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Posts Tagged ‘amerikanische Literatur’

Normalerweise lässt sich darüber streiten, inwieweit es sinnvoll ist, Klassiker neu zu übersetzen, besonders dann, wenn es bereits diverse Übersetzungen gibt, von denen behauptet wird, dass sie die besten und genauesten seien. Besonders gilt dies für die jetzige Zeit, in der es Neuübersetzungen nur so hagelt.  – Doch gibt es hier auch Ausnahmen.

Eine geradezu originelle Veröffentlichung ist kürzlich bei DTV erschienen. Man könnte fast sagen, dass hier jemand eine wirklich schöne Idee hatte. Der Autor, der neu übersetzt wurde, ist der Großmeister der Gänsehaut Edgar Allan Poe.

Es handelt sich dabei jedoch nicht um einfach irgendeine neue Sammlung seiner Erzählungen, sondern um eine ganz spezielle Veröffentlichung, nämlich um die Zusammenstellung, die Poe-Fan Charles Baudelaire 1856 veröffentlichte. Baudelaire war von dem amerikanischen Schriftsteller mehr als nur begeistert. In seinem Nachwort gibt er zu, dass er sich von Eddie, wie Baudelaire ihn liebevoll nannte, ganz falsche Vorstellungen machte. Er glaubte, dass ein solches Genie von seinen Veröffentlichungen leben könne und daher reich und angesehen sei. Wie erstaunt war er dann, als er erfuhr, dass Poe zeit seines Lebens an Geldmangel litt.

Edgar Allan Poe (1809-1849)

Um Edgar Allan Poe in Frankreich und letztendlich auch in Europa bekannt zu machen, beschloss Baudelaire, eine fünfbändige Sammlung von Poes Erzählungen herauszugeben. Der erste Band dieser Sammlung ist nun bei DTV unter dem Titel „Unheimliche Geschichten“ erschienen. Im Original lautet der erste Band „Histoires Extraordinaires“ , also eigentlich „außergewöhnliche Geschichten“. Und in der Tat trifft der französische Titel den Inhalt des ersten Bandes besser als derjenige der deutschen Übesetzung, handelt es sich hierbei doch vor allem um eine Art Überblick über die unterschiedlichen Genres, in denen Poe tätig gewesen war.

So befinden sich darin sowohl die berühmten Kriminalgeschichten um den Privatermittler Auguste Dupin, als auch zwei von Poes genialen Satiren, aber ebenso eine Auswahl seiner unheimlichen Geschichten, wie etwa „Die Fakten im Fall M. Valdemar“. Andreas Nohl hat diese Klassiker wunderbar übersetzt. Es macht Spaß, Poe auf diese Weise neu zu entdecken.

Charles Baudelaire (1821-1867)

Der Band beinhaltet ebenfalls Schriften von Charles Baueldaire über Poe (übersetzt von Kristian Wachinger). Hierbei vor allem hervorzuheben ist der etwa dreißigseitige Überblick über Poes Leben und Werk, in dem der Dichter der „Blumen des Bösen“ nicht nur seiner Bewunderung über Poe Ausdruck verleiht, sondern viele interessante Informationen wiedergibt, wie z.B. Francis Osgoods liebevolle Erinnerung an ein Treffen mit Poe und dessen Frau.

Nicht weniger wichtig zu erwähnen, ist die wundervolle Aufmachung des Bandes. Dem DTV-Verlag ist hier ein sehr schönes Buch gelungen, das man eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch ein netter grafischer Gag ist gelungen: Auf dem Cover befindet sich die Zeichnung eines Schwans. Nimmt man den Schutzumschlag herunter, so ist auf dem Einband derselbe Schwan als Skelett abgebildet. Nein, an dieser Ausgabe gibt es nichts zu meckern. Besser hätte man Edgar Allan Poe nicht neu veröffentlichen können.

Edgar Allan Poe. Unheimliche Geschichten. Hausgegegben von Charles Baudelaire. DTV 2017, 421 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978-3-423-28118-8

 

 

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Jack Kerouac (1922 – 1969) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation. Mit seinem Roman „On the Road“ verfasste er einen seiner größten Erfolge und wurde zum gefeierten literarischen Star. Die Geschichte von Jack Duluoz und seines Freundes Cody, die quer durch die USA reisen, sich um nichts großartig kümmern, sondern im Grunde genommen eine Dauerparty feiern, schrieb Kerouac zwar bereits 1951, wurde aber erst 1957 veröffentlicht.

Der Ruhm aber fraß Kerouac regelrecht auf. Drogen und Alkohol trieben ihn in eine Krise, hinzu kam die ständige Belestigung von Fans, die sogar in sein Haus eindrangen, um mit ihm eine Party zu feiern.

Um diese Phase seines Lebens zu verarbeiten, verfasste Jack Kerouac 1961 den Roman „Big Sur“, wie „On the Road“ ein autobiographisch geprägter Roman, in dem Jack Duluoz, der inzwischen ein gefeierter Autor ist, vor seinen Fans in eine Ferienhütte flieht. Völlig abgeschieden von der Öffentlichkeit verbringt er dort drei Wochen, bevor er wieder zurück nach San Francisco kehrt.

Eigentlich hofft Jack, sich in der Einsamkeit von dem ganzen Rummel um seine Person erholen zu können. Nachdem er jedoch wieder bei seinen Freunden ist und er erneut mit dem Trinken beginnt, kommt es zum psychischen Zusammenbruch …

Jack Kerouac (1956)

Wenn man will, könnte man „Big Sur“ als die direkte Fortsetzung von „On the Road“ betrachten. Während der erste Roman allerdings von einer nicht versiegenden Lebensfreude und einem wahren Lebensrausch erfüllt ist, so schleichen sich in „Big Sur“ mehr und mehr düstere Töne ein. Wie auch „On the Road“, so verfasste Kerouac „Big Sur“ ebenfalls in einem rasenden Schreibstil, nur dass er dieses Mal sein Alter Ego Jack Duluoz in einen psychischen Abgrund reißt.

Jack kann einfach nicht mehr aufhören mit dem Trinken. Er nimmt keine Nahrung mehr auf, sondern frönt ständig nur dem Alkohol. Wenn kein Wein oder Schnaps in der Nähe ist, beginnen bei ihm sofort die Entzugserscheinungen. Jack Kerouac blickt in „Big Sur“ hinter die Fassade seines eigenen Ruhms, beschreibt beinahe minutiös seinen psychsichen Verfall. Der Roman treibt den Leser genauso mit sich wie „On the Road“, doch herrschen in der Quasi-Fortsetzung eher finstere Farben, eine unheimliche Ernücherung macht sich breit, der Figur Jack wird auf einmal klar, dass er nie an die Konsequenzen seines Dauer-Spaßes gedacht hat.

„Big Sur“ ist ein düsterer Sprachrausch. Jack Kerouacs atemloser Schreibstil lässt den Leser in geradezu rasendem Tempo durch die Geschichte gleiten, die tragisch, aber nicht ohne Witz, auf eine unaufhaltbare Katastrophe zusteuert. Es macht den Eindruck, als würde Jack mit hundertachtzig Sachen auf eine Mauer zu rasen. Ein toller Roman, der noch lange in einem nachhallt.

Jack Kerouac. Big Sur – Die Zerstörung. Festa Verlag 2017, 320 Seiten, 16,80 Euro, ISBN: 978-3-86552-504-8

 

 

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