Babbitt – Sinclair Lewis‘ Satire über die US-amerikanische Mittelschicht

Literaturnobelpreisträger Sinclair Lewis (1885 – 1951) verfasste mit seinem Roman „Babbitt“ eine der Satiren über den Alltag in den USA. Veröffentlicht 1922, hat dieses Buch nichts von seiner Aktualität verloren.

Es geht um den Immobilienmakler George Babbitt, der die Alltagsroutine mehr und mehr satt hat. Doch obwohl er immer den Wunsch verfolgt, sich zu verändern, fällt er dennoch wieder zurück in den alltäglichen Trott. Dies scheint sich zu ändern, als er die attraktive Tanis Judique kennenlernt. Doch was ihn zunächst wie ein neues Leben scheint, besitzt letztendlich auch wieder seine negativen Seiten …

Man könnte „Babbitt“ als den Roman über Amerika bezeichnen. Lewis konzentriert sich zwar auf das soziale Milieu der Mittelschicht, blickt aber auch immer wieder in andere Bereiche der Gesellschaft. Daraus ergibt sich ein ganzes soziokulturelles Panorama, das von ihm minutiös durch den Kakao gezogen wird. Denn die USA, in der Freiheit hochgehalten wird, wird bestimmt von strengen gesellschaftlichen Regeln, denen man sich beugen muss, wenn man nicht ins Abseits rutschen möchte.

Sinclair Lewis (1914)

Babbitt beginnt eben diese Regeln nach und nach zu hinterfragen. Dabei versucht er zwar immer wieder, selbst diese Regeln zu durchbrechen, scheitert letztendlich aber immer wieder an sich selbst. Das fängt schon damit an, dass er mit dem Rauchen aufhören möchte, aber dann doch immer wieder Zigarren raucht, da er es ja immer schon so getan hat.

Doch die Regeln und der Anstand erweisen sich als bloße Fassade. Die Konsequenz davon ist ein Spießertum, das sich vor allem in der Mittelschicht gebildet hat und dort regelrecht zelebriert wird. Dieses satirische Blossstellen sollte ca. 40 Jahre später auch Richard Yates in seinem berühmten Roman „Zeiten des Aufruhrs“ aufgreifen, wenn auch intensiver.

Liest man „Babbitt“, so ist dies so, als würde einem jemand die Augen öffnen. Denn der Roman wirkt wie ein Schlüsselwerk, mit dem man auf einmal alle anderen US-amerikanischen Romane und Filme besser versteht. Und der wunderbare Schreibstil lässt einen dabei regelrecht durch George Babbitts Weltsicht gleiten, deren Kernpunkte sich ohne weiteres auch auf unsere Gesellschaft übertragen lassen. Ein wirklich toller Roman.

Sinclair Lewis. Babbitt. Manesse 2017, 782 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978-3-7175-2384-0