Bitter Wash Road – Ein harter Krimi aus Australien

Garry Disher beweist immer wieder aufs Neue, dass er zu den besten Krimiautoren unserer Zeit zählt. So auch in seinem Roman „Bitter Wash Road“, der zum Krimi des Jahres gewählt wurde.

„Bitter Wash Road“ ist nicht nur der Titel des Buches, sondern zugleich der Name einer Landstraße, die sich durch das australische Nirgendwo schlängelt. Eines Tages wird dort die Leiche einer jungen Frau gefunden. Anscheinend wurde sie überfahren. Der Polizist Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, der nach Tiverton strafversetzt wurde, ermittelt in dem Fall und deckt dabei Dinge auf, die andere lieber verschweigen wollen.

Wie auch in seinen übrigen Romanen, so erweist sich Disher auch hier als ein genauer Beobachter, der nicht nur das Verhalten der einzelnen Menschen studiert, sondern zugleich die gesamte australische Gesellschaft. Hier aus der Sicht eines Mannes, der zum verhassten Außenseiter katapultiert wurde, da er bei seiner vorherigen Dienststelle ein Netz aus Korruption ausgehoben hat, was vielen Polizisten ihren Job gekostet hat.

Dies hat sich schnell im Land herumgesprochen, sogar bis in das kleine Nest Tiverston. Dort scheinen die Bewohner nicht gerade gut auf die Polizei zu sprechen sein und sind daher verblüfft, dass Hirsch anders ist. Disher zeichnet in seinem Roman ein kaputtes System, in dem Inkompetenz, Rassismus und Korruption an der Tagesordnung stehen. Auf diese Weise wird Hirsch zu einem Kämpfer für Recht und Ordnung im doppelten Sinne: zum einen beim Lösen des Falles um die getötete junge Frau, zum anderen im Kampf gegen eine Clique Polizisten, die es auf ihn abgesehen haben.

All dies macht „Bitter Wash Road“ zu einem hervorragenden Krimi, von dem man sich wünscht, dass es mehr von dieser Sorte geben würde. Kurz: Ein spannender, erstklassig geschriebener Roman, der zurecht zum Krimi des Jahres gewählt wurde.

Leiser Tod – Der neue Krimi von Garry Disher

Der australische Schriftsteller Garry Disher gilt als einer der besten Kriminalautoren. Nominiert für den Booker Prize und Träger mehrerer anderer wichtiger Awards, gehen seine Romane weit über den Rahmen eines gewöhnlichen Krimis hinaus. Für ihn dient die Beschreibung der Polizeiarbeit nicht allein dazu, Spannung zu erzeugen, sondern um dadurch zugleich die moderne australische Gesellschaft zu analysieren.

So auch in seinem neuesten Roman „Leiser Tod“ („Whispering Death“), einem weiteren Roman aus der Inspector Challis-Reihe, in dem es gleich um mehrere Fälle geht, denen die Polizei von Waterloo nachgehen muss. Zum einen treibt sich ein brutaler Vergewaltiger in der Gegend herum, zum andern kommt es zu einer Reihe professioneller Einbrüche in Wohnhäuser reicher Leute.

Das interessante an „Leiser Tod“ ist, dass Disher darauf verzichtet, sich auf einen konkreten Fall zu konzentrieren. Vielmehr beschreibt er in dem Roman den Alltag der Polizei in der Kleinstadt Waterloo, in dem es die Ermittler mit mehreren Verbrechen gleichzeitig zu tun haben. Aus dieser Konstellation ergibt sich ein spannender Blick auf den ländlichen Raum Australiens, in dem nach und nach die einzelnen Fäden zusammenlaufen.

Im Fokus steht zum einen natürlich Inspector Challis, der Ärger mit seinen Vorgesetzten hat, da er die Probleme, mit denen die australische Polizei zu hat, öffentlich gemacht hat. Die Behörden geben lieber Gelder für Sportveranstaltungen aus als für die Ausstattung der Polizei. Kein Wunder also, dass die Kriminalitätsrate nach oben schießt, auch wenn die Behörden alles daran setzen, um die aktuellen Zahlen schön zu reden.

Zum anderen ist da Grace, eine professionelle Diebin, die nur in Luxushäuser einbricht, um ihre Beute später an einen Hehler zu verhökern. Allerdings steht auch sie vor einem Problem, denn ein frührerer Weggefährte ist ihr auf den Fersen, um sich an ihr zu rächen.

Disher verbindet all diese Handlungsstränge zu einem spannenden und dichten Ganzen, dem man sich nur schwer entziehen kann. Dabei skizziert er zugleich das Bild einer modernen Gesellschaft, in der die Moral kaum noch eine Rolle zu spielen scheint und die Individuen zunehmend verrohen. Egoismus ist an der Tagesordnung, und nur derjenige scheint obenauf zu schwimmen, der am besten weiß, wie man die anderen austricksen kann.

Garry Disher entwirft dadurch ein recht düsteres Bild Australiens, das sich durchaus auch auf andere Länder übertragen lässt. Liest man „Leiser Tod“, so hat man stets das Gefühl, dass die Gesellschaft kurz davor steht, im Chaos zu versinken, dass es nur mehr wenige Fäden gibt, die alles zusammenhalten. Dies macht den lesenswerten Roman zu einem konkreten Abbild unserer Zeit, die von sozialer Unsicherheit und sozialen Ängsten geprägt ist.

Garry Disher. Leiser Tod. Unionsverlag 2018, 347 Seiten, 22,00 Euro, ISBN: 978-3-293-00528-0