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Posts Tagged ‘Antike’

rhodosDer Koloss von Rhodos zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Angeblich soll er eine Art Leuchtturm in Gestalt einer gewaltigen Götterstatue gewesen sein, die den Eingang zum Hafen von Rhodos bewachte. Bis heute rätseln Historiker und Archäologen darüber, ob es dieses gigantische Bauwerk tatsächlich gegeben hat. Des Weiteren stellen sich Experten die Frage, wie diese monumentale Statue aufgrund ihres tonnenschweren Gewichtes überhaupt stehen konnte. Sollte es den Koloss von Rhodos wirklich gegeben haben, so lautet die einhellige Meinung, setzt dies ein ungeheures Maß an Know-how in Konstruktion und Materialverwertung voraus.

Unbeeindruckt von all diesen historischen Spekulationen und bauphysikalischen Rätseln, drehte der berühmte Regisseur Sergio Leone Anfang der 60er Jahre einen Film, der genau dieses Weltwunder zum Thema hat. Die Produzenten verlangten von ihm einen der damals in Mode gewesenen Sandalenfilme, in denen eingeölte Muskelmänner Römer verhauten. Leone aber widersetzte sich diesen Vorgaben und drehte einen Film, der das Wort monumental wirklich beanspruchen kann.

Die Handlung ist recht schnell erzählt: Der griechische General Darios erholt sich in Rhodos für ein paar Tage von seinen Kampfstrapazen. Er ist Ehrengast des Tyrannen Xerxes. Das ruhige, angenehme Leben ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Darios unvermittelt in einen Aufstand verwickelt wird, durch welchen Xerxes gestürzt werden soll. Intrigen und offene Konflikte durchziehen die gesamte Geschichte und kumulieren gegen Ende in einem gigantischen Spektakel, in dem Kämpfe, Erdbeben und weitere Naturgewalten sich zu einem einzigen Strudel der Ereignisse vermischen.

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Die Riesenstatue in Sergio Leones Erstlingswerk aus dem Jahr 1961; Copyright: e-m-s

Darios besitzt nicht die Charakterzüge eines Herkules, der etwas naiv, aber stets hilfsbereit die Unterdrückten von ihren Unterdrückern befreit. Im Gegenteil, er ist am politischen Leben stark interessiert und bildet sich darüber seine eigenen Meinung, die er gerne mit einer Prise Ironie verkündet, wie zum Beispiel: „Deine Insel des Friedens ist etwas turbulent“ oder: „Für eine Insel des Friedens sind zwei Morde am Tag ein bisschen viel“ oder: „Wenn das hier eine Insel des Friedens ist, dann ziehe ich den Krieg aber vor!“

Sergio Leones Erstling kennt in der Tat keine einzige friedliche Minute. Über 130 Minuten lang wird Darios gejagt, kommt es zu Kämpfen oder zu gemeinen Morden. Die letzte halbe Stunde gehört dabei zu den fulminantesten Actionszenen, die bis heute gedreht wurden: Noch während der Kampf zwischen den Truppen Xerxes‘ und den Aufständischen tobt, bricht ein gewaltiges Erdbeben los, bei dem die gesamte Stadt zerstört wird. Straßen reißen auf, Gebäude stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik. Der Kampf erreicht im schwankenden Koloss seinen Höhepunkt, bevor dieser schließlich – wie es in antiken Überlieferungen berichtet wird – ebenfalls zusammenbricht.

Der Film besticht jedoch nicht allein durch seine witzige Ironie und seine turbulente Action, sondern auch durch seinen deftigen, teils schwarzen Humor und seine Selbstironie, die beinahe den gesamten Film durchzieht.

Der Koloss von Rhodos (OT: Il colosso di Rodi), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Chitarini, Ennio De Concini, Produktion: Michele Scaglione, Darsteller: Rory Calhoun, Lera Massari, Gerges Marchal, Italien/Spanien/Frankreich 1961, 137 Min.

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monsterimmittelalterDer Germanist Rudolf Simek beschäftigt sich am liebsten mit dem Problem der Monsterdarstellungen in mittelalterlichen Texten und Bildern. Die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, hatte er bereits Anfang der 80er Jahre. Doch erst jetzt konnte er sein Projekt zu einem erfolgreichen Ende bringen.

„Monster im Mittelalter“, so der Titel des Werkes, beschäftigt sich mit den kulturhistorischen Hintergründen von Beschreibungen sog. Wundervölker und Fabelwesen aus dem Mittelalter. Simek geht dabei der Frage nach, aus welchem Grund diese Monster überhaupt beschrieben bzw. in Bildern dargestellt wurden. Handelte es sich dabei um Darstellungen realer Ungeheuer oder steckte dahinter etwas völlig Anderes?

Die Spur führt Simek und den Leser bis zurück in die Antike, als zum ersten Mal Berichte über Fabelrassen z.B. bei Plinius auftauchen. Richtig populär wurden die Beschreibungen dann in der „Alexanderdichtung“, welche den Feldzug Alexander des Großen beschreibt. Simek zufolge hatten die Darstellungen speziell in diesem Text die Aufgabe, den oder das Fremde zu stilisieren und dadurch einen Kontrast zwischen Alexander dem Großen und dem Anderen zu betonen. Es wurden, statt reale Beschreibungen abzuliefern, Sozialutopien geschaffen.

Da sich aber die Darstellungen der diversen Monster immer gleichen und sogar die Namen oder Bezeichnungen dieser Kreaturen immer wieder aufgelistet wurden, musste wohl mehr dahinterstecken als bloße Fantastereien.

So geht Simek der Frage nach, auf welche realen Umstände die jeweiligen Darstellungen zurückzuführen sind, ob auf genetische Defekte oder auf verallgemeinerte Missgeburten.  Eine weitere Frage lautet, ob diese Monster eher einen religiös-moralischen Zweck zu erfüllen hatten.

Rudolf Simeks Untersuchung über die Monster im Mittelalter ist eine spannende und informationsreiche Reise in ein bisher kaum erforschtes Sachgebiet. Lebendig und detailreich geht der Autor auf die unterschiedlichen Ungeheuer und ihre kulturhistorischen Wurzeln ein, lässt dabei auch nicht die Meeresungeheuer aus, und findet zum Schluss sogar eine Verbindung zu heutigen SF- und Fantasy-Romanen und Filmen, wobei dieses letzte Kapitel das eindeutig schwächste im ganzen Buch darstellt. In diesem Kapitel gibt es nicht nur falsche Angaben (z.B. nennt Simek als Autor von „Krieg der Welten“ den Schauspieler und Regisseur Orson Welles und nicht H. G. Wells), sondern die germanistische Perspektive schränkt den Blickwinkel stark ein. Obwohl der Ansatz durchaus interessant ist. Die eigentliche Untersuchung aber, die zum Schluss mit einem „Lexikon der menschlichen Monster im Mittelalter“ aufwartet, ist nicht nur für Monsterliebhaber von großem Interesse.

Rudolf Simek. Monster im Mittelalter. Die phantastische Welt der Wundervölker und Fabelwesen. Böhlau Verlag 2015, 345 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 978-3-412-21111-0.

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