The 80s: Waxwork (1988)

waxworkIm Grunde genommen könnte man das Thema Wachsfigurenkabinett als eigenes Subgenre innerhalb des Horrorfilms eingliedern. Seit den 30er Jahren taucht beinahe regelmäßig ein Film auf, der Wachsfiguren als unheimliches Beiwerk aufweist. Ende der 80er Jahre hat sich auch Trash-König Anthony Hickox (Sohn des Horrorregisseurs Douglas Hickox) an diese Thematik herangewagt und eine Horrorkomödie gedreht, die nicht nur urkomisch, sondern auch etwas origineller ist als seine Vorgänger.

In einer amerikanischen Kleinstadt wird mitten in einem Wohnort ein Wachsfigurenkabinett mit dem Namen Waxwork eröffnet. Einer Gruppe Teenager kommt dies seltsam vor. Doch noch eigenartiger wird es, als plötzlich der Besitzer vor ihnen erscheint und sie zur Mitternachtspremiere einlädt. Nach kurzem Überlegen, beschließen sie, der Einladung zu folgen. Allerdings mit fatalen Folgen. Denn die Wachsfiguren stellen die weltweit gemeinsten und bösartigsten Menschen und Monster dar, die nach Blut gieren, um ihr altes Leben zurückzuerhalten.

Der Film will nichts anderes, als den Zuschauern eineinhalb Stunden bei Laune halten. Und genau das gelingt ihm auch. Hier ist nichts ernst und wird auch nichts ernst genommen. Die eingefügten Splatterszenen sind nicht nur herrlich ironisch, sondern auch so witzig eingearbeitet, dass sie beinahe schon wie Slapstickeinlagen wirken. Gewürzt ist der Film mit einer Reihe skurriler Ideen, bei denen sich Anthony Hickox als Meister seines Fachs erweist. Er unterbricht immer wieder die eigentliche Handlung, um Platz zu machen für eine Reihe grotesker Episoden, in denen die Jugendlichen in jeder Hinsicht den Kürzeren ziehen. Als Gegner werden sie von Dracula, einem Werwolf oder auch vom Marquis des Sade empfangen, wobei die Gags gut platziert sind und speziell bei der Dracula-Episode, bei der jeder einmal über das bereits angenagte Vampiropfer stolpert, auch richtig wehtun.

Anthony Hickoxs Film kann man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Entweder man sieht darin lediglich eine Horrorkomödie oder man erkennt darin eine Andernanderreihung an Zitaten aus bekannten Horrorfilmen. Beides kombiniert Hickox im Stil einer Teeny-Komödie, wobei er den Witz fast schon bis zum Klamauk steigert, dabei aber nie den Faden verliert, sondern die Story innerhalb des vorgegebenen Rahmens auf originelle Weise vorantreibt. Die Geschehnisse geraten mehr und mehr außer Rand und Band, bis es im Finale zu einem regelrechten Monsterdurcheinander kommt. „Waxwork“ gehört zu den Klassikern des 80er Jahre Horrorfilms, in dem sich Genrestars wie Patrick Mcnee, David Warner und John-Rhys Davis die Klinke in die Hand geben. 1992 folgte das Sequel, das sich ebenfalls auf gekonnte Weise als eine Mischung aus Humor und Horrorfilmzitaten versucht.

Waxwork – Eine Reise zurück in die Zeit (OT: Waxwork), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Staffan Ahrenberg, Darsteller: Zach Galligan, Deborah Foreman, David Warner, Patrick Macnee, Dana Ashbrook, John-Rhys Davis. USA 1988, Laufzeit: 93 Min.

The 80s: Society (1989)

societyProduzent und Regisseur Brian Yuzna ist hauptsächlich durch seine irrwitzige Lovecraft-Adaption „Reanimator“ (1984) bekannt. Schon damals bewies er, dass man ihm in Sachen Puppen- und Make Up-Effekte nichts vormachen muss. Dieser gelungenen Achterbahnfahrt setzte Yuzna 1989 mit „Society“ noch eines oben drauf.

Es geht darin um den Schüler Bill Whitney, dem in seiner Familie und seiner Nachbarschaft plötzlich seltsame Dinge auffallen. Seine Schwester soll in die Gesellschaft aufgenommen werden. Ein großer Abend ist geplant. Doch wieso verhalten sich Bills Eltern und seine Schwester auf einmal so anders? Und vor allem, was ist eigentlich die Gesellschaft? Bill möchte hinter das Geheimnis kommen und gerät dabei in Lebensgefahr …

Brian Yuzna arbeitete immer wieder mit dem japanisch-amerikanischen Effektkünstler Screaming Mad George zusammen, der für seine bizarren und außergewöhnlichen Make Up- und Puppeneffekte bekannt ist. In „Society“ durfte er seinen Hang zum Surrealismus mal so richtig ausleben. Kein anderer Film kommt den Transformationen, die in „Society“ gezeigt werden, auch nur im Ansatz nahe. Was Screaming Mad George kreierte, lässt sich im Grunde genommen nicht beschreiben. Es ist geradezu einzigartig. Yuzna sagte später in einem Interview, dass die Transformationsszenen auf seinen eigenen Albträumen basierten.

Doch ist „Society“ kein Film, der allein um der Effekte willen gedreht wurde. Das Gegenteil ist der Fall, denn Brian Yuzna liefert mit diesem Klassiker des Horrorfilms eine bitterböse Satire auf Kapitalismus und Gesellschaft. Habgier und Rücksichtslosigkeit kennzeichnen die „Gesellschaft“ in Yuznas teilweise an das Paranoia-Kino der 50er Jahre angelehnten Film. Und natürlich das sich gegenseitge Anbiedern und Anschleimen, um an seine eigenen Ziele zu kommen. Besonders letzterem hat der Film ein eindeutiges Denkmal gesetzt. Muss man eigentlich erwähnen, dass die FSK-Stelle den Film 1990 indizierte? Es ist erstaunlich, dass vor allem Horrorfilme, deren Sozialkritik eindeutig erkennbar ist, unseren FSKlern ein Dorn im Auge sind. Erst 2010 wurde die Indizierung aufgehoben. Die Kritik, die „Society“ übt, ist, trotz ihrer herrlichen Ironie und des schwarzen Humors, überaus ernst gemeint und heute aktueller denn je, was den Film zeitlos erscheinen lässt.

Society. Regie: Brian Yuzna, Drehbuch: Woody Keith, Rick Frey, Produktion: Paul White, Darsteller: Billy Warlock, Devon Devasques, Evan Richards, Ben Meyerson, Charles Lucia. USA 1989, Laufzeit: 95 Min.

The 80s: Gothic

gothicplakatDie Geschichte des Romans „Frankenstein“ ist verbunden mit Mary Shelleys Aufenthalt in der Villa Diodati am Genfer See. Dorthin reiste sie zusammen mit ihrem Mann Percy, um Lord Byron zu besuchen, der dort zusammen mit seinem Leibarzt John Polidori wohnte. Die Tage waren jedoch völlig verregnet, sodass sie die Villa kaum verlassen konnten. Die Abende verbrachten sie daher damit, sich gegenseitig deutsche Gespenstergeschichten vorzulesen.

Dieser Sommer des Jahres 1816 gilt als die Geburtsstunde der Horrorliteratur. Polidori dachte sich die Erzählung „Der Vampyr“ aus und schuf mit seiner Figur Lord Ruthvan zugleich den Prototypen des sinnlich-galanten Vampirs, wie er auch heute noch in Filmen und Romanen dargestellt wird. Byrons Vampirgeschichte blieb unvollendet. Mary Shelley dachte in eine ganz andere Richtung. Sie überlegte sich die Geschichte eines künstlich geschaffenen Menschen, dessen Leben so unglücklich verläuft, dass er auf schreckliche Rache sinnt.

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Percy Shelley (Julian Sands), Mary (Natasha Richardson) und Polidori (Timothy Spall) in der Villa Diodati; „Gothic“ (1986), Copyright MGM.

Der britische Regisseur Ken Russell, der bereits davor durch Filme wie „Der Höllentrip“ (1980) oder der Groteske „Lisztomania“ (1975) mit dem Horror- bzw. Phantastikgenre geliebäugelt hatte, verarbeitete eben jene Nacht, in der die Idee zu „Frankenstein“ geboren wurde, 1986 in einen Horrorfilm, der zwar an den Kinokassen floppte, doch später in seiner Zweitverwertung als Videofilm seinen verdienten Erfolg erlangte.

Erzählt wird darin genau die oben geschilderte Handlung. Allerdings würzt Russell diese mit seinem Sinn fürs Bizarre und Schräge. Denn in eben jener Nacht, in der sich die Bewohner der Villa unheimliche Geschichten vorlesen und danach das Spiel des Geschichtenerfindens beginnen, geschehen in und um das Haus herum unheimliche Dinge. Die Angstzustände von Percy, Mary, ihrer Halbschwester Claire und nicht zuletzt von Polidori nehmen immer extremere Formen an. So wird Claire in einer der bekanntesten Szenen des Films von einem Ritter mit Stahlphallus verfolgt. Als Percy in einer späteren Szene auf Claire trifft, lautet ihr berühmt gewordener Satz: „Ich sagte, sieh mir in die Augen“, worauf sie auf ihre Brüste deutet, auf denen zwei Augen Percy entgegen glotzen.

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Percy Shelley (Julian Sands) liest aus dem Gespensterbuch vor; „Gothic“ 1986, Copyright: MGM.

Die Frage, die sich dem Zuschauer dabei stellt, lautet, ob durch das Laudanum, das sich alle vor der Gespensterlektüre genehmigen, bei ihnen Wahnvorstellungen ausgelöst wurden oder ob sich eine tatsächliche unheimliche Macht in das Haus geschlichen hat. Wie dem auch sei, Russell gelingt eine wahre Achterbahnfahrt der Schauerromantik, in welcher der „Sturm und Drang“ nur so gelebt wird und in der immer wieder der ein oder andere Gag auftaucht. Die Schauspieler gehen voll und ganz in ihren Rollen auf und treiben dadurch den Film auf furiose Weise voran. Timothy Spall, der in der Regel nur in Nebenrollen zu sehen ist, glänzt hier in seiner besten Rolle. Auch diverse Zitate aus anderen Horrorfilmen finden sich darin, angefangen von den Poe-Verfilmungen der 60er Jahre bis hin zu Argentos „Suspiria“. Das Großartige des Films ist jedoch, dass es dem Regisseur gelingt, all diese grotesken und unheimlichen Albtraumsequenzen mit der tatsächlichen Historie schnörkellos zu verbinden.

Zwei Jahre nach „Gothic“ wandte sich Ken Russell erneut dem Horrorgenre zu. Dieses Mal mit dem Film „Der Biss der Schlangenfrau“ nach einem Roman von Bram Stoker, der zwar ebenfalls gute Kritiken erntete, aber wie bereits bei „Gothic“ erst als Videoversion auch beim Publikum Beachtung fand.

 

 

My Bloody Valentine oder Valentinstag im Bergwerksstollen

mybloodyvalentine1981 schuf Regisseur George Mihalka einen Klassiker des Horrorfilms: „My bloody Valentine“. Der Film führt das fort, was John Carpenter im gewissen Sinne 1978 ins Leben gerufen hat: einen maskierten Mörder, der auf Teenager losgelassen wird. Doch im Gegensatz zu Carpenter in „Halloween“, geht Mihalka wesentlich drastischer vor.

Heißt der Antagonist bei John Carpenter Michael Myers, so lautet der Name des Bösewichts bei Mihalkas Film Harry Warden. Typisch für die Slasherfilme der 80er Jahre ist die Kleinstadt als Handlungsort. Bei „My bloody Valentine“ handelt es sich um  den Ort Valentine Bluffs. Hier sind vor allem Bergarbeiter zuhause. Vor mehreren Jahren gab es in der Kohlenmine einen Unfall, bei dem mehrere Arbeiter verschüttet wurden. Nur einer überlebte: Harry Warden, der sich bis zum Zeitpunkt seiner Rettung von den Leichen der anderen ernährt hat. Er kommt ins Irrenhaus und, zur Freude jeden echten Horrorfilmliebhabers, kurz vor einer von Teenagern geplanten Valentinstagsparty wieder in den Ort zurück. Er möchte eigentlich etwas ganz harmloses: die Mine verkaufen. Allerdings gefällt dies den Bewohnern des Ortes nicht. Und schon bald geschehen unheimliche Morde …

theprowlerWenn man es genau nimmt, so geht die Figur des maskierten Mörders zurück bis zu Gaston Lerouxs „Phantom der Oper“ aus dem Jahr 1910. Doch ist es bei Lerouxs Roman sowie den späteren Verfilmungen noch ein tragischer Antiheld, so wird ab den 70er Jahren daraus ein echtes Ungeheuer. Verbunden mit den Ängsten der Postmoderne, werden die Antagonisten zu identitätslosen Mördern, deren wahres Selbst verborgen bleibt. Hier spiegeln sich die Phänomene Entfremdung und Aversion wider, die vor allem moderne und postmoderne Gesellschaften prägen. Diese Angst machen sich die Horrorfilme der 70er und 80er Jahre zunutze, um den Zuschauern eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken zu jagen.

Noch mehr als in „Halloween“, nutzt „My bloody Valentine“ dies aus, da der Klassiker von 1981 den typischen Slasher-Plot mit einem kriminalistischen „Who’s done it?“ verbindet. Obwohl alle Harry Warden die Schuld geben, so könnte letztendlich jeder der Ortsbewohner der Täter sein. Wahrscheinlich ist es genau dieser Aspekt, der diesen Film intensiver wirken lässt als Carpenters „Halloween“. Denn trägt der Mörder in Carpenters Horrorstreifen lediglich eine Maske, so ist der Mörder in Mihalkas Slasher-Version ganz in eine Bergarbeiterkluft gehüllt. Sein Gesicht wird von einer Atemmaske verdeckt (eine sehr ähnliche „Verkleidung“ wird interessanterweise auch in dem Slasher „The Prowler“ aus demselben Jahr verwendet).

mybloodyvalentineremake2009 wurde ein Remake von „My bloody Valentine“ in 3D gedreht. Der Film zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Horrorfilmremakes. Die Handlung ist dieselbe wie im Original. Im Gegensatz zu anderen Horror-Remakes, versuchte hier kein Regisseur vergeblich zu zeigen, wie toll er ist, sondern man hielt sich an den Stil und die Atmosphäre des Originals, erhöhte allerdings das Tempo. So gesehen ist auch das Remake durchaus sehenswert, obwohl in Deutschland (wie soll es anders sein) nur eine gekürzte Version vorhanden ist. Die Originalfassung ist indiziert. Dasselbe gilt für die Version von 1981, die in Deutschland nur in einer geschnittenen Version erhältlich ist.

 

Wir machen bloß Spaß – Horrorkomödien der 80er Jahre

Die 80er Jahre brachten so unterschiedliche Filme wie „Re-Animator“ (1985), „Waxwork“ (1988), „Elmer“ (1988) oder schließlich „Ghostbusters“ (1984) hervor. Ihnen gemeinsam ist, dass sie im Grunde genommen Komödien sind. Die Kritik an Horrorfilmen war aufgrund des aufkommenden Videomarkts und der damit einhergehenden Direct-to-Video-Productions, welche für eine wahre Trash-Welle sorgten, besonders groß. Die Behauptung, dass dies alles bloß Spaß ist, wollten und wollen die wenigsten glauben. Betrachtet man die Filme genauer, so erkennt man, dass „Re-Animator“ sicherlich ein hervorragender Splatterfilm ist, dass er zugleich aber auch als Slapstickkomödie überzeugt. Nicht anders verhält es sich bei dem Episodenfilm „Waxwork“, der äußerst blutig erscheint, in Wahrheit jedoch einen überragenden Humor beweist. Die ungeschnittene Fassung von Frank Henenlotters „Elmer“ ist noch immer indiziert, auch wenn niemand so recht weiß, warum, handelt es sich bei diesem Kultwerk schließlich ebenfalls um eine überaus witzigen Film über unsere Spaßgesellschaft.

„Ghostbusters“ (1984) ist nicht nur Komödie, sondern auch eine Satire, welche die amerikanische Gesellschaft bloß stellt.

Einer der wenigen Produktionen, die auch beim breiten Publikum als Komödie durchging, ist „Ghostbusters“. Interessanterweise hat dieser Film keinerlei moralische Kritik geerntet, teilt er doch selbst mächtig aus. Regisseur Ivan Reitman siedelt seine Story nicht in der Vorstadt an und macht sich auch nicht über ehemalige Hippies lustig. Vielmehr steht bei ihm die amerikanische Kultur als Ganzes auf dem Servierteller und hierbei speziell die Esskultur. Auf der ersten Ebene erzählt „Ghostbusters“ die Geschichte dreier Akademiker, die von der Universität geschmissen werden und nun versuchen müssen, sich in der freien Wirtschaft zu behaupten. Auf der zweiten Ebene lässt Reitman keinen satirischen Seitenhieb aus. Angefangen vom Universitätswesen bis hin zur Stadtpolitik und Behördenwahnsinn lässt es der Film nicht an Spott und Hohn fehlen. Doch interessanterweise zielt der Film immer wieder auf das Essenverhalten ab. Der Dämon Zuul, der aus einer anderen Dimension kommt, um die Welt in Besitz zu nehmen, taucht als erstes in einem Kühlschrank auf, in dem sich vor allem Fertigprodukte sowie Coladosen befinden. Einer der Hauptszenen spielt in einem Hotel, wo die Geisterjäger ein ganzes Buffet demolieren, während sie versuchen, einen herumschleimenden Geist zu fangen. Dieser stopft sich voll mit fettigem Essen, bevor er schließlich doch noch in die Falle geht. Im Finale, in dem die Gestalt gewählt werden soll, in welcher der Dämon die Welt vernichtet, erscheint dieser schließlich in Form des „allseits beliebten Marschmallow-Manns“. Die Geisterjäger machen somit nicht nur Jagd auf echte Gespenster, sondern zugleich auf die US-amerikanische (Ess-)Kultur und entpuppen sich dadurch als wahrer Bürgerschreck, da ihnen so gut wie nichts heilig ist oder Ehrerbietung einflößt.

„Re-Animator“ (1985) kann als Satire auf die wissenschaftliche Elite bezeichnet werden.

Unter das Siegel Bürgerschreck lassen sich ebenso oben erwähnte Horrorfilme einordnen. Herbert Wests bis ins Groteske ausartende Experimente in „Re-Animator“ machen sich (für manche auf geschmacklose Weise) lustig über nach außen hin kompetent erscheinende Wissenschaftler und ziehen dadurch das Ansehen der Wissenschaft als solche durch den Kakao. Produzent Brian Yuzna und Regisseur Stuart Gordon präsentieren keine verantwortungsbewusste Wissenselite, sondern vielmehr Chaoten, die im Grunde genommen gar nicht wissen, was sie tun. Für die Beteiligten bedeutete dies natürlich nichts Gutes.

Nicht weniger amüsant verweist Frank Henenlotter mit seinem Parasiten Elmer auf die in den 80er Jahren aufgekommene Spaßgesellschaft. Brian ist ein Hedonist, dem nichts Besseres passieren kann, als von einem Parasiten befallen zu werden, der ihm Glückshormone liefert. Allerdings muss er dafür morden, um seine Belohnung zu erhalten. Zwar versucht Brian, von seiner Sucht nach Glück loszukommen, was dem Film eigentlich einen recht moralischen Anstrich gibt. Doch Elmer erweist sich jedes Mal als stärker. Für Brian wird dadurch der Spaß zur Qual. Henenlotter sieht im Vergnügen eine Sucht, die durch immer neue Anreize befriedigt werden muss. Die Spaßgesellschaft liefert sich somit dem Stress aus, nach Innovationen zu suchen, die allein dazu dienen sollen, Freude zu bringen. Nicht zuletzt führt dieses Verhalten zu Dekadenz und psychischem Verfall. Der Originaltitel „Brain Damage“ erhält in diesem Sinne eine doppelte Bedeutung.

„Waxwork“ (1988) schließt sich dem typischen Suburbia-Horror der 80er Jahre an und macht sich lustig über die Null-Bock-Generation.

Die Lust auf Spaß und Vergnügung ist auch das Grundthema von „Waxwork“, in dem ein Wachsfigurenkabinett in einer Vorstadt eröffnet wird. Die einzelnen Ausstellungsstücke zeigen die berühmtesten Psychopathen und Ungeheuer aus Legende und Wirklichkeit. Eine Gruppe Jugendlicher, die nichts mit sich anzufangen weiß, sieht darin eine lang ersehnte Abwechslung. Der Unterhaltungswert schlägt jedoch rasch um in tödliche Gefahr, da die Figuren alles andere als leblos sind. Die Fassaden der Vorstadt zeigen keine helle Freundlichkeit, sondern wirken leer und kalt, was den allgemeinen Vorstellungen einer Suburbia widerspricht. Die Kleinstadtidylle verkommt zu etwas Leblosem. In dem Wachsfigurenkabinett ist alles im gewissen Sinne spiegelverkehrt, denn hier ist das Leblose durchaus etwas Lebendiges. Dies bedeutet keinesfalls einen Vorteil. Denn auch das Vergnügen wird hier zu etwas wenig Wünschenswertem. Spaßgesellschaft und Vorstadt geraten hier auf den Prüfstand. Das Ergebnis ist ähnlich wie bei „Elmer“: eine Zunahme von Dekadenz, die im Chaos endet.

So gesehen erscheinen die Aussagen dieser Filme, trotz ihres spaßigen Charakters, überaus kritisch, um nicht zu sagen pessimistisch. Sie zeigen Gesellschaften, die sich „kaputt“ amüsieren und dabei alles andere vergessen. Ihre Aussagen passen genauso gut in die heutige Zeit. Vielleicht ist dies u. a. ein Grund dafür, weswegen sie zu Klassikern geworden sind.

Horror of the 80s – Drei (fast) vergessene Klassiker des Genres

Die Horrorfilme der 80er Jahre sind vor allem geprägt durch Slasher-Filme. Freitag der 13., Nightmare on Elmstreet oder My bloody Valentine sind nur drei Beispiele dieses Subgenres, das in jenem Jahrzehnt einen Höhenflug erlebte und, aufgrund immer obskurer werdender Plots und drastischeren Make up-Effekten, gegen Ende desselben Jahrzehnts von der Bildfläche verschwand (erst Mitte der 90er Jahre wurde es von Regisseur Wes Craven wiederbelebt und ist seitdem fester Bestandteil sog. Direct-to-Video-Produktionen). Horrorkomödien wie Ghostbusters zeigen zwar, wie erfolgreich das Horrorgenre in den 80er Jahren überhaupt gewesen ist, erscheinen zugleich aber wie eine Ausnahme innerhalb der ansonsten doch recht blutigen Filmproduktionen. Sogar die Spielberg-Produktion Poltergeist musste einen Splatter-Effekt einbauen, der überhaupt nicht zum Film passt, dennoch gewollt war, um die Erwartungen der Horrorfangemeinde zu befriedigen. Ähnlich erging es John Carpenter mit The Fog. Die in der ersten Hälfte des Films vorkommende Slasher-Szene war ursprünglich nicht geplant, wurde von den Produzenten aber verlangt, um auf diese Weise dem Trend zu folgen.

Abseits dieser Flut an Slasher-Filmen gab es dennoch immer wieder Filme, die mehr oder weniger dem Trend entsagten. Drei dieser Filme, die kurz vorgestellt werden sollen, gelten in den USA inzwischen als Klassiker, auch wenn sie in Deutschland zum großen Teil keiner mehr kennt.

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Ghost Story (1981)

1981 entstand die Produktion Ghost Story. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Peter Straub. Regie führte John Irvin, der sich nicht ganz an die Vorläge hält, dennoch einen erstklassigen Horrorfilm ablieferte. Es geht um eine Gruppe älterer Herren, die sich regelmäßig treffen, um sich Geistergeschichten zu erzählen. Gleichzeitig verbindet die Freunde ein schreckliches Geheimnis. In ihrer Jugendzeit haben sie einen Mord begangen. Eines Tages kommt einer von ihnen auf unerklärliche Weise ums Leben. Bei den übrigen Freunden führt dies zu Angst und Schrecken, glauben sie doch, dass die Frau, die sie damals umgebracht haben, auf welche Art und Weise auch immer zurückgekehrt ist. John Irvin schuf mit diesem Film eine wunderbare Schauermär, die zum Teil an die klassischen Horrorfilme der Hammer-Studios erinnert, andererseits aber auch mit dem Stil moderner Gruselfilme arbeitet. Diese Kombination geht hervorragend auf. Ghost Story ist ein sehr schöner Geisterfilm, der durchaus seinesgleichen sucht.

The Keep (1983)

Regisseur Michael Mann adaptierte 1983 einen Horrorroman von F. Paul Wilson mit dem Titel The Keep. Die Hauptrolle spielte Jürgen Prochnow. Der Film erhielt damals überaus schlechte Kritiken. Dies lieg nicht an der Machart des Films. Im Gegenteil, diese wurde sogar sehr gelobt. Die Kritiker waren über die Einbettung der Handlung in den Zweiten Weltkrieg nicht sehr erfreut. Der Film spielt in einem abgelgenen Teil Rumäniens. Deutsche Soldaten nehmen dort eine längst verlassene Festung ein. In dieser aber haust eine unheimliche Macht, welche die Einheit nach und nach dezimiert. Interessanterweise wurde der Autor Wilson dahingehend nicht kritisiert, dass die Hälfte seines Romans aus der Perspektive deutscher Wehrmachtsoldaten geschildert ist. Michael Mann hingegen wurde Geschmacklosigkeit und ein fehlendes Geschichtsbewusstsein vorgeworfen. Unabhängig davon ist The Keep in der Tat hervorragend gefilmt. Er entwickelt eine fast schon hypnotische Atmosphäre, die durch die Musik von Tangerine Dream verstärkt wird. Inzwischen gilt The Keep als Kultfilm, auch wenn eine Veröffentlichung auf DVD bisher ausgeblieben ist.

I, Madman (1989)

1989 schließlich drehte Trash-Ikone Tibor Takacs I, Madman. Der Film erschien in Deutschland unter seinem Alternativtitel Hardcover. Im Grunde genommen ist Takacs Film eine eigenwillige Liebeserklärung an Bücher im Allgemeinen und an Spannungsliteratur im Besonderen. Es geht um die Antiquarin Virginia Clayton. Dieser fällt mehr oder weniger durch Zufall ein Buch mit dem Titel „I, Madman“ in die Hände. Es geht darin um einen geisteskranken Wissenschaftler namens Dr. Kessler, der schöne Frauen umbringt, um Teile ihrer Gesichtshaut an sein eigenes Gesicht zu nähen. Was klingt wie ein abstruser Horrorschocker ist in Wahrheit eine witzige Mischung aus schwarzer Komödie, Parodie und – wie bereits erwähnt – einer eigenwilligen Inszenierung der Freude am Lesen. Wie auch The Keep gilt der Film in den USA als Klassiker des Horrorgenres. In Deutschland dagegen ist dieser Film zu Unrecht vergessen. Aus diesem Grunde hat es die seit langem in den USA veröffentlichte DVD noch immer nicht bis hierher geschafft.