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Posts Tagged ‘B-Picture’

Die 50er Jahre waren das Zeitalter der kreischenden Frauen und schrecklichen Ungeheuer. Neben der ideologischen Paranoia vor einer kommunistischen Unterwanderung beschäftigte sich das SF- und Horrorgenre auch mit einer kritischen Sichtweise der Wissenschaft. Ein Ergebnis dieser Reflexion war der SF-Klassiker „Der Schrecken des Amazonas“ (The Creature from the Black Lagoon; 1954). Hier wird das rücksichtslose Vorgehen der Wissenschaftler dargestellt, während sie auf Biegen und Brechen versuchen, neue Erkenntnisse zu sammeln. Das Monster wird somit zum eigentlichen Opfer. Regie führte damals Jack Arnold, der auch SF-Klassiker wie „Tarantula“ (1955), „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ (1958) oder „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957) schuf.

„Der Schrecken des Amazonas“ erwies sich als so erfolgreich, dass 1958 eine Fortsetzung mit dem Titel „Die Rache des Ungeheuers“ produziert wurde. Wiederum führte Jack Arnold Regie. Mit von der Partie ist Genrestar John Agar, der auch schon in „Tarantula“ gegen die bekannte Riesenspinne ins Feld zog.

Der Film handelt von einer Expedition, die erneut in das Amazonasgebiet vordringt, um den Kiemenmenschen zu fangen. Er soll als Attraktion in einem Meeresaquarium in Florida dienen. Gleichzeitig wollen Wissenschaftler das menschenähnliche Ungeheuer genauer untersuchen. Es wird in einem Becken an eine Kette gefesselt, damit die Forscher in Ruhe mit ihm experimentieren können. Doch die Wut des Kiemenmenschen kennt keine Grenzen. Er befreit sich und macht von da an die Küste Floridas unsicher.

Leg dich nicht mit dem Kiemenmenschen an! „Revenge of the Creature“ (1955); Copyright: Koch Media

Wie auch schon im Originalfilm, so ist auch in der Fortsetzung die Sympathie eindeutig auf Seiten des Ungeheuers. Wiederum wird das fast schon als kaltblütig zu bezeichnende Vorgehen der Wissenschaftler stark kritisiert. Lebendige Dinge werden als reine Objekte betrachtet. Dabei ist es egal, ob dem Wesen Schmerzen zugefügt werden oder ob es an Hunger leiden muss. Wichtig sind allein die Erkenntnisse und die Hoffnung, dadurch schnell Karriere machen zu können. Diese Sichtweise hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Der Kiemenmensch macht dieses Spiel jedenfalls nicht lange mit. Ab hier kommt der Titel der Fortsetzung voll zur Geltung. Das Ungeheuer nimmt Rache. Dabei entführt es natürlich eine hübsche Meeresbiologin. Der Kampf zwischen Mensch und Monster ist damit eröffnet.

Jack Arnold inszenierte diesen Film ungeheuer rasant und spannend. Das Kostüm des Kiemenmenschen, das seit über 50 Jahren Kultcharakter besitzt, kommt hier wieder wunderbar zur Geltung. Die Jagd nach dem Kiemenmenschen fordert nicht wenige Opfer. Schließlich ist sogar eine ganze Polizeiarmee hinter ihm her. Wie schon im Originalfilm, so tauchen auch in der Fortsetzung Überlegungen über das eigentliche Wesen des Kiemenmenschen auf. Die Fragen nach einer Art Missing Link oder einer Laune der Natur beleben die Dialoge und charakterisieren dadurch das Ungeheuer als tragische Figur.

„Die Rache des Ungeheuers“ zählt inzwischen ebenfalls zu den Klassikern der Universal-Studios. Die Jagd des Kiemenmenschen durch das Meeresaquarium ist geradezu legendär und wurde in späteren Horrorfilmen wie etwa „Weißer Hai 3“ (1983) immer wieder zitiert. Clint Eastwood hatte übrigens mit diesem Film sein Schauspieldebut in einer Nebenrolle.

Die Rache des Ungeheuers (OT: Revenge of the Creature), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: William Alland, Martin Berkeley, Produktion: William Alland, Darsteller: John Agar, Lori Nelson, John Bromfield, Nestor Paiva, Grandon Rhodes. USA 1955, 75 Min.

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In den 50er Jahren wurde das Kino quasi neu erfunden. Der Grund: Die Zuschauerzahlen gingen rapide zurück. Das Fernsehen führte dazu, dass immer mehr Leute zuhause blieben und sich Filme und Serien in den eigenen vier Wänden ansahen. So standen vor allem die großen Produktionsfirmen vor einem Riesenproblem. Denn die Kosten für die Filme konnten nur noch schwer eingefahren werden.

50erJahre1Im selben Zeitraum kam es allerdings zu einer technischen Innovation. Zum einen experimentierten verschiedene Firmen mit 3D-Kameras und Projektoren und zum anderen revolutionierte man den Sound, indem man von Mono auf Stereo umsattelte. Das Problem war jedoch, dass dafür die Kinobesitzer ihre vorhandene Technik umrüsten mussten. Und das war teuer (manche Quellen geben einen Betrag von 100.000 Dollar an). Kleinere Lichtspieltheater konnten sich das nicht leisten. Ein weiteres Problem lag darin, dass verschiedene Produktionsfirmen mit unterschiedlichen 3D-Techniken hantierten, was im schlimmsten Fall bedeutete, dass manche Filme auf den umgerüsteten Projektoren nicht abgespielt werden konnten. Erst die Pola-Light-Linse führte dazu, dass alles wieder ins rechte Lot gerückt wurde, sodass nun, aufgrund der äußerst geringen Umrüstungskosten von ca. 100 Dollar jeder mitmachen konnte, also sowohl die großen Kinoketten als auch die privaten Lichtspielhäuser in den Seitenstraßen.

Einer der ersten 3D-Farbfilme mit Dolby Stereo-Sound war der Horrorfilm „House of Wax“ (1953), ein Remake der gleichnamigen Produktion aus den 30er Jahren. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Kabinett des Professor Bondi“. Warner entschied sich aus Kostengründen für eine Neuverfilmung. Die Rechte waren bereits im Besitz der Firma und der Originalfilm war bereits sehr erfolgreich in den Kinos gelaufen. Vincent Price spielt darin einen Bildhauer, der ein sonderbares Wachsmuseum betreibt. Manche der Figuren ähneln kürzlich Verstorbenen. Zugleich treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen in den nächtlichen Straßen der Stadt. Und schon bald wittert die Polizei einen schrecklichen Zusammenhang zwischen den Mordfällen und dem Museum.

50erJahre2Der Film war ein Riesenerfolg. Er spielte in nur einer Woche das dreifache seiner Produktionskosten wieder ein. „House of Wax“ stellte echtes Sensationskino dar. Die Story war so konzipiert worden, dass die 3D-Technik voll zur Geltung kommen konnte. Hinzu kam der Sound, der aus allen Richtungen zugleich zu kommen schien. Der Filmhistoriker Kevin Heffernan beschreibt die Wirkung der Soundeffekte in seinem Buch „Gimmicks, Ghouls, and Gold“ recht genau. In einer Szene zum Beispiel, in der ein Mann einen Stuhl in Richtung Kamera wirft, scheint der Stuhl aus der Leinwand über die Zuschauer hinweg zu fliegen. Das Aufprallen des Stuhls erklang dann aus dem rücktwärtigen Kinosaal. Der ganze Film war bespickt mit solchen Effekten.

50erJahreMan schien also einen Weg gefunden zu haben, wie man das Publikum doch noch aus dem Fernsehsessel in den Kinosaal bringen konnte. Weitere 3D-Filme mit Stereo-Sound wurden produziert. Allerdings nicht alle in Farbe. Einer der bekanntesten Filme ist „The Creature from the Black Lagoon“ (1954), dessen Erfolg zu zwei Sequels führte (beide ebenfalls in 3D). Regie führte B-Picture-Ikone Jack Arnold, der auch „It came from Outer Space“ (1953) drehte, indem ebenfalls die 3D-Effekte dazu genutzt wurden, um den Horrormomenten eine bessere Wirkung zu verleihen. 3D wurde so populär, dass im Laufe der 50er Jahre nicht nur Horror- und SF-Filme in diesem Format gezeigt wurden, sondern auch Krimis, Thriller und Dramen. Interessant ist, dass man auch den Monsterfilm „Them!“ (1954) zunächst in 3D produzieren wollte, aufgrund von Streitigkeiten zwischen Produzenten und Regisseur diese aber dann doch nicht angewandt wurde. So dürfte „Them!“ der einzige Film sein, dessen Szenenaufbau und Choreographie an einen 3D-Film erinnert, ohne aber wirklich 3D zu sein.

Der 3D-Boom ebbte Ende der 50er Jahre wieder ab. War 3D Anfang der 50er noch eine Sensation, so wurde die Sensation zur Langeweile, da sich die Effekte stets wiederholten. Also blieben die Zuschauer wieder zuhause und sahen lieber Fern. Es folgte erneut eine Krise, die dazu führte, dass die Anzahl der produzierten Filme Ende der 50er Jahre drastisch zurückging, sodass manche Kinobesitzer begannen, sich Sorgen zu machen, da sie über das Jahr hinweg nicht genügend Filme vorführen konnten. Dieses Mal retteten nicht die großen Firmen den Laden, sondern die kleinen Produktionsfirmen, die sich auf die Herstellung von Low-Budget-Filmen spezialisert hatten. Ihre Filme füllten sozusagen die Angebotslücke und beeinflussten das Filmemachen bis heute.

Text enthält Informationen aus:

Kevin Heffernan: Gimmicks, Ghouls, and Gold.

Robin Means Coleman: Horror Noire.

 

 

 

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warningfromspace1Nach dem internationalen Erfolg von „Godzilla“ (1954), musste unbedingt ein neuer Film her, der auf diesem Erfolg aufspringen konnte. Die Fortsetzung des Monsterfilms „Godzilla kehrt zurück“ (1955) floppte an den internationalen Kinokassen. Also suchte man nach einem anderen Konzept.

Godzilla wurde zunächst einmal zu den Akten gelegt. Stattdessen versuchte man, sich an den SF-Filmen Hollywoods zu orientieren und schuf daher einen Film, in dem die Menschheit in den Kontakt zu Außerirdischen tritt. Der Titel des Films lautete „Warning from Space“ und kam 1956 in die Kinos.

Es geht darin um seesternartige Außerirdische, die die Menschheit vor einer Katastrophe warnen wollen. Ein Planet (Planet R) nähert sich der Erde. Es droht ein Zusammenstoß, der unweigerlich zur Vernichtung unserer Welt führt. Während die Wissenschaftler zum einen versuchen, hinter das Geheimnis der Außerirdischen zu kommen, versuchen sie andererseits, etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen.

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Die Aliens in ihrer Raumstation. Über die Kostüme lässt sich natürlich streiten. „Warning from Space“ (1956).

Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, drehte Regisseur Koji Shima den Film in Farbe. Es handelte sich dabei um den ersten japanischen SF-Film in Farbe. Koji Shima reizte dabei das Farbspektrum regelrecht aus. Zunächst ist man etwas enttäuscht. Gleich die erste Einstellung, welche die Außerirdischen in ihrer Raumstation zeigen, bietet lediglich sonderbare Grautöne. Nur das Auge eines der sprechenden Seesterne blinkt in einem intensiven Blau. Doch nach einem harten Schnitt auf einen Regenschirm, der für ein paar Sekunden das komplette Bild ausfüllt, ist man positiv überrascht. Nicht nur aufgrund der Farbe. Denn die Einstellung leitet eine Szene ein, die an einem regnerischen Abend auf einem Bahnhof spielt, auf dem sich ein Reporter mit einem Wissenschaftler trifft. Dies wirkt überaus modern und so gar nicht aus dem Jahr 1956. In der Tat, was die Optik des Films betrifft, ist dieser seiner Zeit weit voraus. Ganz toll sind die Sequenzen, in denen Menschen in Tokio in den Himmel sehen, um nach den UFOs Ausschau zu halten. Wie gesagt, wirken diese nicht wie aus den 50er Jahren, sondern könnten genauso gut heute gedreht worden sein.

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Prof. Isobe spricht vor den Reportern über die drohende Gefahr.

Man hat gelegentlich den Eindruck, dass Koji Shima bei Orson Welles abgeguckt hat. Zwar wurde auch damals die Optik des Film gewürdigt, doch was die Handlung betrifft, so war man sich einig, dass „Warning from Space“ nicht viel hergibt. Und da hatten die Kritiker durchaus recht. Im Hinblick auf die Story wirkt der Film unglaublich naiv. Somit kommt es auch zu Szenen, die, trotz der genialen Optik, irgendwie dämlich wirken. So z.B. eine Szene, in der einer der Wissenschaftler mit einem in eine Frau transformierten Außerirdischen Tennis spielt. Bei jedem Schlag springt die Frau fast zwei Meter in die Höhe. Ob die Szene damals ernst gemeint war oder Shima diese mit einem Augenzwinkern bedacht hatte, bleibt unklar.

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„Keep watching the Sky!“ Hier ein Beispiel für die teils hervorragende Optik des Films. „Warning from Space“ (1956).

Auch ergeben sich mehrere Ungereimtheiten. Die vermeintliche Frau soll in dem Film eine bekannte Sängerin sein, welche die Aliens kopiert haben. Seltsam ist, dass die Wissenschaftler und Reporter sich über das Aussehen der Frau gar nicht wundern und diese nicht als eben jene Sängerin erkennen, im Gegensatz zu einer Gruppe Schülerinnen, die sie sofort kreischend umringen. Völlig überflüssig ist das plötzliche Auftreten eines Gangsters, der von einem der Wissenschaftler namens Isobe die Formel haben möchte, mit der man eine Bombe bauen kann, die um ein Vielfaches stärker als eine Atombombe ist. Isobe wird entführt. Doch auf seinem Finger trägt er einen Ring der Außerirdischen, mit dem eben jene Außerirdischen ihn jerderzeit lokalisieren können. Doch, und hier macht sich wieder die Unlogik der Story bemerkbar, als erstes kommen die als Menschen transformierten Aliens in das Forschungsinstitut und fragen, ob Isobe hier sei, worauf seine Kollegen meinen, dass sie ihn seit Tagen nicht gesehen hätten. Darauf erwidert die Alien-Frau, dass Isobe eben jenen Ring habe und sie ihn deswegen schnell finden könnten.

Auch „Warning from Space“ blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Anfang der 60er Jahre wurde er erneut aufgeführt. Erst bei seinem zweiten Anlauf wurde er auch in den USA gezeigt. Wie bereits erwähnt, ist der Film rein optisch durchaus bemerkenswert. Trotz seiner teils verpatzten Handlung ging „Warning from Space“ als erster SF-Farbfilm in die japanische Filmgeschichte ein. Wieso aber die Außerirdischen ausgerechnet wie Seesterne aussehen, bleibt eine andere Frage.

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