Film als Erlebnis oder B-Picture der 50er: Mehr als nur Mono und Schwarzweiß

In den 50er Jahren wurde das Kino quasi neu erfunden. Der Grund: Die Zuschauerzahlen gingen rapide zurück. Das Fernsehen führte dazu, dass immer mehr Leute zuhause blieben und sich Filme und Serien in den eigenen vier Wänden ansahen. So standen vor allem die großen Produktionsfirmen vor einem Riesenproblem. Denn die Kosten für die Filme konnten nur noch schwer eingefahren werden.

50erJahre1Im selben Zeitraum kam es allerdings zu einer technischen Innovation. Zum einen experimentierten verschiedene Firmen mit 3D-Kameras und Projektoren und zum anderen revolutionierte man den Sound, indem man von Mono auf Stereo umsattelte. Das Problem war jedoch, dass dafür die Kinobesitzer ihre vorhandene Technik umrüsten mussten. Und das war teuer (manche Quellen geben einen Betrag von 100.000 Dollar an). Kleinere Lichtspieltheater konnten sich das nicht leisten. Ein weiteres Problem lag darin, dass verschiedene Produktionsfirmen mit unterschiedlichen 3D-Techniken hantierten, was im schlimmsten Fall bedeutete, dass manche Filme auf den umgerüsteten Projektoren nicht abgespielt werden konnten. Erst die Pola-Light-Linse führte dazu, dass alles wieder ins rechte Lot gerückt wurde, sodass nun, aufgrund der äußerst geringen Umrüstungskosten von ca. 100 Dollar jeder mitmachen konnte, also sowohl die großen Kinoketten als auch die privaten Lichtspielhäuser in den Seitenstraßen.

Einer der ersten 3D-Farbfilme mit Dolby Stereo-Sound war der Horrorfilm „House of Wax“ (1953), ein Remake der gleichnamigen Produktion aus den 30er Jahren. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Kabinett des Professor Bondi“. Warner entschied sich aus Kostengründen für eine Neuverfilmung. Die Rechte waren bereits im Besitz der Firma und der Originalfilm war bereits sehr erfolgreich in den Kinos gelaufen. Vincent Price spielt darin einen Bildhauer, der ein sonderbares Wachsmuseum betreibt. Manche der Figuren ähneln kürzlich Verstorbenen. Zugleich treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen in den nächtlichen Straßen der Stadt. Und schon bald wittert die Polizei einen schrecklichen Zusammenhang zwischen den Mordfällen und dem Museum.

50erJahre2Der Film war ein Riesenerfolg. Er spielte in nur einer Woche das dreifache seiner Produktionskosten wieder ein. „House of Wax“ stellte echtes Sensationskino dar. Die Story war so konzipiert worden, dass die 3D-Technik voll zur Geltung kommen konnte. Hinzu kam der Sound, der aus allen Richtungen zugleich zu kommen schien. Der Filmhistoriker Kevin Heffernan beschreibt die Wirkung der Soundeffekte in seinem Buch „Gimmicks, Ghouls, and Gold“ recht genau. In einer Szene zum Beispiel, in der ein Mann einen Stuhl in Richtung Kamera wirft, scheint der Stuhl aus der Leinwand über die Zuschauer hinweg zu fliegen. Das Aufprallen des Stuhls erklang dann aus dem rücktwärtigen Kinosaal. Der ganze Film war bespickt mit solchen Effekten.

50erJahreMan schien also einen Weg gefunden zu haben, wie man das Publikum doch noch aus dem Fernsehsessel in den Kinosaal bringen konnte. Weitere 3D-Filme mit Stereo-Sound wurden produziert. Allerdings nicht alle in Farbe. Einer der bekanntesten Filme ist „The Creature from the Black Lagoon“ (1954), dessen Erfolg zu zwei Sequels führte (beide ebenfalls in 3D). Regie führte B-Picture-Ikone Jack Arnold, der auch „It came from Outer Space“ (1953) drehte, indem ebenfalls die 3D-Effekte dazu genutzt wurden, um den Horrormomenten eine bessere Wirkung zu verleihen. 3D wurde so populär, dass im Laufe der 50er Jahre nicht nur Horror- und SF-Filme in diesem Format gezeigt wurden, sondern auch Krimis, Thriller und Dramen. Interessant ist, dass man auch den Monsterfilm „Them!“ (1954) zunächst in 3D produzieren wollte, aufgrund von Streitigkeiten zwischen Produzenten und Regisseur diese aber dann doch nicht angewandt wurde. So dürfte „Them!“ der einzige Film sein, dessen Szenenaufbau und Choreographie an einen 3D-Film erinnert, ohne aber wirklich 3D zu sein.

Der 3D-Boom ebbte Ende der 50er Jahre wieder ab. War 3D Anfang der 50er noch eine Sensation, so wurde die Sensation zur Langeweile, da sich die Effekte stets wiederholten. Also blieben die Zuschauer wieder zuhause und sahen lieber Fern. Es folgte erneut eine Krise, die dazu führte, dass die Anzahl der produzierten Filme Ende der 50er Jahre drastisch zurückging, sodass manche Kinobesitzer begannen, sich Sorgen zu machen, da sie über das Jahr hinweg nicht genügend Filme vorführen konnten. Dieses Mal retteten nicht die großen Firmen den Laden, sondern die kleinen Produktionsfirmen, die sich auf die Herstellung von Low-Budget-Filmen spezialisert hatten. Ihre Filme füllten sozusagen die Angebotslücke und beeinflussten das Filmemachen bis heute.

Text enthält Informationen aus:

Kevin Heffernan: Gimmicks, Ghouls, and Gold.

Robin Means Coleman: Horror Noire.