FuBs Klassikbox: Wer den Wind sät (1960)

Anwalt Drummond (Spencer Tracy) und Matthew Brady (Frederic March) vor Gericht; „Inherit the Wind“ (1960); © MGM

Eigentlich hätte der Film heute gedreht werden müssen, passt er doch hervorragend in unsere Zeit. „Wer den Wind sät“ basiert zum einen auf einem Theaterstück von Jerome Lawrence und Robert E. Lee, zum anderen auf einem tatsächlichen Gerichtsfall aus dem Jahr 1925, dem sog. Affenprozess, in dem ein Lehrer angeklagt wurde, da er seinen Schülern die Entwicklungstheorie Charles Darwins beigebracht hat. Stanley Kramer führte Regie.

Der Film handelt von Bertram T. Cates, der in dem kleinen Ort Hillsboro als Lehrer tätig ist. Er wird kurzerhand angeklagt, da er im Biologieunterricht seinen Schülern beigebracht hat, dass der Mensch vom Affen abstammt. In Hillboro jedoch denken die Leute anders, sie sind fest davon überzeugt, dass Gott den Menschen erschaffen hat und die Entwicklungstheorie Teufelszeug ist. Die Bewohner ändern kein bisschen ihre Meinung, obwohl ganz Amerika sich lustig über sie macht.

Daher wird Henry Drummond als Bertrams Anwalt engagiert, um ihn zu verteidigen. Als Ankläger kommt Matthew Harrison Brady nach Hillboro, ein erzkonservativer Mann, der nicht nur nichts anderes als seine eigene Meinung gelten lässt, sondern auch streng nach dem Wort der Bibel lebt. Was sich aus dieser Ausgangssituation ergibt, ist der wohl spannendste und großartigste Schlagabtausch der Filmgeschichte.

„Wer den Wind sät“ erhielt damals nicht nur den Silbernen Bären, sondern auch den Publikumspreis bei der Berlinale und war für vier Oscars nominiert. Der Film ist das, was man anspruchsvolles Unterhaltungskino bezeichnet und präsentiert zugleich Schauspielkunst und fein geschliffene Dialoge in höchster Perfektion. Es geht nicht nur um die Gegenüberstellung zwischen Religion und Wissenschaft, sondern auch um die Dummheit der Menschen.

In dieser Hinsicht ist „Wer den Wind sät“ nicht nur ein faszinierender Gerichtsfilm, sondern zugleich eine hervorragende Satire, macht er sich doch auf köstliche Weise lustig über Kleingeistigkeit und Intoleranz, also genau diese zwei Aspekte, die heute leider vielerorts Gang und Gäbe sind.

Heute scheitert eine Diskussion in vielen Fällen daran, da die jeweiligen Gegenseiten überhaupt nicht mehr gewillt sind, dem jeweils anderen zuzuhören, sondern es wird „gecancelt“, aus Angst, sich anderen Argumenten stellen zu müssen.  Genau das zeigt bereits „Wer den Wind sät“, indem die intoleranten Ankläger keine Argumentation zulassen, damit bloß nicht das eigene kleine Weltbild in Gefahr gerät. Dennoch versucht Drummond, den Lehrer weiter zu verteidigen.

„Wer den Wind sät“ ist ein schlicht und ergreifend großartiger Film, der Vieles vorwegnimmt, was heute leider allzu aktuell ist. Vielleicht aber ist er auch deshalb aktuell, da sich die Menschen im Grunde genommen nie geändert haben.

Wer den Wind sät (OT: Inherit the Wind). Regie u. Produktion: Stanley Kramer, Darsteller: Spencer Tracy, Frederic March, Gene Kelly, Dick York, Donna Anderson. USA 1960

 

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