Fubs Klassikbox: Barbarella (1968)

Jane Fonda als Barbarella; „Barbarella“ (1968); © Paramount

Regisseur Roger Vadim war zeit seines Lebens mit so ziemlich allen schönen Frauen zusammen, die man sich vorstellen kann. Angefangen von Brigit Bardot bis hin zu Catherine Deneuve. 1968 schickte er seine damalige Frau Jane Fonda in den Weltraum. Als Barbarella schrieb die Tochter des berühmten amerikanischen Schauspielers Henry Fonda Filmgeschichte und beeinflusste die damalige Popkultur wie kaum ein anderer Film zuvor.

Roger Vadim (1928 – 2000) war ein echter Comic-Fan. Als ihm die Barbarella-Comics von Jean-Claude Forest in die Hände fielen, war für ihn sofort klar, dass er daraus einen Film machen wollte. Dass er dadurch zugleich die Sex-Ära im Kino einläutete, war ihm damals gar nicht so bewusst. Auf jeden Fall schuf er mit „Barbarella“ einen der Klassiker, die man gesehen haben sollte.

Die Astronautin Barbarella gondelt in ihrem Raumschiff im Jahr 40000 quer durch den Weltraum, als sie unerwartet den Auftrag erhält, nach dem Wissenschaftler Durand Durand zu suchen, der auf dem 16. Planeten von Tau-Ceti abgestürzt ist. Also macht sich Barbarella auf die Reise. Auf dem Planeten begegnet sie menschenfressenden Puppen, einem blinden Engel, den Menschen im Labyrinth und noch vielen mehr. Als erstes landet sie mit dem Mädchenjäger Mark Hand in der Kiste, um später durch ihre Reize den blinden Engel Pygar wieder zum Fliegen zu bringen. Schließlich trifft sie tatsächlich auf Durand Durand und der tyrannischen Herrscherin, die besonders auf SM steht …

„Barbarella“ ist absoluter Kult. Die wunderbaren surrealen Kulissen, die grandiosen Kostüme, der Witz und die frechen Anspielungen und nicht zuletzt Jane Fonda als Barbarella, die den Menschen auf dem fremden Planeten den Kopf verdreht – all das macht die italienisch-französische Koproduktion jedes Mal von Neuem zu einem echten Spaß. Wahrscheinlich würde sich heute kein Studio mehr an einen solchen Stoff trauen, da es die Reaktionen der humorlosen Gender-Hysteriker fürchtet. Doch damals löste der Film, der mitten hinein in die damaligen Protestbewegungen knallte, einen wahren Hype aus. Geradezu legendär ist Jane Fondas Striptease in der Schwerelosigkeit, während des Vorspanns.

Obwohl Jane Fonda selbst ihre Rolle in dem Film überhaupt nicht mochte, spielte sie dennoch aus Liebe zu ihrem damaligen Mann mit. Bis heute wird sie stets mit dieser, ihrer ersten Hauptrolle verbunden. Und das zurecht. Denn Jane Fonda spielte nicht nur ausgezeichnet, sondern ähnelte mit ihrem Aussehen der Comic-Figur ungemein. Nicht weniger Kultstatus erlangte John Philip Law, der Pygar spielte. Er galt damals als einer der best aussehendsten Männer.

„Barbarella“ beeinflusst Künstler, Musiker und Filmemacher bis heute. Das beste Beispiel ist sicherlich die Band Duran Duran, die sich nach dem Wissenschaftler Durand Durand benannt hat. Wer also den Klassiker bisher noch nicht gesehen hat, sollte dies rasch nachholen.

Barbarella. Regie u. Drehbuch: Roger Vadim, Produktion: Dino de Laurentis: Darsteller: Jane Fonda, John Philip Law, Anita Pallenberg, Milo O’Shea, Marcel Marceau, David Hemmings, Ugo Tognazzi. Italien/Frankreich 1968.

Die 90er: Judge Dredd (1995)

Judge Dredd (Sylvester Stallone) im Einsatz; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Die Kritiken waren damals überwiegend schlecht, dennoch wurde die Comic-Verfilmung „Judge Dredd“ zu einem großen Erfolg. Eigentlich war Arnold Schwarzenegger für die Hauptrolle vorgesehen und Richard Donner hätte Regie führen sollen. Doch dann wurde Sylvester Stallone für die Rolle des Judge Dredd engagiert und Danny Cannon, der hauptsächlich im TV-Bereich tätig ist, führte Regie.

Die Handlung spielt ca. 2080, fast die ganze Erde ist verwüstet. Die Menschheit konzentriert sich auf Megastädte, die mit hohen Mauern umgeben sind. Verbrechen und Chaos haben Hochkonjunktur. Um dennoch Recht und Ordnung zu schaffen, wurde eine Eliteeinheit gegründet, die sog. Judges. Der bekannteste unter ihnen ist Judge Dredd. Doch eines Tages wird ihm ein Mord angehängt und er soll lebenslang ins Gefängnis. Als jedoch der Gefangenentransporter abstürzt, befreit sich Dredd und nimmt die Chance war, um denjenigen aufzuspüren, der ihn beseitigen wollte …

Mit jeder Menge Action ballert sich Dredd durch Megacity, nicht nur, um den Bösewicht aufzuspüren, sondern auch, um das Geheimnis seiner eigenen Herkunft zu lösen. Dies alles mit Staraufgebot. Neben Stallone sind Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Diane Lane, Armand Assante und Joan Chen mit von der Partie.

Ein bisschen warm heute; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Vor allem, und selbst damalige Kritiker konnten dem nicht widersprechen, stechen in dem Film die großartigen Kulissen in die Augen. Schön gemacht ist hierbei vor allem, dass trotz der gewaltigen Größe von Megacity es Regisseur Danny Cannon gelingt, diese klaustrophobisch anmutende, menschenüberfüllte Enge darzustellen. Nirgendwo gibt es einen freien Platz, überall drängeln sich die Bewohner, hinzu kommt die ständige Bedrohung durch Gewalt.

Schön an dem Film ist ebenfalls, dass trotz des Actionschwerpunkts das eigentliche Thema nicht aus den Augen gelassen wird. Es geht um ethische und moralische Fragen und um grundlegende Fragen im Hinblick  auf Macht und Herrschaft. Teils in Form eines politischen Dramas, teils mit viel Selbstironie und schwarzem Humor handelt der Film diese Themen ab, wobei Dredds Kollegin Judge Barbara Hershey stets die Rolle des Gewissens zukommt.

In der Neuadaption von 2012 mit dem Titel „Dredd“ wird speziell diese Thematik so gut wie gar nicht berücksichtigt, was nicht heißt, dass „Dredd“ ein schelchter Film ist. Im Gegenteil, Regisseur Pete Travis schuf damit einen düsteren und erstklassigen Actionfilm. Mit dem eher verspielten „Judge Dredd“ aus dem Jahr 1995 hat „Dredd“ in seiner Machart fast nichts mehr zu tun. John Wagner, der die Figur des Judge Dredd 1977 erfand, war von Danny Cannons Version enttäuscht. Dagegen lobte er die Neuverfilmung, die auch bei Comic-Fans besser ankam.

Nichtsdestotrotz ist „Judge Dredd“ eine wunderbare Mischung aus Action, Humor und Science Fiction. Kurz: immer wieder sehenswert.

Judge Dredd. Regie: Danny Cannon, Drehbuch: Steven E. De Souza, William Wisher, Produktion: Charles M. Lippincott, Beau E. L. Marks, Darsteller: Sylvester Stallone, Armand Assante, Diane Lane, Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Joan Chen. USA 1995