K-Horror 2014 oder Das war wohl nichts

Es ist verwunderlich. 2013 schien es so, als würde K-Horror in stylischer Form reanimiert werden. Filme wie „Doctor“ oder „Killer Toon“ sorgten für großen Beifall. Die Filme waren hervorragend konzipiert und erstklassig umgesetzt. Zu jenem Zeitpunkt war die Behauptung angebracht: K-Horror ist wieder im Rennen.

A Touch of Unseen
„A Touch of Unseen“ (2014)

Doch weit gefehlt. Die Euphorie, die durch die Filme, welche 2013 veröffentlicht wurden, ausgelöst wurde, war verfrüht. Denn 2014 versenkte sich K-Horror quasi selbst. Die ersten beiden Filme gaben allerdings noch Hoffnung. „Mourning Grave“ ließ den koreanischen Schulhorrorfilm nochmals aufleben. Die Produktion war zwar kein Knaller, dennoch präsentierte sie nostalgisch geprägte K-Horror-Atmosphäre mit Witz, Ironie und durchaus unheimlichen Momenten. Auch die erste Horrorproduktion aus dem Jahr 2014 mit dem Titel „A Touch of Unseen“ zeigte durchaus interessantes Kino, auf dem man hätte aufbauen können. – Genaue Besprechungen zu diesen Filmen findet ihr hier auf dem Blog.

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„The Tunnel“ (2014)

Doch im Laufe des Sommers, und dies ist bekanntlich die Saison, in welcher koreanische Horrorfilme in die Kinos kommen, wurde man nur noch enttäuscht. Ein Desaster reihte sich an das andere. Dämliche Storys, schlechte Visualisierungen, keine Ideen. Um die Zuschauer dennoch in die Kinos zu locken, wurde z. B. „The Tunnel“ als 3D-Horrorschocker beworben. Was der Film aber in Wahrheit ist, bemerkte man bereits nach den ersten paar Minuten: ein langweiliges, sinnloses Etwas. FILM und BUCH verabreichte dem Machwerk eine glatte Sechs. Der Film, der in einem stillgelegten Bergwerksstollen spielt, klaut gelegentlich von dem 80er Jahre-Klassiker „My bloody Valantine“, schafft es dabei aber nicht einmal, die „Klaumente“ gekonnt in den Film einzufügen, sondern versagt im Grunde genommen auf ganzer Linie. Um es auf den Punkt zu bringen: „The Tunnel“ ist so schlecht, dass es schon weh tut.

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„Manhole“ (2014)

Genauso miserabel ist „Manhole“, der als eine Mischung aus Psycho- und Horror-Thriller beworben wurde. Es geht um einen wahnsinnigen Killer, der Frauen in Kanalöffnungen zerrt. Ähnlich wie in „Tunnel“ versuchte man, sich am US-Horrorkino der frühen 80er Jahre zu orientieren, schaffte es aber nicht. „Manhole“ ist von der ersten Minute an uninteressant. Die Story ist komplett vorhersehbar, das Ende vollkommen dämlich und zwischendurch quält sich der Zuschauer von einer Minute zur nächsten und hofft nur noch, dass dieser Sch… aufhört.

Nein, 2014 war alles andere als ein Jahr des koreanischen Horrorfilms. Junge Regisseure wurden für miserable Produktionen verheizt, um die Kosten niedrig zu halten. Leider waren die Regisseure vollkommen unbegabt. Ihre Arbeiten wirken unbeholfen, haben weder Hand noch Fuß und sind zudem optische Rohrkrepierer.

Im Gegensatz zum Horrorgenre, konnten allerdings koreanische Thriller und Historienfilme erneut Punkte einfahren. Hier wurden die Produktionen aufwendiger und ästhetisch ausgereifter. K-Horror aber ist ein Genre, dessen Zeit nun endgültig vorbei zu sein scheint.

A Touch of Unseen – Koreas Horrorfilm-Saison beginnt „Low“

Nachdem im vergangenen Jahr Südkoreas Filmindustrie K-Horror mit ein paar bemerkenswerten Filmen reanimierte („Killer Toon“ und der schwarzhumorige Thriller „Doctor“ gehören zu den besten Filmen, die das Genre bisher hervorgebracht hat), waren wir natürlich gespannt, wie es dieses Jahr damit weitgehen würde. Anfang Mai war es dann endlich soweit. Auf dem Jeonju International Film Festival hatte „A Touch of Unseen“ seine Weltpremiere.

A Touch of Unseen
A Touch of Unseen (Gwi-Jeob, 2014). Offizielles Kinoplakat.

Der Originaltitel lautet „Gwi-Jeob“, was in etwa „Von einem Geist besessen“ bedeutet. Regie führte Lee Hyeon-Cheol, der mit dieser Produktion sein Debut feiert. Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, die von einem Geist heimgesucht werden. Die Heimsuchung erfolgt jedoch auf eine sehr heimtückische Weise. Denn der Geist vergewaltigt die Frauen, während sie schlafen. Um allem noch einen Hauch von Suspense zu verleihen, würzt Lee seinen Erstling mit einem Stalker, welcher die jüngere Schwester verfolgt.

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A Touch of Unseen (Szenenfoto)

Für Lees Debut stand nicht viel Geld zur Verfügung. Um genau zu sein, das Budget war so niedrig, dass nicht einmal Geld für genügend Scheinwerferlicht vorhanden war. Die Wohnungen der beiden Schwestern gleichen sich so sehr, dass man geneigt ist, zu vermuten, die Szenen seien in ein und derselben Wohnung gedreht worden. Doch Lee macht aus der Not eine Tugend. Das geringe Budget, das unweigerlich mit einer geringen Ausstattung verbunden ist, benutzt der junge Regisseur, um sozialkritische Statements einzuweben. Die Wände der Wohnungen sind kahl und vermitteln dadurch eine deprimierende Leere. Die kleinen Esstische wirken wenig einladend. Lee skizziert damit eine soziale Kälte, die sich bis hinein in die Privatleben der Individuen erstreckt. Auch die überlange Liebesszene zwischen der jüngeren Schwester und ihres damaligen Freundes und jetzigen Stalkers wirkt alles andere als erotisch. Vielmehr zeigt sich auch hier eine soziale Kälte, eine vollkommene Lieblosigkeit. Die Protagonisten wirken völlig verloren. Eine auf diese Weise kreierte Sozialkritik hat es im bisherigen modernen koreanischen Kino noch nicht gegeben. Es scheint fast so, als habe sich Lee Hyeon-Cheol an den düsteren skandinavischen Thrillern orientiert.

Stellenweise erscheint die Optik des Films ein wenig unbeholfen. In manchen Szenen klammert sich Lee an die Kameraarbeit des Thrillers „Hide and Seek“, der vergangenes Jahr für eine sensationelle Überraschung sorgte. Gleichzeitig schimmert die Atmosphäre der Horrorfilme der 70er Jahre durch, in denen es nicht selten um Besessenheit ging. Dies spiegelt sich auch in der Filmmusik wider. Es ist kaum zu glauben, doch „A  Touch of Unseen“ dürfte der erste koreanische Horrorfilm sein, in dem psychedelische Musik verwendet wurde. Der Soundtrack ist überaus interessant und versetzt den Zuschauer beinahe in Trance.

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A Touch of Unseen (Szenenfoto)

Die Frage, die man sich nun stellen kann, lautet, aus welchem Grund man eine Low Budget-Produktion für die „Saison-Eröffung“ ins Rennen schickte. Der Grund dürfte folgender sein: vergangenes Jahr waren es vor allem Low Budget-Produktionen, die für viel Diskussionen sorgten und überraschende Erfolge einfuhren. Neben „Hide and Seek“ war „The Terror Live“ ein grandioser Wurf eines Regieneulings. Wahrscheinlich wollte man auf diesen Erfolgen aufbauen. Doch kann man jetzt schon sagen, dass „A Touch of Unseen“ ein solcher Erfolg nicht vergönnt sein wird. Dafür geschieht zu wenig, dafür ist der Film zu ruhig und dafür ist Lees Arbeit zum Großteil zu TV-lastig.

Dennoch ist dieser Film sehenswert und wird einen gewissen, wenn auch kleinen, Erfolg für sich verbuchen können.