder kreieren, was er ja schon in „The Hallow“ unter Beweis gestellt hat. Hier bei „The Nun“ durfte er nicht ganz so wie er wollte.

Denn trotz unseres Gezeteres besitzt „The Nun“ eine wirklich gute Optik, die eben auf Hardys Handwerk verweist. All das wird jedoch durch die bereits erwähnte flache Handlung und die noch flacheren Charaktere zunichte gemacht. Mit Tiefgang hätte etwas draus werden können. So aber ist eben nichts draus geworden.

Übrigens: „The Nun“ ist kein Remake des gleichnamigen spanischen Horrorfilms aus dem Jahr 2005. Dort hieß die Geisternonne noch dazu Schwester Ursula und war ein Grund von vielen, weswegen Brian Yuznas Produktionfirma Fantastic Factory pleite ging.

The Nun. Regie: Corin Hardy, Drehbuch: Gary Dauberman, Produktion: Peter Safran, James Wan, Darsteller: Demian Bichir, Taissa Farmiga, Jonas Bloquet. USA 2018, 96 Min.

 

The Conjuring oder Von allem bitte etwas

conjuringMan muss anscheinend nur erwähnen, dass ein Film auf einer wahren Begebenheit beruht und schon sind sich viele Leute einig, den wohl gruseligsten Film gesehen zu haben. „The Conjuring“ von „Saw“-Regisseur James Wan ist solch ein Fall.

Bei Geisterhausfilmen geht es nicht um die Handlung. Diese ist bei allen Filmen dieses Subgenres gleich oder zumindest sehr ähnlich. Bei Geisterhausfilmen geht es um die Atmosphäre und die Darstellung der Spukphänomene. Dem einen Regisseur gelingen diese Aspekte sehr gut, dem anderen weniger. James Wans Spukhaus-Version findet sich irgendwo in der Mitte beider Extreme.

Es geht um das Ehepaar Lorraine und Ed Warren, beides erfahrene Experten in Sachen paranormale Ereignisse, die eines Tages von einer verzweifelten Familie gebeten werden, sich in ihrem Haus umzusehen, in das sie erst kürzlich eingezogen sind. Denn innerhalb der vier Wände geschehen unheimliche Dinge. Als die Warrens das Haus aufsuchen, stellen sie fest, dass darin ein bösartiger Geist umgeht, der von der Mutter Besitz ergreifen möchte …

Wie oben bereits erwähnt, bewegt sich James Wan mit seinem Film genau zwischen gut und weniger gut, was Atmosphäre und Spukeffekte anbelangt. Denn irgendwie wollte Wan von allem etwas in den Film einbauen. So wirkt „The Conjuring“ wie ein Überblick über die unterschiedlichen Sparten des Horrorgenres, angefangen vom reinen Spukhausfilm bis hin zum Okkult-Thriller. Anfangs schafft er dadurch noch Gänsehaut, da vor allem die unheimlichen Geräusche sehr gut umgesetzt sind. Beim Finale aber, wo nur noch mehr alle durcheinander schreien und panisch durchs Haus rennen, wirkt der Film stellenweise unfreiwillig komisch.

Mitten drin das Ehepaar Warren, das sich nur kurz anhört, was die Familie über die Phänomene erzählt, und schon mit einer Erklärung daher kommen, dass die dreimaligen Klatschgeräusche Jesus Christus verhöhnen sollen. Auf die Idee, nach alternativen Ursachen für diese Geräusche zu suchen, kommen beide Experten erst gar nicht, was dann doch ein wenig albern wirkt. Dass sie allerdings auch mit einer gewissen Skepsis hantieren, zeigt sich lediglich in einer kleinen Nebenszene, in denen sie (in einem anderen Haus) für angeblich paranormale Geräusche eine natürliche Erklärung finden. In dieser Hinsicht wirkt die Dramaturgie ein wenig unbeholfen.

Solche Ungereimtheiten finden sich auch in anderen Handlungssequenzen. Die beste ist sicherlich diejenige, in der Roger Perron, der Vater der Familie, ewig lange mit einem brennenden Streichholz durch den Keller schleicht. In einer späteren Sequenz, in der seine Frau dasselbe tut, verbrennt ihr die Flamme sofort die Finger.

Was aber an „The Conjuring“ vor allem stört, ist das Einweben einer Parallelhandlung, die allein dazu dient, das Marketing für ein Spin-Off anzukurbeln. Darin geht es um die besessene Puppe Annabell, die auf einmal die Tochter der Warrens plagt. Das war es dann auch schon, denn mit der übrigen Handlung hat dies nichts zu tun.

So gesehen ist „The Conjuring“ kein großer Wurf, allerdings ist er auch nicht wirklich schlecht.

The Conjuring. Regie: James Wan, Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes, Produktion: Rob Cowan, Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston. USA 2013, 112 Min.