FuBs Fundgrube: „Kontrolle“ von Robert Charles Wilson

Cover der im Heyne-Verlag erschienenen Übersetzung

Robert Charles Wilson zählt zu den bekanntesten SF-Autoren. Sein Roman „Kontrolle“ (OT: „Burning Paradise“) hat vor allem in Deutschland die Gemüter gespalten. In den USA sah es da anders aus, wo sein Roman mehr positive als negative Kritiken erhielt.

„Kontrolle“ hat mich irgendwie an die Romane von John Christopher erinnert, in denen es gelegentlich darum geht, wie die Protagonisten durch eine durch eine Katastrophe veränderte und zerstörte Gesellschaft wandern (z.B. „Inseln ohne Meer“, „Die dreibeinigen Monster“). Etwas in dieser Art geschieht auch in Wilsons „Kontrolle“. Es geht darum, dass die Menschheit von einer außerirdischen Intelligenz beherrscht wird, die dafür sorgt, dass Großkonflikte wie Kriege nicht mehr stattfinden. So hat es seit dem Ersten Weltkrieg keine weiteren weltweiten Konflikte mehr gegeben. Doch macht sich plötzlich eine bedrohliche Veränderung bemerkbar. Denn sog. Simulakren (Außerirdische, die sich als Menschen tarnen) tauchen auf, die Jagd auf Wissenschaftler machen, welche versuchen, das Geheimnis der fremdartigen Intelligenz zu lösen.

„Kontrolle“ ist ein Roman, der einen wunderbar unterhält. Dabei muss betont werden, dass bereits von Anfang an klar ist, dass diese außerirdische Intelligenz die Erde beherrscht. In diesem Sinn berschreibt Wilson von der ersten Seite an eine Alternativwelt, in der es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hat und in der bestimmte Erfindungen wie Computer über ein bestimmtes Entwicklungslevel nicht hinausgekommen sind. Im Kern aber geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die vor den Außerirdischen fliehen und dabei quer durch die USA reisen.

Mit Sicherheit hätte Wilson mehr aus seiner Idee machen können, besonders im Hinblick auf die veränderte Weltgeschichte. Aus diesem Grund liest sich der Roman dann auch wie eine Mischung aus SF und Roadtrip, wobei die Jugendlichen immer wieder in gefährliche Situationen geraten. Erst ab der zweiten Hälfte des Romans werden die SF-Elemte deutlicher, wobei es auch zu der einen und anderen überraschenden Wendung kommt.

Ob Wilson mit „Kontrolle“ einen Jugendroman vorlegen wollte, ist schwer zu beurteilen. Teils scheint es so, teils ist der Roman dann doch eher für ein älteres Lesepublikum. Wie gesagt, erinnert der Roman an die Werke John Christophers, daher wäre es durchaus möglich, dass dies Wilsons Hommage an diesen großartigen SF-Schriftsteller darstellt.

In Deutschland erlebte der Roman leider keine zweite Auflage (er erschien 2017, – in den USA bereits 2013) und ist nur noch antiquarisch zu erhalten. „Kontrolle“ ist mit Sicherheit nicht Wilsons bester Roman, dennoch ist er recht spannend und überaus flüssig zu lesen.

Robert Charles Wilson. Kontrolle. Heyne Verlag 2017, 398 Seiten

Das Ende der Menschheit – Der neue SF-Roman von Stephen Baxter

Mit seinem neuesten Roman spinnt der bekannte SF-Autor Stephen Baxter die Geschichte von H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ weiter. 14 Jahre sind seit dem Angriff der Marsianer auf die Erde vergangen. Die marsianische Technologie hat den sozialen Wandel und den Modernisierungsprozess der Gesellschaften beeinflusst. Doch da kommt es zu einem neuen Angriff und die Menschheit muss sich erneut gegen die Invasoren verteidigen.

Baxter schildert die Geschehnisse um diese zweite Invasion aus der Sicht einer Journalistin. Dabei entwirft er ein alternatives Geschichtsmodell, das zugleich bespickt ist mit Anspielungen auf weitere klassische SF-Romane. Zu erwähnen wäre hier vor allem Sakis „Als Wilhelm kam“. Auch bei Baxter hat Deutschland einen Krieg (alternativ zum Ersten Weltkrieg) gewonnen und herrscht nun über ganz Europa – teilweise auch über England.

Dies schafft Baxter viel Raum für ironische und satirische Anspielungen, die teils zwischen den Zeilen versteckt sind, teils offen hervortreten und nicht nur die Splendid Isolation betreffen. Sehr schön ist z.B. wie die englischen Behörden auf emanzipierte Frauen reagieren und der Journalistin am liebsten ein Einreiseverbot erteilen wollen. Durchaus interessant ist auch der Schreibstil, den Baxter für „Das Ende der Menschheit“ gewählt hat, da dieser sich an den klassischen SF-Romanen orientiert.

Auch bei den späteren Kriegsszenen bleibt Baxter diesem Stil treu. Für den einen oder anderen Leser mag dies gewöhnungsbedürftig sein. Wer sich aber mit den klassischen Romanen (nicht nur von Wells) beschäftigt, wird darin durchaus einen angenehmen Witz finden. Insgesamt ließt sich das Buch dann auch tatsächlich wie ein Roman aus den 20er Jahren, was durchaus Baxters Können unterstreicht.

„Das Ende der Menschheit“ ist bespickt mit witzigen und interessanten Ideen, manchmal wirkt die Story zwar etwas umständlich konzipiert, doch alles in allem ist „Das Ende der Menschheit“ ein spannender und durchaus gelungener SF-Roman, der irgendwo zwischen Alternativwelt- und Invasionsroman anzusiedeln ist.

Stephen Baxter. Das Ende der Menschheit. Heyne Verlag 2017, 588 Seiten, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-453-31845-8