Professor Marston and the Wonder Women (2017)

Der Titel des Films klingt wie der Titel eines Comichefts. Und das soll auch so sein, denn bei dem Protagonisten von „Professor Marston and the Wonder Women“ handelt es sich um den Erschaffer einer der prägendsten Comicfiguren der Popkultur: Wonder Woman.

Regisseurin Angela Robinson geht in ihrem Biopic den Spuren des US-amerikanischen Psychologiedozenten nach, der eine neue Verhaltenstheorie entwickelte, welche er später in seine legendären Comics einbaute. Ebenso war Marston zusammen mit seiner Frau Elizabeth, die ebenfalls als Psychologin an der Uni arbeitete, Erfinder des Lügendetektors, der als „Magisches Lasso“ in den „Wonder Woman“-Comics auftauchen sollte.

Marston lebte einen besonderen Lebenstil, der damals wie heute sämtliche Tabus brach. Er lebte mit zwei Frauen zusammen: mit seiner oben genannten Frau und mit der Studentin Olive Byrne, in die er sich verliebte. Daraus entwickelte sich eine bisexuelle Dreiecksbeziehung, da auch Elizabeth Gefühle für Olive entwickelte – und umgekehrt.

Trotz aller gesellschaftlichen Widerstände, blieben die drei ihrer besonderen Beziehung treu. Um diese Beziehung herum beschreibt Angela Robinson die Entstehungsgeschichte von Wonder Woman, die 1941 zum ersten Mal als Comicfigur in Erscheinung trat. Olive Byrne soll Marston bei der Entwicklung der Figur als Inspirationsquelle gedient haben. Sehr schön setzt dies Robinson um, als alle drei bei einer geheimen Lingerie-Schau teilnehmen und Olive in einer Art Protoversion des Wonder Woman-Kostüms auf der Bühne erscheint.

Der Film besitzt eine stark sinnliche Aura, doch ist das eigentliche Thema, um das es Angela Robinson geht, Toleranz. Toleranz gegenüber anderen Lebensformen, anderen Lebensplanungen und anderen Weltansichten. An einer solchen Toleranz mangelte es damals und mangelt es nicht weniger heute. So beginnt der Film auch damit, das Frauen eine Art Bücherverbrennung abhalten, indem sie Comics ins Feuer werfen – was damals in den USA tatsächlich geschehen ist. Denn vor allem die „Wonder Woman“-Comics galten damals als vollkommen unmoralisch.

Die Figur Wonder Woman wird dadurch nicht als bloße Superheldin stilisiert, sondern vielmehr als ein Symbol für eine wünschenswerte Utopie: eine Gesellschaft, in der jeder so leben kann wie er möchte. Doch ist es eben die nicht vorhandene Toleranz auch in den modernen Gesellschaften, die eine solche Utopie als Tagträumerei erscheinen lassen.

„Professor Marsten and the Wonder Women“ ist ein eher ruhiger Film, der bewusst auf überkandidelte Dramatik verzichtet, sondern lieber in leisen, aber dennoch bemerkenswerten Tönen eine faszinierende und durchaus auch spannende wahre Geschichte erzählt. – Sehr sehenswert.

Professor Marston and the Wonder Women. Regie u. Drehbuch: Angela Robinson, Produktion: Amy Redford, Darsteller: Luke Evans, Rebecca Hall, Bella Heathcote, Maggie Castle, JJ Feild. USA 2017, 109 Min.

The 80s: Buckaroo Banzai (1984)

buckaroobanzaiWenn ein Film floppt, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei um eine schlechte Produktion handelt. Manche Filme, die zunächst kaum wahrgenommen wurden, entwickeln mit der Zeit eine immer größere Fangemeinde. So auch „Buckaroo Banzai“, der zunächst nur wenig Beachtung fand, inzwischen aber als Kultfilm bezeichnet wird.

Buckaroo Banzai arbeitet als Gehirnchirurg. Doch gleichzeitig ist er auch ein gefeierter Rockstar. Es gibt sogar eine Comicreihe über ihn. Nebenher ist er auch eine Art Tüftler. Eines Tages entwickelt er einen Oszillations-Overthruster, mit dem es möglich ist, in die 8. Dimension zu reisen. Nachdem sein Experiment tatsächlich geglückt ist, wird der verrückte Wissenschaftler Dr. Lizardo auf ihn aufmerksam. Er setzt alles daran, die Erfindung zu stehlen, um damit die Welt zu vernichten. Ihm zur Seite stehen dabei eine Gruppe Außerirdischer, die genau dasselbe vorhaben. Buckaroo Banzai und seine Freunde haben alle Hände voll zu tun, um Dr. Lizardos Plan zu durchkreuzen.

Möchte man den Film als Groteske einstufen, so kommt man „Buckaroo Banzai“ ziemlich nahe, wird ihm mit dieser Bezeichnung aber nicht ganz gerecht. Das schöne ist, dass sich der Film selbst nicht ernst nimmt. Er versucht, eine Reihe abstruser Situationen zu einer einheitlichen Story zu verbinden, was ihm durchaus auch gelingt. Dabei verknüpft er verschiedene Genres miteinander, die von Science Fiction über Superheldenfilm bis hin zur Komödie reichen.

Jede Szene ist bespickt mit einer angenehmen Ironie, die sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass der Regisseur sämtliche Klischees bedient und diese gekonnt durch den Kakao zieht. Dabei sind Ähnlichkeiten zu einem anderen bekannten Superheldenfilm mit dem Titel „Doc Savage“ nicht von der Hand zu weisen. Auch dort wurde das Heldentum gehörig verballhornt. Wie auch „Buckaroo Banzai“ floppte der Film an den Kinokassen. Interessant hierbei ist, dass beide Filme am Ende auf eine Fortsetzung hinweisen, die jedoch nie gedreht wurde.

„Buckaroo Banzai“ kann man ohne weiteres als Klassiker des 80er Jahre Kinos bezeichnen (inklusive obligatorischer Lagerhallenballerei). Es soll ja noch immer Filmkritiker geben, die sich darüber den Kopf zerbrechen, wieso Buckaroo ausgerechnet in die 8. Dimension reist. Im Grunde ist dieser Aspekt völlig egal. Der Film ist dahingehend konzipiert, einfach Spaß zu machen. Und diese Aufgabe erledigt er mit Bravour.

Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension (OT: The Adventures of Buckaroo Banzai across the 8th Dimension), Regie u. Produktion: W. D. Richter, Drehbuch: Earl Mac Rauch, Darsteller: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Llyod. USA  1984, Laufzeit: 103 Min.