Tenet – Zwischen Science Fiction- und Agentenfilm

Der Protagonist (John David Washington) und sein Mitstreiter (Robert Pattinson) vor einem Rätsel; „Tenet“ (2020); © Warner

Bei Zeitreisefilmen denkt man als erstes an den Klassiker „Die Zeitmaschine“ (1960) nach dem Roman von H. G. Wells. Dass das Thema allerdings auch anders bearbeitet werden kann, zeigt Regisseur Christopher Nolan in seinem SF-Thriller „Tenet“ (2020).

Es geht um einen Protagonisten, der die Welt vor der kompletten Vernichtung retten soll. Denn der russische Oligarch Andrei Saltor ist im Besitz einer Maschine, die das Zeitgefüge verändern kann.

In „Tenet“ herrscht ein solches Durcheinander, dass man sich zunächst wundert, ob Nolan selbst noch wusste, was gerade geschieht. Doch ist dieses Chaos keineswegs negativ gemeint, denn was Nolan dabei entwirft, ist ein absolutes Highlight des Filmschaffens. Die Bilder gehen gleichzeitig vor und zurück, entwickeln einen wahren Rausch von Bewegungen, wobei Nolan gleichzeitig auf die Grundidee des Kinos verweist: eben bewegte Bilder. Nolan schafft aus dieser Grundidee einen gewitzten und überaus unterhaltsamen Film, der sich frech an James Bond anlehnt und dies mit einer fast schon klassisch anmutenden SF-Geschichte verbindet.

Auch wenn die Action im Vordergrund steht, so lässt Nolan die Handlung sich nicht auf eine 08/15-Weise entwickeln. So kommt es während der Geschichte immer wieder zu auffallenden Lücken, die im Laufe des Films jedoch nach und nach gefüllt werden. Dies gilt ebenfalls für die Figuren, deren Hintergrund zunächst unklar ist, deren Funktion und Beziehungen untereinander jedoch auf geradezu elegante Weise gelöst werden. Dadurch ergibt sich eine interessante Komplexität, die schließlich in einem absolut chaosartigen Finale gipfelt. In diesem Sinne definiert Nolan das Thema Zeitreise neu, indem er unterschiedliche Zeitstränge miteinander verknüpft und diese aus der jeweils entgegengesetzten Perspektive ablaufen lässt, was zu einer Vielzahl origineller Effekte und Zwischenfälle führt.

„Tenet“ gehört, was die Machart betrifft, mit Sicherheit zu den besten Filmen der letzten Jahre. Und die Frage, die sich am Ende stellt, lautet, ob man so etwas überhaupt noch toppen kann.

Tenet. Regie, Drehbuch, Produkion: Christopher Nolan; Darsteller: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debizki, Kenneth Branagh. USA 2020

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