Archive – Großartige Science Fiction mit sanften Tönen

J3 (Stacy Martin) erwacht zum Leben; „Archive“ (2020); © Capelight

Gavin Rothery arbeitete bisher als Effektkünstler beim Film. U. a. schuf er dabei die Spezialeffekte für Duncan Jones‘ wunderbaren SF-Film „Moon“. Mit „Archive“ legt Rothery nun seine erste Regiearbeit vor, einen SF-Film, der in leisen, aber eindrucksvollen Tönen sich dem Thema Mensch-Maschine annimmt.

Im Jahr 2038 lebt George Almore alleine in eine riesigen Forschungsstation in einem Waldgebiet Japans, wo er an humanoiden Robotern experimentiert. Als es ihm tatsächlich gelingt, eine Menschmaschine zu schaffen, ist das Ergebnis anders als erwartet.

Gavin Rotherty zur Seite stand der bekannte Kameramann Laurie Rose, der für das SF-Drama wundervolle Bilder einfing. Sorgfältige Bildkompositionen wechseln ab mit grazilen Kameraschwenks, was den Film allein schon deswegen zu einem visuellen Genus macht. Hierbei herrschen vor allem unterschiedliche Grautöne vor, die erstklassig Almores außergewöhnliche Situation widerspiegeln sowie die durchaus trostlose, von Konzernen beherrschte Zukunft. Stellenweise fühlt man sich an die Farbgebung von „Moon“ erinnert, was – wie oben ja bereits bemerkt – kein Wunder ist.

Almore lebt völlig alleine mit drei Robotern in der Station: dem ersten Prototyp J1, der verbesserten Version J2 und seinem Meisterstück J3. Die Maschinen sind so hoch entwickelt, dass sie nicht nur Gefühle besitzen, sondern sogar träumen können. Doch aufgrund dessen entwickelt J2 zunehmend Eifersucht gegenüber der neuesten J-Version – einem Ebenbild von Jules, Almores verstorbener Frau.

Durch diese Konstellation fühlt man sich ein wenig an den SF-Klassiker „Silent Running“ (1972) erinnert, in dem der Biologe Freeman Lowell alleine mit seinen Arbeitsrobotern durch den Weltraum gondelt. Die Situation jedoch ist natürlich eine völlig andere – ging es bei dem Klassiker um die Rettung der Natur, so geht es in „Archive“ um die Herausforderung, eine fühlende Maschine zu kreieren.

Dabei gelingen Gavin Rotherty unglaublich gute Szenen, von denen zwei geradezu perfekt sind: die eine, in der sich Almore mit dem humanen Androiden Elson in einer Bar trifft – wobei Rotherty auf gewitzte Weise „Blade Runner“ zitiert – und die zweite, in der J3 durch das Wohnzimmer tanzt. Diese zweite Szene wirkt geradezu schön und unheimlich zugleich, handelt es sich letztendlich doch um ein künstliches Wesen, um eine Maschine, die sich überaus lebendig zu den Klängen eines Popsongs bewegt.

So gut der Film als Ganzes ist, so enttäuscht dann doch die Pointe, die dem Spannungsaufbau im gewissen Sinne den Stecker zieht. Der Film als solcher jedoch besitzt eine feinfühlige, spannende und auch sinnliche Ästhetik, die einen völlig in den Bann zieht.

Eigentlich hätte der Film in die Kinos kommen sollen, doch aufgrund der bekannten Situation wurde er gleich als VOD und auf DVD veröffentlicht. Trotz der Schwäche am Ende handelt es sich um einen großartigen SF-Film. Kurz: Absolut sehenswert.

Archive. Regie u. Drehbuch: Gavin Rotherty, Produktion: Theo James, Darsteller: Theo James, Stacy Martin, Toby Jones, Hans Peterson. USA 2020, 105 Min.

 

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