Die Konkurrenz aus England – Trash-Filme der 50er Teil 5

Parallel zu den Produktionen in Hollywood, begannen auch die Filmstudios in Großbritannien auf den Trash-Zug aufzuspringen, in der Hoffnung, den US-amerikanischen Kollegen dadurch Konkurrenz zu machen. Die Themen, die in den Filmen verfolgt wurden, unterscheiden sich nicht von denen der Hollywoodfilme. Allerdings müssen die „Invasions“-Filme anders beurteilt werden. Geht es in den Hollywoodfilmen darum, in einer außerirdischen Invasion die Gefahr des Kommunismus zu symbolisieren, so geht es in den englischen Produktionen um das Infragestellen der Splendid Isolation – zwei völlig unterschieldiche Betrachtungsweisen. Im Gegensatz zu Hollywood ist außerdem der Ekelgrad der Make up-Effekte etwas höher, doch hängt dies mit den jeweiligen Zensurbestimmungen zusammen, die in den USA weit strenger waren als in Großbritannien. In den 50er Jahren begannen zudem die legendären Hammer-Studios, ihre Filmmonster auf die Zuschauer loszulassen. Dabei produzierten sie auch ein paar SF-Horrorfilme, von denen die sog. Quatermass-Filme die wohl bekanntesten sind. Zwei Filme dieser Reihe entstanden in den 50er Jahren, der dritte und bekannteste (Quatermass and the Pit) Ende der 60er Jahre. Gelegentlich liefen die englischen Produktionen in den USA unter anderem Titel, was dazu führte, dass es zu einem Film mehrere Alternativtitel gibt, was die Sache für Sammler hin und wieder schwer macht. Kommen wir nun zu den Beispielen:

X… The Unknown (1956)

X: The Unknown (1956) nimmt das X der Akte X-Serie vorweg. Der Film erzählt von einer schleimigen Substanz, die während eines Militärmanövers aus dem Boden tritt. Der Schleim strahlt einen hohen Grad an Radioaktivität aus. Noch dazu ernährt er sich von Energie. Das Problem wird noch um Einiges größer, als sich der Schleim einer Stadt nähert. X könnte genauso gut Teil der Quatermass-Trilogie sein. In der Tat bezieht er sich – ähnlich wie die Quatermass-Filme – auf eine Fernsehserie. Möchte man ihn mit weiteren Filmen vergleichen, so käme ihm der japanische Monsterfilm Das Grauen schleicht durch Tokio (1958) ziemlich nahe. Der Film ist sehr spannend und kurzweilig und zählt zu den Klassikern des britischen Trash-Kinos.

Quatermass II (1957)

Von den beiden Quatermass-Filmen, die in den 50ern produziert wurden, ist Quatermass II durchaus aufwendiger produziert als sein Vorgänger. Teil 1 mit dem Titel The Quatermass X-periment (man achte hier auf die originelle Schreibweise, welche damals einzigartig war), ähnelt der Hollywoodproduktion First man into Space. Ein Weltraumpilot kehrt zurück auf die Erde, befallen von einem außerirdischen Wesen. Der zweite Teil hat es wiederum mit Schleimmonstern zu tun. Diese werden in einer als Ölraffinerie getarnten Geheimstation gezüchtet. Teil zwei ist nicht weniger spannend als der erste Film, wirkt durch seine Handlung allerdings etwas naiver als Teil eins, der sehr düster und tragisch konzipiert war.

Strange world of planet X (1958). In den USA lief der Film als „Cosmic Monsters“.

Strange World of Planet X (1958) zeigt wiederum die X-fixierung der englischen Produzenten. Wissenschaftler experimentieren mit magnetischen Feldern. Diese Experimente haben jedoch direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Sie führen zu Riesenwuchs unter den Insekten und Spinnen. Leider arbeiteten die Filmemacher mit Rückprojektionen und keinen selbstgebastelten Monstern, was die Effekte wenig originell macht. Die Story an sich jedoch ist sehr interessant. Auch der Spannungsaufbau ist gut konstruiert.

The Trollenberg Terror (1958). Lief in den USA als „The crawling Eye“.

The Trollenberg Terror (1958) spielt in den Schweizer Alpen. Auf dem Trollenberg geschehen immer wieder sonderbare Unglücksfälle. Bergsteiger verschwinden spurlos bzw. werden ohne Kopf aufgefunden. Zwei Wissenschaftler machen sich daran, das Rätsel zu lösen. Das Drehbuch dieses Films schrieb Jimmy Sangster, der später zu den besten Autoren und Regisseuren der Hammer-Studios gehörte. Sein Können merkt man dem Film an. Die Story ist konsequent umgesetzt, der Spannungsaufbau wie aus dem Lehrbuch.