Atomic Blonde (2017)

„Atomic Blonde“ hat ein Problem: Der Film möchte sich als Agententhriller verstehen, scheitert in dieser Hinsicht jedoch auf ganzer Linie. Regie führte Stuntman und Regisseur David Leitch, der gleich mit seinem Debut „John Wick“ einen enormen Erfolg für sich verbuchen durfte. So ist es dann auch kein Wunder, dass die Produzenten oder besser die Produzentin ihm gleich die Regie für die Comic-Adaption „Atomic Blonde“ anvertraute.

Immerhin geht es auch in dieser Story knallhart und ohne Kompromisse zu. Statt Keanu Reeves ballert Charlize Theron durch die Gegend, und weil man das Jahr 1989 und das Ende des Kalten Krieges feiert, müssen nochmals die Russen dran glauben. Das alles wäre ja ganz schön, wenn der Film eben nicht nur als Adaption, sondern auch als Agentenfilm funktionieren würde. Tut er aber nicht.

MI6-Agentin Lorraine Broughton kommt nach Berlin, um nach einer Liste zu suchen, auf der die Namen diverser westlicher Agenten verzeichnet sind. Zugleich ist sie auf der Suche nach dem Doppelagenten Satchel, der diese Liste auswendig kann, um ihn nach England zu bringen. Doch schon sind ihr die Russen auf den Fersen, die diese Liste ebenfalls in die Hände bekommen möchten.

Das alles klingt recht spannend und nach schönen klassischen Agentenspielchen, doch David Leitch gelingt es tatsächlich, eben diese Handlung uninteressant und oberflächlich abzuarbeiten. Dass im Kalten Krieg zwei Ideologien aufeinaderprallten, davon ist keine Rede. Hier geht es nur um die bösen Russen und die guten Engländer, die sich gegenseitig eins auf die Ömme geben. Mehr aber kommt bei „Atomic Blonde“ nicht heraus.

Das ist wirklich schade. Denn der Film hätte durchaus das Potenzial dazu gehabt, das Genre des klassischen Agententhrillers neu zu beleben, so wie dies bereits 2013 der koreanische Film „Berlin File“ getan hat. Und anfangs versucht er dies ja auch, indem er kurz „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Der dritte Mann“ zitiert. Aber danach verließen Leitch die guten Geister und den Rest des Films kann man getrost in der Pfeife rauchen.

Selbst im Hinblick auf die Popkultur stellt sich die Frage, weswegen „Atomic Blonde“, dessen Handlung Ende der 80er Jahre spielt, Songs der Neuen Deutschen Welle zitiert, die es damals schon seit knapp fünf Jahren nicht mehr gab. Auch die übrigen Songs sind natürlich Hits der 80er, aber spiegeln eben nicht das Ende der 80er Jahre wider.

Auf diese Weise zieht sich der Film 115 Minuten lang hin, die einem beinahe wie gefühlte drei langatmige Stunden vorkommen. Anscheinend hatte man deswegen noch auf Toby Jones und John Goodman für die Randfiguren zurückgegeriffen, um dem Film doch noch so etwas wie Stil zu verleihen. Aber selbst die beiden schaffen es nicht, den Film zu retten.

Atomic Blonde. Regie: David Leitch, Drehbuch: John Johnstad, Produktion: Charlize Theron, Darsteller: Charlize Theron, James McAvoy, Toby Jones, John Goodman, Sofia Boutella, Eddie Marsan. USA 2017, 115 Min.

Valerian (2017)

Knapp vorbei ist auch daneben. Ungefähr so könnte man Luc Bessons neuesten Streich zusammenfassen. Und es zeigt sich, dass es nicht reicht, die Leinwand voll mit CGI zu stopfen – nein, es sollte auch so etwas wie eine spannende Story haben und interessante Charaktere wären auch ganz nett. Doch von den letzten beiden Punkten besitzt „Valerian“ leider nichts.

Die „Valerian“-Comics von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières sind längst Kult und ein wichtiger Bestandteil der französischen Comic-Historie. 1967 erschien der erste Band und 2010 der bisher letzte. Auch wenn in Deutschland der Bekanntheitsgrad sich in Grenzen hält, so haben die Ideen von Christin und Mézières viele spätere Autoren beeinflusst.

Valerian und Veronique (im Original Laureline), die sich immer wieder in die Haare bekommen, werden in Luc Bessons Umsetzung von Dane DeHane und Cara Delevingne verkörpert – und dies war schon der erste große Fehler. Denn beide Darsteller wirken so flach wie noch etwas. Schuld daran ist sicherlich auch, dass beide Figuren im Film den Figuren im Comic so gut wie nicht gleichen. Es ist wirklich schade, dass hier der gelungene Witz nicht übernommen, sondern durch äußerst lustlose Gags und diverse Rohrkrepierer verdrängt wurde. Auf diese Weise wirken DeHane und Delevingne ständig verkrampft und unbeholfen, ja eigentlich so, als hätten sie ihre Rollen in der Lotterie gewonnen.

Von der Story bekommt man eigentlich nicht viel mit. Die Handlung ist mit der Dampfhammermethode in eine so komplexe Form gegossen worden, was dazu führt, dass man irgendwann einfach den Faden verliert und den Rest des Films nur mehr gelangweilt folgt. So als wollte Besson die Zuschauer zwischendrin wieder aufwecken, gibt es eine dämliche Tanzeinlage von Rihanna, die anscheinend nur dazu dient, den Spielfilm auf die gewünschte Länge zu dehnen. Ganz witzig, aber genauso überflüssig ist Ethan Hawk als Zuhälter. Man brauchte halt Namen, um den Film finanziert zu bekommen.

So ist das einzige, das an Bessons Valerian-Adaption wirklich gut ist, das Design, das sich in der Tat sehr an den Comiczeichnungen orientiert. Hätte Besson die Muse besessen, diese Genauigkeit auch auf die Figuren und die Handlung zu übertragen, so wäre daraus sicherlich ein ansehnlicher Film geworden. So aber kann man nur den Kopf schütteln.

Valerian. Regie, Drehbuch, Produktion: Luc Besson, Darsteller: Dane DeHane, Cara Delevingne, Clive Owen, Sam Spruell, Kris Wu, Ethan Hawk. Frankreich 2017, 138 Min.