Die 90er: Judge Dredd (1995)

Judge Dredd (Sylvester Stallone) im Einsatz; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Die Kritiken waren damals überwiegend schlecht, dennoch wurde die Comic-Verfilmung „Judge Dredd“ zu einem großen Erfolg. Eigentlich war Arnold Schwarzenegger für die Hauptrolle vorgesehen und Richard Donner hätte Regie führen sollen. Doch dann wurde Sylvester Stallone für die Rolle des Judge Dredd engagiert und Danny Cannon, der hauptsächlich im TV-Bereich tätig ist, führte Regie.

Die Handlung spielt ca. 2080, fast die ganze Erde ist verwüstet. Die Menschheit konzentriert sich auf Megastädte, die mit hohen Mauern umgeben sind. Verbrechen und Chaos haben Hochkonjunktur. Um dennoch Recht und Ordnung zu schaffen, wurde eine Eliteeinheit gegründet, die sog. Judges. Der bekannteste unter ihnen ist Judge Dredd. Doch eines Tages wird ihm ein Mord angehängt und er soll lebenslang ins Gefängnis. Als jedoch der Gefangenentransporter abstürzt, befreit sich Dredd und nimmt die Chance war, um denjenigen aufzuspüren, der ihn beseitigen wollte …

Mit jeder Menge Action ballert sich Dredd durch Megacity, nicht nur, um den Bösewicht aufzuspüren, sondern auch, um das Geheimnis seiner eigenen Herkunft zu lösen. Dies alles mit Staraufgebot. Neben Stallone sind Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Diane Lane, Armand Assante und Joan Chen mit von der Partie.

Ein bisschen warm heute; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Vor allem, und selbst damalige Kritiker konnten dem nicht widersprechen, stechen in dem Film die großartigen Kulissen in die Augen. Schön gemacht ist hierbei vor allem, dass trotz der gewaltigen Größe von Megacity es Regisseur Danny Cannon gelingt, diese klaustrophobisch anmutende, menschenüberfüllte Enge darzustellen. Nirgendwo gibt es einen freien Platz, überall drängeln sich die Bewohner, hinzu kommt die ständige Bedrohung durch Gewalt.

Schön an dem Film ist ebenfalls, dass trotz des Actionschwerpunkts das eigentliche Thema nicht aus den Augen gelassen wird. Es geht um ethische und moralische Fragen und um grundlegende Fragen im Hinblick  auf Macht und Herrschaft. Teils in Form eines politischen Dramas, teils mit viel Selbstironie und schwarzem Humor handelt der Film diese Themen ab, wobei Dredds Kollegin Judge Barbara Hershey stets die Rolle des Gewissens zukommt.

In der Neuadaption von 2012 mit dem Titel „Dredd“ wird speziell diese Thematik so gut wie gar nicht berücksichtigt, was nicht heißt, dass „Dredd“ ein schelchter Film ist. Im Gegenteil, Regisseur Pete Travis schuf damit einen düsteren und erstklassigen Actionfilm. Mit dem eher verspielten „Judge Dredd“ aus dem Jahr 1995 hat „Dredd“ in seiner Machart fast nichts mehr zu tun. John Wagner, der die Figur des Judge Dredd 1977 erfand, war von Danny Cannons Version enttäuscht. Dagegen lobte er die Neuverfilmung, die auch bei Comic-Fans besser ankam.

Nichtsdestotrotz ist „Judge Dredd“ eine wunderbare Mischung aus Action, Humor und Science Fiction. Kurz: immer wieder sehenswert.

Judge Dredd. Regie: Danny Cannon, Drehbuch: Steven E. De Souza, William Wisher, Produktion: Charles M. Lippincott, Beau E. L. Marks, Darsteller: Sylvester Stallone, Armand Assante, Diane Lane, Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Joan Chen. USA 1995

 

 

Die 90er: Firestorm – Brennendes Inferno (1998)

Rettung in letzter Sekunde; „Firestorm“ (1998); © 20th Century Fox

Eigentlich hätte Sylvester Stallone die Hauptrolle bekommen sollen. Doch bevor das Projekt überhaupt nur ansatzweise umgesetzt werden konnte, ging die Produktionsfirma, die aus „Firestorm“ einen superteuren Actionfilm machen wollte, pleite. Das Projekt griff ein paar Jahre später 20th Century Fox auf. Das Budget wurde so minimal wie möglich gehalten und statt Stallone spielte nun der Ex-Footballspieler Howie Long die Hauptrolle.

Es geht um eine Gruppe sog. Smokejumper, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Menschen von einem Waldbrand überrascht werden oder vom Feuer eingeschlossen sind. Eines Tages kommt es gleich zu zwei Zwischenfällen: zum einen bricht ein unvorhergesehenes Feuer aus, zum anderen ist ein psychopathischer Mörder entflohen, der nun zusammen mit einer Gruppe Schwerverbrecher durch den Wald streift. Jesse Graves und sein Team haben also alle Hände voll zu tun.

Von Anfang an erhielt der Film fast ausnahmslos schlechte Kritiken, was dazu führte, dass „Firestorm“ an den Kinokassen mächtig floppte. Doch heißt das nicht, dass der Film tatsächlich schlecht ist. Nun ja, die Handlung kommt recht uninspiriert daher und erinnert ein wenig an „Cliffhanger“, nur dass hier die Berge mit einem Wald(brand) vertauscht wurden. Auch besitzt Hauptdarsteller Howie Long nicht die Ausstrahlung, um den Film meistern zu können, auch wenn er recht sympathisch rüberkommt.

Dennoch bietet der Film von Anfang an tolle Unterhaltung, und etwas anderes erwartet man ja auch nicht. Regie führte Dean Semler, der eigentlich als Kameramann tätig ist und u. a. mit Kevin Costner zusammengearbeitet hat, wobei er für „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) einen Oscar erhielt. In „Firestorm“ macht er aus dem geringen Budget, das er für die Produktion erhielt, das beste draus. Die Actionszenen sind hervorragend umgesetzt, und das Feuer heizt einen so richtig ein. Und wenn dann zwischendurch auch noch David Bowies „Putting out Fire“ (auch bekannt unter dem Titel „Cat People“) erklingt, während die Kamera auf den beginnenden Waldbrand zuschwebt, dann weiß jeder Actionfilmfan, dass es jetzt erst so richtig losgeht. Denn die beiden Handlungsstränge Waldbrand und Feuerwehrmann kämpft gegen Psychopathen (gespielt von dem auf Bösewichte abonnierten Schauspieler William Forsythe) steuern unweigerlich auf den Feuersturm zu, der dann auch das großartige Finale bildet.

Kurz und knapp: „Firestorm“ ist solide Actionunterhaltung, die immer wieder Spaß macht.

Firestorm – Brennendes Inferno (Firestorm). Regie: Dean Semler, Drehbuch: Chris Soth, Produktion: Joseph Loeb, Matthew Weisman, Darsteller: Howie Long, William Forsythe, Scott Glenn, Suzy Amis. USA 1998