Die 90er: Rocketeer (1991)

Bereits 1983 sollte „Rocketeer“ verfilmt werden, doch gerieten Drehbuchschreiber und Produzenten sich in die Haare, sodass das Projekt zunächst einmal auf Eis gelegt wurde. Erst 1990 griffen die Disney Studios auf die Adaption von Dave Stevens Comic zurück. Bereits ein Jahr darauf kam der Film in die Kinos. Die Kritiker waren begeistert, dennoch spielte „The Rocketeer“ gerade mal die Produktionskosten ein.

Wieso der Film ein finanzieller Misserfolg war, kann nicht so richtig beurteilt werden. Manche Filmexperten schieben es auf ein falsches Marketingkonzept. So war das ursprüngliche Kinoplakat im Art Deco-Stil gehalten und darauf lediglich die Figur des Rocketeers zu sehen. Anscheinend konnten viele Zuschauer damit nichts anfangen (böse gesagt: keine Explosionen und keine Waffen = keine Zuschauer). Erst als klar wurde, dass der Film unterzugehen drohte, gestaltete man ein neues Plakat, auf dem die Hauptdarsteller Timothy Dalton, Jennifer Connelly und Bill Campbell zu sehen waren, doch konnte diese Aktion „The Rocketeer“ nicht mehr zum Erfolg verhelfen.

Das Plakat, das keinen Erfolg brachte

Wirklich schade, denn Joe Johnstons Verfilmung des Comics steckt voller Witz und Humor und besticht zugleich durch eine rasante Handlung. Der Film spielt 1938. Durch Zufall gelangen Cliff Secord und sein Freund, der Mechaniker A. Peevy, in den Besitz des Racketenrucksacks, als zwei Gangster während der Flucht vor dem FBI das neuartige Fluggerät in einem der Flugzeuge verstecken, die von Peevy repariert werde sollen. Da Cliff und Peevy so gut wie pleite sind, beschließen sie, mit dem Rucksack ein wenig Geld zu machen, um ihn später der Polizei zu übergeben.

Doch alles kommt natürlich anders als geplant. Denn als Cliff mithilfe der Raketen einen Freund aus einem abstürzenden Flugzeug rettet, ist der Raketenmann in aller Munde. Sogleich gerät Cliff in den Fokus der Nazis. Diese entführen Cliffs Freundin Jenny Blake. Und Cliff setzt alles daran, um sie zu retten.

Das neu gestaltete Plakat

Zunächst war geplant, „The Rocketeer“ in schwarzweiß zu drehen und ihn wie eine der alten Flash Gordon-Filme aus den 30ern wirken zu lassen. Die Produzenten wollten dieses Konzept allerdings nicht mitfinanzieren, also wurde dieser Plan aufgegeben und stattdessen auf Farbe gesetzt. Und speziell die Farbe macht diesen wunderbaren, leichten und positiven Grundton des Films aus. Man gab „The Rocketeer“ eine durchweg helle Farbgebung, die selbst in den düsteren und bedrohlichen Szenen durchscheint. Hinzu kommt die schwungvolle, witzige Story, die hervorragend unterhält und mit einer großartigen Optik daherkommt. „The Rocketeer“ war für den Saturn Award und den Hugo Award nominiert, doch gewann leider nicht (beide Preise gingen damals an „Terminator 2“).

Joe Johnston, der vor allem durch „Jumanji“ (1995) und „Captain America“ (2011) bekannt ist, wurde für die Regie engagiert – zuvor hatte er bei „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) sein Debut gegeben. Trotz des Flops gilt „The Rocketeer“ inzwischen als Klassiker der 90er Jahre und teilweise sogar als Kultfilm, zu dem es sogar noch immer die Actionfiguren zu kaufen gibt. Angestachelt durch den nachträglichen Erfolg, ist zurzeit immer wieder die Rede von einem Sequel. Allerdings soll dieses nicht fürs Kino, sondern für den Streamingdienst von Disney produziert werden.

Rocketeer – Der Raketenmann (OT: The Rocketeer); Regie: Joe Johnston, Drehbuch: Danny Bilson, Paul de Med, Produtkion: Lawrence Gordon, Darsteller: Bill Campbell, Jennifer Connelly, Timothy Dalton. USA 1991

The Crow (1994)

Manche Filme erlangen durch unglückliche Umstände Berühmtheit. So z.B. „The Crow“, bei dessen Dreharbeiten Hauptdarsteller Brandon Lee ums Leben kam. Von der Handlung her ist „The Crow“ eine klassische Rachestory. Der Film konzentriert sich darauf, wie sich der Musiker Eric Draven (man lasse einmal das D weg) sich an seinen Mördern sowie an den Mördern seiner Verlobten rächt. Erweckt durch eine Krähe, schleicht Draven als geschminkter Rächer durch die Gegend, um einem Bösewicht nach dem anderen den Garaus zu machen.

Was diesen Film so sehenswert macht, ist seine Bildgewalt. Detailverliebte Kulissen, düstere Häuserschluchten und finstere Farben bringen eine apokalyptische Welt zur Schau, die Regisseur Alex Proyas später in „Dark City“ fortführen sollte. Hin und wieder schwenkt Proyas über in eine düstere Poetik, wobei er auch nicht vergisst, Edgar Allan Poes berühmtes Gedicht zu zitieren.

Explosionen und Verfolgungsjagden erhöhen zwischendurch das Tempo des Films, wobei natürlich die Schießerei im Finale den Höhepunkt bildet. Die Gewaltszenen, deren Choreographie Brandon Lee mitkonzipierte, sind deftig in Szene gesetzt. Hier schwelgt der Film geradezu in Tod und Schmerz, was sich auf die übrige Atmosphäre des Films auswirkt. Wahrscheinlich haben sich die beiden Splatter-Punks David Schow und John Shirley sogar ziemlich zurückgehalten, während sie das Drehbuch schrieben.

Recht witzig kommen Dravens moralische Ratschläge zur Geltung. Mit einer Art erhobenem Zeigefinger macht er darauf aufmerksam, dass Drogen kein Ausweg sind und dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist. Hier schimmert eine wunderbare Satire hindurch, die sich auf den eigentlichen Zustand der Gesellschaft bezieht, wobei er zugleich selbsternannte Moralapostel durch den Kakao zieht.

„The Crow“ gehört inzwischen zu den Klassikern der 90er Jahre, ebenso wie „Dark City“, der vier Jahre später produziert wurde. „The Crow“ folgten zwei Sequels und eine TV-Serie, an denen Proyas allerdings nicht mehr beteiligt war.

The Crow – Die Krähe (OT: The Crow), Regie: Alex Proyas, Drehbuch: David J. Schow, John Shirley, Produktion: Jeff Most, Darsteller: Brandon Lee, Rochelle Davis, Ernie Hudson, Michael Wincott, Bai Ling, Tony Todd, USA 1994, Laufzeit: 102 Min.