Die 90er: Exotica (1994)

Christina (Mia Kirshner) erzählt ihr Geheimnis; „Exotica“ (1994); © Miramax

„Exotica“ zählt bis heute zum erfolgreichsten Film des Regisseurs Atom Egoyan. Wahrscheinlich liegt dies an der damaligen Marketingstrategie von Miramax, die den Film als Erotikthriller bewarb. Allerdings handelt es sich doch eher um ein Drama und weniger um einen Thriller.

Es geht um den Steuerprüfer Francis, der jeden zweiten Abend das Striplokal Exotica besucht, um dort die Tänzerin Christina zu treffen. Nach und nach offenbaren sich die Zusammenhänge zwischen den einzelnen, teils zwielichtigen Figuren.

Nicht nur für den Regisseur wurde „Exotica“ zum Durchbruch, sonderen ebenso für Hauptdarsteller Bruce Greenwood, der dadurch international bekannt wurde. Bei den Filmfestspielen in Cannes war der Film für die Goldene Palme nominiert, auf weiteren Filmfestivals wurde „Exotica“ mit Preisen überhäuft.

„Exotica“ ist in der Tat ein Meisterwerk, was nicht allein an der exzellenten Kameraführung liegt. Egoyan gelingt es, eine dichte, sinnliche Atmosphäre voller Geheimnisse zu kreieren, die geradezu hypnotisierend wirkt. Er erschafft dabei ein sonderbares Beziehungsgeflecht zwischen Figuren, die sich besser nie über den Weg gelaufen wären. Daraus ergibt sich nicht nur eine tiefe Tragik, sondern zugleich eine elektrisierende Spannung, die durch die sinnlichen Anspielungen noch intensiviert wird.

Doch wie gesagt, handelt es sich bei „Exotica“ nicht wirklich um einen Thriller, auch wenn er ansatzweise mit Elementen des Krimis und eben des Thrillers arbeitet. Egoyan geht es allein um die Figuren und darum, wie sich nach und nach das Labyrinth aus eigenartigen Beziehungen entwirrt. All dies geschieht auf eine äußerst kunstvolle Weise, wobei die Farbgebung, die noch einen Hauch der 80er Jahre vermittelt, einen traumartigen Rahmen schafft, so als befände man sich in Ansätzen in einer Folge der Serie Twilight Zone (witzigerweise hatte Atom Egoyan tatsächlich eine Folge der in den 80er Jahren reanimierten Serie gedreht).

„Exotica“ ist ein ruhiger Film und dennoch scheint es im Hinblick auf Konflikte regelrecht, wenn auch auf subtile Weise, zu brodeln. Man folgt wie gebannt den Figuren und fragt sich dabei, auf welche Auflösung die Geschichte hinsteuert. Dabei ist der Film dermaßen vielschichtig und voller Symbole und Themen, dass „Exotica“ allein schon dadurch fasziniert.

Exotica. Regie, Drehbuch, Produktion: Atom Egoyan, Darsteller: Bruce Greenwood, Mia Kirshner, Elias Koteas, Sarah Polley. Kanada 1994

 

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