Trash der 60er (1): Ghost in the invisible Bikini

ghostintheinvisiblebikiniMit Trash der 60er beginnen wir hier auf FILM und BUCH eine neue Reihe. Wie der Titel bereits sagt, beschäftigen wir uns darin mit B-Picture der 60er Jahre. Da die Reihe „Trash der 50er“ immer noch auf großes Interesse stößt, hoffen wir, dass ihr auch an der neuen Reihe viel Spaß habt.

Den Anfang macht die Gruselkomödie „Ghost in the invisible Bikini“, der 1966 produziert wurde und aus dem Hause Nicholson/Arkoff stammt. Das heißt, es handelt sich hierbei um einen weiteren Film der Produktionsfirma American International Pictures, die vor allem in den 60er Jahren mit den englischen Hammer Films konkurrierte. In Deutschland lief der Film damals unter dem unglücklichen Titel „Erbschaft um Mitternacht“. Unglücklich deshalb, da es einen Krimi aus den 30er Jahren mit demselben Titel gibt.

1963 riefen die beiden Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff die „Beach Party“-Reihe ins Leben, von denen die wenigsten aber tatsächlich auch an einem Strand spielen. Es handelte sich dabei lediglich um rasante Komödien, die in der Hauptsache die damalige Jugendkultur widerspiegelten. So kommt auch in „Ghost in the invisible Bikini“ kein einziger Strand vor, ja der Film spielt nicht einmal am Meer, geschweige denn in der Nähe eines Meeres.

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Cecily (Susan Hart) kurz vor ihrer nächsten Aktion; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966); Copyright: MGM.

Es geht um ein altes Haus, dessen Besitzer Hiram Stokley vor einer Woche gestorben ist. Eines Tages treffen sich seine Erben in dem verlassenen Gebäude, um dort das Testament zu eröffnen. Hiram hat eine Menge Geld hinterlassen, doch dummerweise weiß niemand, wo sich das Geld befindet. Nur eines ist sicher, der alte Mann hat es irgendwo in dem Haus versteckt. Doch auch Hirams Anwalt Reginald Ripper (gespielt von Basil Rathbone) und dessen Gehilfe sind hinter dem Geld her. Am selben Tag, an dem die Erben das Haus betreten, kommt auch Hirams Neffe Bobby zusammen mit seinen Beach Party-Freunden zu dem alten Gebäude, um dort am Pool eine Party zu veranstalten. Damit ist die Besucherliste keineswegs zu ende. Denn der Anwalt hat auch Eric van Zipper und seine Rat Pack Bikers dazu animiert, in dem Haus nach dem Geld zu suchen, genauso wie einen Indianer und eine Frau, die mit ihrem Gorilla Monstro von Ort zu Ort fahren.

Ihr seht, die Handlung hat jede Menge schrulliger Figuren. Nicht weniger schrullig ist der gesamte Film. Von Anfang an legt er ein rasantes Tempo vor, das er bis zum Schluss durchhält. Es gibt keinen einzigen Durchhänger, ein Gag folgt auf den anderen, und wenn es keine Witze hagelt, dann kommt es zu Verfolgungsjagden durch das Gebäude und diversen rockigen Gesangseinlagen, unter anderem mit Nancy Sinatra.

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Anwalt Ripper wird erschreckt; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966), Copyright: MGM.

Wieso Nicholson und Arkoff mit der Endfassung des Films nicht zufrieden waren, ist und bleibt ein Rätsel. Anscheinend, da es sich ja um eine Gruselkomödie handelt, fehlte ihnen etwas. So engagierten sie Boris Karloff, der in den 60er Jahren immer wieder mit AIP zusammenarbeitete, für eine Rahmenhandlung. Karloff spielt den verstorbenen Hiram Stokley, der erst in den Himmel kann, wenn das Geld von den richtigen Erben gefunden wurde. Bis dahin sitzt er in der Familiengruft und hofft auf das Beste. Ihm zur Seite steht seine Freundin Cecily, die, mit einem unsichtbaren Bikini bekleidet, Hirams Erben bei der Suche nach dem Geld indirekt unterstützt. Unsichtbar bedeutet hier nicht, dass Schauspielerin Susan Hart völlig nackt auftritt. Vielmehr kann man an den jeweiligen Stellen durch sie hindurchsehen.

Nun, der Film hätte auch hervorragend ohne diese Rahmenhandlung funktioniert. Auch der Bikini-Geist ist im Grunde genommen überflüssig. Celily wurde übrigens von James Nicholsons Frau gespielt, um dadurch die zusätzlichen Kosten niedrig zu halten. Dem Erfolg machte die hinzugefügte Handlung jedoch keinen Strich durch die Rechnung. Wie eigentlich bei allen anderen Filmen von Nicholson/Arkoff, spielte er beinahe das Dreifache der Kosten ein.  Leider aber wurde er bisher in Deutschland nicht auf DVD veröffentlicht.

Die Klunkerecke: Teenage Zombies oder Wie man einen Affen und vier Teens bewusstlos werden lässt

teenagezombiesDie Rolle des Mad Scientist war und ist im Normalfall Männern vorbehalten. Nicht so bei dem Trashfilm „Teenage Zombies“ aus dem Jahr 1959. Dort ist es überraschenderweise eine Frau, die die Bewohner der USA in willenlose Zombies verwandeln möchte.

Ihr Name lautet Dr. Myra und ihr Wohnort ist eine einsame Insel vor der Küste eines kleinen Ortes. Die Freunde Rag, Skip, Julie und Pam beschließen eines Tages, die Insel aufzusuchen, die als unbewohnt gilt. Überrascht stellen sie aber fest, dass es dort eine Reihe von Gebäuden gibt. Und schließlich beobachten sie eine Gruppe seltsamer Menschen, die einen Weg entlang zu einem Feld wanken. Angeführt wird diese Gruppe von einer Frau, die sich später, als die Freunde an ihre Haustür klopfen, als Dr. Myra herausstellt. Schnell werden die vier Teenager zu Gefangenen der Wissenschaftlerin, die ein Gas entwickelt hat, das jedes Wesen, das es einatmet, in einen Zombie transformiert. So einen wilden Affen, der dann am Ende des Films nochmals einen kurzen Auftritt hat, und zwischendurch auch Julie und Pam. Rag und Skip versuchen, ihre Freundinnen zu befreien und zugleich Dr. Myra das Handwerk zu legen.

teenagezombies1Bei den Dreharbeiten setzte man zum großen Teil auf natürliche bzw. echte Kulissen. So muss als Labor von Dr. Myra ein Einfamilienhaus herhalten. Wenn die Teenies das Haus von Dr. Myra betreten, so landen sie als erstes in der Küche mit Blümchentapete. Als Labor diente wahrscheinlich eine einfache Lagerhalle, möglicherweise aber auch dasselbe Haus. Am gelungensten aber ist die Polizeistation: eine Bretterwand mit einem kleinen, rechteckigen Fenster darin, hinter der ein Officer sitzt.

teenagezombies2Regisseur Jerry Warren schafft es dennoch, die Handlung interessant und irgendwie spannend zu erzählen. Dies vor allem dadurch, da Warren auf Schnelligkeit setzt. Er hält sich nicht lange bei einer einzigen Situation auf, sondern jagt von einer Sequenz zur nächsten. Höhepunkt von „Teenage Zombies“ ist eine lange Rangelei zwischen den Freunden und Dr. Myra und ihren Helfern. Gegen Ende mischt dann auch noch der Affe mit (wohl überflüssig zu erwähnen, dass es sich hierbei um einen Mann im rupfigen Affenkostüm handelt).

„Teenage Zombies“ zählt zu den 50 schlechtesten Filmen, die jemals gedreht wurden, und Regisseur Jerry Warren, der eine ganze Reihe von Low-Budget-Filmen gedreht hat, ist bis heute eigentlich nur für diesen einen Film bekannt. Dennoch ist es in der Tat bemerkenswert, dass dies der wohl einzige Film aus den 50er Jahren ist, in dem eine Frau die Rolle des „verrückten Professors“ einnimmt. In diesem Sinne ist er durchaus ein Vorläufer der darauf folgenden Emanzipationsbewegung. Die Frau in „Teenage Zombies“ möchte die Herrschaft über die amerikanische Gesellschaft erlangen. Die Männer sind ihr untergeordnet. So gesehen ist Warrens Film ein außergewöhnliches Stück Filmgeschichte.