My Bloody Valentine oder Valentinstag im Bergwerksstollen

mybloodyvalentine1981 schuf Regisseur George Mihalka einen Klassiker des Horrorfilms: „My bloody Valentine“. Der Film führt das fort, was John Carpenter im gewissen Sinne 1978 ins Leben gerufen hat: einen maskierten Mörder, der auf Teenager losgelassen wird. Doch im Gegensatz zu Carpenter in „Halloween“, geht Mihalka wesentlich drastischer vor.

Heißt der Antagonist bei John Carpenter Michael Myers, so lautet der Name des Bösewichts bei Mihalkas Film Harry Warden. Typisch für die Slasherfilme der 80er Jahre ist die Kleinstadt als Handlungsort. Bei „My bloody Valentine“ handelt es sich um  den Ort Valentine Bluffs. Hier sind vor allem Bergarbeiter zuhause. Vor mehreren Jahren gab es in der Kohlenmine einen Unfall, bei dem mehrere Arbeiter verschüttet wurden. Nur einer überlebte: Harry Warden, der sich bis zum Zeitpunkt seiner Rettung von den Leichen der anderen ernährt hat. Er kommt ins Irrenhaus und, zur Freude jeden echten Horrorfilmliebhabers, kurz vor einer von Teenagern geplanten Valentinstagsparty wieder in den Ort zurück. Er möchte eigentlich etwas ganz harmloses: die Mine verkaufen. Allerdings gefällt dies den Bewohnern des Ortes nicht. Und schon bald geschehen unheimliche Morde …

theprowlerWenn man es genau nimmt, so geht die Figur des maskierten Mörders zurück bis zu Gaston Lerouxs „Phantom der Oper“ aus dem Jahr 1910. Doch ist es bei Lerouxs Roman sowie den späteren Verfilmungen noch ein tragischer Antiheld, so wird ab den 70er Jahren daraus ein echtes Ungeheuer. Verbunden mit den Ängsten der Postmoderne, werden die Antagonisten zu identitätslosen Mördern, deren wahres Selbst verborgen bleibt. Hier spiegeln sich die Phänomene Entfremdung und Aversion wider, die vor allem moderne und postmoderne Gesellschaften prägen. Diese Angst machen sich die Horrorfilme der 70er und 80er Jahre zunutze, um den Zuschauern eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken zu jagen.

Noch mehr als in „Halloween“, nutzt „My bloody Valentine“ dies aus, da der Klassiker von 1981 den typischen Slasher-Plot mit einem kriminalistischen „Who’s done it?“ verbindet. Obwohl alle Harry Warden die Schuld geben, so könnte letztendlich jeder der Ortsbewohner der Täter sein. Wahrscheinlich ist es genau dieser Aspekt, der diesen Film intensiver wirken lässt als Carpenters „Halloween“. Denn trägt der Mörder in Carpenters Horrorstreifen lediglich eine Maske, so ist der Mörder in Mihalkas Slasher-Version ganz in eine Bergarbeiterkluft gehüllt. Sein Gesicht wird von einer Atemmaske verdeckt (eine sehr ähnliche „Verkleidung“ wird interessanterweise auch in dem Slasher „The Prowler“ aus demselben Jahr verwendet).

mybloodyvalentineremake2009 wurde ein Remake von „My bloody Valentine“ in 3D gedreht. Der Film zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Horrorfilmremakes. Die Handlung ist dieselbe wie im Original. Im Gegensatz zu anderen Horror-Remakes, versuchte hier kein Regisseur vergeblich zu zeigen, wie toll er ist, sondern man hielt sich an den Stil und die Atmosphäre des Originals, erhöhte allerdings das Tempo. So gesehen ist auch das Remake durchaus sehenswert, obwohl in Deutschland (wie soll es anders sein) nur eine gekürzte Version vorhanden ist. Die Originalfassung ist indiziert. Dasselbe gilt für die Version von 1981, die in Deutschland nur in einer geschnittenen Version erhältlich ist.